{"id":110971,"date":"2024-08-02T13:04:57","date_gmt":"2024-08-02T11:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=110971"},"modified":"2024-08-07T11:51:44","modified_gmt":"2024-08-07T09:51:44","slug":"null-quadratmeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/110971\/null-quadratmeter\/","title":{"rendered":"Null Quadratmeter"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Schweiz hat einen blinden Fleck. Wir haben zwar wunderbare P\u00e4rke f\u00fcr Steinb\u00f6cke, Uhus und Luchse, aber Fische finden keinen einzigen Quadratmeter gesch\u00fctzten Lebensraum. Folge: Drei Viertel der Arten sind gef\u00e4hrdet oder ausgestorben. Was nun?<\/strong> <strong>Eine Debatte mit David Bittner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Schweizerischer Fischerei-Verband und Christoph Vorburger, Leiter der Abteilung Aquatische \u00d6kologie an der Eawag.<\/strong> <\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-110972\" style=\"width:202px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-966x1366.jpg 966w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-240x340.jpg 240w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/30577c76-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-1-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 J\u00f6rn Kaspuhl<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><strong>Herr Bittner,<\/strong> <strong>in der Schweiz kommt es jeden zweiten Tag zu einem Fischsterben. Braucht es alle zwei Tage ein Menschensterben, bis wir verstehen, dass es uns eines Tages gleich gehen k\u00f6nnte?<br><\/strong>Daf\u00fcr braucht es kein Menschensterben. Tote Rehe oder tote Singv\u00f6gel jeden zweiten Tag w\u00fcrden gen\u00fcgen, damit wir aufwachen. Fische sind uns zu fern, sie leben verborgen im Wasser.<\/p>\n\n<p><strong>Der Fischerei-Verband sagt, bei einem Fischsterben solle man \u00abdie Polizei rufen\u00bb. M\u00fcsste man nicht eher Greenpeace rufen?<br><\/strong>Tats\u00e4chlich galten Fischsterben lange Zeit als Kavaliersdelikte. Die Beh\u00f6rden hatten M\u00fche, die Gesetze durchzusetzen. Inzwischen werden sie mehr und mehr als Offizialdelikte behandelt. Aber gut ist die Situation noch lange nicht \u2013 zumal der Druck auf die Lebensr\u00e4ume der Wasserfauna weiter zunimmt.<\/p>\n\n<p><strong>F\u00fcr viele Tiere gibt es rechtlich abgesicherte Schutzgebiete. Nur bei der aquatischen Fauna sieht es schlecht aus.<br><\/strong>Der Lebensraum Wasser ist im Gegensatz zum Lebensraum Land in der Tat kaum gesch\u00fctzt. F\u00fcr Tiere wie Luchse haben wir P\u00e4rke geschaffen, in die sie sich zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen, aber Fische finden hierzulande keinen einzigen Quadratmeter wirklichen Schutz. <\/p>\n\n<p><strong>Die Biodiversit\u00e4tsinitiative will diese L\u00fccke schliessen und gesetzlich verankerte Schutzgebiete ausscheiden. Der Bundesrat hat dazu einen Gegenvorschlag erarbeitet, aber das Parlament hat ihn abgelehnt. Ihr Kommentar?<\/strong>                                                                                    Das bedr\u00fcckt mich sehr. Der Nationalrat gab sich noch M\u00fche, einen Kompromiss zu finden, doch der St\u00e4nderat war nicht einmal bereit, auf die Vorlage einzutreten. Dabei brauchen wir mehr als nur die Initiative. Der Schutz der Biodiversit\u00e4t und damit auch der Gew\u00e4sser-Lebensr\u00e4ume muss dringend in der Verfassung verankert werden.<\/p>\n\n<p><strong>Wie geht es weiter? K\u00f6nnen Kinder in 50 Jahren noch Fische im Dorfbach beobachten?