{"id":102522,"date":"2023-10-26T16:15:00","date_gmt":"2023-10-26T14:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=102522"},"modified":"2025-08-04T11:02:07","modified_gmt":"2025-08-04T09:02:07","slug":"sauerstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/102522\/sauerstoff\/","title":{"rendered":"Das faszinierende \u00d6kosystem Meer"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Den Sauerstoff f\u00fcr jeden zweiten unserer Atemz\u00fcge verdanken wir dem Meer. Doch dieses letzte grosse Gemeineigentum der Welt haben wir selbst aus dem Gleichgewicht gebracht.<\/strong><\/p>\n\n<p>Unsere Ozeane sind noch immer zu grossen Teilen unerforscht. Welche Lebewesen dort leben und wie genau, was die grossen Meeresstr\u00f6mungen beeinflusst, welche Auswirkungen die Klimakrise haben wird, wo eigentlich das ganze Plastik landet oder was Tiefseebergbau mit der Unterwasserwelt anstellen w\u00fcrde &#8211; \u00fcber all das wissen wir noch immer viel zu wenig. Forschende haben sogar mehr Erkenntnisse \u00fcber die Oberfl\u00e4che des Mondes als \u00fcber unsere eigene Tiefsee.<\/p>\n\n<p>Was wir jedoch deutlich sehen k\u00f6nnen: Unser Hunger nach Fisch, die Gier nach \u00d6l, Gas und Rohstoffen auf dem Meeresgrund, die Belastung durch Schadstoffe, die Versauerung und Erw\u00e4rmung durch die Klimakrise sowie die Verm\u00fcllung haben schon heute deutliche Spuren hinterlassen. Weltnaturerbe wie das Great Barrier Reef sind bedroht, Fischpopulationen wie die des Dorsches in der Ostsee brechen zusammen. Dabei sind die Ozeane wichtige Verb\u00fcndete im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben: Das Meer k\u00fchlt und stabilisiert das Klima, speichert W\u00e4rme und CO2, produziert dabei sogar Sauerstoff \u2013 und bietet Flora wie Fauna den gr\u00f6ssten Lebensraum auf unserer Erde. Ohne intakte Ozeane ist kein Leben auf diesem Planeten m\u00f6glich.<\/p>\n\n<p>Und wir sehen auch: Meeresschutz wirkt. Konsequent umgesetzt, kann sich die Natur erholen \u2013 im Idealfall ohne jegliche menschliche Eingriffe. Wachsende Walpopulationen, einzelne, sich langsam erholende Fischbest\u00e4nde und neues Leben an k\u00fcnstlich angelegten Riffen zeigen das. Doch der mit Abstand gr\u00f6sste Teil unserer Meere ist v\u00f6llig schutzlos und werden r\u00fccksichtslos ausgebeutet &#8211; das m\u00fcssen wir dringend \u00e4ndern!<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Meere bedeuten Artenvielfalt<\/h2>\n\n<p>Rund 70 Prozent der Erde sind von Ozeanen bedeckt. Rechnet man ihr Volumen bei durchschnittlich 3.900 Metern Meerestiefe mit ein, stellen sie \u00fcber 90 Prozent des gesamten Lebensraumes auf unserem Planeten. Darin leben laut wissenschaftlichen Sch\u00e4tzungen zwischen <a href=\"https:\/\/sustainabledevelopment.un.org\/content\/documents\/Ocean_Factsheet_Biodiversity.pdf\">500.000 und 10 Millionen Arten von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen<\/a>, die teilweise noch v\u00f6llig unbekannt sind. F\u00fcr sie sind die Ozeane \u00fcberlebenswichtig. Eine Schl\u00fcsselrolle hat dabei das pflanzliche Plankton: die mikroskopisch kleinen Algen sind die Nahrungsgrundlage f\u00fcr alle Tiere &#8211; vom winzigen Krebs oder Fisch bis hin zum grossen Wal. Denn sie bilden die Basis des Nahrungsnetzes. Aber auch f\u00fcr alle an Land lebenden Arten sind die Ozeane Lebenselixier: Das pflanzliche Plankton in den Meeren produziert durch Photosynthese bis zu drei Viertel des Sauerstoffs in der Atmosph\u00e4re.