{"id":11491,"date":"2014-03-17T00:00:00","date_gmt":"2014-03-16T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/11491\/leicht-statt-schwergewicht\/"},"modified":"2025-06-25T15:36:57","modified_gmt":"2025-06-25T13:36:57","slug":"leicht-statt-schwergewicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/11491\/leicht-statt-schwergewicht\/","title":{"rendered":"Leicht- statt Schwergewicht"},"content":{"rendered":"<p><b>Der Einfluss der grossen Umweltorganisationen (UOs) hat in den letzten Jahrzehnten zweifelsfrei zugenommen. Sowohl im Parlament als auch als Gegner oder Partner der Wirtschaft. Doch gemessen an der Zahl ihrer Mitglieder, m\u00fcssten die Umweltorganisationen eigentlich mehr Einfluss haben, ja gar eine der st\u00e4rksten politischen Kr\u00e4fte im Land sein.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Der Einfluss der grossen Umweltorganisationen (UOs) hat in den letzten Jahrzehnten zweifelsfrei zugenommen. Sowohl im Parlament als auch als Gegner oder Partner der Wirtschaft. Doch gemessen an der Zahl ihrer Mitglieder, m\u00fcssten die Umweltorganisationen eigentlich mehr Einfluss haben, ja gar eine der st\u00e4rksten politischen Kr\u00e4fte im Land sein.<\/p>\n<p>Zwar wurde der Bartgeier erfolgreich wieder angesiedelt, zwar wurden Dutzende Naturlehrpfade eingerichtet, zwar konnte bisher eine zweite Gotthardr\u00f6hre verhindert werden, zwar funktioniert die Abwasserreinigung und die PET-Recyclingrate ist hoch. Das ist alles gut. Aber es wurmt dennoch, dass durchschlagende, gesellschaftlich relevante Erfolge d\u00fcnn ges\u00e4t sind. Die meisten Umweltprobleme \u2013 und wegen ihnen gibt es die UOs \u2013 bestehen seit dreissig und mehr Jahren, kaum eines ist gel\u00f6st, weitere sind hinzugekommen. \u201eOhne die UOs w\u00e4re alles noch schlimmer\u201c ist ein Fazit f\u00fcr die Schweiz, das nicht wirklich befriedigt. <br \/>Ein Beispiel: Im Dezember 2003 stellten die UOs ihre <a title=\"Umweltziele f\u00fcr 2012\" href=\"http:\/\/www.verkehrsclub.ch\/fileadmin\/user_upload\/import\/content\/event\/presse\/101385_ks\u0401103_umweltziele2012.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Umweltziele f\u00fcr 2012<\/a> vor. Bis dann wollten sie eine Senkung des Energieverbrauchs um einen Drittel, eine Reduktion des C02-Ausstosses um zwanzig Prozent gegen\u00fcber 1990, mehr Naturschutzgebiete, den Ausstieg aus der Atomenergie und ein Freisetzungsverbot f\u00fcr genmanipulierte Organismen erreicht haben. Dank der Mithilfe der Bauern hat es beim letzten zu einem Moratorium und dank Fukushima zu einem Atomausstieg im Jahre 203X gereicht. Es stellt sich also die Frage, warum die mitglieder\u00acstarken UOs mit ihren vielen engagierten Mitarbeiter\/innen nicht erfolgreicher sind. Gr\u00fcnde k\u00f6nnten m\u00f6glicherweise sein:<\/p>\n<p><strong>1) Mangelnde Zusammenarbeit:<\/strong> Die UOs wollten die Ziele 2012 u.a. durch engere Zusammenarbeit erreichen, und so wurde auch der Dachverband \u201eUmweltallianz\u201c gegr\u00fcndet, der sich indes nicht \u00fcber zu viel Beachtung beklagen kann. Doch die Konkurrenz im Spendenmarkt und die Eigenprofilierung stehen wirkungsvollen Kooperationen im Weg. Getrennt marschieren, aber kaum vereint zuschlagen. Und das wird sich nicht \u00e4ndern, solange sich der Glaube h\u00e4lt, es sei spendenwirksamer, die eigene Marke z\u00f6libat\u00e4r zu positionieren und solange nicht eingesehen wird, dass Mitglieder Zusammenarbeiten sehen wollen und \u201etrotzdem\u201c spendenfreudig bleiben.