{"id":11458,"date":"2014-03-31T00:00:00","date_gmt":"2014-03-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/11458\/die-gletscher-verschwinden\/"},"modified":"2022-03-31T13:18:19","modified_gmt":"2022-03-31T11:18:19","slug":"die-gletscher-verschwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/11458\/die-gletscher-verschwinden\/","title":{"rendered":"Die Gletscher verschwinden"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Der neueste Bericht des UNO-Weltklimarats IPCC von letztem Sonntag zeigt, dass der Klimawandel l\u00e4ngst Realit\u00e4t ist. Dabei geh\u00f6rt der spektakul\u00e4re, weltweite R\u00fcckzug der Gebirgsgletscher zu den sichtbarsten Zeichen, dass sich das Klima der Erde seit Mitte des 19. Jahrhunderts bereits markant ver\u00e4ndert hat. Auch in der Schweiz.<\/b><\/p>\n\n<p>Gebirgsgletscher gelten als Schl\u00fcsselindikatoren f\u00fcr Klima\u00e4nderungen, sozusagen als eine Art globales Fieberthermometer. Vor allem der Alpenraum gilt als besonders gut untersuchtes Gebiet. Die Gletscherschmelze ist inzwischen schon innerhalb weniger Jahre deutlich erkennbar.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Die neuen Untersuchungen der Klimawissenschaftler belegen, dass die weltweite Gletscherschmelze weiter anh\u00e4lt. Und die Folgen sind dramatisch: Mit den Gletschern schmelzen auch die weltweiten Trinkwasserreservoire. In den n\u00e4chsten Jahrzehnten wird sich zun\u00e4chst einmal der Abfluss des Schmelzwassers erh\u00f6hen. Dabei spielen Wasserabfl\u00fcsse w\u00e4hrend des Hochsommers eine grosse Rolle. So ist mehr als ein Viertel des Rhone-Wassers, das im August ins Mittelmeer fliesst, Schmelzwasser der Gletscher. Selbst in den fernen Niederlanden stammen rund sieben Prozent des Rhein-Wassers von den Alpengletschern. Besonders ausgepr\u00e4gt ist dieser Effekt bei Hitzewellen, wie zum Beispiel im Sommer 2003.<\/p>\n\n<p>Drei aktuelle Bildvergleiche der Gesellschaft f\u00fcr \u00f6kologische Forschungen zeigen den sichtbaren Gletscherschwund wie im Zeitraffer.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rhonegletscher (Schweiz)<\/h2>\n\n<p>Der Rhonegletscher ist ein Talgletscher in den Zentralalpen der Schweiz (im \u00e4ussersten Nordosten des Kantons Wallis).&nbsp; Er ist knapp 8 km lang, weist eine durchschnittliche Breite von ungef\u00e4hr zwei Kilometern auf und bedeckt eine Fl\u00e4che von ungef\u00e4hr 16 Quadratkilometern. Er schmilzt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich. In den Jahren 2010 bis 2013 hat er zwischen 30 und 50 Meter pro Jahr abgenommen.&nbsp; Im Sommer 2007 bildete sich zwischen der abschmelzenden Stirn des Rhonegletschers und einem markanten Felsriegel ein neuer Gletschersee, in den vereinzelt Eisberge kalbten. Durch den starken und anhaltenden Schwund der Gletscherzunge vergr\u00f6\u00dferte sich der neue Gletschersee immer mehr. Experten gehen davon aus, dass der Gletscher bis zum Jahr 2100 beinahe vollst\u00e4ndig verschwunden sein wird.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grossglockner-Pasterze (\u00d6sterreich)<\/h2>\n\n<p>Die Pasterze ist mit etwas mehr als 8 km L\u00e4nge der gr\u00f6sste Gletscher \u00d6sterreichs und der l\u00e4ngste der Ostalpen. Er befindet sich am Fusse des Grossglockners. Seit 1856 hat die Fl\u00e4che von damals \u00fcber 30 Quadratkilometer um beinahe die H\u00e4lfte abgenommen. Allein die Pasterze verlor zwischen 2011 und 2012 fast 100 Meter.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gletscherarchiv.de\/files\/11-202014-pasterzenzunge-2000.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><em>Die Grossglockner Pasterzenzunge 1930 und im Jahre 2000.