{"id":11011,"date":"2014-08-29T00:00:00","date_gmt":"2014-08-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/11011\/das-eis-wird-duenn\/"},"modified":"2022-02-28T14:11:22","modified_gmt":"2022-02-28T13:11:22","slug":"das-eis-wird-duenn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/11011\/das-eis-wird-duenn\/","title":{"rendered":"Das Eis wird d\u00fcnn"},"content":{"rendered":"<p><b>Wissenschaftler des Alfred Wegener Instituts (AWI) haben Daten \u00fcber den R\u00fcckgang des Eises auf Gr\u00f6nland und in der Antarktis ver\u00f6ffentlicht. Wir haben Angelika Humbert vom AWI interviewt.<\/b><\/p>\n<p>Zoom<\/p>\n<p>Freitag, 29. August 2014<br \/>\n..so sch\u00f6n und doch so zerbrechlich.<\/p>\n<p>\u00a9 Greenpeace \/ Steve Morgan<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div class=\"field--teaser ugc\">\n<p><strong>Wissenschaftler des Alfred Wegener Instituts (AWI) haben Daten \u00fcber den R\u00fcckgang des Eises auf Gr\u00f6nland und in der Antarktis ver\u00f6ffentlicht. Wir haben Angelika Humbert vom AWI interviewt.<\/strong><\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\"><a class=\"open-img EnlargeImage\" title=\"..so sch\u00f6n und doch so zerbrechlich.\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d32ef4bc-d32ef4bc-jellyfish_arctic.jpg\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" style=\"border-width: 0px;\" title=\"..so sch\u00f6n und doch so zerbrechlich.\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d32ef4bc-d32ef4bc-jellyfish_arctic.jpg\" alt=\"..so sch\u00f6n und doch so zerbrechlich.\" \/><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"events-content\"><span class=\"date\">Freitag, 29. August 2014<\/span><br \/>\n<strong>..so sch\u00f6n und doch so zerbrechlich.<\/strong><\/p>\n<p>\u00a9 Greenpeace \/ Steve Morgan<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field--body ugc\">\n<p>Die Wissenschaftler haben f\u00fcr ihre Studie Daten des ESA-Satelliten CryoSat-2 aus den Jahren 2011 bis 2014 ausgewertet. Die Satellitenaufnahmen umfassen eine Fl\u00e4che von 16 Millionen Quadratkilometern und somit 500.000 Quadratkilometer mehr als bei bisherigen Messungen. Erstmals konnten so fl\u00e4chendeckende Karten der Eisschilde auf Gr\u00f6nland und in der Antarktis erstellt werden. Radar- und Laserimpulse erm\u00f6glichen, die H\u00f6henver\u00e4nderungen des Eises und die Ver\u00e4nderungen der Gletscher zu dokumentieren.<\/p>\n<p>\u00abInsgesamt verlieren die Eisschilde pro Jahr rund 500 Kubikkilometer Eis. Diese Menge entspricht einer Eisschicht, die rund 600 Meter dick ist und sich \u00fcber das gesamte Stadtgebiet Hamburgs erstreckt\u00bb, so das Fazit.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Angelika Humbert hat an der Studie gearbeitet und uns einige Fragen beantwortet.<\/p>\n<p><strong>Der Eisverlust hat sich seit dem Jahr 2009 in der Westantarktis verdreifacht und auf Gr\u00f6nland verdoppelt. So stark war der R\u00fcckgang der Eisschilde seit Beginn der Messungen vor 20 Jahren nicht. Haben Sie eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt nicht die eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr alle Gletscher und Eisstr\u00f6me, aber eine Kurzfassung: Wir k\u00f6nnen in der Antarktis und Gr\u00f6nland eine Beschleunigung vieler grosser Gletscher beobachten &#8211; Pine Island Gletscher, Jakobshavn Isbrae und viele mehr. Die Gletscher fliessen also schneller ins Meer &#8211; so wird mehr Eis vom Eisschild abtransportiert und das Volumen der Eisschilde verringert sich.