{"id":10868,"date":"2014-10-03T00:00:00","date_gmt":"2014-10-02T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/10868\/wildbienen-die-anderen-bienen\/"},"modified":"2019-07-04T14:36:40","modified_gmt":"2019-07-04T12:36:40","slug":"wildbienen-die-anderen-bienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/10868\/wildbienen-die-anderen-bienen\/","title":{"rendered":"Wildbienen \u2013 Die anderen Bienen"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Mir ist, als w\u00e4ren wir in einem Dschungel. Verschlungene Pfade f\u00fchren zwischen hohen Str\u00e4uchern hindurch, ein dichtes Obstspalier s\u00e4umt den Weg, links und rechts unz\u00e4hlige wildbl\u00fchende Pflanzen, Klettergew\u00e4chse und Rosen. Der Solothurner Wildbienenspezialist Felix Amiet hat mich zu einem Rundgang durch seinen Garten eingeladen, um uns herum summt und brummt es unentwegt.<br>\nDer pensionierte Bezirksschullehrer nennt die Wildbienen \u00abmeine gefl\u00fcgelten Viecher\u00bb. Er weiss von allen, welche Pflanzen sie gerne besuchen und welche Nischen sie brauchen, um ihre Eier zu legen. Ein Naturgarten sei \u00abetwas sehr Pers\u00f6nliches\u00bb, sagt er, man m\u00fcsse viel Arbeit und Zeit in die Pflege investieren, sonst ersticke man im Nu zwischen schnell wachsenden Brombeerstauden und anderen Wucherpflanzen. \u00abAber was ist denn \u00fcberhaupt ein Naturgarten?\u00bb, sinniert er unterwegs \u2013 und gibt die Antwort gleich selber: \u00abDas konnte mir bis heute niemand wirklich sagen.\u00bb<\/b><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Vielfalt ist wichtig<\/h2>\n\n<p>Amiet nimmt mich mit auf eine faszinierende Erkundungstour. Zwei Stunden lang l\u00e4sst er mich teilhaben an seinem umfangreichen Wissen. Er zeigt mir mit gl\u00e4nzenden Augen eine Planzen- und Bienenrarit\u00e4t um die andere; es bleibt kaum Zeit, um Fragen zu stellen. Weltweit werden 16&nbsp;000 Wildbienenarten beschrieben, in seinem Garten fand er 120 Arten. Die meisten haben ein kurzes Leben. \u00abZwanzig sch\u00f6ne Flugtage, in denen sie ein Nest bauen, die Larven versorgen und sterben, so sieht das Leben einer durchschnittlichen Wildbiene aus\u00bb, sagt Amiet, der \u00fcber seine \u00abViecher\u00bb unglaublich viel zu erz\u00e4hlen weiss.<br>Manche Hummelarten zum Beispiel besitzen einen zu kurzen R\u00fcssel, um an den Nektar der Akelei heranzukommen. Sie beissen deshalb die Bl\u00fcten oben auf, um ans Zuckerwasser zu gelangen. \u00abWirklich clever\u00bb, lobt Amiet und bleibt nach drei Schritten vor einer salbei\u00e4hnlichen Pflanze stehen: \u00abDiesen Wollziest habe ich speziell f\u00fcr meine Wollbienen gepflanzt.\u00bb Die Wollbienen nagen die Haare ab und bilden in einem Hohlraum mit \u00abWatteb\u00e4uschchen\u00bb die Zellen f\u00fcr ihre Nachkommen. Im Innern des Kn\u00e4uels deponieren sie f\u00fcrsorglich Bl\u00fctenstaub und Nektar als Nahrungsvorrat f\u00fcr den Nachwuchs, legen ein Ei dazu und verschliessen die Zelle. Amiet betont, dass Wildbienen auf verschiedenste, m\u00f6glichst einheimische Pflanzenarten angewiesen sind, um zu gedeihen. Die einen ern\u00e4hren ihre Larven nur mit Pollen von Kreuzbl\u00fctlern, beispielsweise Nachtviolen, andere bevorzugen Korbbl\u00fctler wie den gelben L\u00f6wenzahn, dritte halten sich am liebsten an die Wiesen-Flockenblume.