{"id":105387,"date":"2024-01-11T14:51:04","date_gmt":"2024-01-11T13:51:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=105387"},"modified":"2024-01-11T14:51:07","modified_gmt":"2024-01-11T13:51:07","slug":"land-und-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/105387\/land-und-freiheit\/","title":{"rendered":"Land und Freiheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie Brasiliens Landlose zur gr\u00f6\u00dften sozialen Bewegung Lateinamerikas wurden und heute mit Bio-Lebensmitteln erfolgreich sind.<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Blick \u00fcber das Land von Sirley Gil ist malerisch. \u00abWir haben Frieden\u00bb, sagt sie. \u00abEndlich!\u00bb Die 54-J\u00e4hrige hat mit ihrem Mann ein Haus auf einem H\u00fcgel gebaut. Von hier oben schaut man auf einen Fischteich, auf dem Enten und G\u00e4nse schwimmen. Auf dem gegen\u00fcberliegenden Hang erstreckt sich ein Gem\u00fcsegarten, in dem Kohl, Karotten, Rote Beete und Spinat wachsen. Etwas abseits grasen ein paar K\u00fche. Die Szenerie ist eingefasst von dunklem atlantischen Regenwald, der hier in den Bergen bei dem Ort Pira\u00ed rund zwei Stunden von Rio de Janeiro entfernt einst alles bedeckte.<\/p>\n\n<p>23 Hektar Land besitzen Sirley Gil und ihr Mann. Auf weiteren abgelegenen Parzellen pflanzen sie Bananen, Limonen, Bohnen, S\u00fc\u00dfkartoffeln und Maniok. Die Gils z\u00e4hlen zu Brasiliens mehr als f\u00fcnf Millionen Kleinbauern und -b\u00e4uerinnen, die im Gegensatz zur m\u00e4chtigen Agrarindustrie, die mit ihren gigantischen Fl\u00e4chen vor allem f\u00fcr den Export produziert, Lebensmittel f\u00fcr die Brasilianer:innen anbauen.<\/p>\n\n<p>F\u00fcr Sirley Gil und ihren Mann, der heute in der Stadt zu tun hat, ist mit dem eigenen Hof ein Traum in Erf\u00fcllung gegangen. \u00abVor rund 15 Jahren besa\u00dfen wir keinen Quadratmeter Land\u00bb, sagt sie. \u00abWir waren Landlose.\u00bb Sie z\u00e4hlten zu den Hunderttausenden Brasilianer:innen, die gerne landwirtschaftlich t\u00e4tig w\u00e4ren, aber keinen Boden haben.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2843-1-1024x683.jpg\" alt=\"Sirley Gil auf ihrem St\u00fcck Land in den Bergen Brasiliens. \u00a9 Ian Cheibub\" class=\"wp-image-105465\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2843-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2843-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2843-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2843-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2843-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sirley Gil auf ihrem St\u00fcck Land in den Bergen Brasiliens. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2810-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-105480\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2810-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2810-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2810-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2810-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2810-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auch Pferde, K\u00fche, Hunde, etc. geh\u00f6ren zum Hof der Kleinb\u00e4uerin. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Brasiliens Landlosenbewegung<\/h2>\n\n<p>Wie viele andere Landlose lebten die Gils an der Peripherie einer Stadt und in l\u00e4ndlichen Armensiedlungen. Sie hielten sich mit Gelegenheitsjobs \u00fcber Wasser, arbeiteten als Tagel\u00f6hner:innen. Es schien unm\u00f6glich zu sein, ein St\u00fcck Land zu ergattern, obwohl Brasilien, das 206 Mal so gro\u00df ist wie die Schweiz, enorm viele fruchtbare Fl\u00e4chen besitzt. Schlie\u00dflich schlossen sie sich der Bewegung der Landarbeiter:innen ohne Boden (Movimento dos Sem Terra<em>, <\/em>MST) an. \u00abOhne die MST w\u00fcrde ich wahrscheinlich in einer winzigen Sozialwohnung in der Stadt leben\u00bb, sagt Sirley Gil. \u00abIch h\u00e4tte einen Haufen Enkel, Bluthochdruck und Depressionen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Die MST, in der Landlose gemeinsam um ein St\u00fcck Scholle streiten, ver\u00e4nderte nicht nur das Leben von Sirley Gil. Rund eine halbe Million Familien haben durch die Organisation in den vergangenen Jahrzehnten Land erhalten. \u00abLand bedeutet nicht nur Arbeit und gesunde Nahrung, sondern auch W\u00fcrde, Teilhabe und Gemeinschaft\u00bb, sagt Sirley Gil. Die Bewegung entstand 1984 noch w\u00e4hrend der Milit\u00e4rdiktatur, um f\u00fcr eine Landreform zu k\u00e4mpfen. Hervorgegangen aus verschiedenen Bauernbewegungen, liegen ihre ideologischen Wurzeln in der katholischen Befreiungstheologie und dem Marxismus. Heute ist die MST die gr\u00f6\u00dfte soziale Bewegung Lateinamerikas.