{"id":12501,"date":"2013-05-27T00:00:00","date_gmt":"2013-05-26T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/12501\/deutsches-skandal-schiff-jan-maria-fischfang-auf-bestellung\/"},"modified":"2025-06-25T15:37:19","modified_gmt":"2025-06-25T13:37:19","slug":"deutsches-skandal-schiff-jan-maria-fischfang-auf-bestellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/12501\/deutsches-skandal-schiff-jan-maria-fischfang-auf-bestellung\/","title":{"rendered":"Deutsches Skandal-Schiff \u00abJan Maria\u00bb: Fischfang auf Bestellung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wenn die \u00abJan Maria\u00bb ausl\u00e4uft, weiss die Crew bereits exakt, mit welchem Fang sie zur\u00fcckkehren wird. Ein Mitarbeiter der Reederei berichtet im niederl\u00e4ndischen Fernsehen:\u00a0<\/strong><em><strong>\u00abDer Fisch ist bereits verkauft, bevor er gefangen ist. Stimmen Gr\u00f6sse und Gewicht nicht \u00fcberein, geht er wieder \u00fcber Bord. Tot.\u00bb<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Diese Praxis nennt sich \u00abHighgrading\u00bb und bedeutet nicht nur eine riesige Verschwendung von essbarem Fisch, sondern ist nach EU-Recht illegal. In der 40 min\u00fctigen Dokumentation des TV-Senders Zembla \u00abWild West op Zee\u00bb best\u00e4tigt sich, was bereits Frontal 21 (ZDF) in seinem Beitrag \u00ab<a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/1865166\/Was-taugen-die-Fischfangquoten%253F#\/beitrag\/video\/1865166\/Was-taugen-die-Fischfangquoten%3F\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Was taugen die Fischfangquoten<\/a>\u00bb j\u00fcngst a\ufdeckte: Das deutsche Fangschiff Jan Maria, das zum niederl\u00e4ndischen Mutterkonzern \u00abParlevliet en van der Plas\u00bb geh\u00f6rt, ist tief in illegale Machenschaften auf See verstrickt. Das ist keine Ausnahme. Ob \u00abHelen Mary\u00bb, \u00abMargiris\u00bb oder \u00abMaartje Theadora\u00bb \u2013 die Parlevliet-Flotte hat sich bereits einiges geleistet. Siehe auch: \u00ab<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/fileadmin\/gpd\/user_upload\/themen\/meere\/Factsheet_Skandalfirma_Parlevliet_maerz13.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Skandalfirma Parlevliet &amp; van der Plas<\/a>\u00bb.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ohne Chance: Beh\u00f6rdliche Kontrollen auf See<\/h2>\n\n<p>Im Zembla-Beitrag erz\u00e4hlt ein Augenzeuge anonym: An Bord der schwimmenden Fischfabriken benutze man die Sortiermaschinen, um schlecht verkaufbaren Fisch abzuzweigen und bei n\u00e4chster Gelegenheit illegal ins Meer zur\u00fcckzuleiten. Bei der Ausstattung der schwimmenden Fabriken ist das ein Leichtes: Es ist gen\u00fcgend Platz, um Fisch zwischenzulagern oder abzuschotten. Im Laderaum k\u00f6nnen rund 7 Millionen Pfund Fisch gek\u00fchlt werden, das entspricht laut Zembla-Rechnung 18 Millionen Mahlzeiten.<\/p>\n\n<p>Die Mitarbeiter diskutieren dar\u00fcber, dass \u00abengere Maschen\u00bb her m\u00fcssen.<\/p>\n\n<p>Auch der Deutsche Andreas Mehmecke ist als nautischer Offizier auf der \u00abJan Maria\u00bb mitgefahren und gibt wenig auf die Beh\u00f6rdenaufsicht. \u00ab<em>Man kann heute alles beobachten<\/em>\u00bb, sagt er im TV-Beitrag. Die Fangschiffe h\u00e4tten die Kontrolleure l\u00e4ngst auf dem Radar, wenn sie noch weit genug entfernt sind. Ein Anruf gen\u00fcge: \u00abKein Fisch aussenbords\u00bb \u2013 und der Ausschuss-Fisch werde zwischengelagert. \u00ab<em>Wenn die Kontrolle vorbei ist, und die Kontrollboote ausser Sicht sind, geht er dann \u00fcber Bord.