{"id":12957,"date":"2013-01-17T00:00:00","date_gmt":"2013-01-16T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/12957\/saeugetiere-der-arktis-mit-dem-eis-schmilzt-die-hoffnung-auf-ihr-ueberleben\/"},"modified":"2019-05-30T11:49:42","modified_gmt":"2019-05-30T09:49:42","slug":"saeugetiere-der-arktis-mit-dem-eis-schmilzt-die-hoffnung-auf-ihr-ueberleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/12957\/saeugetiere-der-arktis-mit-dem-eis-schmilzt-die-hoffnung-auf-ihr-ueberleben\/","title":{"rendered":"S\u00e4ugetiere der Arktis: Mit dem Eis schmilzt die Hoffnung auf ihr \u00dcberleben"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Schiffsuhr zeigt drei Uhr nachts. Trotzdem dr\u00e4ngeln die Teilnehmer der Expeditionstour auf die Br\u00fccke und die Aussendecks, halb noch im Pyjama, halb schon in hastig \u00fcbergeworfene Winterkleider geh\u00fcllt. Sonnenbrillen verdecken die noch verschlafenen Augen \u2013 die Mitternachtssonne steht hoch \u00fcber dem dichten Treibeis am wolkenlosen Himmel \u00fcber dem Nordpolarmeer. Was ist geschehen?<\/b><\/p>\n<div>\n<p class=\"X-AutorTitel\"><strong><em>Von Peter Balwin<\/em><\/strong><\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/915ae7a0-915ae7a0-1301_arktis01.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/915ae7a0-915ae7a0-1301_arktis01.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Gr\u00f6nlandwale beschnuppern einander, Baffininsel, Kanada.<br \/>\u00a9 Flip Nicklin \/ Getty Images\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Jemand hat einen Wal gesichtet, einen der hier vor Spitzbergen seltenen Gr\u00f6nlandwale. \u00abDort taucht er auf!\u00bb, ruft jemand begeistert in die gleissend helle n\u00e4chtliche Stille. Obwohl alle sofort in die gleiche Richtung blicken, ist der V-f\u00f6rmige Blas des m\u00e4chtigen, gegen 19 Meter langen Meeress\u00e4ugers schon fast verhaucht. Aber dann taucht sein riesiger R\u00fccken auf.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">\u00abDer Gr\u00f6nlandwal ist eines der wunderbarsten Tiere der Welt\u00bb, schrieb Charles Darwin Mitte des 19. Jahrhunderts in sein Tagebuch. Und erst sein Lebensraum: spektakul\u00e4r, unvergesslich sch\u00f6n, verg\u00e4nglich \u2013 das Treibeis im Arktischen Ozean. Eine atemberaubende Mischung aus blendendem Weiss und urweltlicher Ruhe. W\u00e4hrend sich andere nordische Walarten f\u00fcr die Wintermonate in die Subtropen absetzen, bleibt der Gr\u00f6nlandwal der K\u00e4lte und dem Eis treu: Er h\u00e4lt sich das ganze Jahr \u00fcber im vereisten Nordpolarmeer auf.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es dieser Walart dank Schutzmassnahmen wieder besser geht, ver\u00e4ndert sich die Umwelt drastisch. Das Meereis taut auf, ohne das der Gr\u00f6nlandwal und zahlreiche weitere S\u00e4ugetierarten der Arktis verloren sind.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">\u00ab<em>Und \u2013 wie war es? Merkst du schon etwas? Schmilzt das Eis?<\/em>\u00bb, so lauten neuerdings die Fragen in meinem Bekanntenkreis, wenn ich am Ende des Sommers aus der Arktis nach Hause zur\u00fcckkehre. Das Interesse am Nordpolargebiet ist gestiegen \u2013 oder besser: Die Sorge ist gewachsen um diesen einzigartigen, fragilen Lebensraum am n\u00f6rdlichen Ende der Welt.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Und wie das Eis schmilzt! Messreihen aus unterschiedlichen Wissenszweigen verdeutlichen, wie dramatisch und schnell sich das Nordpolargebiet wegen der Klimaerw\u00e4rmung ver\u00e4ndert. Ein paar Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Mitte September 2012 waren bloss noch 3,4\u00a0Millionen Quadratkilometer des Nordpolarmeers mit Eis bedeckt. Das ist absoluter Minusrekord \u2013 bisher. In wenigen Jahrzehnten k\u00f6nnte das Nordpolarmeer im Sommer eisfrei sein.