{"id":109057,"date":"2024-06-11T13:58:17","date_gmt":"2024-06-11T11:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=109057"},"modified":"2024-06-11T13:58:20","modified_gmt":"2024-06-11T11:58:20","slug":"parlament-versenkt-wichtigste-massnahme-zur-naehrstoff-und-pestizidreduktion-was-nun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/medienmitteilung\/109057\/parlament-versenkt-wichtigste-massnahme-zur-naehrstoff-und-pestizidreduktion-was-nun\/","title":{"rendered":"Parlament versenkt wichtigste Massnahme zur N\u00e4hrstoff- und Pestizidreduktion \u2013 Was nun?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der St\u00e4nderat ist heute dem Nationalrat gefolgt und hat die Massnahme f\u00fcr 3.5% Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderfl\u00e4chen (BFF) auf Ackerland beerdigt. Damit verliert die Schweiz die wichtigste Massnahme zur N\u00e4hrstoff- und Pestizidreduktion in der Landwirtschaft. Die Politik ignoriert das Artensterben &#8211; jetzt braucht es mit einem Ja zur Biodiversit\u00e4tsinitiative eine Korrektur durch die Stimmbev\u00f6lkerung!\u00a0<\/strong>\u00a0<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Parlament bricht sein Versprechen gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung, welches es im Vorfeld zur Abstimmung \u00fcber die Trinkwasser- und Pestizid-Initiative abgegeben hatte. Das ist ein Verstoss gegen Treu und Glauben. Er schw\u00e4cht das Vertrauen in die Politik.<\/li>\n<\/ul>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Angesichts des dramatischen Zustands der Biodiversit\u00e4t fehlt uns die Zeit f\u00fcr weitere Umwege und Debatten. Wenn das Parlament das Reduktionsziel von Pestizid- und N\u00e4hrstoffen nicht \u00fcber die 3.5 Prozent BFF erreichen will, m\u00fcssen dringend alternative L\u00f6sungswege eingeschlagen und griffige Massnahmen getroffen werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Biodiversit\u00e4t ist die Produktionsgrundlage der Landwirtschaft und im Ackerland akut gef\u00e4hrdet. Gem\u00e4ss wissenschaftlichen Studien br\u00e4uchte es zu ihrem Erhalt mindestens 5 Prozent Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderfl\u00e4chen. Aktuell machen sie nur 1 Prozent aus.<\/li>\n<\/ul>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Entscheidung steht diametral im Widerspruch zu den vielfachen Best\u00e4tigungen der Massnahme in der Vergangenheit im Parlament und zum Bekenntnis der Landwirtschaft, sich f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t einsetzen zu wollen. Umso mehr braucht es nun die Biodiversit\u00e4tsinitiative &#8211; nicht nur, aber auch die Landwirtschaft muss zur Rettung der Biodiversit\u00e4t beitragen!<\/li>\n<\/ul>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Zitate:<\/em><\/h2>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Eva Goldmann, Landwirtschaftsexpertin WWF Schweiz:<\/em><\/strong><\/h3>\n\n<p><em>\u00abDer Entscheid zeigt, dass das Parlament momentan nicht bereit ist, innovativen Schweizer Bauern bei umweltfreundlichen Produktionsmethoden den R\u00fccken zu st\u00e4rken.<\/em>\u00bb<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em><strong>Marcel Liner, Landwirtschaftsverantwortlicher Pro Natura:\u00a0<\/strong><\/em><\/h3>\n\n<p><em>\u00abNicht nur\u00a0 Feldhasen, Wildbienen, Marienk\u00e4fer, sondern auch viele weitere Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz sind darauf angewiesen, dass sie im Ackerland Lebensraum finden. Auch die Ern\u00e4hrungssicherheit profitiert dank der Best\u00e4ubungsleistung der Insekten und einer\u00a0 h\u00f6heren\u00a0 Bodenfruchtbarkeit.