{"id":12418,"date":"2013-06-04T00:00:00","date_gmt":"2013-06-03T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/12418\/monster-boats\/"},"modified":"2019-05-30T11:34:17","modified_gmt":"2019-05-30T09:34:17","slug":"monster-boats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/12418\/monster-boats\/","title":{"rendered":"Monster-Boats"},"content":{"rendered":"<p><b>Als Ende der 1970er-Jahre die Heringsbest\u00e4nde in der Nordsee schwanden, begannen niederl\u00e4ndische Unternehmen, die heute in der Pelagic Freezer-Trawler Association (PFA) organisiert sind, nach neuen Fanggebieten zu suchen. Mit modernen Tiefk\u00fchlschiffen er\u00f6ffneten sich neue geografische M\u00f6glichkeiten. Die Fangschiffe konnten in fr\u00fcher unzug\u00e4ngliche Gebiete vordringen. Zuerst zog die Fabrikschiffflotte in den n\u00f6rdlichen Atlantik hinaus, dann, als ab 1995 auch dort nichts mehr zu holen war, vor die westafrikanische K\u00fcste, in die Gew\u00e4sser Senegals, Guineas, Mauretaniens und Marokkos. Seit 2005 st\u00f6sst die immer weiter aufger\u00fcstete, 34 gigantische Tiefk\u00fchlschiffe z\u00e4hlende europ\u00e4ische Armada vor die chilenische K\u00fcste vor, um ihre riesigen Schleppnetze vollzukriegen.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><strong><em>Von Bruno Heinzer<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em><em><strong><a title=\"Artikel als PDF downloaden\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/1305_RiesentrawlerD.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&gt; Artikel im lesefreundlichen Magazinformat als PDF downloaden<\/a>\u00a0(2,5MB)\u00a0<\/strong><\/em><\/em><\/strong><\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/42bc37f4-42bc37f4-1305_monsterboote01.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl04_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/42bc37f4-42bc37f4-1305_monsterboote01.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            \u00a9 Sibylle Heusser und Marcus Moser, atelier oculus, Z\u00fcrich\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>2012 ist eines der gr\u00f6ssten PFA-Schiffe, die ehemalige \u00abFV Margiris\u00bb, wegen ihres vor Westafrika erworbenen schlechten Rufs kurzerhand in \u00abAbel Tasman\u00bb umgetauft, sogar bis nach Australien in die Tasmanische See vorgedrungen, um ihr zerst\u00f6rerisches Werk fortzusetzen. Da ist der geplante grosse Raubzug auf Makrelen auf den entschlossenen Widerstand von Greenpeace, anderen Umweltsch\u00fctzern und lokalen Kleinfischern gestossen und die Beh\u00f6rden haben die \u00abMargiris\u00bb w\u00e4hrend 6 Monaten in Australien festgehalten.<br \/>Diese fast 150 Meter langen Riesentrawler fegen sich mit ihren Schleppnetzen ganze Makrelen- oder Heringsschw\u00e4rme in den Schiffsbauch und sind damit nicht nur eine Bedrohung f\u00fcr diese Fische, sondern auch f\u00fcr alle Tiere weiter oben in der Nahrungskette, die sich von ihnen ern\u00e4hren. Wenn sie nicht als Beifang im mehrere hundert Meter langen Netz landen, verlieren sie ihre Nahrungsgrundlage. Und f\u00fcr die K\u00fcstenfischer mit ihren kleinen Booten bleibt auch nichts mehr \u00fcbrig.<br \/>Das Problem ist, dass es schlicht nicht mehr genug Fische in den Ozeanen gibt, damit diese \u00abStaubsauger der Meere\u00bb ihre B\u00e4uche f\u00fcllen k\u00f6nnten. Seit 1996 stagnieren die weltweiten Fischf\u00e4nge, ja sie gehen sogar leicht zur\u00fcck, obwohl die Fangkapazit\u00e4t der globalen Fischerei in dieser Zeit zugenommen hat. Gem\u00e4ss der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der UNO sind 80 Prozent der Best\u00e4nde bis an ihre Grenzen befischt, \u00fcberfischt oder bereits ersch\u00f6pft. Riesentrawler sind im Grunde gar nicht mehr rentabel. Es gibt zu viele Schiffe und zu wenig Fisch, um ihre Kapazit\u00e4ten dauerhaft auszusch\u00f6pfen. Trotzdem werden sie gegen jeden Gedanken an Nachhaltigkeit mit Steuergeld-Millionen k\u00fcnstlich am Leben erhalten.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/bfa9fe2d-bfa9fe2d-1305_monsterboote02c.