<\/p>\n\n<p>In mehr als 2000 Agrargemeinschaften und Kooperativen bauen MST-Bauern und -B\u00e4uerinnen vorrangig Bio-Lebensmittel an. So ist die Landlosenbewegung heute beispielsweise die gr\u00f6\u00dfte Produzentin von Bio-Reis in Lateinamerika. Auch Sirley Gil ist stolz darauf, dass sie auf ihrem Hof keine Pestizide oder k\u00fcnstliche D\u00fcnger einsetzt, \u00abbei uns sind Hof und Natur im Gleichgewicht\u00bb, sagt sie. \u00abAber wir k\u00f6nnten uns auch keinen Kunstd\u00fcnger leisten\u00bb, schr\u00e4nkt sie ein. Der Verkauf ihrer Agrarerzeugnisse \u00fcber die Kooperative bringt ihr pro Monat nur umgerechnet rund 350 Euro ein. Andererseits muss sie kaum Lebensmittel kaufen, weil sie Gem\u00fcse, Salat, Kartoffeln, Fr\u00fcchte, Milch und Eier selbst produziert. Mietkosten hat sie keine. Sie sagt, dass sie noch nie so gl\u00fccklich, gesund und stolz gewesen sei.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2879-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-105468\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2879-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2879-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2879-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2879-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2879-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auf dem Akcer von Sirley Gil helfen auch die Kinder bereits mit. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Es mag auch mit dem Erfolg der MST zu tun haben, dass sie von Brasiliens Gro\u00dfbauernschaft und den Anh\u00e4ngern des ultrarechten Ex-Pr\u00e4sidenten Jair Bolsonaro regelrecht gehasst und bek\u00e4mpft wird. Er versprach im Wahlkampf mit der MST \u00abSchluss zu machen\u00bb. Derzeit tagt in Brasilia ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, der von bolsonaristischen Abgeordneten durchgesetzt wurde, die nachweisen wollen, dass die MST eine \u00abkriminelle Organisation\u00bb sei, die den l\u00e4ndlichen Raum \u00abterrorisiere\u00bb.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ungleichgewicht in der Bodenverteilung<\/h2>\n\n<p>Bei der Frage der Bodenverteilung prallen in Brasilien zwei Weltanschauungen aufeinander. Fast nirgends auf der Welt ist der fruchtbare Boden so ungerecht verteilt wie hier. Die Konzentration des Landes in den H\u00e4nden weniger ist ein Erbe der Kolonialzeit, als die Portugies:innen riesige Fl\u00e4chen unter sich aufteilten. Im 20. Jahrhundert vergaben verschiedene Regierungen Land, das oft Indigenen geh\u00f6rte, an europ\u00e4ischst\u00e4mmige Siedler:innen und Unternehmen. Es tauchten Landr\u00e4uber auf, die sich mittels Korruption \u00f6ffentlichen Grund aneigneten. Heute sind Fl\u00e4chen von der Gr\u00f6\u00dfe der Niederlande in den H\u00e4nden von Privatleuten und Konzernen, w\u00e4hrend Hunderttausende Brasilianer:innen nichts haben. Eine Studie belegte 2020 das Ungleichgewicht: Zweidrittel von Brasiliens Agrarfl\u00e4che geh\u00f6ren nur rund zehn Prozent der Agrarwirte, w\u00e4hrend sich 90 Prozent der Bauernschaft das restliche Drittel teilen muss.<\/p>\n\n<p>Ein Mittel zur Durchsetzung ihrer Forderungen ist f\u00fcr die MST die Besetzung von L\u00e4ndereien, die als \u00abunproduktiv\u00bb gelten, die also brach liegen und ihre in der Verfassung vorgeschriebene \u00absoziale Funktion\u00bb nicht erf\u00fcllen. Brasiliens Gesetz er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit zur Enteignung dieser L\u00e4ndereien und ihrer \u00dcberf\u00fchrung in das Institut f\u00fcr Agrarreform (Incra). Aber in der Praxis passiert dies selten. Eine Agrarreform kommt seit Jahrzehnten nicht voran, weil die m\u00e4chtige Agrarindustrie sich dagegen stemmt. Zahlreiche Abgeordnete und Landesgouverneure sind selbst Gro\u00dfgrundbesitzer oder werden von der Industrie bezahlt. In ihren Kreisen ist es \u00fcblich, von MST-Mitgliedern als \u00abvagabundos\u00bb zu sprechen, Faulenzern und Verbrecherinnen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2816-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-105477\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2816-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2816-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2816-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2816-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2816-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eine Fahne der Landlosenbewegung h\u00e4ngt an einer Bauernh\u00fctte. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Auch vor Gewalt schrecken einzelne Agrarwirt:innen nicht zur\u00fcck. Tausende Kleinbauernf\u00fchrer:innen wurden in Brasilien in den vergangenen Jahrzehnten ermordet. 1996 erschossen Polizisten 19 Landlose im Bundesstaat Par\u00e1. Es war das gr\u00f6\u00dfte Massaker an MST-Mitgliedern. Obwohl die Situation sich gebessert hat, werden bis heute Landlosen-Sprecher:innen bedroht und leben in Angst. Ex-Pr\u00e4sident Jair Bolsonaro liberalisierte den Waffenbesitz auch mit dem Argument, dass Gro\u00dfbauern- und b\u00e4uerinnen sich besser verteidigen k\u00f6nnen sollten.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr eine gerechtere Gesellschaft<\/h2>\n\n<p>Die MST-Siedlung von Sirley Gil hei\u00dft Paz na Terra (Frieden auf Erden) und ist die Heimat von 32 Familien, die sich insgesamt 400 Hektar teilen. Damit ist sie eine relativ kleine Siedlung, in den gr\u00f6\u00dften leben rund 2000 Familien. Das h\u00fcgelige Land, durch das ein paar Staubstra\u00dfen f\u00fchren, geh\u00f6rte einst einem Gro\u00dfgrundbesitzer, der wegen Sklavenarbeit verurteilt und enteignet wurde. Das Incra verteilte es an die Bauern und B\u00e4uerinnen der Landlosenbewegung, die ein Protestcamp errichtet hatten.<\/p>\n\n<p>\u00abDurch unsere Besetzungen \u00fcben wir Druck aus, damit etwas geschieht\u00bb, sagt Celso Alves. Der 54-J\u00e4hrige lebt mit seiner Frau und zwei kleinen S\u00f6hnen in der benachbarten Landlosen-Siedlung Roseli Nunes, benannt nach einer 1987 ermordeten MST-F\u00fchrerin. Alves stammt aus Brasiliens S\u00fcden, wo viele Bauern und B\u00e4uerinnen von der Soja- und Zuckerindustrie verdr\u00e4ngt wurden. Er schloss sich 1993 der Bewegung an. Heute baut er auf seinem Hof Gem\u00fcse, Fr\u00fcchte und Wurzelgem\u00fcse an, h\u00e4lt Schweine und H\u00fchner.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2726-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-105471\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2726-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2726-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2726-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2726-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2726-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Cleso Alves mit einem seiner S\u00f6hne beim Mittagessen in seinem Haus. @Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2570-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-105474\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2570-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2570-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2570-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2570-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/01\/20230718-3U2A2570-1-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Bauer pflanzt auf seinem Grundst\u00fcck untere anderem auch Bananen an. \u00a9 Ian Cheibub<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Alves ist einer der MST-Koordinator:innen in der Region und hat eine Art Ausbildung durchlaufen. \u00abEs geht in der Bewegung nicht nur ums Land\u00bb, sagt er. \u00abSondern darum, politisches Bewusstsein zu schaffen.\u00bb Sie organisiert regelm\u00e4\u00dfig Jugendcamps, es gibt politische Schulungen und Kurse, etwa in \u00f6kologischer Landwirtschaft oder Verwaltung. Alves reiste schon zum Austausch mit Partnerorganisationen nach Mosambik und Guatemala. \u00abOhne Bildung bleibst du ein Sklave der Verh\u00e4ltnisse\u00bb, sagt er. Weil in MST-Camps auch die Internationale gesungen und eine klassenk\u00e4mpferische Rhetorik gepflegt wird, wirft die Rechte ihr oft vor, einen kommunistischen Umsturz anzustreben. \u00abWir wollen keine Diktatur\u00bb, sagt Alves, \u00absondern eine gerechtere und damit demokratischere Gesellschaft.