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Da Plankton Sonnenlicht braucht, kommen viele Meereslebewesen in den oberen, lichtdurchfluteten Wasserschichten vor. Mit zunehmender Tiefe nimmt das Licht ab. Bereits in 1.000 Metern Tiefe ist es stockdunkel, und der Druck der Wassers\u00e4ule betr\u00e4gt 101 bar. Das heisst, auf dem K\u00f6rper eines Lebewesens in der Tiefsee lastet ein Gewicht von 101 Kilo pro Quadratzentimeter &#8211; das ist ein 100-mal gr\u00f6sserer Gewichtsdruck als an Land. Eine unvorstellbare Zahl, vor allem, wenn man bedenkt, dass unsere Ozeane bis zu 11.000 Meter tief sein k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Doch selbst unter solch extremen Bedingungen existiert noch vielf\u00e4ltiges, geheimnisvolles Leben; im Wasser wie am Meeresboden. Tiefsee-\u00d6kosysteme wie Hydrothermalfelder oder Seeberge sind regelrechte \u201cHotspots\u201d der Artenvielfalt &#8211; sie stehen den artenreichen Korallenriffen in flachen Gew\u00e4ssern praktisch in nichts nach. Viele der nur in der Tiefsee vorkommenden Arten k\u00f6nnen auch nur dort \u00fcberleben. Beispielsweise die erst vor wenigen Jahren entdeckte kleine Tiefseekrake \u201cCasper\u201d: Sie klebt in mehr als 4.000 Metern Tiefe am Meeresgrund ihre Eier an St\u00e4ngel aus abgestorbenen Schw\u00e4mmen, die an den Manganknollen am Meeresgrund wachsen. Und zwar nur dort. Was es f\u00fcr den kleinen Casper bedeuten w\u00fcrde, wenn Manganknollen k\u00fcnftig in industriellem Stil ausgebeutet werden, ist also leicht vorstellbar.<\/p>\n\n<p>Am Ende des Nahrungsnetzes steht allzu oft der Mensch. Aktuell fischen wir unsere Meere leer: Mit industriellen Trawlern fangen wir konstant mehr Fisch, als auf nat\u00fcrlichem Wege nachgeboren wird. Dabei ist eine nachhaltige Fischerei sehr wohl m\u00f6glich: Wir m\u00fcssen im Hier und Jetzt Fischfilets wieder zur seltenen Delikatesse machen, falls wir m\u00f6chten, dass unsere Kinder und Enkel sie auch noch geniessen k\u00f6nnen. Angenehmer Nebeneffekt, wenn wir dies tun: Ohne einen Finger krumm zu machen, sch\u00fctzen wir die Meere vor Plastik &#8211; denn je weniger industrieller Fischfang betrieben wird, desto weniger Geisternetze schwimmen im Meer umher und fangen weitere Meerestiere.<\/p>\n\t\t\t<section\n\t\t\tclass=\"boxout  \"\n\t\t\t\n\t\t>\n\t\t\t<a\n\t\t\t\tdata-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n\t\t\t\tdata-ga-action=\"Image\"\n\t\t\t\tdata-ga-label=\"n\/a\"\n\t\t\t\tclass=\"cover-card-overlay\"\n\t\t\t\thref=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/atmen\/?rnw-payment_type=onetime&amp;rnw-amount=90&amp;rnw-stored_campaign_id=701090000018c1TAAQ#spenden\" \n\t\t\t><\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<img\n\t\t\t\t\t\tsrc=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2023\/09\/0a845329-atmen-2.png\"\n\t\t\t\t\t\tsrcset=\"\"\n\t\t\t\t\t\tsizes=\"(min-width: 1000px) 358px, (min-width: 780px) 313px, 88px\"\n\t\t\t\t\t\talt=\"\" title=\"\"\n\t\t\t\t\/>\n            \t\t\t<div class=\"boxout-content\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a\n\t\t\t\t\t\tclass=\"boxout-heading medium\"\n\t\t\t\t\t\tdata-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n\t\t\t\t\t\tdata-ga-action=\"Title\"\n\t\t\t\t\t\tdata-ga-label=\"n\/a\"\n\t\t\t\t\t\thref=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/atmen\/?rnw-payment_type=onetime&amp;rnw-amount=90&amp;rnw-stored_campaign_id=701090000018c1TAAQ#spenden\"\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t>\n\t\t\t\t\t\tWer atmet, braucht das Meer\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p class=\"boxout-excerpt\">Mit dem globalen Ozeanvertrag haben wir jetzt die historische Chance, umfangreiche Schutzzonen zu errichten.\u00a0Hilfst du mit?<\/p>\n\t\t\t\t                                    <a\n                        class=\"btn btn-primary\"\n                        data-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n                        data-ga-action=\"Call to Action\"\n                        data-ga-label=\"n\/a\"\n                        href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/atmen\/?rnw-payment_type=onetime&amp;rnw-amount=90&amp;rnw-stored_campaign_id=701090000018c1TAAQ#spenden\"\n                        \n                    >\n                        Jetzt spenden\n                    <\/a>\n                \t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/section>\n\t\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ozeane regulieren das Klima<\/h2>\n\n<p>Wasser hat die F\u00e4higkeit, grosse W\u00e4rmemengen aufzunehmen und nur langsam und gleichm\u00e4ssig wieder abzugeben. So gleichen die Weltmeere extreme Temperaturschwankungen auf der Erde aus. Von der Sonnenenergie, die Tag f\u00fcr Tag unseren Planeten erreicht, nehmen die Ozeane doppelt so viel auf wie Land oder Luft. Je nach Intensit\u00e4t und Dauer der Sonneneinstrahlung und je nachdem, wie viel S\u00fcsswasser die Fl\u00fcsse ins Meer transportieren, variieren Temperatur und Salzgehalt bestimmter Regionen der Weltmeere. Temperatur und Salzgehalt wiederum bestimmen die Dichte des Wassers.