\n<\/li>\n<li>Die Fl\u00e4che des Meereises wird st\u00e4ndig geringer, das Eis d\u00fcnner. Betrug die durchschnittliche Dicke der Eisdecke \u00fcber dem Arktischen Ozean 1980 noch 3,64 Meter, wird sie f\u00fcr 2008 mit 1,89 Metern angegeben: eine Abnahme um gut die H\u00e4lfte.\n<\/li>\n<li>In den letzten Jahrzehnten lagen die Sommertemperaturen in der Arktis h\u00f6her als jemals zuvor in den vergangenen 2000 Jahren.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"XLT2sp\">Die Liste erschreckender Tatsachen aus der Arktis liesse sich problemlos verl\u00e4ngern. Nicht nur das Packeis des Meeres und die Gletscher schmelzen, auch die Permafrostb\u00f6den tauen auf. Tauperioden unterbrechen die Winterk\u00e4lte. Und Winde, Fl\u00fcsse und Meeresstr\u00f6mungen transportieren tonnenweise Schadstoffe wie Blei, Quecksilber, DDT und andere Pestizide oder PCB aus unseren Breiten in die Arktis. Die gesamte Nahrungspyramide ist von diesem Chemiecocktail hochgradig betroffen.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p class=\"ZTLT2sp\"><strong>Rund 20\u2009000 Eisb\u00e4ren sind gef\u00e4hrdet<\/strong><\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Wenn das Meereis wegschmilzt, leiden die Tiere. Im Ozean wie auch an Land geraten Fische, Meeres- und Lands\u00e4ugetiere in Bedr\u00e4ngnis. Das arktische \u00d6kosystem hat sich bereits dramatisch ver\u00e4ndert; das Schmelzen des Packeises ist bloss die augenf\u00e4lligste Variante. Fast w\u00f6chentlich publizieren Naturwissenschafter neue Befunde zum (schlechten) Zustand der Arktis. Sie belegen vor allem eines: Die Klimaerw\u00e4rmung hat das Leben rund um den Nordpol schon geh\u00f6rig aus dem Lot gebracht.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Einer, den die Erderw\u00e4rmung am st\u00e4rksten trifft, ist der Eisb\u00e4r. 20\u2009000 bis 25\u2009000 Exemplare sind rund um den Nordpol zu Hause. Das Meereis ist ihr Leben, hier finden sie Beute (vor allem Bart- und Ringelrobben), hier treffen sie paarungswillige Partner (ohne Packeis keine Paarung), hier wandert der K\u00f6nig der Arktis bis 7100 Kilometer pro Jahr durch sein Reich.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e066667b-e066667b-1301_arktis02.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl04_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e066667b-e066667b-1301_arktis02.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Magere Beute: Bleiben die Robben aus, muss sich der Eisb\u00e4r mit Vogeleiern begn\u00fcgen.<br \/>\u00a9 Polarnews\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"XLT2sp\">Je l\u00e4nger das Meer eisfrei bleibt, desto geringer sind die Chancen, die ben\u00f6tigte Menge Robben zu erbeuten. Tr\u00e4chtigen Weibchen gelingt es dann nicht mehr rechtzeitig, sich eine Fettreserve anzufressen, bevor sie sich Anfang Winter zum Geb\u00e4ren in eine Schneeh\u00f6hle zur\u00fcckziehen. Das hat nachweislich bereits zu einer verringerten Reproduktion bei den Eisb\u00e4ren der s\u00fcdlichen Beaufortsee vor Alaska sowie zu einer Abnahme der Population in der westlichen Hudson Bay in Kanada gef\u00fchrt. Auch die Erreichbarkeit geeigneter Gebiete steht auf dem Spiel, denn nicht \u00fcberall erm\u00f6glichen es Terrain und Schneeverfrachtung den B\u00e4renweibchen, stabile Wurfh\u00f6hlen in Schneewehen anzulegen. Der Abstand zwischen dem S\u00fcdrand des Packeises und den Gebieten mit Wurfh\u00f6hlen an Land w\u00e4chst. Russische Wissenschafter berichten von den Nordk\u00fcsten Sibiriens, dass sich das Meereis im Sommer viel weiter nach Norden zur\u00fcckzieht als bisher: Die Eisgrenze erreicht bereits den 82. Breitengrad und ist damit weiter von den K\u00fcsten entfernt als je zuvor. Irgendwann wird die offene Wasserfl\u00e4che zwischen Eisrand und Festland f\u00fcr die B\u00e4ren zu breit sein, m\u00f6gen sie noch so gute Schwimmer sein. Dann werden sie Anfang Winter ihr Wurfh\u00f6hlengebiet an der K\u00fcste nicht mehr erreichen.