{"id":11046,"date":"2014-08-07T00:00:00","date_gmt":"2014-08-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/11046\/sportlicher-multiplikator\/"},"modified":"2019-05-30T10:50:00","modified_gmt":"2019-05-30T08:50:00","slug":"sportlicher-multiplikator","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/11046\/sportlicher-multiplikator\/","title":{"rendered":"Sportlicher Multiplikator"},"content":{"rendered":"<p><b>Es gibt Orte, an denen selbst  ein mit permanenter Reiz\u00fcberflutung vertrautes Gehirn Schwierigkeiten hat, alle Eindr\u00fccke zu verarbeiten. Das Staples Center ist so ein Ort, diese monstr\u00f6se Arena mitten in Los Angeles. Die Lakers spielen an diesem Abend gegen die Indiana Pacers, es riecht nach Schweiss, Bier und K\u00e4sesauce. Mark Wahlberg ist da, Ashton Kutcher auch, und nat\u00fcrlich Jack Nicholson. Der schimpft gerade auf die Schiedsrichter und die Spieler der Lakers. Aus den Lautsprechern dr\u00f6hnt Musik, die Zuschauer johlen, weil gerade ein \u00e4lteres Paar auf der gigantischen Videoleinwand zum Knutschen aufgefordert wird. Irgendwo weint ein Kind.<\/b><\/p>\n<div>\n<p class=\"p1\"><a class=\"pdf\" title=\"Artikel als PDF downloaden\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/1407_GP_MAG_2-14_Sport01.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&gt; Artikel im lesefreundlichen Magazinformat als PDF downloaden (500KB)<\/a> <br \/><a title=\"Themenschwerpunkt Sport und Umwelt\" href=\"\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2014-Magazin\/Themenschwerpunkt-Sport\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">&gt; Weitere Artikel zum Themenschwerpunkt Sport und Umwelt<\/a><\/p>\n<p class=\"p1\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><em>Von J\u00fcrgen Schmieder, Los Angeles<\/em><\/strong>\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box middle-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d1c3bee3-d1c3bee3-1407_sport_sonderegger-cortis01.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl06_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d1c3bee3-d1c3bee3-1407_sport_sonderegger-cortis01.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            \u00a9 Cortis &amp; Sonderegger\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>In solchen Momenten lohnt es bisweilen, auf Dinge zu achten, die nicht da sind. Wer sich auf die M\u00e4nnertoilette zur\u00fcckzieht, dem f\u00e4llt auf, dass in den Pissoirs kein Wasser fliesst. Die Betreiber der Arena haben vor sechs Jahren 178 Urinale ausgetauscht und eine wasserlose Technologie installiert: Mehr als 26 Millionen Liter Wasser werden dabei pro Jahr gespart. Was ebenfalls fehlt: Becher, die man nach dem Genuss des Getr\u00e4nks in eine M\u00fclltonne wirft. Man gibt sie zur\u00fcck. Es fehlen auch die in den USA bisweilen \u00fcblichen \u00fcberdimensionierten Restm\u00fcllbeh\u00e4lter. Hier im Staples Center wird der M\u00fcll getrennt, im Presseraum gibt es nur eine Tonne f\u00fcr wiederverwertbaren Abfall. Die reicht, weil hier keine Materialien verwendet werden, die man in einen Beh\u00e4lter mit der Aufschrift \u00abRestm\u00fcll\u00bb werfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3 class=\"p1\">Nur 500 W\u00f6rter von Obama zur Energiepolitik<\/h3>\n<p class=\"p1\">Das Staples Center war die erste Arena in den Vereinigten Staaten, der das Zertifikat ISO 14001 f\u00fcr vorbildliches Umweltmanagement verliehen wurde. Die Halle, in der die Vereine der Lakers, der Clippers, der Kings und der Sparks ihre Heimspiele austragen und die auch f\u00fcr Konzerte und Veranstaltungen wie etwa die Verleihung der Grammy Awards genutzt wird, gilt als Beispiel, wie der amerikanische Profisport zu einem Vorbild im Umweltschutz geworden ist.