<\/em>\u00bb<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Jonas Sch\u00e4lle, Projektleiter Landwirtschaft, Birdlife Schweiz:<\/em><\/strong><\/h3>\n\n<p><em>\u00abMit der Abschaffung dieser Massnahme ignoriert das Parlament den dringenden Handlungsbedarf im Bereich Biodiversit\u00e4t im Kulturland. Es gilt nun, das weit vorangeschrittene Insektensterben mit allen Mitteln zu stoppen, gemeinsam f\u00fcr die Natur und eine zukunftsf\u00e4hige Landwirtschaft.\u00bb<\/em><\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Barbara Wegmann, Konsumexpertin Greenpeace Schweiz:&nbsp;<\/em><\/strong><\/h3>\n\n<p>\u00ab<em>Biodiversit\u00e4t ist kein \u201enice to have\u201c. Die Best\u00e4ubungsleistung von Insekten, die Bek\u00e4mpfung von Sch\u00e4dlingen durch N\u00fctzlinge sowie die Vielfalt von Organismen in B\u00f6den, welche die Bodenfruchtbarkeit erhalten, sind entscheidend f\u00fcr die Ertragssicherung und somit f\u00fcr die Versorgungssicherheit.<\/em>\u00bb<\/p>\n\n<p>Die Schweizer Landwirtschaft muss ihre N\u00e4hrstoffverluste und das Pestizidrisiko bis 2027 reduzieren \u2013 letzteres um 50 Prozent. So will es das Gesetz. Die wichtigste Massnahme, um dieses Ziel zu erreichen, s\u00e4he vor, dass Landwirt: innen auf der Ackerfl\u00e4che k\u00fcnftig 3.5 Prozent (statt wie bisher nur 1 Prozent) Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderfl\u00e4chen (BFF) anlegen.<\/p>\n\n<p>Bereits mehrfach wurde diese Massnahme in der letzten Legislatur best\u00e4tigt. Nun ist das neu zusammengesetzte Parlament eingeknickt und hat die 3.5 Prozent BFF beerdigt. Damit geht ein breit abgest\u00fctzter Kompromiss zur Reduktion der Pestizidrisiken- und N\u00e4hrstoffe ersatzlos verloren. Die Weichen f\u00fcr die Umsetzung waren bereits gestellt.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Nachsehen haben die fortschrittlichen B\u00e4uerinnen und Bauern<\/strong><\/h2>\n\n<p>Noch im Dezember wurde die Massnahme mit der Annahme der Mo. Friedli um ein weiteres Jahr verschoben und die Verwaltung beauftragt, die Massnahme auf eine pragmatischere Ausgestaltung zu pr\u00fcfen.<a href=\"https:\/\/www.sbv-usp.ch\/de\/lieber-besser-als-schneller\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Auch der Schweizerische Bauernverband sprach im letzten November noch davon, die Massnahme lediglich \u00aboptimieren\u00bb zu wollen<\/a>. Seit Anfang Jahr wurde eine breite Auswahl an Vertreter: innen aus landwirtschaftlichen Kreisen (darunter IP Suisse und Bio Suisse), Natur- und Umweltorganisationen, Kantone- und St\u00e4dte angeh\u00f6rt. Alle waren sich einig: die Massnahme ist umsetzbar und notwendig. Die betroffenen Landwirt: innen haben sich auf deren Umsetzung eingestellt und w\u00e4ren schliesslich auch jene, denen die Massnahme f\u00fcr die nachhaltige landwirtschaftliche Produktion gedient h\u00e4tte. Der Entscheid des Parlaments st\u00f6sst nun genau jene vor den Kopf, die sich f\u00fcr eine fortschrittliche, zukunftsf\u00e4hige Landwirtschaft einsetzen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gen\u00fcgend Best\u00e4uber und N\u00fctzlinge sichern Ertr\u00e4ge<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die 3.5 Prozent BFF w\u00e4ren nicht nur ein wichtiger Schritt, um das Pestizidrisiko und die N\u00e4hrstoffverluste zu verringern \u2013 sie helfen auch das Artensterben in unseren Feldern aufzuhalten. Die Biodiversit\u00e4t in der Schweiz ist in einem sehr schlechten Zustand, ganz besonders auf dem Acker. Dabei helfen mehr Tier- und Pflanzenarten den Landwirtschaftsbetrieben ganz direkt bei der Produktion: So werden Best\u00e4uber gef\u00f6rdert und der Pestizideinsatz kann dank den