{"id":107729,"date":"2024-04-29T14:07:44","date_gmt":"2024-04-29T12:07:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=107729"},"modified":"2024-04-29T14:08:17","modified_gmt":"2024-04-29T12:08:17","slug":"der-kampf-um-den-victoriasee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/107729\/der-kampf-um-den-victoriasee\/","title":{"rendered":"Der Kampf um den Victoriasee"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Umweltverschmutzung und \u00dcberfischung bedrohen das gr\u00f6sste S\u00fcsswassersystem Afrikas \u2013 und damit die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Rasante Verst\u00e4dterung und mangelhafte Infrastruktur zerst\u00f6ren den Lebensraum von einst Hunderten von Fischarten im Victoriasee. Bei der Bek\u00e4mpfung des Problems bringen Grossinvestitionen von Entwicklungsbanken bisher wenig Erfolg. <\/strong><\/p>\n\n<p>Einst galt er als \u00abDarwins Dream Pod\u00bb, ein Biodiversit\u00e4tswunder mit \u00fcber 500 endemischen Fischarten wie Buntbarsche und anderen Wasserorganismen: Der Victoriasee in Ostafrika. Mit einer Fl\u00e4che von 68 000 Quadratkilometern ist er der zweitgr\u00f6sste S\u00fcsswassersee der Welt und bildet f\u00fcr rund 50 Millionen Menschen in der Region eine wichtige Lebensgrundlage. Circa acht Millionen Leute h\u00e4ngen direkt von kleinbetrieblicher Fischerei ab.<\/p>\n\n<p>Exzessive Export-Fischerei und kontinuierliche Einleitung von N\u00e4hrstoffen und Chemikalien aus Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalten entlang der \u00fcber zwanzig Zufl\u00fcssen haben das \u00f6kologische Gleichgewicht des einst fischreichsten Sees inzwischen zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Schattenwirtschaft bl\u00fcht<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die Fischereikommission der Anrainerstaaten Uganda, Tansania und Kenia schlug in ihrem j\u00fcngsten Bericht Alarm: Der illegale Fang von Nilbarsch-Brutbest\u00e4nden und Jungfischen bedroht das \u00dcberleben des beliebtesten Speisefisches im Victoriasee. In Ostafrika weitet sich eine neue lukrative Schattenwirtschaft rund um die Schwimmblase des Nilbarsches aus, die auf dem asiatischen Markt in getrockneter Form als Delikatesse gehandelt wird. In China spricht man ihr gar aphrodisierende Eigenschaften zu.<\/p>\n\n<p>Schwimmblasen werden von Meeres- wie auch S\u00fcsswasserfischen gewonnen. Der L\u00f6wenanteil der aus Afrika importierten S\u00fcsswasser- Fischblasen stammt aus dem Victoriasee, wo wachsende Kartelle aus lokalen Fischern und internationalen H\u00e4ndlern auf diese Weise ein Vielfaches vom \u00fcblichen Marktwert des Nilbarschs erwirtschaften.<\/p>\n\n<p>W\u00e4hrend ein Kilogramm Nilbarsch f\u00fcr rund f\u00fcnf Dollars gehandelt wird, geht ein Kilogramm Schwimmblasen f\u00fcr etwa 500 Dollar an lokale Zwischenh\u00e4ndler. 2018 wurden Fischblasen im Wert von rund 52 Mio $ aus Uganda nach Asien exportiert, gem\u00e4ss Berichten von NGOs.<\/p>\n\n<p>\u00abUm die schwindenden Fischbest\u00e4nde zu sch\u00fctzen, w\u00e4ren Fangquoten und vereinheitlichte Richtlinien in der Fischwirtschaft notwendig\u00bb, sagt Willis Oukumu von ENACT, einer panafrikanischen Organisation im Kampf gegen internationale Schmuggler-Kartelle. \u00abDie Staaten wollen aber in erster Linie ihre eigenen M\u00e4rkte sichern anstatt zu kooperieren.