<\/p>\n<p class=\"p1\">Richtig gelesen: Die W\u00f6rter amerikanisch, Profisport und Umweltschutz kommen im gleichen Satz vor. Die USA werden oft verspottet als eine Nation, deren Einwohner als unbeweglich gelten, wenn man ihnen das Auto wegnimmt. Als eine auch, in der die Wurstbraterei Wienerschnitzel in die Liste sch\u00fctzenswerter Geb\u00e4ude aufgenommen wurde, weil sie den kalifornischen Lifestyle (mit dem Auto Essen holen) gar wunderbar repr\u00e4sentiert. Und als eine, deren CO2-Ausstoss laut einer Studie der Europ\u00e4ischen Kommission nur noch von China \u00fcbertroffen wird.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>\u00abIm Staples Center von Los Angeles spart man mit moderner Technologie 26 Millionen Liter Wasser im Jahr.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"p1\">Der amerikanische Pr\u00e4sident Barack Obama hielt k\u00fcrzlich eine Rede zur Lage der Nation. Fulminant war sie, ein beinahe 7000 W\u00f6rter langes Feuerwerk. Auch in diesem Fall lohnte es sich, darauf zu achten, was fehlte: eine klare Aussage zur Umweltpolitik, etwa Ideen oder Gesetzesentw\u00fcrfe. Nicht einmal 500 W\u00f6rter sagte Obama zur Energiepolitik \u2014 die meisten drehten sich um Fracking, jene Methode zur Erd\u00f6lund Erdgasgewinnung, die derzeit kontrovers diskutiert wird. Die Umweltsch\u00fctzer jedenfalls waren bitter entt\u00e4uscht. Der Pr\u00e4sident von Friends of the Earth, Eric Pita, sagte etwa: \u00abDie rhetorische Qualit\u00e4t entsprach nicht der Ernsthaftigkeit des Themas.\u00bb\u00a0<\/p>\n<h3 class=\"p1\">\u00d6kologisches Erwachen im Sport<\/h3>\n<p class=\"p1\">Nat\u00fcrlich hat Obama in seiner Amtszeit zahlreiche \u00f6kologische Projekte auf den Weg gebracht; er gilt als erster US-Pr\u00e4sident, der einen weitreichenden Plan zum Klimaschutz vorgestellt hat. Dennoch wirkt er derzeit zur\u00fcckhaltend, wenn es um Natur und Umwelt geht. Freilich sagte er w\u00e4hrend seiner Rede: \u00abDer Klimawandel ist eine Tatsache. Und wenn uns dereinst unsere Kindeskinder in die Augen sehen und fragen, ob wir alles getan haben, um ihnen eine stabilere und sicherere Welt mit neuen Energieressourcen zu \u00fcberlassen, dann will ich, dass wir sagen k\u00f6nnen: Yes, we did.\u00bb Was Obama nicht sagte, war, wie er das anstellen m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wenige Tage nach der Rede teilte das US-Aussenministerium mit, dass die geplante Keystone-XL-Pipeline von Kanada zum Golf von Mexiko gebaut werden k\u00f6nne. Obama habe signalisiert, dem Milliardenprojekt zuzustimmen, sofern der CO2-Ausstoss nicht massgeblich erh\u00f6ht werde. Er sagte nicht, dass der Ausstoss reduziert werden m\u00fcsse. Was ebenfalls fehlte: die Einheit, um wie viel der CO2-Ausstoss erh\u00f6ht werden d\u00fcrfe, damit \u00d6l quer durch die USA transportiert werden kann. \u00abNicht massgeblich\u00bb ist recht vage.