<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u00ab24 Jahre habe ich auf jene Wildbiene gewartet, die sich ausschliesslich von der Zaunr\u00fcbe ern\u00e4hrt.\u00bb<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n<p>In Amiets Garten findet man eine ganze Reihe von seltenen Pflanzen. Zum Beispiel den Diptam, in dem der sch\u00f6n gezeichnete Schwalbenschwanz-Schmetterling seine Eier ablegt. Oder die sibirische Schwertlilie, f\u00fcr die sich haupts\u00e4chlich die Hummeln interessieren. Die Pimpernuss habe er nicht speziell f\u00fcr die Wildbienen angepflanzt, sagt Amiet, sie gefalle ihm einfach und sei eine wundersch\u00f6ne Rarit\u00e4t. Weiter findet man Wildgladiolen, Ziesten (Lippenbl\u00fctler) oder die f\u00fcr diese Gegend rare Zaunr\u00fcbe. \u00ab24 Jahre habe ich auf jene Wildbiene gewartet, die sich ausschliesslich von der Zaunr\u00fcbe ern\u00e4hrt\u00bb, erz\u00e4hlt Amiet. \u00abVor drei Jahren habe ich sie erstmals beobachten k\u00f6nnen und von da an jedes Jahr. Heuer hat sie sich leider noch nicht blicken lassen.\u00bb<br>Unser Rundgang f\u00fchrt an einem kleinen Weiher vorbei. Bis vor wenigen Jahren h\u00e4tten hier Fr\u00f6sche gelebt, erinnert sich Amiet. Leider seien sie verschwunden, wahrscheinlich ausgerottet. \u00dcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Froschsterben sei er sich nicht im Klaren: \u00abVielleicht liegt es an einer Pilzkrankheit der Fr\u00f6sche, die sich weltweit ausgebreitet hat, oder an den vielen Katzen.\u00bb Nun gebe es leider nur noch Molche in seinem Teich und nat\u00fcrlich Libellen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/921b1c10-921b1c10-wildbienen_solothurn_fojtu-32.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>\u00a9 Nicolas Fojtu<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberz\u00fcchtete Blumen und spezielle Nistst\u00e4tten<\/h2>\n\n<p>Im hinteren Teil des Gartens entdecke ich pr\u00e4chtig bl\u00fchenden Mohn. \u00abDer ist viel sch\u00f6ner als die gef\u00fcllten Bl\u00fcten der Pfingstrosen oder der Tagetes\u00bb, h\u00e4lt Amiet fest. Was das heisse, frage ich. \u00abViele G\u00e4rtnereien \u00fcberz\u00fcchten die Blumen, damit sie imposanter ausschauen\u00bb, erkl\u00e4rt er. \u00abDas hat man auch mit dem Mohn gemacht.\u00bb Freilich n\u00fctze die Pracht dieser k\u00fcnstlichen \u00abSchiessbudenblumen\u00bb den Wildbienen nichts, denn an Stelle der Staubbeutel sind mehr Bl\u00fctenbl\u00e4tter entstanden. F\u00fcr seine Wildbienen hege er deshalb den einfachen Mohn.<br>In Amiets Dschungel finden sich jede Menge geeignete Nistpl\u00e4tze. Viele Wildbienen sind sogenannte Bodennister. Sie bauen H\u00f6hlen mit Eing\u00e4ngen, die oft unter einem Blatt liegen, gut getarnt und deshalb schwierig zu entdecken. Weil Wildbienen bei der Nahrungssuche viel weniger weit fliegen als Honigbienen, sind m\u00f6glichst kurze Distanzen zwischen dem Nistplatz und den Nahrungsquellen wichtig. Auch deshalb f\u00fchlen sie sich hier so wohl.