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl06_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/bfa9fe2d-bfa9fe2d-1305_monsterboote02c.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            \u00a9 Sibylle Heusser und Marcus Moser, atelier oculus, Z\u00fcrich\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Zahlen<\/strong><br \/>Mit bis 600 Meter langen Schleppnetzen k\u00f6nnen 250 Tonnen Fisch pro Tag gefangen werden, die im Schiffsbauch sortiert und tiefgefroren werden. Bis zu 6000 Tonnen Fisch haben im Lagerraum Platz, was den schwimmenden Fabriken wochenlange Fischz\u00fcge in abgelegenste Gebiete der Meere erlaubt. Ein Schiff wie die \u00abFV Margiris\u00bb t\u00f6tet an einem Tag bis zu 750\u2009000 Makrelen \u2014 in einem Monat k\u00f6nnen es \u00fcber 20 Millionen sein. Ein Freezer-Trawler der PFA-Flotte kann in einem Fischzug soviel Fisch soviel Fisch erbeuten wie 56 traditionelle westafrikanische Fischerpirogen pro Jahr.<\/p>\n<p><strong>Soziale Probleme<\/strong><br \/>Die vor der Westk\u00fcste Afrikas operierende PFA-Flotte st\u00fcrzt die lokalen Kleinfischer in Senegal, Mauretanien, Marokko und Guinea in den Ruin. Sie zerst\u00f6rt mit ihrem Fisch zu Dumpingpreisen die lokalen M\u00e4rkte. In Senegal, wo mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung im Fischereisektor besch\u00e4ftigt ist und der Fischexport die wichtigste Devisenquelle darstellt, trifft sie den Lebensnerv.<\/p>\n<p><strong>Beifang und andere \u00f6kologische Folgen<\/strong><br \/>Allein vor Mauretanien wurden in den letzten 15 Jahren neben Meeress\u00e4ugern, Thun und anderen grossen Raubfischen von den EU-Schleppnetzschiffen rund 1500 vom Aussterben bedrohte Meeresschildkr\u00f6ten, \u00fcber 18\u2009000 Rochen und \u00fcber 60\u2009000 Haie als Beifang get\u00f6tet, darunter bedrohte Mantarochen und Hammerhaie. Den Meerestieren droht zus\u00e4tzliche Gefahr: Die riesigen Netze und Verarbeitungsger\u00e4te der Tiefk\u00fchlfangschiffe k\u00f6nnen Zielfische wie Makrelen, Heringe oder Sardinen lokal derart dezimieren, dass grosse Raubfische wie Thunfische, Haie und Rochen, aber auch Delfine, Orcas, Robben, Meeresschildkr\u00f6ten und Meeresv\u00f6gel ihre Nahrungsgrundlage verlieren.<\/p>\n<p><strong>Schiffsbetreiber \u2014 rechtliche, wirtschaftliche und politische Aspekte <\/strong><br \/>Die Pelagic Freezer-Trawler Association repr\u00e4sentiert drei holl\u00e4ndische Unternehmen (Parlevliet &amp; Van der Plas, Cornelis Vrolijk\/Jaczon und Willem van der Zwan &amp; Zonen). Ihre 34 schwimmenden Fischfabriken operieren mittlerweile unter den Flaggen der Niederlande, Grossbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Litauens und Perus. So k\u00f6nnen sie die Fangquoten der entsprechenden Staaten aussch\u00f6pfen, erhalten deren Fischereisubventionen und profitieren auch von laxeren Umweltgesetzen. Vordergr\u00fcndig weist die PFA einen Jahresgewinn von 55 Millionen Euro aus. Zieht man allerdings die direkten und die indirekten EU-Subventionen von \u00fcber 100 Millionen Euro ab, resultiert unter dem Strich ein j\u00e4hrlicher Verlust von bis zu 50 Millionen Euro. Die PFA ist also weder \u00f6kologisch noch wirtschaftlich nachhaltig. Die Pl\u00fcnderungsz\u00fcge vor Afrikas Westk\u00fcste und im S\u00fcdpazifik werden mit Steuergeldern der sich so gern mit ihrer \u00f6kologischen Haltung br\u00fcstenden EU aufrechterhalten.<\/p>\n<p><a title=\"EU-Fischereipolitik: Beschluss mit Potential nach oben!\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/eu-fischereipolitik-beschluss-mit-potential-n\/blog\/45408\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">EU-Fischereipolitik: Beschluss mit Potential nach oben!<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Ende der 1970er-Jahre die Heringsbest\u00e4nde in der Nordsee schwanden, begannen niederl\u00e4ndische Unternehmen, die heute in der Pelagic Freezer-Trawler Association (PFA) organisiert sind, nach neuen Fanggebieten zu suchen. 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