<\/p>\n<p class=\"p1\">Es gelingt der amerikanischen Politik derzeit nicht, die B\u00fcrger f\u00fcr den Umweltschutz zu sensibilisieren \u2014 obwohl sich laut einer Umfrage mehr als 70 Prozent der Amerikaner gerne damit besch\u00e4ftigen w\u00fcrden. Also braucht es andere Vorbilder wie etwa den Sport. \u00abDie Menschen in diesem Land beginnen zu begreifen, welchen Einfluss der Sport auf die Umwelt hat \u2014 und dass die Umwelt auf Ver\u00e4nderungen reagiert\u00bb, sagt Michael Pfahl. Er ist Lehrbeauftragter an der Ohio University und besch\u00e4ftigt sich seit Jahren mit dem Verh\u00e4ltnis von Sport und Umwelt. Er hat den Basketballverein Cleveland Cavaliers in Umweltfragen beraten und zahlreiche Artikel dar\u00fcber verfasst, wie Sportorganisationen f\u00fcr einen gr\u00fcneren Planeten sorgen k\u00f6nnen. Einer davon heisst \u00abThe Environmental Awakening in Sport\u00bb \u2014 das \u00f6kologische Erwachen im Sport. \u00abDer Sport ist hierzulande gerade dabei, seiner Verantwortung gerecht zu werden, aber es ist nat\u00fcrlich ein fortlaufender Prozess, der nie zu Ende sein wird.\u00bb<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>\u00abDie Menschen in den USA beginnen zu begreifen, welchen Einfluss der Sport auf die Umwelt hat.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3 class=\"p1\">Das Staples Center hat eine Vorbildfunktion<\/h3>\n<p class=\"p1\">Eine bedeutende Rolle nimmt dabei die Green Sports Alliance (GSA) ein, eine Non-Profit-Organisation, die im Februar 2010 als Workshop von Sportmanagern im Nordwesten der Vereinigten Staaten begonnen hat und mehr als 210 Mitglieder z\u00e4hlt: Sportligen wie NHL, NBA, MLB oder der amerikanische Tennisverband, Profiklubs und Universit\u00e4ten mit Sportprogrammen, sowie Betreiber von Sportarenen. Die GSA will nach eigenen Angaben \u00abdie Welt durch Sport begr\u00fcnen\u00bb. Vorstandsmitglied Scott Jenkins sagt: \u00abUnsere gr\u00f6sste Herausforderung ist es, die Aufmerksamkeit der Menschen\u00a0zu bekommen. Wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass Nachhaltigkeit ein Teil des Tagesablaufs wird, der mit anderen Interessen eng verwoben ist.\u00bb Jenkins verantwortet das Stadion des Baseballvereins Seattle Mariners und fordert seine Mitarbeiter auf, sich vorbildlich zu verhalten und mit den Besuchern der Arena stets auch \u00fcber Nachhaltigkeit zu sprechen: \u00abWir wollen Vorbilder f\u00fcr die Gesellschaft sein.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p class=\"p1\">Sport hat, das zeigen mehrere Studien, einen beinahe religi\u00f6sen Einfluss auf die Gesellschaft. Anh\u00e4nger der Vereine pilgern an Spieltagen in die modernen Kathedralen (die Stadien) und so mancher Athlet wird wie ein Prophet verehrt. Die Multiplikatorwirkung ist immens: Ins Staples Center kommen pro Jahr mehr als vier Millionen Menschen. Sie jubeln nicht nur Kobe Bryant oder Chris Paul zu, sondern sehen auch, was sonst passiert in dieser Arena. Wenn sie erkennen, wie \u00f6kologisch dort gearbeitet und bestenfalls auch noch Geld gespart wird, setzen sie diese Ideen wom\u00f6glich zuhause um.<\/p>\n<p class=\"p1\">Das Beispiel der erw\u00e4hnten Pissoirs zeigt das schwierige Verh\u00e4ltnis der Politik zum Umweltschutz. \u00abWir wollten die Anlagen schon zwei Jahre fr\u00fcher installieren\u00bb, sagt Chefingenieur Bill Pottorff: \u00abDie Stadt Los Angeles hatte die Technologie jedoch noch nicht genehmigt, niemand wusste, was man damit anfangen konnte. Es gab zahlreiche Vorurteile, etwa dass es stinken w\u00fcrde.