<\/em>\u00bb<\/p>\n\n<p>Bereits bei Frontal 21 berichtete Mehmecke vor der Kamera, dass die \u00abJan Maria\u00bb in grossem Stil Hering zur\u00fcck ins Meer gekippt hat, um an anderer Stelle erneut zu fischen in der Hoffnung auf besser vermartkbaren, gr\u00f6sseren Fisch. Zwei Dokumente, das offizielle Fangtagebuch f\u00fcr die Beh\u00f6rden sowie eine geheime Fangkladde best\u00e4tigen diese Praxis. Dass dies kein Einzelfall ist, zeigen die Reaktionen im Internet. In einem internen Forum freuen sich einige Parlevliet-Mitarbeiter \u00ab<em>gut, dass sie nur ein Logbuch gefunden haben<\/em>\u00bb und \u00ab<em>uns haben sie nicht immer erwischt \u2013 und wenn wars nich so teuer<\/em>\u00bb.<\/p>\n\n<p>Wie geht es jetzt weiter? Beide Dokumente hat Memecke in Kopie den Beh\u00f6rden ausgeh\u00e4ndigt; zust\u00e4ndig ist die Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, BLE. Deren Vertreter gibt sich im TV-Beitrag zur\u00fcckhaltend: Das inoffizielle Logbuch liesse vemuten, dass es sich um einen Verstoss handelt, man m\u00fcsse sich ein Bild machen. Unsere Kollegen von Greenpeace Niederlande haben \u00fcbrigens Klage gegen den niederl\u00e4ndischen Kapit\u00e4n der \u00abJan Maria\u00bb erhoben.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fischvernichtung auf See \u2013 zuk\u00fcnftig erschwert?<\/h2>\n\n<p>Die Skandal-Reederei \u00abParlevliet und van der Plas\u00bb erhielt in den letzten Jahren fast 18 Millionen Euro an EU-Zusch\u00fcssen<\/p>\n\n<p>Industrielle Fischerei ist ein Gesch\u00e4ft, in dem Profit vor Nachhaltigkeit geht. Die laschen EU-Regeln haben ohne effektive Kontrollen kaum eine Chance, Missbrauch zu verhindern. Die Umweltverb\u00e4nde schauen in den letzten Monaten deshalb scharf nach Br\u00fcssel,&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/enttaeuschend-verhandlungsergebnis-der-eu-min\/blog\/45226\/\">wo die Reform der europ\u00e4ischen Fischereiregeln in die Endphase geht<\/a>. Alle zehn Jahre werden diese \u00fcberarbeitet \u2013 in den n\u00e4chsten Wochen werden die neuen Gesetze wohl beschlossen werden.<\/p>\n\n<p>Neu geregelt werden nicht nur Fangquoten und R\u00fcckwurfverbote, sondern auch die Steuergelder f\u00fcr die Fischereimonster. Im Zembla-Beitrag findet EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki klare Worte auf die Frage, wie man zuk\u00fcnftig mit Subventionen f\u00fcr Fangschiffe umgehen werde, die gegen die EU-Regeln verstossen: \u00ab<em>Das muss aufh\u00f6ren, wirklich, das muss aufh\u00f6ren.<\/em>\u00bb Sie habe nun die F\u00f6rdergelder f\u00fcr den Neubau von Fangschiffen gestoppt, denn die \u00fcberdimensionierten Supertrawler bedeuten, dass zuk\u00fcnftig noch gr\u00f6ssere Mengen Fisch gefangen werden.<\/p>\n\n<p>In welchem Umfang die Industrieschiffe f\u00fcr ihr kriminelles Gesch\u00e4ft sogar von den EU-F\u00f6rdert\u00f6pfen profitierten, zeigt ein Beispiel in der niederl\u00e4ndischen Doku: Die Skandal-Reederei \u00abParlevliet und van der Plas\u00bb erhielt in den letzten Jahren fast 18 Millionen Euro an EU-Zusch\u00fcssen f\u00fcr die Schiffe \u2013 der L\u00f6wenanteil \u00fcbrigens f\u00fcr ihre deutschen Schiffe wie die \u00abJan Maria\u00bb.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schicke jetzt noch ein Papierboot zu den Fischereiministern, um den Druck auf diese zu erh\u00f6hen.<\/h3>\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><a href=\"https:\/\/myboat.gp\/index.php\/ch\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/027a86c8-027a86c8-papierboot.jpg\" alt=\"Unterst\u00fctzen Sie die nachhaltige Fischerei\" width=\"171\" height=\"102\"\/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 27. Mai 2013 Auch die Crew der Supertrawler wei\u00df um die illegalen Aktivit\u00e4ten. 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