N\u00fctzlingen reduziert werden. Das ist betriebswirtschaftlich sinnvoll. So lautet das Fazit der <a href=\"https:\/\/www.agroscope.admin.ch\/agroscope\/de\/home\/aktuell\/newsroom\/2024\/05-24_bestaeubungsleistung-Agraroekologie.html?utm_source=sfmc&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=2024_06_11_MM_BFF-Ackerland_DE&amp;&amp;&amp;&amp;&amp;\"><em>neusten Studie<\/em><\/a><em> <\/em>von Agroscope: <em>\u00abDaher ist es sowohl f\u00fcr die Landwirtschaft wie auch f\u00fcr die Erhaltung der Biodiversit\u00e4t von zentraler Bedeutung, Best\u00e4ubergemeinschaften mittels optimierter Bewirtschaftung und gezielten Massnahmen wie Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderfl\u00e4chen zu schonen und zu f\u00f6rdern.\u00bb<\/em><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/strong><\/h2>\n\n<p>Agroscope:\u00a0<a href=\"https:\/\/eur03.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fclick.mail.wwf.ch%2F%3Fqs%3Db1feeeb9ae285c01833e6cfaa38f32b4010093b163ec7da048f48367338c03f4eed7025090218d6e89593e3f86df0ae03e943a655f1a6e2d&amp;data=05%7C02%7Cjonas.schmid%40wwf.ch%7C74dc2d5d289d4f15df7508dc894de289%7Ca5404017c3d345778b224b3762eb42df%7C0%7C0%7C638536214825352589%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=ENTlnsCZAtbZy1T%2B%2BwPolv41Kt8Swbdaiqht2wOjvfQ%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wie sich die Landnutzung auf Pflanzen und ihre Best\u00e4uberinsekten auswirkt<\/a><br><br>Schweizerische Vogelwarte: <a href=\"https:\/\/eur03.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fclick.mail.wwf.ch%2F%3Fqs%3Db1feeeb9ae285c011bda386d4d66a9d98563583e4492298ce2eee81171c16e6ec9f465893ab5cfcb276507d6383d6e081b261865dfb85a84&amp;data=05%7C02%7Cjonas.schmid%40wwf.ch%7C74dc2d5d289d4f15df7508dc894de289%7Ca5404017c3d345778b224b3762eb42df%7C0%7C0%7C638536214825362701%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=bTt680k73WJrDzU1EzD%2F6%2Bc4DR6iAo%2FS3p%2BSZMrBkxY%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Positionspapier Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderfl\u00e4chen auf Acker<\/a><br><br>Schweizerische Vogelwarte: <a href=\"https:\/\/eur03.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fclick.mail.wwf.ch%2F%3Fqs%3Db1feeeb9ae285c01d7353391cdaae9d264f7922a727cce6183a274393f26ba9a927969799089f42c59261c51e6536574f85548ce44cb1ff9&amp;data=05%7C02%7Cjonas.schmid%40wwf.ch%7C74dc2d5d289d4f15df7508dc894de289%7Ca5404017c3d345778b224b3762eb42df%7C0%7C0%7C638536214825373759%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=RS6dCZAYjxnAqFGEtMhJVtauWM3U8uHhfYDhPepi470%3D&amp;reserved=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Faktenblatt BFF auf Acker<\/a><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Medienkontakte<\/strong><\/h2>\n\n<p><strong>WWF Schweiz:<\/strong> Jonas Schmid, Mediensprecher, jonas.schmid@wwf.ch, 079 241 60 57.<\/p>\n\n<p><strong>Pro Natura<\/strong>: Marcel Liner, Leiter Landwirtschaftspolitik, marcel.liner@pronatura.ch, 061 317 92 40<\/p>\n\n<p><strong>Birdlife Schweiz<\/strong>: Jonas Sch\u00e4lle, Projektleiter Landwirtschaft, <a href=\"mailto:jonas.schaelle@birdlife.ch\">jonas.schaelle@birdlife.ch<\/a>, 044 457 70 26<\/p>\n\n<p><strong>Greenpeace Schweiz<\/strong>: Medienstelle, <a href=\"mailto:pressestelle.ch@greenpeace.org\">pressestelle.ch@greenpeace.org<\/a>, 044 447 41 11<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der St\u00e4nderat ist heute dem Nationalrat gefolgt und hat die Massnahme f\u00fcr 3.5% Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderfl\u00e4chen (BFF) auf Ackerland beerdigt. 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