<\/p>\n<p>Zudem \u00e4ndert sich aufgrund der Erderw\u00e4rmung die sogenannte Oberfl\u00e4chenmassenbilanz in Gr\u00f6nland: Das heisst, dass es in einigen Regionen weniger schneit als fr\u00fcher. In anderen Regionen schmilzt im Sommer mehr Schnee, als im Winter dazugekommen ist.<\/p>\n<p>Die Frage nach der Erkl\u00e4rung muss aber tiefer gehen, n\u00e4mlich fragen, was urs\u00e4chlich die Beschleunigung der Gletscher bedingt und wieso es in Gr\u00f6nland mehr Schmelzen gibt. Einiges spricht daf\u00fcr, dass die Beschleunigung der Gletscher mit der Dynamik an der \u00dcbergangslinie zwischen Inlandeis und Schelfeis, der schwimmenden Eismasse, zusammenh\u00e4ngt. Das Meer ist durch den Klimawandel w\u00e4rmer geworden, so dass die Gletscher an der Stelle, wo sie vom Festland ins Meer gleiten, vermehrt Schmelzen an ihrer Unterseite erfahren\u00a0 &#8211; das beschleunigt das Fliessen der Gletscher.<\/p>\n<p>In der Antarktis kommt hinzu, dass die Schelfeise aufgrund der Erw\u00e4rmung des Meeres d\u00fcnner werden und so an R\u00fcckhaltekraft verlieren: Wenn ein Gletscher vom Festland ins Meer wandert, st\u00f6sst er auf Schelfeis &#8211; dadurch wird er gebremst. Wenn dieses Schelfeis nun aber d\u00fcnner wird, bricht es leichter und der Gletscher kann schneller ins Meer flie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Sie sagen, dass die H\u00f6henver\u00e4nderungen besonders stark am westgr\u00f6nl\u00e4ndischen Jakobshavn Isbrae-Gletscher feststellbar seien. Dass er mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 46 Metern am Tag ins Meer fliesst. Wieso sind die Entwicklungen so unterschiedlich?<\/strong><\/p>\n<p>Jedes einzelne Gletschereinzugsgebiet hat seine eigene Dynamik.\u00a0Die Fliessgeschwindigkeit ist zum Beispiel davon abh\u00e4ngig, ob der Gletscher in eine Vertiefung wandert. Auch der geothermale W\u00e4rmefluss, der vom Boden her heizt und in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich ist, beeinflusst das Gleiten der Eismassen &#8211; ebenso die Rauigkeit des Bodens.<\/p>\n<p>Die Tidewater Glaciers, Gletscher, deren Front im Ozean liegt, reagieren mit ihrem Abbruch auf die Erw\u00e4rmung des Ozeans. Die Gletscher, die komplett auf dem Land liegen, haben diesen zus\u00e4tzlichen Faktor nicht. In der Antarktis kommt dann noch die Rolle der Schelfeise als R\u00fcckhaltekraft hinzu &#8211; Sie sehen, es gibt viele Faktoren, weshalb die einzelnen Gletscher unterschiedlich reagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, warum das Eis der Ostantarktis mehr wird? Ist das nicht ein Grund, ein wenig aufzuatmen &#8211; so nach dem Motto: Eis bricht eben an einer Stelle ab, weil da eh schon immer ein Riss war. Daf\u00fcr w\u00e4chst es an anderer Stelle &#8211; so warm kann es also nicht sein. Und wird der Verlust auf der anderen Seite dadurch aufgehoben?<\/strong><\/p>\n<p>Die Zunahme in Dronning Maud Land ist eine Niederschlagsanomalie, es hat mehr geschneit als \u00fcblich. Ein Eisschild w\u00e4chst, wenn Schnee f\u00e4llt und zu Eis wird. Wie der Begriff Anomalie aber schon sagt, eine Ausnahme. Aufatmen kann man nur insofern, als dass diese Anomalie die Auswirkungen der Westantarktis ein wenig in der Summe d\u00e4mpft. Wenn die Anomalie vorbei ist, wird sich der Eisverlust jedoch umso deutlicher zeigen.<\/p>\n<p><strong>Sie vermeiden den Begriff Eisschmelze. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Ich nutze ihn nur dort, wo er angebracht ist. Lassen Sie uns ein Gedankenexperiment machen: Wir sch\u00fctten einen Eimer Eisw\u00fcrfel auf einen Tisch. Jetzt schubsen wir jede Minute einen Eisw\u00fcrfel \u00fcber die Tischkante. Keiner w\u00fcrde in dem Fall sagen, dass die Eisw\u00fcrfel auf dem Boden geschmolzen sind &#8211; sie sind vom Tisch gefallen. Jetzt machen wir dieses Experiment im Hochsommer, in der prallen Sonne, bei 36\u00b0C. Zus\u00e4tzlich zu den Eisw\u00fcrfeln, die wir vom Tisch schubsen, werden einige noch schmelzen und das Wasser l\u00e4uft vom Tisch.<\/p>\n<p>Es ist einfach wichtig, das richtige Bild in den K\u00f6pfen zu erzeugen. In der Antarktis schmilzt der Eisschild nicht weg &#8211; dort ist es viel zu kalt und nur in einigen Bereichen schmilzt es signifikant an der Oberfl\u00e4che. Der Massenverlust kommt aber von der Beschleunigung der Gletscher, die immer mehr Eis in den Ozean transportieren. In unserem Bild von den Eisw\u00fcrfeln auf dem Tisch bedeutet das, dass wir nun nicht einen, sondern zwei Eisw\u00fcrfel pro Minute \u00fcber die Tischkante schieben. In Gr\u00f6nland hingegen tr\u00e4gt Schmelzen und eine Ver\u00e4nderung des Niederschlags ebenso viel zum Massenverlust bei wie die Beschleunigung der Gletscher. Dort verliert der Eisschild tats\u00e4chlich durch Schmelzen deutlich an Masse.<\/p>\n<p><strong>Wie wirkt sich der R\u00fcckgang des Eisschildes auf den Anstieg des Meeresspiegels aus?<\/strong><\/p>\n<p>Der Meeresspiegel steigt in dem Mass, wie die Eisschilde Masse verlieren. 360 Gigatonnen Eis entsprechen 1 mm Meeresspiegel. Alles, was die Masse der Eisschilde ver\u00e4ndert, ver\u00e4ndert direkt den Meeresspiegel, sei es mehr Eintrag von Eis in den Ozean durch schneller fliessende Gletscher, eine Anomalie im Schneezutrag oder Schmelzen an der Oberfl\u00e4che des Eisschildes.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/actforarctic.org\/switzerland\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Jetzt handeln!<\/strong><\/a><br \/>\nLass nicht zu, dass r\u00fccksichtslose \u00d6lfirmen durch risikoreiche \u00d6lbohrungen die Arktis und das Weltklima aufs Spiel setzen und den Klimawandel weiter vorantreiben.<br \/>\nInformier Dich, werde aktiv und hilf uns, in der Arktis ein Naturschutzgebiet zu errichten. Wir brauchen Dich und Deine Unterst\u00fctzung!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler des Alfred Wegener Instituts (AWI) haben Daten \u00fcber den R\u00fcckgang des Eises auf Gr\u00f6nland und in der Antarktis ver\u00f6ffentlicht. Wir haben Angelika Humbert vom AWI interviewt. Zoom Freitag, 29.&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":11013,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[41],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-11011","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-meer","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11011","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11011"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11011\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11013"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11011"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11011"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11011"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=11011"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=11011"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}