\u00bb Mittlerweile erhalte er zahlreiche Anrufe von Zuschauern, die sich \u00fcber die Technologie informieren wollen, weil sie gesehen haben, dass es im Staples Center wunderbar funktioniert. \u00abWir sparen allein beim Wasser beinahe 30 000 Dollar pro Jahr\u00bb, sagt Pottorff. Zahlreiche Restaurants und Kneipen in Los Angeles haben nach\u2013gezogen, weil ihre Besitzer nach einem Besuch im Staples Center begeistert waren.<\/p>\n<h3 class=\"p2\">Wie kann M\u00fcll an Spieltagen reduziert werden?<\/h3>\n<p class=\"p1\">Die GSA will \u00fcber die Sportvereine einen Schneeball ins Rollen bringen, der immer gr\u00f6sser wird und irgendwann selbst jene mitreisst, die den Klimawandel f\u00fcr ein M\u00e4rchen von Apokalyptikern halten. Die Organisation selbst stellt keine Zertifikate aus und gibt auch keine Richtlinien vor, sondern entwirft mit dem Natural Resources Defense Council (NRDC) und der amerikanischen Umweltschutzbeh\u00f6rde individuelle L\u00f6sungen f\u00fcr Sportvereine. Wie kann der M\u00fcll an Spieltagen reduziert werden? K\u00f6nnen auf dem Stadiondach Sonnenkollektoren angebracht werden? Und sollen die Zuschauer wirklich dazu verf\u00fchrt werden, in der Halbzeitpause einen Monsterburger mit dreifacher Fleischmenge zu verdr\u00fccken?\u00a0<\/p>\n<p class=\"p1\">\u00abEs geht darum, Strategien zu entwickeln, die nachhaltig funktionieren\u00bb, sagt Pfahl: \u00abWeil der Sport derart unter Beobachtung steht, hat er auch Gelegenheit, Menschen permanent zu erreichen.\u00bb Die Cleveland Cavaliers etwa begannen zun\u00e4chst einmal, ihre eigenen Mitarbeiter zu sensibilisieren: durch das Bereitstellen von Bechern und Wasserfont\u00e4nen statt dem Verkauf von Dosen, durch den Verzicht aufs Ausdrucken von Mails und Statistiken \u2014 und durch einen Wettbewerb, welcher Angestellte sich am vorbildlichsten verh\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Bei den Seattle Mariners sorgte GSA-Vorstand Jenkins durch das Umr\u00fcsten des Stadions ab 2006 daf\u00fcr, dass der Wasserverbrauch um 25 Prozent sank, der von Elektrizit\u00e4t um 30 und der von Gas gar um 60 Prozent. Dazu gelang es ihm, den Anteil von wiederverwertbarem M\u00fcll von 12 auf 81 Prozent zu erh\u00f6hen. \u00abDas ist ein Bereich, an dem sich alle beteiligen k\u00f6nnen\u00bb, sagt Jenkins: \u00abWir haben die Fans ein wenig \u00fcbert\u00f6lpelt. Denn wenn es keine M\u00fclleimer mehr gibt, werden die kompostierf\u00e4higen oder verwertbaren Sachen automatisch in die richtigen Tonnen zum Rezyklieren geworfen.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Portland Trail Blazers versuchten es \u2014 neben dem Umbau der Arena und dem Beizug umweltfreundlicher Lieferanten \u2014 mit alternativen Transportm\u00f6glichkeiten: Mittlerweile kommen 30 Prozent der Zuschauer und mehr als 40 Prozent der Angestellten mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zum Stadion. Die Arena ist die einzige Sporthalle in den USA, die vom Green Building Council den Gold-Standard verliehen bekam.<\/p>\n<p class=\"p1\">Jedes Mitglied der GSA probiert den Wandel also auf seine Art. Jenkins sagt dazu: \u00abJede Form des Begr\u00fcnens ist letztlich positiv.\u00bb<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>\u00abDer Sport ist hierzulande gerade dabei, seiner Verantwortung gerecht zu werden.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3 class=\"p1\">Erste \u00d6kologiebewegung Ende 50er Jahre<\/h3>\n<p class=\"p1\">Man kann die aktuellen Bem\u00fchungen des amerikanischen Sports nicht erkl\u00e4ren, ohne ein paar Jahre zur\u00fcckzublicken. \u00abEs gab drei wichtige \u00f6kologische Bewegungen in den Vereinigten Staaten\u00bb, sagt Pfahl, \u00abdie erste bereits Ende der 50er Jahre.