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Die zunehmend eisfreien Sommermonate machen den Eisb\u00e4ren in Svalbard auf Spitzbergen ebenfalls zu schaffen. Im Sommer an Land gestrandet, bleibt ihnen nichts anderes, als sich zum Beispiel an dort br\u00fctenden Weisswangeng\u00e4nsen g\u00fctlich zu tun. Dank rigoroser Naturschutzmassnahmen in den letzten sechzig Jahren hat die Population dieser Gans von 300 auf 30\u2009000 zugenommen. Die hungrigen B\u00e4ren machen diesen Erfolg jetzt zunichte. So beobachteten niederl\u00e4ndische Forscher, wie ein Eisb\u00e4r in einem Aufwasch gleich tausend G\u00e4nseeier verzehrte. Von 500 Nestern im Gebiet verzeichneten nur 40 einen Bruterfolg.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/9195061f-9195061f-1301_arktis03.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl06_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/9195061f-9195061f-1301_arktis03.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Imponiergehabe: Ein bedrohter Stellerscher Seel\u00f6we sonnt sich nahe Dutch Harbor auf Unalaska Island. <br \/>\u00a9 Jiri Rezac \/ Greenpeace\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"XLT2sp\">In solch kargen Zeiten, welche die warmen Arktissommer den Eisb\u00e4ren bescheren, kommen auch Seetang an der K\u00fcste, andere pflanzliche Nahrung, aber auch Tierkadaver oder Vogelk\u00fcken auf den Speiseplan. Das ist traurig. Denn wenn man weiss, dass ein Durchschnittseisb\u00e4r mit einer einzigen Mahlzeit gegen 20\u00a0Prozent seines K\u00f6rpergewichts aufnehmen kann (f\u00fcr uns Menschen entspricht das einem Mittagessen von 15 Kilo), ist klar, dass Probleme programmiert sind. Der grosse Magen knurrt, wenn die Robben im Sommer knapp sind, und der Eisb\u00e4r \u2013 das gr\u00f6sste Landraubtier der Erde \u2013 seinen Hunger mit Amuse-Bouches zu stillen versucht. Statt sich Reserven f\u00fcr den Winter anzufressen, zehren die B\u00e4ren von den k\u00f6rpereigenen Fettvorr\u00e4ten. Solchen Tieren begegnet man in der sommerlichen Tundra von Spitzbergen. Ihr Fell wirkt schmutzig, der K\u00f6rper mager. Sie sind ausgezehrt und hungrig. Ihr Zustand erh\u00f6ht die Gefahr bei einem Zusammentreffen mit Menschen, die immer zahlreicher als Touristen in die Arktis reisen.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Im K\u00f6rperfett der Eisb\u00e4ren lagern sich auch Schadstoffe der Chemiedusche ab, welche die Arktis aus der bewohnten Welt erreicht. Wenn Eisb\u00e4ren wegen der Klimaerw\u00e4rmung \u00fcber immer l\u00e4ngere Perioden fasten, belasten sie sich mit langlebigen organischen Schadstoffen, die aus dem Fettgewebe freigesetzt werden. Der K\u00f6nig der Arktis vergiftet sich von innen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ZTLT2sp\">\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/fb2dfed5-fb2dfed5-1301_arktis04.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl08_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/fb2dfed5-fb2dfed5-1301_arktis04.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Mit der Eisschmelze schwindet ihr Territorium: Eisb\u00e4ren in Nordalaska spielen vor den \u00dcberbleibseln eines Wals. <br \/>\u00a9 Bernd Roemmelt \/ Greenpeace\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ZTLT2sp\"><strong>M\u00e4chtige Firmen stampfen in aller Stille Abbauprojekte aus dem Boden<\/strong><\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Was die Tiere der Arktis in ihrer Existenz bedroht, lockt und freut die Industrie, allen voran die Erd\u00f6lindustrie. Das schmelzende Meereis macht Gebiete zug\u00e4nglich, in denen Rohstoffe vermutet werden. Laut