<br>Amiet erkl\u00e4rt mir einige Besonderheiten. Holzbienen zum Beispiel m\u00f6gen weiches Holz, wie etwa dasjenige der Pappeln, oder morsches Holz anderer Laubb\u00e4ume. Mit ihren scharfen Zangen nagen sie L\u00f6cher und G\u00e4nge f\u00fcr die Larvenkammern. Die jungen Holzbienen schl\u00fcpfen im Gegensatz zu den meisten anderen Bienenarten erst im August. Im Gegensatz zu anderen Arten beginnen sie aber nicht sofort mit dem Nestbau. Im Herbst suchen sie sich ein Loch zum \u00dcberwintern. Zur Paarung kommt es erst im folgenden Fr\u00fchling und erst dann beginnen sie mit dem Nestbau. Das Weibchen erlebt dann oft auch noch das Schl\u00fcpfen der Nachkommen. Dass in ein und demselben Jahr zwei Generationen zusammenleben, ist bei Wildbienen selten.<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u00abVon den rund 600 Wildbienenarten in der Schweiz sind mehr als die H\u00e4lfte vom Aussterben bedroht. Viele sind nicht mehr zu retten.\u00bb<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n<p>Bei der Wahl ihrer Nistpl\u00e4tze sind sie besonders einfallsreich: Neulich hat Amiet Larven in einem verschlossenen Schneckenhaus entdeckt: \u00abSehr speziell.\u00bb Aussergew\u00f6hnliches l\u00e4sst sich auch von der Schenkelbiene sagen. Sie ern\u00e4hrt sich vom Nektar verschiedener Pflanzen. F\u00fcr die Larven sammelt sie aber \u00d6l und Pollen des Gilbweiderichs, einer Primel, die an Stelle von Nektar Pflanzen\u00f6l produziert. Die Schenkelbiene ist bei uns die einzige Biene, die dieses \u00d6l f\u00fcr die Aufzucht ihrer Larven sammelt.<br>Neben dem Weiher entdecke ich einen kleinen H\u00fcgel, der mit Pflanzen \u00fcberwuchert ist. Er habe ihn speziell f\u00fcr die Sandbienen angelegt, erkl\u00e4rt Amiet \u2013 in der Hoffnung, dass diese ihre Larven in H\u00f6hlen ablegen w\u00fcrden. Ungl\u00fccklicherweise habe er aber einen Sand mit einem zu hohen Tonanteil verwendet; die Sandbienen verschm\u00e4hten das Angebot. Tragisch sei das nicht: \u00abMan muss immer wieder Sachen ausprobieren, nur so weiss man mit der Zeit, was funktioniert und was nicht.\u00bb<br>Obwohl das erste Buch \u00fcber Wildbienen in der Schweiz schon vor hundert Jahren herausgegeben wurde, hat die Wildbienen-Forschung an den Universit\u00e4ten noch keine lange Tradition. Erst seit dem Bienensterben der letzten Jahre interessiert sich die Wissenschaft vermehrt f\u00fcr diese Bienenarten. Mittlerweile weiss man, dass Wildbienen die fleissigeren Bl\u00fctenbest\u00e4uber sind als Honigbienen (siehe rechts). Sie kommen beileibe nicht nur in G\u00e4rten vor, doch viele Arten finden in unserer Kulturlandschaft noch die letzten Lebensr\u00e4ume. Amiet hat schon welche auf dem Gornergrat bei Zermatt in 3000 Metern H\u00f6he entdeckt. Das k\u00f6nne man sich in dieser kargen Landschaft fast nicht vorstellen. Aber auch dort gebe es Bl\u00fcten. Die Bergblumen werden aber nicht nur von Bienen best\u00e4ubt, auch Fliegen oder Schmetterlinge w\u00fcrden diese Aufgabe \u00fcbernehmen.