<\/p>\n<p><strong>2) Zu viele Themen:<\/strong> Die UOs decken eine Unzahl von Themen ab. Jeder Frosch hat seine Lobby, jeder neue Parkplatz wird bek\u00e4mpft, jeder Wolf wird begleitet, jeder Velostreifen registriert, anstatt sich auf einige thematische Standbeine pro Organisation und auf wenige schlagkr\u00e4ftige Projekte zu beschr\u00e4nken. Und den Rest den Umwelt\u00e4mtern \u00fcberlassen. Stattdessen verstehen sie sich als eine Art Umweltpolizei oder als Fleckenentfernerinnen der Nation (ein bisschen aufputzen, etwas Recyling dann kommt\u2019s schon gut). Sie sind eher Rollentr\u00e4gerinnen denn Themensetzerinnen und dadurch etwas langweilig und vor allem berechenbar geworden. Sie zeichnen sich durch \u00dcberseriosit\u00e4t und Humorlosigkeit aus.<\/p>\n<p><strong>3) Ihre Mitglieder bewegen:<\/strong> Zusammen haben sie zwar fast zehn Mal mehr Mitglieder als die SVP, doch ihnen wird ausser Spendenm\u00f6glichkeiten, Informationen im \u00dcbermass und Online-Klicks wenig f\u00fcr ein Engagement geboten (ausser Freiwilligenarbeit). Die SVP mag mehr Geld haben, aber unser Sozialkapital w\u00e4re eigentlich gr\u00f6sser. Doch bei einer langfristigen Kampagne mitzukochen und real mitzumachen, ist auf den Men\u00fcpl\u00e4nen f\u00fcr die Mitglieder nicht vorgesehen.<\/p>\n<p><strong>4) Symptome bek\u00e4mpfen:<\/strong> Kleinkarierte Appelle wie \u00abSpart Strom, Standby aus!\u00bb, \u00abBei Rot den Motor abstellen!\u00bb, \u00abAbfall trennen!\u00bb f\u00f6rdern nicht Umweltbewusstsein, sondern Trotz und Unwillen bei Normalsterblichen. Ungeachtet psychologischer Erkenntnisse wird auf Verhaltenstipps als L\u00f6sung gesetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die UOs unter \u00dcbertreiberitis leiden: Dem Schlimmen stets noch einen Zacken draufsetzen, damit es auch der\/die Hinterletzte merke. Dabei sagte schon Goethe \u201eMan merkt die Absicht, und man ist verstimmt\u201c. Die Schweiz, die Gesellschaft, die Welt braucht eine Wurzelbehandlung, nicht eine bessere Unkrautschere.<\/p>\n<p><strong>5) Die Ur-Ursache Wachstum nicht angehen:<\/strong> Zugegeben, daran das zerst\u00f6rerische Wachstum bremsen bzw. das kapitalistische System \u00e4ndern zu wollen, haben sich schon andere die Z\u00e4hne ausgebissen. Trotzdem ist die Grundfrage \u00abWie wirtschaften wir?\u00bb unumg\u00e4nglich. Die UOs k\u00f6nnten vor allem als aktive Vermittlerinnen zwischen ihren Mitgliedern und aufkommenden \u00f6kologisch ausgerichteten Solidar-Wirtschafts-Bewegungen fungieren. Das w\u00e4ren im deutschsprachigen Raum etwa \u201eNeustart Schweiz\u201c, <a title=\"Transitions-Initiativen\" href=\"http:\/\/www.transition-initiativen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Transitions-Initativen<\/a>, <a title=\"futurZwei\" href=\"http:\/\/futurzwei.org\/#index\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">futurZwei<\/a> und vor allem die <a title=\"Gemeinwohl-\u00d6konomie\" href=\"http:\/\/www.transition-initiativen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gemeinwohl-\u00d6konomie<\/a>. \u00dcber die UOs mobilisieren, in Wende-Bewegungen engagieren. Knifflig ist dabei, dass die UOs im Dilemma stecken, zwar wachstumskritisch zu sein, aber gleichzeitig vom Wirtschaftswachstum leben, weil \u00abes\u00bb mehr spendet.<\/p>\n<p>Trotz dieser (hier nur holzschnittartig dargelegten) Gr\u00fcnde ist klar, dass es die UOs braucht: Wer sonst k\u00f6nnte Anw\u00e4ltin f\u00fcr die Umwelt sein? Allein, eine engere Zusammenarbeit als K\u00f6nigsweg f\u00fcr mehr Gewicht ist nicht in Sicht. Oder doch? F\u00fcr die kommende Abstimmung zur Energiewende bzw. zum Atomausstieg g\u00e4be es eine Chance: Bringen die UOs ihre Mitglieder an die Urne und jedes Mitglied animiert eine weitere Person f\u00fcr die Abstimmung, ist sie schon fast gewonnen. W\u00fcrden zudem die Hilfswerke halbwegs mitmachen, w\u00e4re sie im Sack. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einfluss der grossen Umweltorganisationen (UOs) hat in den letzten Jahrzehnten zweifelsfrei zugenommen. Sowohl im Parlament als auch als Gegner oder Partner der Wirtschaft. 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