\u00bb Uganda hat beispielsweise 2023 den Export von Schwimmblasen reguliert, um mehr Profite aus Fischerei zu erwirtschaften, w\u00e4hrend der Handel in Kenia und Tansania nach wie vor illegal ist. \u00abDies \u00f6ffnet T\u00fcren f\u00fcr illegale Machenschaften und korrumpiert Vorsteher von Fischereiverb\u00e4nden.\u00bb<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/df1f2958-01-002-bukoba-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-107756\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/df1f2958-01-002-bukoba-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/df1f2958-01-002-bukoba-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/df1f2958-01-002-bukoba-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/df1f2958-01-002-bukoba-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/df1f2958-01-002-bukoba-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/df1f2958-01-002-bukoba-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bukoba, Tansania: Die Boote der Dagaa\u00adFischer wurden nach einer st\u00fcrmischen Nacht am Hauptlandungsstrand vert\u00e4ut. Auf der Suche nach Fisch landen weisse Reiher auf der Reling und \u00fcberfliegen die Boote. \u00a9 Fr\u00e9d\u00e9ric Noy<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Nun wickeln die Fischer auf dem offenen See die Gesch\u00e4fte mit F\u00e4ngen aus den Hoheitsgebieten der anderen Staaten ab, was illegal ist. \u00abDer See ist nie der Marktplatz\u00bb, erl\u00e4utert Oukumu. Kenianische und tansanische Fischer w\u00fcrden ihren ugandischen Berufskollegen die Schwimmblasen ihrer F\u00e4nge \u00fcbergeben und anschliessend den Fisch in den See schmeissen. Bei ihrer R\u00fcckkehr zum Strand w\u00fcrden dann einfach keine F\u00e4nge registriert. \u00abDie Mitglieder der lokalen Beach Management Units sollten eigentlich \u00fcberwachen, ob die Vorschriften eingehalten werden, um die Fischbest\u00e4nde zu sch\u00fctzen. Stattdessen tun sie jetzt das Gegenteil und ziehen aus der schwachen \u00dcberwachung ihren Nutzen. Aus Gier oder Not nach schnellem Geld\u00bb, sagt Oukumu. Ironischerweise wurde der Aufbau dieser so genannten Beach Management Units Anfang der 2000er-Jahre von&nbsp; Entwicklungsgeldern der Weltbank finanziert.<\/p>\n\n<p>Die Anrainerstaaten teilen sich die gr\u00f6sste Binnenfischerei weltweit, doch die wirtschaftliche Integration bleibt ein langwieriger und bisher wenig erfolgreicher Prozess. Eine Folge davon: Der Nilbarsch gilt nun als bedroht und mit ihm eine der gr\u00f6ssten Einkommensquellen am See.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der gefallene Heilsbringer<\/strong><\/h2>\n\n<p>Einst war der Nilbarsch Retter in Not, nachdem Mitte der 1950er-Jahre der Victoriasee \u2013 damals noch unter der \u00c4gide der Kolonialmacht England \u2013 zum ersten Mal kommerziell f\u00fcr ausgefischt galt. Was die Beh\u00f6rden dazu veranlasste, einen ortsfremden Raubfisch aus den benachbarten Seen Turkana und Albert in den Victoriasee auszusetzen, damit er sich schnell vermehren sollte und die Fischwirtschaft wieder in Gang kommen sollte. Zun\u00e4chst passierte scheinbar nichts. Erst &nbsp;zwanzig Jahren sp\u00e4ter sollte sich der Fisch derart stark vermehrt haben, dass die Hafenst\u00e4dte Mwanza, Entebbe oder Kisumu einen beispiellosen Goldrausch