<br>Auf meine Frage, ob er eine Lieblings-Wildbiene habe, \u00fcberlegt er lange. \u00abBesonders spannend finde ich die seltene Blattschneiderbiene, auf Lateinisch Megachile ligniseca\u00bb, sagt er schliesslich. Es sei eindr\u00fccklich, sie bei der Pollenernte am klebrigen Salbei zu beobachten. Das Weibchen drehe sich nach der Landung auf der Bl\u00fcte blitzschnell herum, um mit dem Kopf die Staubbeutel aus dem oberen Teil der Bl\u00fcte nach unten zu dr\u00fccken. Nun kann sie mit einer Bauchdr\u00fcse den Pollen aus den Staubbeuteln herausholen. Um an den Nektar zu kommen, schlitzt sie kurzerhand die lange Kronr\u00f6hre auf. Das sei aber nur ein faszinierendes Beispiel unter vielen: \u00abEs git g\u00e4ng \u00dcberraschige und spannends Z\u00fc\u00fcg\u00bb, schmunzelt Amiet in seinem breiten Solothurner Dialekt.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/2d894da3-2d894da3-wildbienen_alternativselektion-30.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>\u00a9 Nicolas Fojtu<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Wildbienen<\/h2>\n\n<p>Gegen Ende unseres Rundgangs wird Amiet ein bisschen nachdenklich. Die Magerwiesen mit ihrer Blumenvielfalt seien bei uns rar geworden, klagt er. Das liege an der intensiven Landwirtschaft, der verbreiteten D\u00fcngekultur, aber auch an der ausufernden Baut\u00e4tigkeit. Insgesamt nehme der Druck auf die Natur st\u00e4ndig zu. \u00abDiesen Entwicklungen sind die Wildbienen schutzlos ausgeliefert\u00bb, bedauert Amiet: \u00abVon den rund 600 Wildbienenarten in der Schweiz sind mehr als die H\u00e4lfte vom Aussterben bedroht, viele sind nicht mehr zu retten.\u00bb Was tun?<br>Der Solothurner Wildbienenspezialist empfiehlt, die Natur genau zu beobachten, denn nur so k\u00f6nne man zu ihr eine Beziehung aufbauen. Erst dann realisiere man, was alles miteinander zusammenh\u00e4nge und wie filigran das Gleichgewicht sei. Beim Abschied sagt er zu mir: \u00abWer etwas f\u00fcr die Bienen und \u00fcberhaupt f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t machen will, kann einen wildbienenfreundlichen Garten anlegen, einen mit vielen Nischen und Nistm\u00f6glichkeiten \u2013 damit ist schon viel getan.\u00bb<br>Auf dem Heimweg durch das Quartier sticht mir ein sattgr\u00fcner Zierrasen ins Auge. Die aufger\u00e4umten, geometrisch angelegten Blumenbeete wirken k\u00fcnstlich, Tulpen in allen m\u00f6glichen Farben stehen in Reih und Glied wie Soldaten in nackter, torfhaltiger Erde. Weit und breit ist kein Unkraut auszumachen, eint\u00f6nige Thujahecken runden das Bild ab. Der Anblick dieses Gartens l\u00e4sst mich f\u00fcr einen Moment erschaudern. Und als ich stehenbleibe, h\u00f6re ich weder Summen noch Brummen.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wissenswertes \u00fcber Wildbienen<\/h2>\n\n<p><em>Zusammengestellt von Paul Westrich<\/em><\/p>\n\n<p><strong>Nutzbienen und Wildbienen<\/strong><br>Wie man \u00abNutzpflanzen\u00bb und \u00abWildpflanzen\u00bb unterscheidet, so werden alle wildlebenden Bienenarten als \u00abWildbienen\u00bb bezeichnet, um sie von den zur Honigproduktion oder f\u00fcr die Nutzpflanzenbest\u00e4ubung eingesetzten \u00abNutzbienen\u00bb wie der Honigbiene zu unterscheiden. Zoologisch betrachtet geh\u00f6ren alle zur Hautfl\u00fcglerfamilie der Bienen (Apidae).