{"id":10096,"date":"2015-10-13T00:00:00","date_gmt":"2015-10-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/10096\/pestizide-bewilligungspraxis-ist-zu-lasch\/"},"modified":"2022-03-31T17:37:20","modified_gmt":"2022-03-31T15:37:20","slug":"pestizide-bewilligungspraxis-ist-zu-lasch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/10096\/pestizide-bewilligungspraxis-ist-zu-lasch\/","title":{"rendered":"Pestizide: Bewilligungspraxis ist zu lasch"},"content":{"rendered":"<p><b>Es zeigt sich immer mehr, dass zugelassene synthetisch-chemische Pestizide Tiere und Menschen krank machen k\u00f6nnen. Die Bewilligungspraxis muss dringend angepasst werden.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<p>Geh\u00f6ren Sie auch zu den Menschen, die davon ausgehen, dass die Beh\u00f6rden die Sicherheit von Pestiziden und deren Auswirkungen auf Menschen und Tiere sorgf\u00e4ltig \u00fcberpr\u00fcfen, eigene Tests machen, bevor sie diese bewilligen? Klingt doch logisch, und vor allem vern\u00fcnftig, weil n\u00f6tig. Doch mitnichten:\u00a0Die Bewilligungsentscheide der Beh\u00f6rden basieren nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern auf den Daten der Hersteller.<\/p>\n<p>Philippe Schenkel, Agrarexperte bei Greenpeace Schweiz, sagt:\u00a0\u00abDie Beh\u00f6rden \u2013 nicht selten Mitarbeitende mit einer Vergangenheit in der Agrochemie \u2013 erstellen Bewilligungen von Pestiziden lediglich auf Basis von Hersteller-Angaben; nicken de facto einfach Industrie-Resultate ab, ohne diese selbst \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. Das heutige Zulassungsverfahren gewichtet Wirtschaftsinteressen st\u00e4rker als den Schutz der Umwelt und unserer Gesundheit. Das ist unverantwortlich.\u00bb<\/p>\n<p>Der neue Greenpeace-Bericht\u00a0\u00abEuropas Abh\u00e4ngigkeit von Pestiziden: So sch\u00e4digt die industrielle Landwirtschaft unsere Umwelt\u00bb\u00a0untersucht den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in Europa und die daraus resultierenden weitreichenden und schwerwiegenden Auswirkungen auf die Umwelt. Der Bericht stellt fest, dass die Biodiversit\u00e4t in Europa in den letzten Jahrzehnten um fast 50 Prozent abgenommen hat und zeigt auf, dass der Pestizideinsatz f\u00fcr einen wesentlichen Teil dieses Verlustes verantwortlich ist. Er betont, wie dringend die Zulassungbestimmungen versch\u00e4rft werden m\u00fcssen, um die negativen Folgen f\u00fcr Mensch und Umwelt zu verringern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/704479a0-704479a0-greenpeace_umweltreport_pestizide_20151013.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"414\" \/><\/p>\n<p><strong>Risiko wird nachtr\u00e4glich oft anders beurteilt<\/strong><\/p>\n<p>Pestizide k\u00f6nnen bei Tieren und Menschen eine Vielzahl von subtilen und komplexen Wirkungen beispielsweise auf das Immunsystem und das Hormonsystem sowie Sp\u00e4tfolgen hervorrufen. Auch Krebs, neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson sowie Autoimmunerkrankungen werden vermehrt mit Pestiziden in Verbindung gebracht.\u00a0Risikobewertungen und Zulassungen dieser Produkte haben sich wiederholt als problematisch oder ungenau erwiesen. Zwei Beispiele gaben in j\u00fcngerer Zeit zu reden:<\/p>\n<p>Die Teilverbote der so genannten Neonicotinoide <a title=\"Syngenta-Pestizid Thiamethoxam\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/syngentas-bienenkiller-kassenschlager-in-der-\/blog\/53907\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Thiamethoxam (Syngenta)<\/a>, Imidacloprid und Clothianidin (Bayer) erfolgten erst, nachdem sich in der wissenschaftlichen Literatur die Hinweise daf\u00fcr gemehrt hatten, dass diese systemischen Insektizide schwerwiegende negative Auswirkungen auf Honigbienen und andere Best\u00e4uber haben. Die betroffenen Konzerne reagieren mit Einsch\u00fcchterungsversuchen, Klagen und Diskreditierung unabh\u00e4ngiger wissenschaftlicher Untersuchungen als \u00abunwissenschaftlich\u00bb.