erlebten. <\/p>\n\n<p>Das nie da gewesene Eldorado lockte hunderttausende Menschen an den See. Doch das Experiment mit dem Nilbarsch hatte verheerende \u00f6kologische Folgen: 2006 waren 50 Prozent der Best\u00e4nde verschwunden. W\u00e4hrend die gr\u00f6ssten F\u00e4nge anfangs des Booms bis zu zwei Meter lang wurden, waren sie noch knapp 50 Zentimeter gross. Der Fremdfisch hatte \u00fcber die Jahre zudem einheimische Buntbarsch Arten verdr\u00e4ngt. Womit die Katastrophe in Kombination mit der durch rapide Ansiedlung stark ansteigenden Gew\u00e4sserverschmutzung vorprogrammiert war. Inzwischen ist der Wunder See zum Schauplatz eines der gr\u00f6ssten jemals dokumentierten Artensterbens geworden; nur schon in den letzten zehn Jahre gingen sch\u00e4tzungsweise 60 Prozent des Fischbestandes verloren. Heute leben noch 234 Fischarten im See.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/64d3e076-24a-171off-ggaba-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-107765\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/64d3e076-24a-171off-ggaba-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/64d3e076-24a-171off-ggaba-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/64d3e076-24a-171off-ggaba-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/64d3e076-24a-171off-ggaba-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/64d3e076-24a-171off-ggaba-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/64d3e076-24a-171off-ggaba-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nur einen Steinwurf von der ugandischen Hauptstadt entfernt, l\u00e4sst ein illegaler Fischer sein Boot, das er den ganzen Tag unter B\u00e4umen versteckt hat, wieder ins Wasser. \u00a9 Fr\u00e9d\u00e9ric Noy<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Anrainerstaaten haben l\u00e4ngst erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Seit 2003 gibt es die \u00abLake Viktoria Basin Commission\u00bb mit dem Ziel der wirtschaftlichen Erschliessung bei gleichzeitiger Erhaltung der gesamten Seeregion. Dazu geh\u00f6ren auch die L\u00e4nder Ruanda und Burundi, die am Kagera-Fluss liegen \u2013 auch oberer Nillauf genannt \u2013 dem gr\u00f6ssten Zufluss in den See.<\/p>\n\n<p>Zusammen mit Entwicklungsagenturen soll ein institutionelles Dach f\u00fcr s\u00e4mtliche Binnengew\u00e4sser in der Region aufgebaut werden. Erst ein gemeinsames Wasserinformationssystem mit einem \u00dcberwachungsmechanismus und Datenaustausch kann Zustandsberichte zur Wasserqualit\u00e4t liefern, die gen\u00fcgend aussagekr\u00e4ftig sind, um als Entscheidungsgrundlage f\u00fcr Investitionen zu dienen. Bis anhin kommen solche Kooperationsbestreben nur schleppend voran, so auch die Programme der Weltbank und ihrer Partner im Bereich Fischerei und Grossinfrastruktur f\u00fcr Abwasseraufbereitung.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Rapide Verst\u00e4dterung ohne Kl\u00e4ranlagen<\/strong><\/h2>\n\n<p>In Ostafrika wachsen St\u00e4dte schneller als im globalen Durchschnitt. Grund ist die anhaltende Landflucht: Arbeitssuchende junge Leute zieht es in Ballungszentren. Historisch bedingt liegen diese an Flussl\u00e4ufen oder in Buchten von Gew\u00e4ssern. So sind auch die St\u00e4dte um den Victoriasee und entlang seiner Zufl\u00fcsse in den Anrainerstaaten Kenia, Uganda und Tansania im vergangenen