<\/p>\n\n<p><strong>Grosse Vielfalt an Arten<\/strong><br>Wussten Sie, dass es allein in der Schweiz rund 600 Wildbienenarten gibt? In Deutschland sind 560 Arten, in \u00d6sterreich 650 Arten bekannt. Der Mittelmeerraum ist besonders artenreich. In ganz Europa kommen etwa 1800 Arten vor. Weltweit kennt man mehr als 16\u2019000 Arten.<\/p>\n\n<p><strong>Vielfalt der Formen und Lebensweisen<\/strong><br>Wildbienen sind sehr vielgestaltige Insekten mit den unterschiedlichsten Zeichnungen und F\u00e4rbungen. Deutsche Namen wie Pelzbienen, Maskenbienen oder Langhornbienen sind aufgrund des Aussehens entstanden. Hinzu kommt eine fast un\u00fcberschaubare Vielfalt an Lebensweisen. Die meisten Wildbienen leben solit\u00e4r: Jedes Weibchen baut sein Nest und versorgt seine Brut f\u00fcr sich allein, also ohne Mithilfe von Artgenossen. Zu den sozialen Bienen geh\u00f6ren die bestens bekannte Honigbiene und unter den Wildbienen ausser einigen Schmal- und Furchenbienen auch die Hummeln, die in einj\u00e4hrigen Staaten leben. Die parasitischen Bienen versorgen keine eigenen Nester, sondern legen ihre Eier in die Brutzellen nestbauender Arten und heissen daher auch \u00abKuckucksbienen\u00bb.<\/p>\n\n<p><strong>Hochspezialisiert<\/strong><br>In der Wahl des Nistplatzes und des Materials f\u00fcr den Bau der Brutzellen sind die meisten Bienenarten spezialisiert. Bienennester findet man \u2013 von Art zu Art verschieden \u2013 unter anderem abgestorbenem Holz, in d\u00fcrren Pflanzenst\u00e4ngeln, in leeren Schneckenh\u00e4usern oder an Felsen. Fast drei Viertel aller Arten nisten in der Erde in selbstgegrabenen Hohlr\u00e4umen. Als Baumaterialien dienen entweder eigene Dr\u00fcsensekrete oder Fremdmaterialien wie Bl\u00fctenbl\u00e4tter (Mauerbienen), Laubbl\u00e4tter (Blattschneiderbienen), Pflanzenhaare (Wollbienen) oder Baumharz (Harzbienen). Hinzu kommt die Bindung zahlreicher Arten an bestimmte Pflanzen als Pollenquellen. So versorgt die Glockenblumen-Scherenbiene ihre Brut ausschliesslich mit Pollen von Glockenblumen, die Blauschillernde Sandbiene ben\u00f6tigt Pollen von Kreuzbl\u00fctlern wie dem Ackersenf und die Buckel-Seidenbiene den von Korbbl\u00fctlern wie Rainfarn oder F\u00e4rberkamille.<\/p>\n\n<p><strong>Bio-Indikatoren<\/strong><br>Wildbienen reagieren deshalb besonders empfindlich auf Beeintr\u00e4chtigungen ihres Lebensraumes. Daher sind sie hervorragende Anzeiger (Bioindikatoren) f\u00fcr intakte oder gest\u00f6rte Verh\u00e4ltnisse in nat\u00fcrlichen oder zivilisationsbedingten \u00d6kosystemen. F\u00fcr die Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, f\u00fcr Fl\u00e4chen- und Eingriffsbewertungen sowie f\u00fcr Biotopvernetzungskonzepte sind sie besonders geeignete Organismen.