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel: Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Glyphosat als \u00abwahrscheinlich krebserregend\u00bb eingestuft \u2013 Jahrzehnte nach der Bewilligung durch die Beh\u00f6rden. Untersuchungen der Universit\u00e4t Leipzig bringen das Totalherbizid mit weiteren schweren Erkrankungen beim Menschen und bei Tieren\u00a0in Verbindung, unter anderem mit <a title=\"Leipziger Studie zu Glyphosat und Missbildungen bei Ferkeln\" href=\"https:\/\/www.omicsonline.org\/open-access\/detection-of-glyphosate-in-malformed-piglets-2161-0525.1000230.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Missbildungen bei Ferkeln<\/a>. In den n\u00e4chsten Monaten werden die Beh\u00f6rden sowohl in der Schweiz wie auch in der EU \u00fcber die weitere Zulassung von Glyphosat entscheiden.<\/p>\n<p><strong>Bewilligungspraxis eine Farce<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der bekannten m\u00f6glichen Gefahren von Pestiziden, die in offenen Systemen angewendet werden, m\u00fcssen alle Pestizide ein Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie eingesetzt werden d\u00fcrfen. Da f\u00fcr die Bewertungen normalerweise keine Felddaten zur Verf\u00fcgung stehen, wird auf eine mathematische Modellierung zur\u00fcckgegriffen. Die Bewilligungsentscheide der Beh\u00f6rden basieren nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern auf den Daten der Hersteller.<\/p>\n<p>Ein weiteres grosses Defizit im Regulierungssystem der EU und der Schweiz ist, dass die \u00dcberwachung neuer Pestizide oft deutlich hinter deren Einf\u00fchrung herhinkt. Probleme k\u00f6nnen deshalb nicht \u2028immer rechtzeitig erkannt werden. Das toxikologische Verhalten von Wirkstoffgemischen wird zum Beispiel kaum erforscht. Die Bewilligungsentscheidung ist gr\u00fcndlich zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Der einzig sichere Weg, die Exposition gegen\u00fcber giftigen Pestiziden zu verringern, ist die Umstellung auf einen langfristigen und nachhaltigen Ansatz in der Nahrungsmittelproduktion. Statt weiter in eine Intensiv-Landwirtschaft zu investieren, braucht es die F\u00f6rderung und Weiterentwicklung (Erforschung) \u00f6kologischer Anbaumethoden, die ohne synthetische Pestizide auskommen. Beh\u00f6rden und Politik m\u00fcssen die Lebensgrundlagen sowie die Menschen und Tiere vor den Risiken durch Pestizide sch\u00fctzen.\u00a0Es braucht einen griffigen nationalen Pestizidreduktionsplan.<\/p>\n<p>Greenpeace, die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte f\u00fcr Umweltschutz (AefU) sowie die Stiftung f\u00fcr Konsumentenschutz SKS fordern mit der Petition\u00a0<a class=\"zoom\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/glyphosat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abGlyphosat verbieten \u2013 jetzt!\u00bb<\/a>\u00a0ein Verbot von Glyphosat.\u00a0Zudem fordern die Organisationen im Sinne des Vorsorgeprinzips konkrete Reduktionsmassnahmen f\u00fcr alle Pestizide im Rahmen des nationalen Aktionsplanes Pestizide.<strong>\u00a0<\/strong>Statt weiterhin in eine Intensiv-Landwirtschaft zu investieren, braucht es die F\u00f6rderung und Weiterentwicklung \u00f6kologischer, chemiefreier Anbaumethoden, die Menschen und Tiere nicht krank machen, sondern sch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es zeigt sich immer mehr, dass zugelassene synthetisch-chemische Pestizide Tiere und Menschen krank machen k\u00f6nnen. 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