{"id":113286,"date":"2024-10-07T11:02:29","date_gmt":"2024-10-07T09:02:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=113286"},"modified":"2024-10-07T15:09:12","modified_gmt":"2024-10-07T13:09:12","slug":"reifenabrieb-unser-taeglich-gift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/113286\/reifenabrieb-unser-taeglich-gift\/","title":{"rendered":"Reifenabrieb: Unser t\u00e4glich Gift"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>F\u00fcr viele von uns ist der Alltag durch die N\u00e4he zu Strassen gepr\u00e4gt. Die Ruhe und Stille, nach der wir uns alle sehnen, wird regelm\u00e4ssig durch den L\u00e4rm von leistungsstarken Motoren, Hupen und Sirenen von Rettungsfahrzeugen zerrissen. In unseren Lungen lagern sich die Gase und Feinstaubpartikel ab, die bei der Verbrennung von Treibstoffen entstehen. Zus\u00e4tzlich kommen die in den Fahrzeugreifen enthaltenen Substanzen hinzu. Diese Umweltverschmutzung ist allerdings weniger dokumentiert und ihre Folgen sind weniger bekannt. Es ist jedoch klar belegt, dass der Reifenabrieb die Hauptquelle des Mikroplastiks ist, das hierzulande in die Umwelt gelangt. Alle Autos, unabh\u00e4ngig von ihrer Motorisierung, sind Teil des Problems.<\/strong><\/p>\n\n<p>Seit \u00fcber sechs Millionen Jahren beginnt im Nordwesten der USA ein neuer Lebenskreislauf: Silberlachse schl\u00fcpfen in Fl\u00fcssen aus den Eiern und verbringen hier ihr erstes Lebensjahr. Danach wandern sie in den Ozean, wo sie zu ausgewachsenen Tieren heranwachsen. Anschliessend steigen sie wieder in die Fl\u00fcsse auf, um sich dort fortzupflanzen. Verschiedene Raubtiere wie B\u00e4ren und Orcas sind auf diese Lachswanderung angewiesen, um sich zu ern\u00e4hren.<\/p>\n\n<p>Seit einigen Jahrzehnten jedoch sterben Silberlachse in der Region um Seattle in grosser Zahl, bevor sie flussaufw\u00e4rts wandern und dort ihre Eier ablegen k\u00f6nnen. Der Lebenskreislauf ist unterbrochen und lange kann sich die Wissenschaft das Lachssterben nicht erkl\u00e4ren. Im Jahr 2020 kommen Wissenschaftler:innen dem Geheimnis endlich auf die Spur. Eine Chemikalie, 6PPD-Chinon genannt, vergiftet die Fische und verursacht ihren Tod. Woher kommt das Gift? Von Autoreifen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Wenn die Pneus von Autos und Lastwagen mit der Strasse in Ber\u00fchrung kommen, l\u00f6sen sich kleinste Gummipartikel und verteilen sich in der Umwelt. Dieser Abrieb enth\u00e4lt all jene Stoffe, die bei der Herstellung von Reifen verwendet werden. Zwar handelt es sich dabei gr\u00f6sstenteils um synthetischen Kautschuk, doch teilweise besteht ein Reifen bis zur H\u00e4lfte aus Zusatzstoffen. So wird zum Beispiel Russ als F\u00fcllmaterial verwendet, synthetische Substanzen aus der \u00d6lindustrie dienen als Weichmacher, weitere Zusatzstoffe sch\u00fctzen den Reifen vor einem fr\u00fchzeitigen Verschleiss. Viele dieser Stoffe werden anschliessend in der Umwelt abgebaut. Diese Prozesse sind die Quelle f\u00fcr chemische Verbindungen, die f\u00fcr Menschen, Tiere und Pflanzen potenziell gef\u00e4hrlich sind.&nbsp;<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"637\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/b0e6396a-reifenabrieb-grafik-d-1024x637.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-113289\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/b0e6396a-reifenabrieb-grafik-d-1024x637.png 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/b0e6396a-reifenabrieb-grafik-d-300x187.png 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/b0e6396a-reifenabrieb-grafik-d-768x478.png 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/b0e6396a-reifenabrieb-grafik-d-1536x956.png 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/b0e6396a-reifenabrieb-grafik-d-510x317.png 510w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/b0e6396a-reifenabrieb-grafik-d.png 2012w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gifte aus dem Reifenabrieb&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n<p>6PPD ist eine Substanz, die h\u00e4ufig bei der Herstellung von Reifen verwendet wird. Es sch\u00fctzt den Reifen vor Oxidation und verl\u00e4ngert so seine Lebensdauer. Wenn es in Kontakt mit Ozon kommt, entsteht das Nebenprodukt 6PPD-Chinon. Selbst in relativ geringen Konzentrationen hat die Substanz t\u00f6dliche Folgen f\u00fcr Wassertiere.&nbsp;<\/p>\n\n<p>In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass 6PPD-Chinon die Durchl\u00e4ssigkeit der Blut-Hirn-Schranke bei menschlichen Zellen erh\u00f6ht. Dadurch k\u00f6nnen neurotoxische Blutprodukte, Zellen und Krankheitserreger leichter in das Gehirn eindringen. Was wiederum neurodegenerative Prozesse ausl\u00f6sen kann. Entz\u00fcndungen im Nervengewebe und eine ver\u00e4nderte Durchl\u00e4ssigkeit der Blut-Hirn-Schranke werden mit ADHS, Depressionen und Schizophrenie in Verbindung gebracht. In einer Studie wurde bei Parkinson-Patienten eine doppelt so hohe Konzentration von 6PPD-Chinon in der R\u00fccken-Hirnfl\u00fcssigkeit festgestellt wie bei gesunden Menschen.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Auch Russ, ein F\u00fcllmaterial, das h\u00e4ufig in Reifen vorkommt, gelangt mit dem Abrieb in die Umwelt. Russ setzt polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) frei. Einige von ihnen k\u00f6nnen erwiesenermassen Krebs verursachen und als erbgutver\u00e4ndernd, fortpflanzungssch\u00e4digend und entwicklungssch\u00e4digend angesehen werden.