<br><\/strong>Ich versuche stets optimistisch zu denken, obwohl die Aussichten momentan zumindest d\u00fcster sind. Damit unsere Gew\u00e4sser am Leben bleiben, m\u00fcssen wir verstehen lernen, wie extrem wichtig sie sind \u2013 f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t, f\u00fcr sauberes Trinkwasser, f\u00fcr saubere B\u00f6den und damit unsere Lebensmittel. Kurz: Sie sind unsere Korallenriffe und Regenw\u00e4lder in einem, wahre Hotspots der Artenvielfalt!<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-110975\" style=\"width:251px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-966x1366.jpg 966w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-240x340.jpg 240w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/08\/df3cf6bc-illus-debatte-greenpeace-magazin-februar-2024-2-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 J\u00f6rn Kaspuhl<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><strong>Herr Vorburger, drei Viertel unserer Fisch- und Krebsarten sind auf der Roten Liste verzeichnet oder bereits ausgestorben. Legen wir es darauf an, dass die Wasserwelt noch ganz verschwindet?<br><\/strong>Ja, das kann man so sagen. Die Biodiversit\u00e4t in unseren Gew\u00e4ssern ist in einem sehr schlechten Zustand. Leider ist der Verlust an Biodiversit\u00e4t im Wasser noch gr\u00f6sser als in anderen Lebensr\u00e4umen.<\/p>\n\n<p><strong>Aus welchem Grund?<br><\/strong>Die Gew\u00e4sser sind durch bauliche Eingriffe stark beeintr\u00e4chtigt und fragmentiert. Dazu kommen viele invasive Arten, Verschmutzungen und immer st\u00e4rker der Klimawandel.<br><\/p>\n\n<p><strong>So weit konnte es nur kommen, weil die Lebensr\u00e4ume der Wasserfauna im Gegensatz zu jenen anderer Tiere kaum gesch\u00fctzt sind. Wie kann das sein?<br><\/strong>Ein wichtiger Grund ist die Nutzung der Wasserkraft. Wir brauchen sie, aber wir nehmen nicht genug R\u00fccksicht auf die Natur. Und f\u00fcr die paar verbliebenen nat\u00fcrlichen Gew\u00e4sser tun wir zu wenig.<\/p>\n\n<p><strong>Die Biodiversit\u00e4tsinitiative will das nun \u00e4ndern und fordert auch f\u00fcr die Wasserfauna gesetzlich verankerte Schutzgebiete.<br><\/strong>Eigentlich ein sehr gutes Anliegen. Ich pers\u00f6nlich bedaure es sehr, dass sich das Parlament nicht auf einen griffigen Gegenvorschlag einigen konnte. Nun hoffe ich, das Volk wird die Initiative annehmen.<br><\/p>\n\n<p><strong>Wie sehen Sie die Zukunft der Wasserfauna?<br><\/strong>Ich w\u00e4re gerne optimistisch, bin es aber nicht. Ich gehe zwar davon aus, dass wir gewisse Best\u00e4nde bedrohter Arten retten k\u00f6nnen, aber die urspr\u00fcngliche biologische Vielfalt wird es nie mehr geben. Um mehr zu tun, fehlt h\u00e4ufig das n\u00f6tige Geld oder der politische Wille.<\/p>\n\n<p><strong>Was tun Sie gegen diese Entwicklung?<br><\/strong>An der Eawag erforschen wir, welche Faktoren die Biodiversit\u00e4t im Wasser auf welche Weise beeinflussen und wie sich Naturschutzmassnahmen auswirken. Der allgemeine Trend ist zwar immer noch negativ, aber unsere Arbeiten zeigen, dass sich Naturschutzmassnahmen lohnen.<br><\/p>\n\n<p><strong>Versuchen Sie als Forscher auch Politik zu machen?<br><\/strong>Da sind andere aktiver als ich. Mein Ziel ist es, die Ergebnisse unserer Forschung verst\u00e4rkt in die konkrete Naturschutzpraxis einzubringen.<\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n<p>Am 22. September stimmen wir \u00fcber die Biodiversit\u00e4tsinitiative ab. <a href=\"https:\/\/www.biodiversitaetsinitiative.ch\/\">Hier<\/a> findest du alle wichtigen Infos, um ein Ja in die Urne zu legen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz hat einen blinden Fleck. 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