{"id":10301,"date":"2015-06-08T00:00:00","date_gmt":"2015-06-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/10301\/plastiksuppe-zum-weltmeertag\/"},"modified":"2019-07-09T14:06:14","modified_gmt":"2019-07-09T12:06:14","slug":"plastiksuppe-zum-weltmeertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/10301\/plastiksuppe-zum-weltmeertag\/","title":{"rendered":"Plastiksuppe zum Weltmeertag"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Am 8. Juni war Weltmeertag. Die UNO widmet dieses Jahr dem Themen-Schwerpunkt Plastikm\u00fcll. Viele Tiere leiden unter der marinen Plastiksuppe. Sinnbild f\u00fcr die Plastikverschwendung und -verschmutzung: der Einwegsack.\u00a0<\/b><\/p>\n\n<p>TaucherInnen weltweit treffen immer \u00f6fter auf Tiere, an denen Plastikabf\u00e4lle h\u00e4ngen bleiben \u2013 Walhaie zum Beispiel, oder Schildkr\u00f6ten und Delfine. ForscherInnen finden gestrandete Wale, deren Darm zugestopft ist mit Plastikm\u00fcll. Oder verhungerte Albatrosse, die soviel Plastik im Magen haben, dass sie nichts mehr fressen k\u00f6nnen. Unsere Meere verkommen zum Plastikendlager. Jedes Jahr verenden allein \u00fcber eine Million Seev\u00f6gel und 100\u2019000 Meeress\u00e4uger qualvoll durch den M\u00fcll, der in unseren Meeren treibt \u2013 gigantische Plastiksuppen. Die Tiere ersticken in Sechserpacktr\u00e4gern, strangulieren sich mit treibenden Netzresten oder verhungern, weil ihre Verdauungsorgane mit Plastik gef\u00fcllt sind.&nbsp;Nicht nur f\u00fcr zahlreiche Meerestiere birgt das Gefahren. Sp\u00e4testens \u00fcber die Nahrungskette landen Kunststoffpartikel samt Giftfracht wieder beim Verursacher.&nbsp;Die Politik hat das Problem lange ignoriert.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/Templates\/Planet3\/Pages\/www.un.org\/en\/events\/oceansday\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die UNO nimmt sich ihm jetzt an.<\/a>&nbsp;L\u00f6sungen liegen allerdings keine auf dem Tisch \u2013 obwohl sie dringend n\u00f6tig sind.<\/p>\n\n<p>Ob als unsichtbares Mikroplastik oder riesige Geisternetze \u2013&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/forscher-warnen-plastik-erstickt-die-welt\/blog\/52119\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Plastikm\u00fcll im Meer ist ein globales Umweltproblem<\/a>. Allein von Land aus gelangen j\u00e4hrlich bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabf\u00e4lle in die Ozeane.&nbsp;R\u00fcckst\u00e4nde finden sich in allen Meeren, vom Nordpol bis zum S\u00fcdpol, in K\u00fcstenn\u00e4he und auf offenem Meer. Erhebliche Mengen sammeln sich in grossen Str\u00f6mungswirbeln der Ozeane. Reste bedecken aber auch den Meeresboden und stecken in den Sedimenten. Nach einer Untersuchung der Abfallstr\u00f6me in 192 K\u00fcstenl\u00e4ndern warnten australische und US-amerikanische ForscherInnen&nbsp;<a href=\"http:\/\/news.sciencemag.org\/earth\/2015\/02\/here-s-how-much-plastic-enters-ocean-each-year\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in der Fachzeitschrift \u00abScience\u00bb<\/a>: Werde der Plastikverbrauch nicht erheblich reduziert oder die Abfallbeseitigung verbessert, k\u00f6nne der Anteil bis zum Jahr 2025 auf etwa 155 Millionen Tonnen steigen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geisternetze erschrecken die Tiere<\/h2>\n\n<p>Die Entsorgung von ausgedienten Fischfangger\u00e4ten an Land kostet. Kein Wunder also, dass das eine oder andere Netz klammheimlich unter Wasser entsorgt wird.&nbsp;Fischereir\u00fcckst\u00e4nde machen etwa zehn Prozent des Plastikm\u00fclls im Meer aus. Die treibenden Netze werden zu t\u00f6dlichen Fallen f\u00fcr die Meeresbewohner. Kunststoff-Stellnetze zum Beispiel, die in \u00fcber 1000 Meter Tiefe ausgebracht werden, gehen leicht verloren. Plastikplanen bedecken Korallenst\u00f6cke, Schw\u00e4mme oder Muschelb\u00e4nke und verhindern so deren Besiedlung. Verdeckt von den Planen sind die Meeresorganismen vom Sauerstoffaustausch abgeschnitten und ersticken. Gef\u00e4hrdet sind auch seltene Kaltwasser-Korallenriffe.&nbsp;Hier fehlt es klar an einer gesetzlichen Regelung. W\u00fcrden die Netze zum Beispiel verbindlich mit Ortungssendern versehen, k\u00f6nnten sie auch sp\u00e4ter gefunden und geborgen werden.