Jahrzehnt exponentiell gewachsen. M\u00fcllentsorgung und Abwasseraufbereitung erfolgen nach wie vor mangelhaft. In afrikanischen kleinen und mittelgrossen St\u00e4dten werden nur zwischen zehn bis zwanzig Prozent der Abwasser aufbereitet. Ein Grossteil aus den Haushalten fliesst unbehandelt in die Fl\u00fcsse \u2013 und schliesslich in den See. Auch Chemikalien aus den Industrieabw\u00e4ssern von Kisumu, Mwanza oder Kampala. Kommerzielle Landwirtschaft und Abholzung entlang von Flussufern sorgen zudem daf\u00fcr, dass in Regenzeiten der ged\u00fcngte Boden erodiert und dieser samt den N\u00e4hrstoffen ebenfalls in den See eingeschwemmt wird.<\/p>\n\n<p>Das hat auch verheerende Auswirkungen f\u00fcr die Volksgesundheit. Weil die Bev\u00f6lkerung das kontaminierte Wasser aus dem See und seinen Zufl\u00fcssen zum Kochen und Waschen nutzt, verbreiten sich Krankheiten wie Typhus und andere Durchfallerkrankungen.<\/p>\n\n<p>Die UN sch\u00e4tzt, dass weltweit etwa 2.4 Milliarden Menschen nicht an Kanalisation und Abwasseraufbereitung angeschlossen sind. Seit den 1990er-Jahre fliessen Hunderte von Millionen von Dollar in Abfall- und Abwassersysteme mit sehr durchzogener Bilanz. Die Kl\u00e4ranlagen, wie sie etwa in der Hafenstadt Kisumu (Kenia) stehen, decken weder den lokalen Bedarf noch erf\u00fcllen sie internationale Minimalstandards. W\u00e4hrend die grossen multilateralen\u00a0 Entwicklungsprogramme nur z\u00f6gerlich Erfolge verbuchen, suchen andere nach kosteng\u00fcnstigen und lokalen Innovationen, um im globalen S\u00fcden \u00f6kologisch zu wirtschaften.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-107762\" style=\"width:736px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-2046x1366.jpg 2046w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/04\/32abf416-12-victoria-entebbe181115_246-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auf einer M\u00fcllkippe in einem Feuchtgebiet des Sees reinigt ein Mann Plastikt\u00fcten, die er aus Abfallbergen geborgen hat, um sie zu verkaufen. Der Farbstoff der blauen T\u00fcten vermischt sich mit dem Wasser. \u00a9 Fr\u00e9d\u00e9ric Noy<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>L\u00f6sungen sind vorhanden<\/strong><\/h2>\n\n<p>Im Rahmen des Forschungsprogramms Horizon 2020 der Europ\u00e4ischen Union haben leitende Wissenschaftler:innen des Instituts f\u00fcr Angewandte Wissenschaften Karlsruhe (Prof. Jan Hoinkis) zusammen mit Wissenschaftler:innen der Kenyatta Universtit\u00e4t f\u00fcr Landwirtschaft und Technologie in Kenia eine \u00f6kologische Pilotanlage f\u00fcr Fischzucht erfunden. Becken werden dabei an ein zirkul\u00e4res Wasseraufbereitungssystem mit minimalem Verlust angeschlossen, das auf einer Membran-Bioreaktor-Technologie basiert. <\/p>\n\n<p>Junge Hochschulabg\u00e4nger:innen gr\u00fcndeten das Start-up AquacultureBarn, welches diese Technologie nun im Pilotversuch testet. Ihr Konzept sieht einen \u00abkommunalen und geschlossenen Wasserkreislauf f\u00fcr die Fischzucht vor, in dem bis zu 95 Prozent des Wassers aus aufbereiteten Abwassern rezirkuliert wird\u00bb, erkl\u00e4rt Hoinkis. Man muss somit lediglich f\u00fcnf Prozent des Wassers erg\u00e4nzen. Dezentrale kleinr\u00e4umige Anlagen, angepasst an klimatische Bedingungen, ohne dabei Wasser vom See oder Grundwasser zu nutzen, seien das langfristige Ziel.