j\u00fcngsten Sch\u00e4tzungen lassen sich \u00fcber ein F\u00fcnftel der noch unentdeckten \u00d6lvorkommen der Erde in der Arktis finden. Sollte das Nordpolarmeer im Sommer bald eisfrei sein, wie es Klimamodelle vorhersagen, wird die Ausbeutung arktischer Ressourcen im grossen Stil angegangen. Eine solche Entwicklung f\u00fcgt der Bedrohung arktischer Tiere und Pflanzen durch die Klimaerw\u00e4rmung weitere Komponenten hinzu: Schiffsverkehr, Verschmutzung, L\u00e4rm, seismische Aktivit\u00e4t, Infrastruktur etc. Schon heute berichten Forscher von Konflikten, zum Beispiel in Alaska. Dort \u00fcberlappt sich das Verbreitungsgebiet der Eisb\u00e4ren mit geplanten und bereits aktiven \u00d6l- und Gasf\u00f6rderprojekten in einer vierzig Kilometer breiten Zone entlang der K\u00fcste. Damit w\u00e4chst die Gefahr von St\u00f6rungen und \u00d6lunf\u00e4llen.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Die weltweite Verbrennung fossiler Brennstoffe ist massgeblich verantwortlich f\u00fcr die Klimaerw\u00e4rmung und die Eisschmelze. Weil das Packeis schwindet, k\u00f6nnen noch mehr fossile Energiequellen ausgebeutet werden: ein Teufelskreis.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">\n<div class=\"events-box middle-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e4c40dcb-e4c40dcb-1301_arktis05.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl10_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e4c40dcb-e4c40dcb-1301_arktis05.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Meereis-Bedeckung am 6. August 2012 im Vergleich zu den Vorjahren. Die rote Linie zeigt den Mittelwert der Eisausdehnung der Jahre 1992 bis 2006 im August. <br \/>\u00a9 UHH \/ Klimacampus \/ Kaleschke\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"XLT2sp\">In aller Stille stampfen m\u00e4chtige Firmen grosse Abbauprojekte aus dem arktischen Boden. Passend dazu bauen Schiffswerften eisbrechende Containerschiffe und Tanker. In der russischen Petschorasee zum Beispiel, einem Randmeer der Barentssee an der russischen Eismeerk\u00fcste, bringen Tanker das Roh\u00f6l vom Verladeterminal Varanday in die arktische Hafenstadt Murmansk \u2013 erstmals ohne die Hilfe von Eisbrechern, denn die Tanker k\u00f6nnen Meereis bis zu einer Dicke von 1,5\u00a0Metern selber durchpfl\u00fcgen. Durch die weiter \u00f6stlich und n\u00f6rdlich gelegene Karasee verkehren bereits eisbrechende Containerschiffe \u2013 ganzj\u00e4hrig.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Nicht nur neue Schiffstypen rollen vom Stapel, es bieten sich dank dem schwindenden arktischen Meereis auch neue, spektakul\u00e4re Routen f\u00fcr die kommerzielle Schifffahrt an. Eine davon, die rund 4700 Kilometer lange Nordostpassage entlang der Nordk\u00fcste Eurasiens, f\u00fchrt von Nordeuropa \u00fcber Sibirien nach Japan. Sie l\u00e4sst die Herzen von \u00d6ltankerkapit\u00e4nen und Containerschiffsleuten h\u00f6herschlagen. Schon haben erste Handelsschiffe die bedeutsame Abk\u00fcrzung durch arktische Gew\u00e4sser gew\u00e4hlt \u2013 und der Verkehr wird zunehmen. Im August 2011 durchfuhr der erste Supertanker die gesamte Nordostpassage, immerhin ein Schiff von 280\u00a0Metern L\u00e4nge. \u00abDank der Nordostpassage ist die Arktis zur f\u00fchrenden wirtschaftlichen Region Russlands geworden\u00bb, stellte der vor zwei Jahren verstorbene Wirtschaftswissenschafter Alexander Granberg bereits 2004 an einem Workshop zum arktischen Seetransportgesch\u00e4ft fest. \u00abDie Arktis\u00bb, sagte Granberg voraus, \u00abwird sich schneller entwickeln als der ganze Rest Russlands.\u00bb Etwa 80 Prozent des Erd\u00f6ls und 99\u00a0Prozent des Erdgases, das bisher in der Arktis gef\u00f6rdert wurde, stammen aus Russland.