{"id":10924,"date":"2014-09-15T00:00:00","date_gmt":"2014-09-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/10924\/neue-wildnis\/"},"modified":"2019-07-05T14:22:48","modified_gmt":"2019-07-05T12:22:48","slug":"neue-wildnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/10924\/neue-wildnis\/","title":{"rendered":"Neue Wildnis"},"content":{"rendered":"\n<p><b>\u00abPostindustrielle Natur\u00bb \u2013 unter diesem Begriff versteht man Gebiete, aus denen sich der Mensch freiwillig oder unter Zwang zur\u00fcckgezogen hat. Der US-Sciencefiction-Autor und Cyberpunk Bruce Sterling nennt sie \u00abunfreiwillige Parks\u00bb. Unsere Beispiele zeigen, wie Pflanzen und Tiere solche Landstriche zur\u00fcckerobern und wie dabei faszinierende Lebensr\u00e4ume entstehen.<\/b><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verstrahlte Landschaften<\/h2>\n\n<p>Nach der Atomkatastrophe von\u00a0<strong>Tschernobyl<\/strong><sup>\u00a01<\/sup>\u00a01986 mussten mehr als 350\u00a0000 Menschen umgesiedelt werden. Man errichtete eine Sperrzone, fast so gross wie der Kanton Tessin. Dieses Gebiet haben Wildtiere in Beschlag genommen. Luchse, mehrere hundert W\u00f6lfe, Tausende Wildschweine, Hirsche und Elche sowie seltene Vogelarten wie der Seeadler f\u00fchlen sich hier trotz der radioaktiven Strahlung wohl. Viele Arten waren vorher in der Region ausgestorben und sind nun wieder eingewandert. Zudem wurden Wildpferde und Wisente angesiedelt, die zum Schutz vor Waldbr\u00e4nden das Gras abweiden. Der \u00abunfreiwillige Naturpark\u00bb zieht inzwischen auch Abenteuertouristen an.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/2364a072-2364a072-chernobyl_pripjat_2008_6549_aerial_view_vegetation.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Apokalyptische Landschaften: Die Vegetation rund um Tschernobyl erobert sich ihren Platz zur\u00fcck. <br>\u00a9 Ruben Solaz 2013<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Zu einem Refugium f\u00fcr die Tier- und Pflanzenwelt ist auch die 3560 Quadratkilometer grosse&nbsp;<strong>Nevada National Security Site&nbsp;<\/strong><sup>2<\/sup>&nbsp;geworden. Hier testeten die Amerikaner bis 1992 Atombomben. Das Gebiet wird weiterhin von den Beh\u00f6rden kontrolliert und kann nur auf gef\u00fchrten Touren besucht werden.<\/p>\n\n<p>Den folgenreichsten Test f\u00fchrten die USA 1954 auf dem Bikini-Atoll im Pazifik durch: Die \u00abCastle Bravo\u00bb-Wasserstoffbombe war tausendfach st\u00e4rker als die Hiroshima-Bombe. Vorsorglich waren die Bewohner des Atolls zuvor auf andere Inseln umgesiedelt worden. Wegen der Strahlung konnten sie bis heute nicht in ihre Heimat zur\u00fcckkehren. 2010 wurde das\u00a0<strong>Bikini-Atoll<\/strong>\u00a0<sup>3<\/sup>\u00a0in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Unterdessen gilt es wegen seiner unber\u00fchrten Unterwasserwelt als Geheimtipp f\u00fcr Taucher.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/0967adad-0967adad-0112463.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Bikini-Atoll: Eine einzigartige Unterwasserwelt hat sich auf dem zur\u00fcckgelassenen Milit\u00e4rschrott entwickelt und lockt nicht nur Fische, sondern auch Taucher an. <br>\u00a9 Reinhard Dirscherl\/SeaPics.com<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entmilitarisierte Gebiete<\/h2>\n\n<p>Die\u00a0<strong>Demilitarisierte Zone<\/strong>\u00a0(DMZ)\u00a0<sup>4<\/sup>\u00a0zwischen Nord- und S\u00fcdkorea ist etwa vier Kilometer breit und zieht sich entlang des 38.