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die unsichtbare Gefahr in Alltagsutensilien<\/h2>\n\n<p>Mit einem Aktionsplan wollen die G7-Staaten ab sofort gemeinsam gegen die Verm\u00fcllung der Meere vorgehen, insbesondere durch Plastikabf\u00e4lle. Das kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Sogar eine \u00abweltweite Bewegung\u00bb wollen die Staats- und Regierungschefs starten. Ungewohnt k\u00e4mpferische Worte in einem politischen Beschlusstext, aber sie geben Hoffnung. Um die Plastikflut einzud\u00e4mmen, m\u00fcssen alle an einem Strang ziehen: Politik, Wirtschaft, Forschung und KonsumentInnen. Geplant sind konkrete Massnahmen zur Vermeidung, Reduzierung und Beseitigung von M\u00fcll im Meer. Im Einzelnen sind diese zwar noch ausbauf\u00e4hig, aber generell eine gute Basis. Auch die Schweiz muss ihren Beitrag leisten, und erst einmal den Plastikm\u00fcll vor der eigenen Haust\u00fcr angehen! Allerdings wird auch dieser Aktionsplan nicht an Worten, sondern an den Taten gemessen.<\/p>\n\n<p>Plastiks\u00e4cke&nbsp;sind das klassische Symbol f\u00fcr die Verm\u00fcllung der Meere. Und doch bleibt der schnelle Griff zu Einwegs\u00e4cken, die auf Basis von \u00d6l hergestellt werden, f\u00fcr viele noch immer normal \u2013 an der Kasse und als Gipfel der Absurdit\u00e4t besonders am Obst- und Gem\u00fcseregal. Die Politik hat das Problem europaweit erkannt, doch bei der konsequenten gesetzlichen L\u00f6sung hapert es. Die EU verlangt, den Jahresverbrauch bis 2025 auf unter 40 S\u00e4cke pro Kopf zu reduzieren. Ambitioniert ist das nicht. Und die Schweiz? Das angek\u00fcndigte Verbot verz\u00f6gert sich auf unbestimmte Zeit.<\/p>\n\n<p>Fast noch gef\u00e4hrlicher ist Mikroplastik: Die winzigen Teilchen verschmutzen Ozeane, Seen und Fl\u00fcsse. Schuld sind vor allem Gegenst\u00e4nde des Alltags: Kosmetika, Reinigungsmittel, Kunstfasertextilien, Autoreifen, Flaschen, Verpackungen und S\u00e4cke. So werden zum Beispiel aus einem einzigen Fleece-Pullover pro Waschgang \u00fcber 1900 Fasern herausgeschwemmt. Das Problem: Plastik enth\u00e4lt Giftstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel.&nbsp;Winzige Teile k\u00f6nnen \u00fcber die Nahrungskette auch in den menschlichen K\u00f6rper gelangen. Was sie dort anrichten, ist nahezu unerforscht.&nbsp;Plastik enth\u00e4lt oft Zusatzstoffe, die dem Produkt gew\u00fcnschte Eigenschaften verleihen, aber Menschen und Tieren schaden k\u00f6nnen. Bisphenol A, Phthalate (Weichmacher) und bromierte Flammschutzmittel k\u00f6nnen die Sexualentwicklung beeintr\u00e4chtigen, das Erbgut sch\u00e4digen bzw. krebserregend wirken. Und: Der Plastikm\u00fcll saugt gef\u00e4hrliche Umweltgifte wie DDT oder PCB wie ein Schwamm auf. Diese dringen ins Fettgewebe von Wasserorganismen ein.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Verschwendung muss gestoppt werden<\/h2>\n\n<p>Die Verschmutzung der Meere f\u00fchrt jedes Jahr zu enormen wirtschaftlichen Sch\u00e4den. Tourismusgebiete sind bedroht, Str\u00e4nde m\u00fcssen st\u00e4ndig ges\u00e4ubert werden, der M\u00fcll verf\u00e4ngt sich regelm\u00e4ssig in Schiffsschrauben und Fischernetzen. Auch die Landwirtschaft leidet unter verschmutztem Weideland in K\u00fcstenn\u00e4he. Bei Kraftwerken verursacht der M\u00fcll Sch\u00e4den bei der K\u00fchlwasseraufnahme, bei Entsalzungsanlagen blockiert er den Wasserkreislauf.<\/p>\n\n<p>Greenpeace hatte anl\u00e4sslich der Schiffstour&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Uber-uns\/Medienstelle\/News\/oceans\/plastikmuell-bedroht-groesstes-meeresschutzgebiet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abSOS Weltmeer\u00bb<\/a>&nbsp;bereits 2006 auf das Problem hingewiesen. Plastik ist oft n\u00fctzlich und lange im Einsatz. Aber der gedankenlose, verschwenderische Umgang mit Plastik muss gestoppt werden! \u00abNeun von zehn Plastiks\u00e4cken werden nur ein einziges Mal benutzt, bevor sie auf dem M\u00fcll landen\u00bb, sagt Carmelina Bonanno&nbsp;von Greenpeace Schweiz. \u00abGratisplastiks\u00e4cke und Mikroplastik in Kosmetika m\u00fcssen verboten werden. Und es braucht Massnahmen zur Reduktion von Plastikverpackungen im Handel.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. Juni war Weltmeertag. Die UNO widmet dieses Jahr dem Themen-Schwerpunkt Plastikm\u00fcll. Viele Tiere leiden unter der marinen Plastiksuppe. 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