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Reifenabrieb f\u00fchrt auch zu einer deutlich erh\u00f6hten Sterblichkeit der Lungenzellen, die ihm ausgesetzt sind, da er Entz\u00fcndungen und DNA-Sch\u00e4den verursacht.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Reifenabrieb \u00fcberall<\/strong><\/h2>\n\n<p>Bis zu 93 Prozent des Mikroplastiks, der in der Schweiz in die Umwelt gelangt, stammt aus Reifenabrieb. Zwischen 13&#8217;000 und 21&#8217;000 Tonnen dieser Feinstaubpartikel verteilen sich jedes Jahr auf den Strassen unseres Landes. Sie sind \u00fcberall zu finden, auch auf unseren Gletschern und im Wasser von Bergseen. Das Problem ist unabh\u00e4ngig von der Motorisierung der Fahrzeuge. Elektroautos sind bei weitem nicht die L\u00f6sung f\u00fcr diese Verschmutzung \u2013 denn auch Elektroautos brauchen Pneus.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Der Grossteil des Reifenabriebs konzentriert sich in der N\u00e4he von Strassen. Das Risiko ist gross, dass dort lebende Menschen Teile davon einatmen. Durch Regen, Schnee und Wind kann der Reifenabrieb auch \u00fcber grosse Entfernungen verteilt werden. Die Partikel wurden auch auf landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen gefunden. Pflanzen, die auf kontaminiertem Boden wachsen, k\u00f6nnen die Schadstoffe aufnehmen. Insbesondere bei Blattgem\u00fcse wie Salat konnte nachgewiesen werden, dass es gr\u00f6ssere Mengen an Giftstoffen aufzunehmen vermag. Die giftigen Substanzen gelangen so auch in unsere Nahrung.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"765\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-1024x765.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-113298\" style=\"width:736px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-1024x765.png 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-300x224.png 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-768x574.png 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-1536x1148.png 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-2048x1531.png 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-1828x1366.png 1828w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2024\/10\/16c46566-reifenabriebshutterstock-455x340.png 455w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Toxischer Additive im Reifenabrieb verursachen gesundheitliche Probleme. \u00a9 Shutterstock<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weniger Autos = weniger Abrieb<\/strong><\/h2>\n\n<p>In diesem eher d\u00fcsteren Bild gibt es auch eine gute Nachricht. Viele der in den Reifen enthaltenen Stoffe haben in der Natur eine kurze Halbwertszeit. Wenn also weniger Autos fahren und weniger Reifenabrieb generiert wird, kann die Belastung f\u00fcr Mensch und Umwelt schnell verringert werden. Dies ist ein Grund mehr, sich bei der Fortbewegung f\u00fcr eine sanfte Mobilit\u00e4t zu entscheiden und \u00f6ffentliche Verkehrsmittel, Fusswege, Fahrr\u00e4der, Elektrofahrr\u00e4der, Trottinettes und Rollschuhe zu bevorzugen. Ist die Fahrt mit einem Auto oder einem Lastwagen n\u00f6tig, sollte auf ein leichtes Fahrzeug zur\u00fcckgegriffen werden, weil das Gewicht der Fahrzeuge die Menge des abgegebenen Abriebs beeinflusst.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Es ist h\u00f6chste Zeit, unsere Verkehrspolitik grundlegend zu \u00fcberdenken. Unsere Stimme und Engagement k\u00f6nnen einen entscheidenden Beitrag leisten, insbesondere bei der Abstimmung zum geplanten Ausbau der Autobahnen vom 24. November.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Am 24. November: NEIN zum masslosen Autobahn-Ausbau!&nbsp;<br><\/strong><br>Der Ausbau von Autobahnen und Nationalstrassen versch\u00e4rft das Problem des Reifenabriebs, weil mehr Strassen zu mehr Verkehr f\u00fchren. Damit erh\u00f6ht sich auch die Menge an Reifenabrieb im Feinstaubcocktail, den wir t\u00e4glich einatmen. Aus diesem und vielen anderen Gr\u00fcnden rufen wir dazu auf, am 24. November 2024 Nein zu stimmen zum Ausbau der Autobahn.<span id=\"docs-internal-guid-bc42ce24-7fff-e65d-16df-cb7de9c61298\"><div><span style=\"font-size: 11pt; font-family: Arial, sans-serif; color: rgb(0, 0, 0); background-color: transparent; font-variant-numeric: normal; font-variant-east-asian: normal; font-variant-alternates: normal; font-variant-position: normal; vertical-align: baseline;\"><\/span><\/div><\/span><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ruhe, nach der wir uns alle sehnen, wird regelm\u00e4ssig durch den L\u00e4rm von Strassen zerrissen. In unseren Lungen lagern sich die Gase und Feinstaubpartikel ab, die bei der Verbrennung von Treibstoffen entstehen. Zus\u00e4tzlich kommen die in den Fahrzeugreifen enthaltenen Substanzen hinzu. Reifenabrieb ist die Hauptquelle des Mikroplastiks.<\/p>\n","protected":false},"author":127,"featured_media":113292,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[50],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-113286","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-klima","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/127"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=113286"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":113306,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113286\/revisions\/113306"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/113292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=113286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=113286"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=113286"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=113286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}