\u00a0Breitengrades \u00fcber 250 Kilometer durch die gesamte Halbinsel. Seit dem Waffenstillstandsabkommen, das 1953 den Koreakrieg beendete, wird die Zone auf beiden Seiten milit\u00e4risch bewacht. In diesem Niemandsland voller Minen und Blindg\u00e4nger k\u00f6nnen seltene Zugv\u00f6gel wie der Mandschurenkranich oder der Weissnackenkranich unge-st\u00f6rt \u00fcberwintern. Hier leben auch Amurleoparden, Kragenb\u00e4ren und zahlreiche weitere gef\u00e4hrdete Arten. Der Plan, die Zone in ein Unesco-Reservat zu verwandeln, ist bisher am Widerstand von Nordkorea gescheitert. Solange die Spannungen zwischen den beiden Nachbarn anhalten, braucht die Natur in der DMZ aber keinen besonderen Schutz. Erst der Frieden mit Begleiterscheinungen wie Strassenbau und wirtschaftlicher Entwicklung w\u00fcrde f\u00fcr diese neue Wildnis zum Problem.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/227b188b-227b188b-laif-19.04742724-h.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Weissnackenkraniche bei der Futtersuche in der demilitarisierten Zone auf s\u00fcdkoreanischem Boden. <br>\u00a9 Ryu Seung-il\/Polaris\/dukas<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>In Europa hat sich der ehemalige&nbsp;<strong>eiserne Vorhang<\/strong>&nbsp;aus dem kalten Krieg in ein gr\u00fcnes Band verwandelt. Es schl\u00e4ngelt sich \u00fcber 12&nbsp;500 Kilometer von der Barentsee \u00fcber die baltische K\u00fcste, durch Deutschland und den Balkan bis ans Schwarze Meer. Wo fr\u00fcher auf Fl\u00fcchtlinge geschossen wurde, haben seltene Tier- und Pflanzenarten einen R\u00fcckzugsort gefunden. Seit dem Mauerfall sind mit Hilfe der europ\u00e4ischen Greenbelt-Initiative in verschiedenen Abschnitten Schutzgebiete errichtet worden.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ruhrgebiet und Lausitz<\/h2>\n\n<p>Der Niedergang der Schwerindustrie hat im&nbsp;<strong>Ruhrgebiet<\/strong>&nbsp;<sup>5<\/sup>&nbsp;rund 10&nbsp;000 Hektaren Brachland hinterlassen. Ein Teil wird f\u00fcr neue Zwecke verwendet, doch viele ehemalige Fabriken und Kohleminen sind inzwischen von Pflanzen \u00fcberwuchert und bieten Raum f\u00fcr gef\u00e4hrdete Arten. Die neue Wildnis erklimmt Schlackenberge und rostende Industrieanlagen mitten in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas. Das Forstamt hat einige Flecken unter dem Label \u00abIndustriewald Ruhrgebiet\u00bb f\u00fcr Schulen und andere Interessierte erschlossen.<\/p>\n\n<p>\u00c4hnliches spielt sich seit dem Fall der Mauer auch im Osten Deutschlands ab. Eine \u00abMondlandschaft\u00bb aus 32 stillgelegten Braunkohle-Tagebauminen auf fast 1000 Quadratkilometern Fl\u00e4che wurde renaturiert. Dazu kommen weitfl\u00e4chige Industrieanlagen und Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze, die nicht mehr ben\u00f6tigt werden. In die&nbsp;<strong>Lausitz<\/strong>&nbsp;<sup>6<\/sup>, ein Zentrum der Schwerindustrie der ehemaligen DDR, sind W\u00f6lfe aus Polen eingewandert und dort heimisch geworden. Es ist kein Zufall, dass etliche der aktuell 15 Kernsiedlungsgebiete f\u00fcr W\u00f6lfe in Deutschland Namen wie Tagebau Seese, Welzower Tagebau oder Truppen\u00fcbungsplatz Oberlausitztragen.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00fcnstliches Land<\/h2>\n\n<p>Vor der K\u00fcste von&nbsp;<strong>Buenos Aires<\/strong>&nbsp;<sup>7<\/sup>wurde ab 1978 nach holl\u00e4ndischem Vorbild Bauschutt ins Meer gekippt, um Land zu gewinnen. Eigentlich h\u00e4tte dieses Land \u00fcberbaut werden sollen, doch die Pl\u00e4ne wurden aus Spargr\u00fcnden sistiert und die aufgesch\u00fcttete Fl\u00e4che verwilderte. 1986 zum Naturschutzgebiet erkl\u00e4rt, ist die Costanera Sur heute ein Paradies f\u00fcr seltene Vogelarten und die wichtigste gr\u00fcne Lunge der Millionenstadt.<\/p>\n\n<p>Nicht weit von Amsterdam entfernt liegt\u00a0<strong>Oostvaardersplassen<\/strong>\u00a0<sup>8<\/sup>, mit 60 Quadratkilometern Fl\u00e4che eines der bedeutendsten gesch\u00fctzten Feuchtgebiete Europas. Bis in die sechziger Jahre lag der Landstrich unter dem Meeresspiegel. Erst der Bau eines grossen Deichs und die Trockenlegung des dahinter liegenden Bodens erm\u00f6glichten die schrittweise Ansiedlung von Wildtieren. Menschen ist der Zutritt strengstens verboten. In der Oostvaardersplassen leben heute 1200 wilde Konikpferde, Hirsche und eine Vielzahl von Zugv\u00f6geln.