\u00bb<\/p>\n\n<p>Die Siedlung Roseli Nunes ist mehr als 1000 Hektar gro\u00df, aber 700 davon sind ein Waldschutzgebiet und werden nicht angetastet. Das Land geh\u00f6rte fr\u00fcher einem Industrieunternehmen, das es nicht nutzte. Deswegen wurde es von Alves und anderen MST-Mitgliedern besetzt. Nach Klagen der Firma wurden sie mehrfach von der Polizei vertrieben, bis das Incra 2006 einer Enteignung zustimmte. \u00abDie Verteilung des Landes folgt genauen Kriterien\u00bb, erkl\u00e4rt Alves. Eine Familie, deren Land n\u00e4her an der n\u00e4chsten Stadt liege, bekomme weniger Fl\u00e4che als eine mit schlechterem Marktzugang. Auch die Bodenqualit\u00e4t spiele eine Rolle. \u00abEs soll gerecht zugehen\u00bb, sagt er. Die Bauern und B\u00e4uerinnen k\u00f6nnen sich dann entscheiden, der MST-Kooperative beizutreten und ihre Produkte gemeinschaftlich zu vermarkten, Maschinen und Treibstoff zu teilen, aber es ist nicht obligatorisch. \u00abViele arbeiten lieber f\u00fcr sich alleine, es steht jedem frei\u00bb, sagt Alves.<\/p>\n\n<p>Jeden Samstag bringt er seine Produkte zum MST-Gemeinschaftshaus mit dem gro\u00dfen Ch\u00e9-Guevara-Konterfei an der Wand, von wo ein VW-Bus sie auf M\u00e4rkte oder in die Gesch\u00e4fte ausliefert, die die Bewegung mittlerweile in vielen St\u00e4dten unterh\u00e4lt. Auch \u00fcbers Internet lassen sich saisonale Lebensmittel bei den Landlosen bestellen. W\u00e4hrend der Corona-Pandemie spendeten sie Tonnen davon an Bed\u00fcrftige. Es ist eine Praxis, die die Bewegung auch beibeh\u00e4lt, wenn Menschen nach Naturkatastrophen schnelle Hilfe ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n<p>Als der MST-Untersuchungsausschuss in Brasilia k\u00fcrzlich mit Pedro Stedile ein Gr\u00fcndungsmitglied vorlud, versuchten rechte Abgeordnete ihm nachzuweisen, dass er eine kriminelle Organisation anf\u00fchre, die illegal L\u00e4ndereien besetze. \u00abWenn ihr wirklich wollt, dass die MST verschwindet, macht eine Agrarreform\u00bb, sagte er. Und wies auf einen der gro\u00dfen Widerspr\u00fcche Brasiliens hin. \u00abWarum gibt es so viele Arme auf dem Land, w\u00e4hrend die Agrarindustrie immer reicher wird?\u00bb<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p><strong>Philipp Lichterbeck<\/strong>, Jahrgang 1972, lebt seit 2012 in Rio de Janeiro. Der freie Korrespondent und Reporter berichtet f\u00fcr deutsche, schweizerische und \u00f6sterreichische Medien \u00fcber Brasilien und den Rest Lateinamerikas. 2013 erschien sein Buch \u00abDas verlorene Paradies. Eine Reise durch Haiti und die Dominikanische Republik\u00bb.<\/p>\n\n<p><strong>Ian Cheibub<\/strong>\u00a0(geb. 1999) ist ein visueller Geschichtenerz\u00e4hler, der in Rio de Janeiro lebt und an der Universidade Federal Fluminense studierte. Er arbeitet als Fotograf f\u00fcr Reuters und berichtet f\u00fcr andere Medien \u00fcber Geschichten in Brasilien. In seiner Arbeit versucht er zu verstehen, welche Mechanismen die Menschen aus dem Globalen S\u00fcden entwickeln, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n\t\t\t<section\n\t\t\tclass=\"boxout post-548 \"\n\t\t\t\n\t\t>\n\t\t\t<a\n\t\t\t\tdata-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n\t\t\t\tdata-ga-action=\"Image\"\n\t\t\t\tdata-ga-label=\"n\/a\"\n\t\t\t\tclass=\"cover-card-overlay\"\n\t\t\t\thref=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/spenden\/\" \n\t\t\t><\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t<img\n\t\t\t\t\t\tsrc=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/6e78448c-gletschermontage_06_quer2_rgb-1-e1562592087293-1024x374.png\"\n\t\t\t\t\t\tsrcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/6e78448c-gletschermontage_06_quer2_rgb-1-e1562592087293-300x110.png 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/6e78448c-gletschermontage_06_quer2_rgb-1-e1562592087293-768x280.png 768w, 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Umweltschutz\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p class=\"boxout-excerpt\">Spende jetzt und unterst\u00fctze Greenpeace in unserem Engagement f\u00fcr die Umwelt.<\/p>\n\t\t\t\t                                    <a\n                        class=\"btn btn-primary\"\n                        data-ga-category=\"Take Action Boxout\"\n                        data-ga-action=\"Call to Action\"\n                        data-ga-label=\"n\/a\"\n                        href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/spenden\/\"\n                        \n                    >\n                        Mitmachen\n                    <\/a>\n                \t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/section>\n\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Brasiliens Landlose zur gr\u00f6\u00dften sozialen Bewegung Lateinamerikas wurden und heute mit Bio-Lebensmitteln erfolgreich 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