{"id":12860,"date":"2013-02-06T00:00:00","date_gmt":"2013-02-05T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/12860\/tauwetter-im-arktischen-rat\/"},"modified":"2019-05-30T11:46:59","modified_gmt":"2019-05-30T09:46:59","slug":"tauwetter-im-arktischen-rat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/12860\/tauwetter-im-arktischen-rat\/","title":{"rendered":"Tauwetter im Arktischen Rat?"},"content":{"rendered":"<p><b>Beim Gedanken an einen neuen offiziellen internationalen Rat regt sich bei den meisten Menschen gleich Abneigung: Solche Gremien bedeuten hochrangige politische Workshops, multilaterale Arbeitsgruppen, viel Gerede, wenig Resultate usw. \u2014 Leider macht auch der Arktischen Rat da keine Ausnahme. Dabei w\u00e4re er gerade jetzt so wichtig.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><strong><em>von Ben Ayliffe<\/em><\/strong><\/p>\n<h3><strong>Lobenswerte Ziele<\/strong><\/h3>\n<p><strong><\/p>\n<div class=\"events-box middle-box right\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e2026cbf-e2026cbf-arktis-1.jpg\" title=\"Schmelzendes Packeis\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" title=\"Schmelzendes Packeis\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e2026cbf-e2026cbf-arktis-1.jpg\" alt=\"Schmelzendes Packeis\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Schmelzendes Packeis<\/strong><\/p>\n<p>\n            \u00a9 Bernd Roemmelt \/ Greenpeace\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p> <\/strong><\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.arctic-council.org\/index.php\/en\/about-us\">Arktische Rat<\/a> wurde 1996 durch die Erkl\u00e4rung von Ottawa gegr\u00fcndet und ist \u00abein hochrangiges zwischenstaatliches Forum, um die Kooperation, Koordination und Interaktion zwischen den arktischen Staaten zu f\u00f6rdern\u00bb. Besonders wichtig sind dem Rat \u00abFragen der nachhaltigen Entwicklung und des Umweltschutzes in der Arktis\u00bb.<\/p>\n<p>Das sind edle Worte und lobenswerte Ziele. Aber, wie meine gute alte Grossmutter zu sagen pflegte, von Worten kommen keine Fettaugen auf die Suppe.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h3>Nicht viel vorzuweisen<\/h3>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr den Arktischen Rat. Er wurde zwar geschaffen, um das einzigartige, empfindliche \u00d6kosystem des eisigen Nordens zu sch\u00fctzen und weist oft auf die Anf\u00e4lligkeit der Region f\u00fcr Umweltzerst\u00f6rung und die <a href=\"http:\/\/www.arctic-council.org\/index.php\/en\/environment-a-climate\/121-enviroment-climate\">Gefahren des Klimawandels<\/a><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span>hin. Trotzdem ist der Rat nicht besonders aktiv, wenn es darum geht, diese Ziele in verbindliche Gesetzesform zu bringen. Seit seiner Gr\u00fcndung, damals, Mitte der 90er Jahre, hat der Rat genau eine rechtlich bindende Vereinbarung zustande gebracht, n\u00e4mlich ein Abkommen \u00fcber Such- und Rettungseins\u00e4tze mit dem sch\u00f6nen Namen <em>Aeronautical and Maritime Search and Rescue (SAR) agreement, <\/em>das 2011 in Nuuk in Gr\u00f6nland unterzeichnet wurde.<\/p>\n<p>Alles in allem ist es dem Arktischen Rat nicht gelungen, die Art von Gesetzgebung und F\u00fchrung zu erm\u00f6glichen, wie sie angesichts komplexer Gefahren wie schnelle Umweltver\u00e4nderungen und das Vordringen einer gierigen \u00d6l- und Gasindustrie erfordern. Nach fast zwei Jahrzehnten mit Runden Tischen, Expertentagungen und Ministerkonferenzen zu Umweltfragen hat der Rat kaum etwas vorzuweisen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h3>\u00d6lpest-Reaktionsabkommen<\/h3>\n<p>Deshalb setzten Gruppen wie Greenpeace so grosse Hoffnungen auf den Plan des Rates, ein\u00a0 internationales Abkommen zu schaffen, um auf eine immer wichtiger