{"id":11106,"date":"2014-08-26T00:00:00","date_gmt":"2014-08-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/11106\/pfadi-setzt-auf-solarenergie\/"},"modified":"2022-04-04T10:13:47","modified_gmt":"2022-04-04T08:13:47","slug":"pfadi-setzt-auf-solarenergie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/11106\/pfadi-setzt-auf-solarenergie\/","title":{"rendered":"Pfadi setzt auf Solarenergie"},"content":{"rendered":"<div class=\"post-content\">\n<div class=\"events-box small-box right\">\n<div class=\"events-content\"><span style=\"font-size: 1.125rem; color: initial; font-family: var(--body--font-family,'Noto Serif',serif); font-weight: var(--bs-body-font-weight); text-align: var(--bs-body-text-align);\">\u00abPfadiweg\u00bb steht auf dem blauen Schild am Wegrand. Bis zu den solarisierten Pfadiheimen kann es also nicht mehr weit sein. Und tats\u00e4chlich stehen bereits auf dem Pfad zu den Heimen Weiermatt und B\u00fcschi solarbetriebene Strassenlampen. In Reih und Glied glitzern sie in der Sonne um die Wette. Immer deutlicher werden auch die schimmernden Solard\u00e4cher sichtbar.<\/span><\/div>\n<\/div>\n<p>In Punkto erneuerbarer Energie ist die Pfadiabteilung Falkenstein K\u00f6niz (PFK), eine der gr\u00f6ssten Abteilungen der Schweiz und zum gleichnamigen Heimverein geh\u00f6rend,\u00a0zweifellos ein inspirierendes Vorbild. Treibende (und wahrscheinlich sonnenbetriebene) Kraft hinter der Erfolgsgeschichte ist der unerm\u00fcdliche Leiter des Heimvereins Heinz Jenni. Dass die Pfadibewegung zudem auf eine mittlerweile \u00fcber 100j\u00e4hrige Geschichte zur\u00fcckblicken kann und seither wichtige\u00a0Jugendarbeit leistet, ist Grund genug, sich mal ernsthaft auf den Pfadiweg zu begehen, und Jenni in K\u00f6niz zu besuchen.<\/p>\n<h3>\u00abIn 50 Jahren wird ja kein Dach mehr sch\u00f6n rot sein\u00bb<\/h3>\n<p>Damals waren sie alle noch etwas kritisch. Ein solarbetriebenes Pfadiheim? Mit von\u00a0Jugendlichen selbst installierten PV- und Thermikanlagen? \u00abEine gr\u00fcne Utopie!\u00bb. \u00abDas rechnet sich doch nicht!\u00bb. \u00abViel zu gef\u00e4hrlich und unsicher!\u00bb.\u00a0Doch Heinz Jenni, 1952 als junges \u00abW\u00f6lfli\u00bb in die K\u00f6nizer Pfadi eingetreten und seit 1989 Heimvereinspr\u00e4sident, sah das anders. Als er und sein Team sich vor der Jahrtausendwende grunds\u00e4tzliche Gedanken zu den Themen Nachhaltigkeit und\u00a0Energie machten, insbesondere unter den Aspekten\u00a0Vorbildsfunktion und P\u00e4dagogik, schienen ihm vor allem folgende Punkte wichtig: Die K\u00f6nizer Pfadiheime sollten m\u00f6glichst umweltfreundlich betrieben und den Jugendlichen die\u00a0Sonnenenergienutzung aktiv n\u00e4her bringen.\u00a0So stiess ein Rundbrief von Jugendsolar, eine Jugendkampagne von Greenpeace Schweiz, 1998 bei den Verantwortlichen der PFK auf offene Ohren \u2013 und D\u00e4cher.<\/p>\n<h3>Jugendsolar trifft auf Pfadi<\/h3>\n<p>Kuno Roth und Retze Koen, die zwei Greenpeace Jugendsolarpioniere aus der Schweiz und mittlerweile beinahe Inventar der Umweltorganisation, zimmerten schon in den 90ern an der Realisierung einer lokalen Energiewende und engagieren sich bis heute mit Herzblut daf\u00fcr. Sie starteten am 21. M\u00e4rz 1998 das Jugendsolar Projekt mit dem Ziel, 100 Solaranlagen auf Schulh\u00e4usern, Pfadiheimen und Jugendherbergen zu installieren (heute sind es knapp 300). In diesem Zusammenhang kontaktierten sie alle Pfadiheime und zahlreiche Schulh\u00e4user \u2013 so auch die PFK.<\/p>\n<p>1999 war Jenni zum ersten Mal bei einer kleinen Photovoltaik-Installation (PV) dabei. Aufgewachsen in einer Generation, in welcher man Atomstrom als L\u00f6sung<br \/>\ngegen das Erd\u00f6l-Problem verstand und diesem entsprechend unkritisch gegen\u00fcberstand, hatte Jenni bis dato wenig Kontakt mit erneuerbarer Energie. Die Arbeit \u00fcberzeugte ihn jedoch auf Anhieb \u2013 \u00abdas hout ja\u00bb! Er dachte sich schon da, dass man das doch im gr\u00f6sseren Stil durchziehen m\u00fcsste. Und so machte er N\u00e4gel mit K\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Klare Linie \u00fcberzeugt Jury des Berner Energiepreises<\/p>\n<p>Heute, 15 Jahre sp\u00e4ter, findet sich in der PFK, das mit f\u00fcnf H\u00e4usern und drei Nebenbauten\u00a0Schlafplatz und Infrastruktur f\u00fcr bis zu 120 Leute bietet, nur noch