\u00bb Auch damals war der Sport massgeblich beteiligt. Um das zu verstehen, muss man nach Squaw Valley im Norden Kaliforniens fahren. Dort fanden im Jahr 1960 die Olympischen Winterspiele statt. Es gibt ein Bild der Gegend aus dem Jahr 1954 \u2013 fast eine Reizunterflutung: Es sind Berge zu sehen, auf denen ein bisschen Schnee liegt, viele B\u00e4ume und ein Feldweg. Der f\u00fchrt in einen Ort, der aussieht, als w\u00e4re seit dem Goldrausch mehr als hundert Jahre zuvor niemand mehr vorbeigekommen.<\/p>\n<p class=\"p1\">In diesem Ort fanden sechs Jahre sp\u00e4ter tats\u00e4chlich Olympische Winterspiele statt. \u00abEs war eigentlich unm\u00f6glich\u00bb, sagt David Antonucci, der das Buch \u00abSnowball\u2019s Chance\u00bb dar\u00fcber geschrieben hat: \u00abDie Organisatoren haben aber daf\u00fcr gesorgt, dass es nicht nur Wettkampfst\u00e4tten gab, und auch daf\u00fcr, dass beinahe jedes Bauwerk auch danach noch genutzt werden konnte. Und sie haben darauf geachtet, dass nicht zu sehr in die Natur eingegriffen wird.\u00bb Es gab ein Haus, in dem alle Athleten wohnten und von dem sie zu allen Wettkampfst\u00e4tten zu Fuss gehen konnten.<\/p>\n<h3 class=\"p1\">Walt Disney verzichtete auf Themenpark<\/h3>\n<p class=\"p1\">In den vergangenen f\u00fcnfzig Jahren hat sich eine sch\u00f6ne Wintersportgegend entwickelt. Und wieder lohnt es sich, darauf zu achten, was fehlt: eine Bobbahn etwa. \u00abNur zwei Nationen hatten ihre Teilnahme fest zugesagt\u00bb, sagt Antonucci: \u00abWeil eine Bobbahn sehr teuer und vor allem \u00f6kologisch unsinnig gewesen w\u00e4re, erhielt das Organisationskomitee vom IOC im Jahr 1957 die Erlaubnis, Bobfahren aus dem Programm zu streichen.\u00bb Was auch fehlt, ist ein Winter-Disneyland. Walt Disney war damals in die Organisation der Spiele eingebunden und wollte sp\u00e4ter an diesem Ort einen gewaltigen Themenpark errichten. Doch Umweltsch\u00fctzer warnten ihn vor den Konsequenzen und er liess es bleiben. Noch heute wehren sich B\u00fcrger vor allem im Norden gegen allzu viele F\u00fcnfsternhotels und Prachtbauten.<\/p>\n<p class=\"p1\">Vor wenigen Wochen kamen russische Journalisten nach Squaw Valley. Der nicht ganz unbegr\u00fcndete Verdacht: Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin k\u00f6nnte sie geschickt haben, damit er die Spiele in Sotschi, die monstr\u00f6sen Bauten und die immensen Eingriffe in die Umwelt damit rechtfertigen k\u00f6nne, dass das die Amerikaner mehr als f\u00fcnfzig Jahre zuvor auch nicht anders gemacht h\u00e4tten. \u00abDas ist jedoch \u00fcberhaupt nicht zu vergleichen \u2014 in Squaw Valley wurde immens darauf geachtet, die Umwelt zu erhalten\u00bb, sagt Antonucci. Die russischen Reporter seien recht entt\u00e4uscht wieder abgereist.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>\u00abBei den Cleveland Cavaliers gibt es einen Wettbewerb, welcher Angestellte sich am vorbildlichsten verh\u00e4lt.