<\/p>\n\n<p>Kaltes, salziges Wasser besitzt eine hohe Dichte, ist also vergleichsweise schwer und sinkt in die Tiefe. Warmes Wasser ist leichter und bleibt an der Oberfl\u00e4che. So entstehen starke Umw\u00e4lzungen und Str\u00f6mungen im Meer. Wie gigantische Fliessb\u00e4nder kreisen warme und kalte Wassermassen st\u00e4ndig um die Erde und beeinflussen das Klima auf allen Kontinenten.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Einen ausgleichenden Effekt haben die Ozeane auch auf die Klimakrise: indem sie als Kohlenstoffsenken die Erderhitzung bremsen. Beispielsweise sinken tote Meerestiere auf den Meeresgrund und nehmen das in ihnen gespeicherte CO2 mit. Insbesondere Wale sind untersch\u00e4tzte CO2-Speicher. Auch der Kot der Tiere dient als Speicher in der Tiefsee. Meerespflanzen wiederum binden per Photosynthese CO2.<\/p>\n\n<p>Umgekehrt werden die Meere jedoch auch von der Klimakrise gesch\u00e4digt. Die Erhitzung macht Lebewesen, die auf gleichm\u00e4ssige Temperaturen angewiesen sind, das Leben und die Fortpflanzung schwer und zwingt sie, in k\u00fchlere Meeresgebiete umzusiedeln. Weil sich mehr CO2 im Wasser bindet, versauern die Meere &#8211; das wiederum greift die Kalkskelette von Korallen sowie Plankton an.<\/p>\n\n<p>Paradoxerweise versauert das Meer nicht nur, sondern es vers\u00fcsst auch: Die Gletscherschmelze, etwa auf Gr\u00f6nland, verringert den Salzgehalt des Wassers, was wiederum Auswirkungen auf die Str\u00f6mungen hat. Schon heute gibt es Anzeichen, dass etwa der Golfstrom durch diesen Effekt an Fahrt verliert. Ist es m\u00f6glich, dass er irgendwann stoppt, und wenn ja, wann? Das wissen wir noch nicht. Finden wir es lieber nicht heraus, indem wir es so weit kommen lassen, sondern sch\u00fctzen wir die Meere!&nbsp;<\/p>\n\n<p>Klimaschutz ist angewandter Meeresschutz. Und Meeresschutz ist letztlich auch Klimaschutz. Echte Meeresschutzgebiete, die tabu f\u00fcr jegliche menschliche Eingriffe wie Fischerei oder Rohstoffabbau sind, geben den Meeren die Chance, sich zu erholen und zu stabilisieren. Damit w\u00fcrde nicht nur das rasant fortschreitende Artensterben im gr\u00f6ssten Lebensraum der Erde gebremst und der Grundstein f\u00fcr eine nachhaltigere, bewusstere Nutzung gelegt. Damit w\u00fcrden unsere Ozeane auch widerstandsf\u00e4higer gegen die Klimakrise, und k\u00f6nnten weiterhin ihrer Klimaschutzfunktion nachkommen, CO2 aus der Atmosph\u00e4re speichern. Denn Fischkot oder tote Fische k\u00f6nnen ja nur solange auf den Ozeangrund sinken, wie es genug davon gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Sauerstoff f\u00fcr jeden zweiten unserer Atemz\u00fcge verdanken wir dem Meer. Doch dieses letzte grosse Gemeineigentum der Welt haben wir selbst aus dem Gleichgewicht gebracht.<\/p>\n","protected":false},"author":99,"featured_media":103708,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[41],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-102522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-meer","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/99"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102522"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":123790,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102522\/revisions\/123790"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103708"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102522"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=102522"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=102522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}