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Die Nordostpassage ist heute schon w\u00e4hrend 20 bis 30 Tagen pro Jahr befahrbar und die Prognosen versprechen eine schiffbare Saison von 100 Tagen in naher Zukunft. Prompt weisen russische Wissenschafter darauf hin, dass die zunehmende Beliebtheit dieser Transitstrecke heute bereits die st\u00e4rkste St\u00f6rung f\u00fcr die Eisb\u00e4ren der russischen Arktis ist \u2013 ganz zu schweigen vom m\u00f6glichen Desaster eines Tankerunfalls in diesen abgelegenen, biologisch vielf\u00e4ltigen und produktiven Gebieten.<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">\u00c4hnliches bahnt sich in der kanadischen Arktis an. Mitte September 2012 erhielt die Baffinland Iron Mines Corporation von der Regierung des Territoriums Nunavut nach vierj\u00e4hrigen Verhandlungen gr\u00fcnes Licht, ihr Vier-Milliarden-Dollar-Projekt auf der Baffin-Insel anzugehen. Dort plant die Bergbaufirma, Eisenerze im Tagebau zu f\u00f6rdern und sie auf neun Eisbrecherfrachtern mit je 190\u2009000 Tonnen Ladegewicht das ganze Jahr \u00fcber durch das seichte Foxe Basin nach Europa zu verschiffen. Der Terminal k\u00e4me am heute unber\u00fchrten Steensby Inlet auf etwa 70\u00b030&#8242; n\u00f6rdlicher Breite zu liegen. F\u00fcr die Eisbrecherflotte wird die Grubenfirma dort 50\u00a0Millionen Liter Schiffsdiesel lagern \u2013 mitten in einer heute noch unber\u00fchrten Tundralandschaft.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ZTLT2sp\"><strong>Schiffe st\u00f6ren den Aktionsraum der Wale<\/strong><\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Das Meeresbecken des Foxe Basin, das jeden Winter zufriert, weist eine vielf\u00e4ltige Tierwelt auf. So etwa suchen weibliche Gr\u00f6nland-wale die Gegend regelm\u00e4ssig auf, um ihre Jungen aufzuziehen \u2013 kaum 70 Kilometer von der Frachterroute entfernt. Auch f\u00fcr Narwal und Weisswal\/Beluga ist das Foxe Basin ein wichtiger Lebensraum \u2013 beide Arten sind sehr empfindlich. Hinzu kommt, dass das Foxe Basin rund 2200 Eisb\u00e4ren beherbergt. Ihr Aktionsraum im Meereis wird durch den winterlichen Schiffsverkehr massiv gest\u00f6rt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"XLT2sp\">Angesichts solch unheilvoller Entwicklungen in der Arktis werde ich in Zukunft um eine eindeutige Antwort ringen m\u00fcssen, wenn mich meine Bekannten fragen: \u00abUnd \u2013 wie war es im hohen Norden?\u00bb Nat\u00fcrlich \u2013 \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6n ist es weiterhin in Nunatsiaq, dem sch\u00f6nen Land der Inuit. Doch der Klimawandel hat das arktische \u00d6kosystem im Kern getroffen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"X-AutorTitel\"><em>Peter Balwin bereist die Arktis und die Antarktis seit 18 Sommern regelm\u00e4ssig als Polarreiseleiter auf eisg\u00e4ngigen Schiffen. Auf seinen 83\u00a0Fahrten in die kalten Zonen der Erde und auf rund 1800\u00a0Exkursionen in der Tundra wurde er Zeuge klimabedingter Ver\u00e4nderungen, auf die er in Vortr\u00e4gen und Artikeln hinweist.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schiffsuhr zeigt drei Uhr nachts. Trotzdem dr\u00e4ngeln die Teilnehmer der Expeditionstour auf die Br\u00fccke und die Aussendecks, halb noch im Pyjama, halb schon in hastig \u00fcbergeworfene Winterkleider geh\u00fcllt. Sonnenbrillen&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":12959,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-12957","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12957"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12957\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12959"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12957"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=12957"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=12957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}