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3 class=\"p1\">Umweltbewusster Mitbegr\u00fcnder von Microsoft<\/h3>\n<p class=\"p1\">Die zweite grosse Bewegung fand in den 90er Jahren w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft von Bill Clinton statt. Der forderte vor allem Unternehmer auf, sich st\u00e4rker f\u00fcr die Erhaltung der Umwelt zu engagieren. Philip Anschutz baute in dieser Zeit das Staples Center in Los Angeles und plante das Stadion f\u00fcr den Fussballverein Galaxy, ebenfalls eine Arena mit gr\u00fcnem G\u00fctesiegel. Und nat\u00fcrlich gab es Paul Allen, den Mitbegr\u00fcnder von Microsoft, der die Seattle Seahawks (Football) besitzt, die Portland Trail Blazers (Basketball) und den Seattle Sounders FC (Fussball). Er gilt als ausgesprochener Umweltsch\u00fctzer. Als er in Seattle ein neues Stadion f\u00fcr die Seahawks und die Sounders errichten liess, musste die alte Arena abgerissen werden. 97 Prozent des Betons konnten wiederverwertet werden, 35 Prozent wurden beim Bau des aktuellen Stadions verwendet. Die drei Vereine von Allen geh\u00f6rten sp\u00e4ter zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der Green Sports Alliance.\u00a0<\/p>\n<h3 class=\"p1\">Die Eagles sind absolut vorbildlich<\/h3>\n<p class=\"p1\">Das f\u00fchrt zur\u00fcck zur dritten und aktuellen Bewegung im amerikanischen Sport. Um sie effizient umgesetzt zu sehen, muss man nach Philadelphia reisen, zum Footballverein Eagles. \u00abDer Verein ist absolut vorbildlich\u00bb, sagt Pfahl: \u00abNicht nur weil er Pl\u00e4ne wirklich umsetzt, sondern auch weil er ein System entwickelt hat, die Zuschauer mitzureissen. Er hat etwa eine App lanciert, auf der die Fans die \u00f6kologischen Initiativen \u00fcberwachen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"p1\">In diesem Fall lohnt es sich, nicht darauf zu achten, was fehlt \u2014 sondern darauf, was schon da ist. Wer vor dem Stadion steht, sieht 14 Windturbinen und mehr als 11 000 Solarpaneele auf dem Dach. \u00dcber 30 Prozent der ben\u00f6tigten Energie werden selbst produziert, den Rest beziehen die Eagles von umweltfreundlichen Anbietern. 98,9 Prozent des M\u00fclls in der Arena ist rezyklierbar: Das zum Kochen der Snacks verwendete \u00d6l wird in Biodiesel umgearbeitet, nicht gegessene Speisen werden an Obdachlose verteilt. Ach ja: Die Tierrechtsorganisation PETA f\u00fchrt die Arena als vegetarierfreundlichstes Stadion der Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p class=\"p1\">\u00abWir besitzen und managen einen Verein, der landesweit im TV zu sehen ist\u00bb, sagt Eigent\u00fcmerin Christina Lurie: \u00abWir hoffen, dass wir durch die Investition in erneuerbare Energien ein gutes Beispiel sind, um andere Unternehmen zu ermuntern, noch besser zu sein als wir.\u00bb Wieder geht es nicht nur darum, selbst umweltfreundlich zu sein, sondern vor allem darum, Besucher des Stadions zum Mitmachen zu animieren. \u00abGo Green\u00bb heisst die Initiative des Klubs \u2013 und es passt ganz wunderbar, dass die Vereinsfarbe Gr\u00fcn ist.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>\u00abBei den Seattle Mariners schaffte man es, den Anteil von wiederverwertbarem M\u00fcll von 12 auf 81 Prozent zu erh\u00f6hen.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3 class=\"p1\">Widerspr\u00fcche wird es immer geben<\/h3>\n<p class=\"p1\">\u00abEs gibt Menschen, die zurzeit an einer Aussenhaut f\u00fcr Geb\u00e4ude arbeiten, welche Kohlendioxid absorbiert. Wenn es das einmal gibt, sind wir auch daf\u00fcr zu haben. Wir wollen uns st\u00e4ndig verbessern\u00bb, sagt Lurie. So etwas reisst die Menschen mit: eine Vereinsbesitzerin, die nicht nur redet, sondern vor allem etwas macht. Das br\u00e4uchte auch die amerikanische Politik: einen Anf\u00fchrer, der nicht nur fulminante Reden h\u00e4lt, sondern diesen auch fulminante Taten folgen