werdende Gefahr f\u00fcr die Umwelt zu reagieren: eine \u00d6lpest in der Arktis. Der Rat gr\u00fcndete eine Arbeitsgruppe, um einen Entwurf f\u00fcr das potenzielle \u00ab <em>Agreement on Cooperation on Marine Oil Pollution Preparedness and Response in the Arctic<\/em>\u00bbaufzusetzen, mit dem Ziel, \u00abeine rechtlich bindende zwischenstaatliche Vereinbarung\u00bb <a href=\"http:\/\/www.arctic-council.org\/index.php\/en\/oceans\/emergency-preparedness\/570-negotiations-in-helsinki-on-new-arctic-agreement-on-marine-oil-pollution-response\">zu verabschieden<\/a><span style=\"text-decoration: underline;\">,<\/span> die f\u00fcr eine effektive Reaktion auf einen Bohrunfall in arktischen Gew\u00e4ssern sorgen sollte.<\/p>\n<p>Leider, aber keineswegs unerwartet, hat der Arktische Rat den Mund zu voll genommen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h3>Der bekannt gewordene Entwurf<\/h3>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box middle-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d62f7aaa-d62f7aaa-gp0433l_layout.jpg\" title=\"Aktion vor dem Treffpunkt des Arktischen Rates in Stockholm\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl04_Image1\" title=\"Aktion vor dem Treffpunkt des Arktischen Rates in Stockholm\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/d62f7aaa-d62f7aaa-gp0433l_layout.jpg\" alt=\"Aktion vor dem Treffpunkt des Arktischen Rates in Stockholm\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Aktion vor dem Treffpunkt des Arktischen Rates in Stockholm<\/strong><\/p>\n<p>\n            \u00a9 Greenpeace \/ Christian \u00c5slund\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Greenpeace ist vor Kurzem ein <a href=\"http:\/\/www.google.com\/url?q=http%3A%2F%2Fact.gp%2FW7vvWm&amp;sa=D&amp;sntz=1&amp;usg=AFQjCNGzzAeWgNBcXnWNJYkSQ91u6eIFzA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Entwurf<\/a>des \u00d6lpest-Reaktionsabkommens bekannt geworden, und wir waren entsetzt \u00fcber den Inhalt \u2013 den nicht vorhandenen Inhalt, um genau zu sein.<\/p>\n<p>In Anbetracht der offensichtlichen Gefahren von \u00d6lbohrungen in der Polregion und der riesigen Herausforderungen, die jede Reaktion auf einen Unfall in den in Dunkelheit geh\u00fcllten, mit Eis bedeckten Gew\u00e4ssern darstellt, kann man sich nur wundern, dass der Entwurf keinerlei Pl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00f6tige Ausr\u00fcstung, Methoden zum Verschliessen der Quelle oder f\u00fcr die Reinigung ver\u00f6lter Lebensr\u00e4ume oder Tiere vorsieht.<\/p>\n<p>Wenn die Vereinbarung ebenso viele Hinweise auf Massnahmen enthielte, mit denen die einzelnen L\u00e4nder eine sprudelndes Leck abdichten k\u00f6nnten, wie leere Worte, k\u00f6nnte der Polarfuchs, der dem \u00a0<a href=\"https:\/\/files.conferencemanager.dk\/medialibrary\/ba6ece16-d9b8-407a-800c-7f4143697d13\/images\/arctic_council_logo.png\">Rat als Logo<\/a> dient, ruhiger schlafen. Aber beim tats\u00e4chlichen Stand der Dinge hat er allen Grund zur Sorge. Da das Risiko eines \u00d6lunfalls im Eis in der Gr\u00f6ssenordnung der <em>Deepwater Horizon<\/em> besteht, helfen vage Aussagen, die arktischen Staaten sollten \u00abdaf\u00fcr sorgen\u00bb, dass sie versuchen, mit \u00abangemessenen Massnahmen im Rahmen der verf\u00fcgbaren Ressourcen\u00bb auf einen \u00d6lunfall zu reagieren, schlicht nicht weiter.