ein einziges freies Dach. Auf die Frage, ob ihm nach der letzten m\u00f6glichen Installation denn nicht langweilig w\u00fcrde, sch\u00fcttelt Jenni l\u00e4chelnd den Kopf. Falkenstein K\u00f6niz ist das erste Minergie-Pfadiheim der Schweiz. Vier Photovoltaik-und zwei thermische Anlagen wurden seit 2003 gebaut, stets in enger Zusammenarbeit mit Jugendsolar. Seit ihrer Inbetriebnahme haben die vier Anlagen soviel Strom produziert, wie 100 Schweizer Haushalter durchschnittlich in einem Jahr verbrauchen. L\u00e4ngst k\u00f6nnen sie den Strombezug mit eigener Energieproduktion decken. Die Solaranlage Weiermatt ist eine vom Bundesamt f\u00fcr Energie anerkannte Pilot- und Demonstrationsanlage. Intelligent gesteuerte W\u00e4rmepumpen wurden installiert, ebenso elf solarbetriebene Strassenlampen. Und beinahe t\u00e4glich werden in und um die beiden Pfadizentren junge Menschen auf erneuerbare Energie sensibilisiert, geschult und informiert und somit wertvolle \u00d6ffentlichkeitsarbeit geleistet. Folgerichtig wurde der Pfadi- und Heimverein 2010 mit dem Berner Energiepreis ausgezeichnet: \u00abDie Kinder und Jugendlichen werden aktiv in die Projekte miteinbezogen und dabei auf den sorgf\u00e4ltigen Umgang mit Ressourcen sensibilisiert. Die seit Beginn erkennbare, klare Linie hat auch die Jurymitglieder des Berner Energiepreises \u00fcberzeugt. Sie hoffen, dass die Leistungen des Heimvereins und der Pfadi Falkenstein K\u00f6niz anderen Vereine als Vorbild dienen\u00bb, so die Begr\u00fcndung der Jury.<\/p>\n<h3>Auch finanzielle Vorteile<\/h3>\n<p class=\"p1\">Trotz grosser Medienaufmerksamkeit stellt die PFK noch eine Ausnahme dar. Jenni w\u00fcnscht sich mehr solarisierte Pfadiheime. Die Zentren w\u00fcrden nur den administrativen Aufwand und die anf\u00e4nglichen Kosten sehen. Nat\u00fcrlich bedeutete es personellen Mehreinsatz. Doch in der Pfadikultur seien Ehren\u00e4mter und Freiwilligeneins\u00e4tze ja tief verankert \u2013 das langfristige wirtschaftliche Potenzial werde einfach zu oft noch nicht wahrgenommen. Und genau darin liegt die Krux: tendenziell nimmt ehrenamtliches Engagement ab, und da Ehrenamt und Teilzeit in der Regel Hand in Hand gehen, fehlt diesen oft der Blick f\u00fcrs grosse Ganze. Gerade wenn es aber um den Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen geht, sind langfristiges Denken und Weitsicht von zentraler Bedeutung. In diesem Sinne w\u00fcrde Jenni es begr\u00fcssen, wenn es mehr aktive kompetente Berater f\u00fcr die Pfadizentren, sowohl f\u00fcr Bau- als auch f\u00fcr Finanzfragen, g\u00e4be. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihn stets auch die finanziellen Aspekte gereizt haben.<\/p>\n<h3 class=\"p1\">Kleines Vorbild sucht grosses Vorbild<\/h3>\n<p class=\"p1\">Die K\u00f6nizer Pfadiheime seien jedoch zu klein, um\u00a0einen Fl\u00e4chenbrand auszul\u00f6sen, meint Jenni. Es br\u00e4uchte ein internationales Heim als Vorbild, beispielsweise das <em>Kandersteg International Scout Center KISC<\/em>. KISC, Greenpeace und Solafrica, eine junge Non-Profit-Organisation aus Bern, planen f\u00fcr diesen Sommer gemeinsam die Installation einer PV- Anlage im KISC. Diese findet zeitgleich mit den ebenfalls von ihnen organisierten Solarworkshops statt. Dabei werden PfadileiterInnen und -funktion\u00e4re aus allen Kontinenten zu Solartrainern ausgebildet. Das Ziel ist, das in der solaren Lernumgebung Kandersteg angeeignete Knowhow in ihren Heimatl\u00e4ndern weiterzugeben.<\/p>\n<p>Nachhaltigkeit und P\u00e4dagogik werden gleichermassen gross geschrieben<\/p>\n<p class=\"p1\">Dass die jungen K\u00f6nizer PfadfinderInnen bei den PV-Installationen nicht nur die Panels tragen, sondern wirklich auch die Idee, sp\u00fcrt man deutlich. Als die Verantwortlichen der PFK 2008 provisorisch beschlossen, keine weiteren Anlagen mehr zu bauen, kam Widerstand von den Jungen. Diese wollten sich wie bereits ihre Vorg\u00e4ngerInnen an der Nachhaltigkeit ihrer Pfadizentren beteiligen. Und genau dies ist der Schl\u00fcssel: nur wenn Jugendlichen aktiv die Sonnenenergie n\u00e4her gebracht wird, kann der Funken springen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pfadi Falkenstein K\u00f6niz hat das Zusammenspiel von P\u00e4dagogik und Nachhaltigkeit fr\u00fch verstanden. 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