l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"p1\">Bei aller Begeisterung \u00fcber die Green Sports Alliance darf nicht vergessen werden, dass der amerikanische Sport einen deutlichen \u00f6kologischen Fussabdruck hinterl\u00e4sst. Die Akteure sind permanent mit dem Flugzeug unterwegs, die Seattle Mariners etwa werden in der Saison 2014 insgesamt knapp 84 000 Kilometer reisen, um zu den 81 Ausw\u00e4rtsspielen zu gelangen. Die Footballliga NFL schickte am 27. Oktober 2013 die San Francisco 49ers und die Carolina Panthers nach London, um dort ein Saisonspiel auszutragen. Das Stadion der Dallas Cowboys, das f\u00fcr 1,3 Milliarden Dollar errichtet und 2009 er\u00f6ffnet wurde, verbraucht w\u00e4hrend eines Spiels so viel Energie wie ganz Nairobi. \u00abDer gemeinsame Nenner dabei ist, dass der Einfluss von Sport auf die Natur negativ ist\u00bb, sagt Pfahl: \u00abEs ist nicht m\u00f6glich, zu hundert Prozent gr\u00fcn zu arbeiten, es wird immer Widerspr\u00fcche geben. Was wir tun k\u00f6nnen, ist, unseren Einfluss auf die Natur zu minimieren.\u00bb<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Green Sports Alliance bem\u00fcht sich gerade um eine Expansion, sowohl in den Vereinigten Staaten (Pfahl: \u00abEs sollten noch mehr Universit\u00e4ten und kleinere Sportvereine integriert werden.\u00bb) als auch weltweit. Die Hamburg Freezers sind bereits Mitglied, die Tele2Arena in Stockholm und The Hydro in Glasgow ebenso. Der n\u00e4chste Schritt w\u00e4re eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Olympischen Komitee oder dem Fussball-Weltverband Fifa.<\/p>\n<h3 class=\"p1\">Stadion mit 1727 Sonnenkollektoren<\/h3>\n<p class=\"p1\">Der amerikanische Sport versucht gerade zu leisten, was der Politik nicht gelingt. Und man muss sagen: Er ist durchaus erfolgreich. Wer das Staples Center verl\u00e4sst, \u00e4rgert sich vielleicht \u00fcber die Niederlage der Lakers. Er bemerkt jedoch, wenn er auf das Dach mit den 1727 Sonnenkollektoren und die Ladestationen f\u00fcr Elektroautos auf dem Parkplatz blickt, dass er auf dem Klo kein Wasser verbraucht hat, dass er den leeren Getr\u00e4nkebecher zur\u00fcckgegeben hat, dass der Snack in Papier eingewickelt war, das rezykliert werden kann \u2014 und dass er nun mit einem \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel heimf\u00e4hrt. Wer eine Eintrittskarte besitzt, muss daf\u00fcr weniger bezahlen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Mit einem Besuch des Staples Center rettet niemand den Planeten. Aufmerksame und umweltbewusste G\u00e4ste aber k\u00f6nnten dazu animiert werden, sich \u00fcber den eigenen \u00f6kologischen Fussabdruck Gedanken zu machen.\u00a0<\/p>\n<hr>\n<p class=\"p1\"><strong><em><a title=\"Themenschwerpunkt Sport und Umwelt\" href=\"\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2014-Magazin\/Themenschwerpunkt-Sport\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">&gt; Weitere Artikel zum Themenschwerpunkt Sport und Umwelt<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<div><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-family: Tahoma, 'MS Sans Serif', Arial, Geneva, Helvetica; font-size: 11px; line-height: 15px; white-space: nowrap;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Orte, an denen selbst ein mit permanenter Reiz\u00fcberflutung vertrautes Gehirn Schwierigkeiten hat, alle Eindr\u00fccke zu verarbeiten. 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