<\/p>\n\n<p><strong>Unverzichtbare Best\u00e4uber<\/strong><br>Alle Wildbienen sind intensive Bl\u00fctenbesucher: Sie ern\u00e4hren sich nicht nur selber von Pollen und Nektar, diese Bl\u00fctenprodukte werden von den nestbauenden Arten auch zur Versorgung ihrer Brut ausgiebig gesammelt. Deshalb sind viel mehr Bl\u00fctenbesuche n\u00f6tig als bloss zur Eigenversorgung. Gerade das macht Wildbienen im Vergleich zu anderen bl\u00fctenbesuchenden Insekten zu besonders effizienten Best\u00e4ubern nicht nur von Wildkr\u00e4utern, sondern auch von Obstb\u00e4umen, Beerenstr\u00e4uchern und Feldfr\u00fcchten. Dass Wildbienen f\u00fcr die Ern\u00e4hrungsvorsorge unverzichtbar sind, hat j\u00fcngst eine internationale Studie erneut nachgewiesen. Der Schutz von Wildbienen ist daher auch Menschenschutz.<\/p>\n\n<p><strong>Gravierende Verarmung<\/strong><br>In den letzten f\u00fcnfzig Jahren ist in der Wildbienenfauna eine gravierende Verarmung un\u00fcbersehbar geworden. In Deutschland sind nach der aktuellen Roten Liste \u00fcber die H\u00e4lfte der Arten in ihrem Bestand gef\u00e4hrdet oder vom Aussterben bedroht. \u00c4hnliches gilt auch f\u00fcr die Schweiz, f\u00fcr die eine Rote Liste in Bearbeitung ist. Da Wildbienen f\u00fcr einen funktionierenden Naturhaushalt unverzichtbar sind, muss diese Situation alarmieren und Besorgnis ausl\u00f6sen. Eine verst\u00e4rkte \u00d6ffentlichkeitsarbeit sowie Hilfs- und Schutzmassnahmen f\u00fcr die bestandsbedrohten Arten sind hier dringend n\u00f6tig.<\/p>\n\n<p><strong>Wie Wildbienen sch\u00fctzen?<\/strong><br>Grundlage jedes Wildbienenschutzes ist zun\u00e4chst die Erhaltung der Lebensr\u00e4ume, also die gleichzeitige Erhaltung der artspezifischen Nahrungsquellen und der Nistpl\u00e4tze im r\u00e4umlichen Verbund. Lebensr\u00e4ume wie Felsfluren und alte Steinbr\u00fcche, Magerwiesen, Sand-, Kies- und Lehmgruben oder Schilfr\u00f6hrichte lassen sich nur mit dem Instrument des strengen Fl\u00e4chenschutzes in Form von Naturschutzgebieten erhalten. Dies ist eine Aufgabe der staatlichen Beh\u00f6rden. Aber auch wir selbst k\u00f6nnen viel f\u00fcr Wildbienen tun und sie gezielt f\u00f6rdern, indem wir ihre Nistm\u00f6glichkeiten verbessern und das Nahrungsangebot bereichern. Mit verschiedenen Nisthilfen lassen sich diverse Wildbienenarten im Garten ansiedeln, vorausgesetzt die Nisthilfen ber\u00fccksichtigen die Anspr\u00fcche ihrer Besiedler. Nisthilfen bieten vor allem eine sehr gute M\u00f6glichkeit, Wildbienen bei ihrer Brutf\u00fcrsorge aus n\u00e4chster N\u00e4he zu beobachten.<\/p>\n\n<p><strong>Friedfertig<\/strong><br>Sie brauchen keine Angst vor Stichen zu haben, Wildbienen sind vollkommenen friedfertig. Wichtig f\u00fcr die Wildbienen ist ein reiches und buntes Nahrungsangebot. Dies reicht von der Bepflanzung von Balkonk\u00e4sten mit heimischen Steingartengew\u00e4chsen (z.B. Ranken-Glockenblume oder Felsen-Fetthenne) \u00fcber die Anlage einer Blumenwiese bis hin zu Beeten mit heimischen Wildstauden.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/0c484d12-0c484d12-titelbild-westrich.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n<p>Informationen zur F\u00f6rderung der Wildbienen im eigenen Garten finden sich im reich illustrierten Buch \u00abWildbienen \u2013 die anderen Bienen\u00bb von Paul Westrich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir ist, als w\u00e4ren wir in einem Dschungel. 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