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mer de Glace (Frankreich)<\/h2>\n\n<p>Das Eismeer (Mer de Glace) ist der gr\u00f6sste Gletscher Frankreichs und der viertgr\u00f6sste Gletscher der Alpen. Das Mer de Glace besteht aus mehreren Einzelgletschern, die zusammen ca. 12 Kilometer lang sind und in der Breite zwischen 700 und 1950 m variieren. Die Fliessgeschwindigkeit dieses Gletschers betr\u00e4gt durchschnittlich 90 m pro Jahr. Charakteristisch f\u00fcr das Mer de Glace sind die abwechselnd hellen und dunklen B\u00e4nder, die wie \u00bbJahresringe\u00ab quer zur Fliessrichtung \u00fcber den Gletscher ziehen. Das Mer de Glace zieht sich immer weiter zur\u00fcck und ist mittlerweile \u00fcber zwei Kilometer k\u00fcrzer und bei Montenvers um 130 m d\u00fcnner.<\/p>\n\n<p>Die Gletscherschmelze, das Schmelzen des ewigen Eises, f\u00fchrt zu einer ganzen Reihe schwerwiegender Folgen:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das Schmelzwasser bildet riesige Seen, Wasserfluten st\u00fcrzen zu Tal und \u00dcberschwemmungen nehmen zu.<\/li><li>Das schnelle Abschmelzen der Gletscher legt Felsflanken und grosse Schuttareale frei. Niederschlag l\u00e4uft in den eisfreien Fels- und Schuttgebieten ungehindert ab. Ger\u00f6lllawinen nehmen zu.&nbsp; Bei Starkregen bedroht das lockere Gestein als Murengang und Erdrutsch T\u00e4ler und Siedlungen. Durch das schmelzende Eis gebildete Gletscherseen k\u00f6nnen durchbrechen und mit Ger\u00f6ll und Schlamm ganze T\u00e4ler verw\u00fcsten.<\/li><li>Die Landschaft um die getauten Gletscher ver\u00e4ndert sich. Statt der Sch\u00f6nheit der Eisriesen blickt man nur noch auf eine W\u00fcste aus Gestein und Ger\u00f6ll.<\/li><li>Die Trinkwasserversorgung ist in Gefahr. Gletscher sind wichtige Wasserspeicher. Ist das Eis abgetaut, k\u00f6nnen Wasserengp\u00e4sse die Folge sein, weil der Nachschub aus den Bergen ausbleibt. In Europa werden grosse Fl\u00fcsse wie Rhein und Rhone von Gletscherwasser gespeist.<\/li><li>Die Permafrostgrenze verschiebt sich. Die Bodentemperatur im Permafrost ist in den Alpen binnen 50 Jahren um 0,5 Grad gestiegen. In den letzten 100 Jahren hat sich hier die Permafrostgrenze um 100 bis 300 H\u00f6henmeter nach oben verschoben. Diese stets gefrorenen B\u00f6den, die im Sommer nur oberfl\u00e4chlich abtauen, haben eine wichtige Funktion: Das Eis h\u00e4lt Felsgestein, Schutt, Steine und Boden zusammen.<\/li><li>Wenn es taut, verlieren die Bergh\u00e4nge ihre Tragf\u00e4higkeit und kommen ins Rutschen. Millionen Euro m\u00fcssen f\u00fcr den Katastrophenschutz ausgegeben werden. Siedlungen und Verkehrswege m\u00fcssen mit Auffangd\u00e4mmen vor Muren-, Schnee- und Ger\u00f6lllawinen gesch\u00fctzt werden.<\/li><li>Der Meeresspiegel steigt. Das Klimagremium der Vereinten Nationen (IPCC) sagt einen Anstieg des weltweiten Meeresspiegels von bis zu einem Meter f\u00fcr dieses Jahrhundert voraus. Davon gehen allein 20 Zentimeter auf das Konto der Gletscherschmelze.<\/li><li>Der an die frostige Umwelt angepassten Tierwelt droht der Verlust ihres Lebensraums. Die sich im Zuge der Erderw\u00e4rmung rasch ver\u00e4ndernden Umweltbedingungen l\u00f6sen bei einigen Pflanzen Stress aus. Sie werden anf\u00e4lliger f\u00fcr Insekten, die im Zuge der Erw\u00e4rmung ihre Verbreitungsgebiete erweitern.<\/li><\/ul>\n\n<p>Inzwischen erreicht der Schwund der Alpengletscher eine Gr\u00f6ssenordnung, die erst f\u00fcr das Jahr 2025 erwartet worden war. Die Klimawissenschaftler rechnen damit, dass sich auch in Zukunft das Klima im Alpenraum \u00fcberdurchschnittlich erw\u00e4rmen wird. Gletscherforscher rechnen mit dem fast vollst\u00e4ndigen Abschmelzen der Alpengletscher noch in diesem Jahrhundert. Zu derselben Prognose kommt auch der Bericht der Schweizer Forschungsgruppe \u201eCH2014-Impacts\u201c. In einer repr\u00e4sentativen Simulation hat sie festgestellt, dass bei gleichbleibendem CO2-Ausstoss die Schweizer Gletscher bis Ende des 21. Jahrhunderts verschwunden sein werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neueste Bericht des UNO-Weltklimarats IPCC von letztem Sonntag zeigt, dass der Klimawandel l\u00e4ngst Realit\u00e4t ist. 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