<\/p>\n\n<p>Manchmal muss man aber auch gar nicht weit suchen, um L\u00f6sungen zu finden. Die Wasserhyazinte, die vor \u00fcber hundert Jahren \u00fcber Fl\u00fcsse in den Victoriasee gelang, \u00fcberwuchert infolge zunehmendem N\u00e4hrstoff\u00fcberschusses ganze K\u00fcstenabschnitte und blockiert dadurch den Fischern die Zug\u00e4nge zu den Fischgr\u00fcnden. Im Gegensatz zu anderen Wasserorganismen gedeiht sie prima in einem \u00fcberd\u00fcngten Umfeld. Einige Studien kamen zudem zum Schluss, dass die Zierpflanze die durch Parasiten \u00fcbertragene Krankheit Bilharziose f\u00f6rdere.<\/p>\n\n<p>Das Unternehmen Biogas International aus Kenia entwickelt Systeme, um biologisch abbaubare Abf\u00e4lle und Schlacken in Kochgas zu verwandeln \u2013 als Alternative zur weitverbreiteten Holzkohle. Ausserhalb von Kisumu betreibt es eine Pilotstation, die auch das \u00abUnkraut des Victoriasees\u00bb zur Herstellung von Biogas nutzt. Im Rahmen der Entwicklung haben Dominic Kahumbu, der Gr\u00fcnder des Unternehmens, und sein Team die Hyazinthe genau studiert.<\/p>\n\n<p>Nebst einer entz\u00fcndungshemmenden Wirkung haben Wissenschaftler:innen auch die reinigende Eigenschaft der Pflanze erforscht. Die Hyazinthe sei eine naturgegebene Kl\u00e4ranlage, ist Kahumbu \u00fcberzeugt. Das Start-up entwickelt derzeit eine Methode, wie Wasserhyazinthen Fl\u00fcsse reinigen k\u00f6nnen, wenn man sie, vergleichbar mit \u00d6lsperren an den Ausg\u00e4ngen von St\u00e4dten an Zufl\u00fcssen zum Victoriasee als schwimmende Teppiche anlegt. \u00abWir lassen die Wasserhyazinthe stromaufw\u00e4rts wachsen, wir schaffen einen Schwamm, den man kontinuierlich am \u00e4ltesten Ende erntet. So haben wir ein System, welches das Wasser reinigt und gleichzeitig Material f\u00fcr D\u00fcnger, Papier oder M\u00f6bel hergibt.\u00bb Das w\u00e4re zudem eine gute Einkommensquelle f\u00fcr junge Erwachsene, sagt Kahumbu; er und sein Team wundern sich, wie wenig Beachtung geschweige denn Verwendung die positiven Eigenschaften der Pflanze bisher gefunden haben. <\/p>\n\n<p>W\u00e4hrend Entwicklungsgelder in die Bek\u00e4mpfung des Unkrauts im Seebecken etwa mit M\u00e4hmaschinen fliessen, sei di Lake Victoria Basin Commission, welche die Investitionen der Weltbank koordiniert, skeptisch gegen\u00fcber dem Projekt von Biogas International. Es fehle eine Machbarkeitsstudie. Diese sei nun am Laufen. Das Umweltministerium von Kisumu County h\u00e4tte ihnen zugesichert, am Pilotprojekt teilzunehmen. Was aber noch fehlt, ist Geld. \u00abSobald wir die Machbarkeitsstudie und die Daten \u00fcberpr\u00fcft haben, sind wir bereit f\u00fcr landesweite Pilotprojekte, die eigentlich \u00fcberall auf dem Kontinent und der Welt angelegt werden k\u00f6nnen. Denn die Wasserhyazinthe ist ein Juwel, die Einladungskarte von Mutter Natur zu sauberem Wasser\u00bb, ist Kahumbu \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p>Weitere spannende Beitr\u00e4ge zum Thema Gew\u00e4sser findest du <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/magazin\/107718\/im-fluss\/\">hier<\/a> im neusten Greenpeace-Magazin. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umweltverschmutzung und \u00dcberfischung bedrohen das gr\u00f6sste S\u00fcsswassersystem Afrikas. 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