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/2c441489-2c441489-dsc0051j-moeras-oostvaardersplassen-met-drempel.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Oostvaardersplassen gilt als eine der unber\u00fchrtesten Naturlandschaften Europas.<br>\u00a9 Martijn de jonge<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Industriebrache Gunkanjima&nbsp;<sup>9<\/sup><\/h2>\n\n<p>Hashima ist eine von 505 unbewohnten Inseln der japanischen Pr\u00e4fektur Nagasaki. F\u00fcnf Kilometer trennen sie vom Festland. Der unwirtliche Felsen im ostchinesischen Meer blieb \u00fcber Jahrtausende unber\u00fchrt. Dann, um 1890, sicherte sich der Mitsubishi-Konzern die Rechte an der Insel, nachdem unter dem Meeresboden ein Kohlevorkommen entdeckt worden war.<\/p>\n\n<p>Zum Schutz vor St\u00fcrmen wurde eine massive Betonmauer um das Eiland gezogen, das nur 6,3 Hektaren misst, was der Fl\u00e4che von neun Fussballfeldern entspricht. Arbeiter begannen bis zu 1100 Meter tiefe Sch\u00e4chte zu graben. So wurde aus Hashima kurz nach der Jahrhundertwende Gunkanjima, die Kriegsschiff-Insel, wie sie fortan wegen ihres Steinwalls genannt wurde.<\/p>\n\n<p>Zu Spitzenzeiten f\u00f6rderte Mitsubishi j\u00e4hrlich 410\u00a0000 Tonnen \u00abBlack Diamond\u00bb, hochwertige Kohle. Die Kriege gegen China (1894) und Russland (1904) und sp\u00e4ter der Zweite Weltkrieg heizten die Nachfrage nach Kohle an. Mitsubishi baute die Mine fortlaufend aus, bis 1959 \u00fcber 5000 Arbeiter mit ihren Familien auf der Insel lebten: Eine Stadt mit dreissig mehrst\u00f6ckigen Beton-Zweckbauten \u00fcberzog den gesamten bewohnbaren Teil. Gunkanjima hatte mit 1391 Menschen pro Hektare eine der h\u00f6chsten Bev\u00f6lkerungsdichten, die jemals gemessen wurden. Die Arbeitsbedingungen waren brutal: 1300 Arbeiter starben durch Unf\u00e4lle in den Sch\u00e4chten, wegen Krankheiten, \u00dcberanstrengung oder Mangelern\u00e4hrung. Etliche ertranken beim Versuch, ans Festland zu schwimmen. Die Bewohner nannten die Stadt trotzdem Furusato (Heimatdorf). Es gab eine Primarschule, ein Gymnasium, Polizisten, eine Post, Spielpl\u00e4tze, ein Kino, Bars, Restaurants und ein Bordell.<\/p>\n\n<p>Das wahre Drama der Insel begann Ende der 60er Jahre. Nicht ein Zyklon, ein Erdbeben oder die 1945 \u00fcber Nagasaki abgeworfene Atombombe \u00abFat Man\u00bb beendete das Leben auf der Insel, sondern eine \u00f6konomische Umw\u00e4lzung: Erd\u00f6l l\u00f6ste Kohle als Energietr\u00e4ger ab \u2013 und Gunkanjima hatte f\u00fcr Mitsubishi keine Bedeutung mehr. Eine ganze Stadtgemeinschaft, durch Enge und Abgeschiedenheit zusammengeschweisst, wurde mit einem Schlag auseinandergerissen und in Fabriken \u00fcber ganz Japan verteilt. Am 20. April 1974 stiegen die letzten Bewohner auf die F\u00e4hre Richtung Nagasaki.<\/p>\n\n<p>Seither wird aus der Kriegsschiff-Insel langsam wieder Hashima. Das Meersalz zerfrisst Betonmauern und Metalltr\u00e4ger, zur\u00fcckgelassene Reiskocher, Modelleisenbahnen und Coiffeursessel. St\u00fcrme reissen an der Festungsmauer, Bambusb\u00fcsche \u00fcberwuchern D\u00e4cher und zerfallende Treppen. Die Geisterstadt vermittelt eine Vorahnung dessen, wie unsere Welt einmal aussehen k\u00f6nnte, wenn die letzten \u00d6lfelder leergepumpt, die letzten Gasadern gefrackt und die letzten Uranvorkommen gef\u00f6rdert und verstrahlt sind.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/865539e7-865539e7-gunkanjima_bw.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Wo einst reges Leben die Insel zum wirtschaftlichen Zentrum machte, wuchert jetzt eine \u00fcppige Vegetation durch die H\u00e4userschluchten.