<\/p>\n<p>Sie schaffen kein Vertrauen in die F\u00e4higkeit des Arktischen Rates, diese empfindliche Region zu sch\u00fctzen, wenn der schlimmste Fall eintritt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h3>Einfluss der \u00d6lindustrie<\/h3>\n<\/p>\n<div class=\"events-box middle-box right\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/a41fd6c9-a41fd6c9-gp04fh3_layout.jpg\" title=\"Shells Kulluk Assessment in der Kiliuda-Bucht\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl06_Image1\" title=\"Shells Kulluk Assessment in der Kiliuda-Bucht\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/a41fd6c9-a41fd6c9-gp04fh3_layout.jpg\" alt=\"Shells Kulluk Assessment in der Kiliuda-Bucht\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Shells Kulluk Assessment in der Kiliuda-Bucht<\/strong><\/p>\n<p>\n             \u00a9 Greenpeace \/ Tim Aubry\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Aber das ist noch nicht alles. Es erheben sich ernsthafte Fragen \u00fcber die Rolle der \u00d6lindustrie beim Erstellen des Entwurfs. Fotos in der <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/arctic_council\/8199302131\/in\/set-72157632051103100\/\">Flickr-Galerie<\/a> des Arktischen Rates zeigen Vertreter dieser Unternehmen als Teilnehmer der Arbeitsgruppe, auch bei der abschliessenden Sitzung, in der das Papier fertiggestellt wurde. Warum Unternehmen wie Shell, die in diesem Sommer eins der leichtsinnigsten und unsinnigsten Bohrprogramme vor Alaska in Angriff nahmen, dabei mitreden sollten, wie die Aufr\u00e4umungsarbeiten zu organisieren sind, bleibt die grosse Frage.<\/p>\n<p>Bisher hat noch kein \u00d6lunternehmen bewiesen, dass es eine \u00d6lpest in Eis beseitigen kann, und dieses Abkommen macht wenig Hoffnung auf Ver\u00e4nderung in dieser Hinsicht. Das Dokument \u00e4hnelt dem Kernwaffenteststopp-Vertrag der UN, der ungef\u00e4hr besagt: \u00abBitte entwickelt einen nationalen Plan, keine Atombomben explodieren zu lassen.\u00bb<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h3>Die Arktis im Blick<\/h3>\n<p>Diese Woche treffen sich die Umweltminister des Arktischen Rates in Jukkasj\u00e4rvi in Schweden. Das Abkommen steht zur Zeit nicht auf der Tagesordnung, aber wir hoffen, dass wir das \u00e4ndern k\u00f6nnen. Mit etwas Gl\u00fcck tr\u00e4gt das Bekanntwerden des Entwurfs dazu bei, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt und die Arbeitsgruppe Gelegenheit erh\u00e4lt, das Dokument zu \u00fcberarbeiten, bevor es im Mai von den Aussenministern verabschiedet wird.<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass den Beamten klar wird, wie nutzlos dieses Papier in seinem jetzigen Zustand ist. Es beweist bisher nur eins: Es gibt weder ein Land noch ein Unternehmen, das angemessen vorbereitet ist, um eine \u00d6lpest im hohen Norden zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Daher bleibt die Frage: Erf\u00fcllt der Arktische Rat seine Aufgabe, diese einzigartige Region vor Shell, Gazprom und Konsorten zu sch\u00fctzen? Wir werden das sehr genau beobachten.<\/p>\n<p>Hilf uns die Arktis vor \u00d6lkonzernen und industrieller Fischerei zu sch\u00fctzen. <a href=\"http:\/\/www.savethearctic.org\/\">Werde jetzt Arktissch\u00fctzerIn!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.savethearctic.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/206e838b-206e838b-66346_117373.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"375\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Gedanken an einen neuen offiziellen internationalen Rat regt sich bei den meisten Menschen gleich Abneigung: Solche Gremien bedeuten hochrangige politische Workshops, multilaterale Arbeitsgruppen, viel Gerede, wenig Resultate usw. \u2014&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":12862,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-12860","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12860"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12860\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12862"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12860"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=12860"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=12860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}