<br>\u00a9 Chiyukito<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Arbeiter von Gunkanjima wurden mit der Botschaft \u00abMit Black Diamond zu einem gl\u00fccklichen Leben\u00bb angelockt. Die Arbeiter der Region Fukushima wurden mit dem Slogan \u00abNuklearenergie, die Quelle f\u00fcr eine gl\u00e4nzende Zukunft\u00bb empfangen. Die Kraft des Urans machte aus dem Fischerdorf Futaba eine pulsierende K\u00fcstenstadt. Seit dem Super-GAU liegt sie \u2013\u00a0wie Gunkanjima \u2013 verlassen, still und dunkel da. Sie ist zu einer neuen Wildnis geworden, unzug\u00e4nglich f\u00fcr die Menschen und f\u00fcr Jahrzehnte verloren.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/48c1266f-48c1266f-gunkanjima093.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>\u00a9 Marchand\/Meffre<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Detroit&nbsp;<sup>10<\/sup><\/h2>\n\n<p>In der weltweit f\u00fchrenden Industriestadt, lebten in den 50er Jahren noch fast zwei Millionen Menschen. Heute ist die Bev\u00f6lkerung auf die H\u00e4lfte geschrumpft. Mehr als 90 000 Grundst\u00fccke sollen ungenutzt sein. Das ist eine Chance f\u00fcr die Natur, denn nun will ein \u00f6sterreichischer Landwirt mit Feldern und Parks eine Fl\u00e4che in der Gr\u00f6sse Wiens begr\u00fcnen. Wo heute urbanes \u00d6dland ist, k\u00f6nnten in ein paar Jahren Obstb\u00e4ume bl\u00fchen und Gem\u00fcsefelder stehen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/04\/f45cf78b-gp04f57.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Was von der Autostadt Detroit \u00fcbrig geblieben ist: Industriebrachen und Ruinen.<br>\u00a9 Detroiturbex.com<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Klimaverw\u00fcstungen<\/h2>\n\n<p>Wie sich der globale Klimawandel auswirken wird, l\u00e4sst sich erst erahnen. Unbestritten steigt das Risiko von Naturkatastrophen, \u00dcberschwemmungen, Felsst\u00fcrzen und Erdrutschen. Mit baulichen Massnahmen lassen sich solche Gefahren zwar einigermassen in den Griff bekommen, doch kostet dies sehr viel Geld. Gewisse Risikoregionen zu sperren, ist oft g\u00fcnstiger, als an ihrer Nutzung festzuhalten. So plant etwa die holl\u00e4ndische Regierung, gr\u00f6ssere \u00dcberschwemmungsgebiete ganz der Natur zu \u00fcberlassen.<\/p>\n\n<p>Der pazifische Inselstaat&nbsp;<strong>Kiribati<\/strong>&nbsp;<sup>11<\/sup>&nbsp;mit seinen 100&nbsp;000 Einwohnern auf 21 Inseln k\u00f6nnte schon bald unbewohnbar werden. Einige Inseln wurden bereits ger\u00e4umt. Der h\u00f6chste Punkt von Kiribati liegt nur drei Meter \u00fcber dem Meeresspiegel. Das Land hat zu wenig Geld, um die heftiger werdenden Sturmfluten mit neuen D\u00e4mmen aufzuhalten. Und der futuristische Plan, schwimmende Inseln zu bauen, k\u00e4me nur einem kleinen Teil der Bev\u00f6lkerung zugute. Pr\u00e4sident Anote Tong verhandelt derzeit mit Fidschi, Neuseeland und Australien \u00fcber m\u00f6gliche Umsiedlungen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein untersch\u00e4tztes Ph\u00e4nomen<\/h2>\n\n<p>Eine klare Definition, ab wann ein der Natur \u00fcberlassenes Gebiet als \u00abneue Wildnis\u00bb gilt, gibt es nicht. Auch finden sich kaum Daten \u00fcber die Verbreitung und die \u00f6kologische Qualit\u00e4t solcher Landstriche. Umweltorganisationen k\u00fcmmern sich mehr um den Schutz intakter \u00d6kosysteme als um verlassene Industriebrachen mit Naturpark-Potenzial. Die Bedeutung des Ph\u00e4nomens \u00abNeue Wildnis\u00bb d\u00fcrfte in den n\u00e4chsten Jahren im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels aber zunehmen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/c2df4581-c2df4581-neuewildnis_d.jpg\"><br><\/a><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/c2df4581-c2df4581-neuewildnis_d.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abPostindustrielle Natur\u00bb \u2013 unter diesem Begriff versteht man Gebiete, aus denen sich der Mensch freiwillig oder unter Zwang zur\u00fcckgezogen hat. 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