{"id":13039,"date":"2012-12-10T00:00:00","date_gmt":"2012-12-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/13039\/safety-last-shells-notfall-haube-zerquetscht-wie-eine-bierdose\/"},"modified":"2022-03-31T10:19:09","modified_gmt":"2022-03-31T08:19:09","slug":"safety-last-shells-notfall-haube-zerquetscht-wie-eine-bierdose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/13039\/safety-last-shells-notfall-haube-zerquetscht-wie-eine-bierdose\/","title":{"rendered":"Safety Last: Shells Notfall-Haube zerquetscht wie eine Bierdose"},"content":{"rendered":"<div class=\"post-content\">\n<div class=\"events-box middle-box left\">\n<div class=\"frame\"><\/div>\n<div class=\"events-content\">\n<p><span style=\"font-size: 1.125rem; color: initial; font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, Oxygen-Sans, Ubuntu, Cantarell, 'Helvetica Neue', sans-serif; font-weight: var(--bs-body-font-weight); text-align: var(--bs-body-text-align);\">Bereits vor einigen Wochen haben <\/span><a style=\"font-size: 1.125rem; font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, Oxygen-Sans, Ubuntu, Cantarell, 'Helvetica Neue', sans-serif; font-weight: var(--bs-body-font-weight); text-align: var(--bs-body-text-align);\" href=\"http:\/\/blog.greenpeace.de\/blog\/2012\/11\/02\/shell-oelbohrer-verlassen-die-arktis\/\">Shells Bohrschiffe die Arktis verlassen<\/a><span style=\"font-size: 1.125rem; color: initial; font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, Oxygen-Sans, Ubuntu, Cantarell, 'Helvetica Neue', sans-serif; font-weight: var(--bs-body-font-weight); text-align: var(--bs-body-text-align);\">. Man muss mittlerweile fast dankbar daf\u00fcr sein, dass der \u00d6lkonzern die Beaufort- und Tschuktschenseen in der kurzen Zeit seines Aufenthalts nicht in Schutt und Asche gelegt hat. Dass an den Bohrstellen vor der K\u00fcste Alaskas zur Stunde nicht barrelweise Roh\u00f6l in arktische Gew\u00e4sser sprudelt, liegt allerdings auch daran, dass lediglich so genannte Top-Hole-Bohrungen durchgef\u00fchrt wurden &#8211; bei diesen wird gar nicht bis in \u00f6lf\u00fchrende Schichten vorgedrungen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Die zust\u00e4ndige US-Beh\u00f6rde hatte Shell die n\u00f6tigen Genehmigungen f\u00fcr tats\u00e4chliche \u00d6lbohrungen n\u00e4mlich nicht erteilt. <span style=\"text-decoration: underline;\">Ein Bericht des Radiosenders KUOW<\/span> enth\u00fcllte, dass die Beh\u00f6rde f\u00fcr ihre z\u00f6gerliche Haltung gute Gr\u00fcnde hatte: Beim Testen des Notfall-Equipments im September kam es zu \u2013 gelinde gesagt \u2013 gr\u00f6sseren Schwierigkeiten. Weniger gelinde schreibt es Mark Fesmire, ein Beamter der US-Beh\u00f6rde BSEE, in einer E-Mail an einen Kollegen: Die obere H\u00e4lfte einer Haube, die sich im Notfall \u00fcber ein \u00d6lleck senken sollte, sei nach einem desastr\u00f6sen Test-Durchlauf \u00abcrushed like a beer can\u00bb \u2013 zerquetscht wie eine Bierdose.<\/p>\n<p>Beim Anblick der zerquetschten Bierdose auf der KUOW-Seite \u00fcberf\u00e4llt mich kaltes Grausen. Die Tests fanden n\u00e4mlich keinesfalls unter den Bedingungen statt, die in der Arktis vorherrschend sind. Die l\u00e4cherliche Schutzhaube (von Shell optimistisch \u00abcontainment dome\u00bb getauft) trug die Sch\u00e4den in den Gew\u00e4ssern des Puget Sounds davon \u2013 einem Sund im US-Bundestaat Washington. Verglichen mit der Arktis ist dieser eine Badewanne.<\/p>\n<p>Die Beulen gab es beim kontrollierten Absenken ins Meer: Bei den Proben f\u00fcr den Ernstfall tauchte die Haube pl\u00f6tzlich wieder an der Wasseroberfl\u00e4che auf, liess ordentlich Druck ab (\u00abwie ein Wal\u00bb, schreibt Fesmire) und sank dann ebenso pl\u00f6tzlich wieder ab. Den Aufprall auf dem Meeresgrund verhinderte in knapp vierzig Meter Tiefe eine angeschlossene Boje. Es dauerte anschliessend zw\u00f6lf Stunden, bis der demolierte weisse Kasten wieder aus dem Wasser gezogen werden konnte. Die Verformungen waren entstanden, weil die Auftriebskammern unter Wasser dem pl\u00f6tzlichen Druckaufbau nachgegeben hatten.<\/p>\n<p>KUOW.org ver\u00f6ffentlichte danach eine E-Mail-Korrespondenz zwischen Fesmire und einem Kollegen, aus der hervorgeht, dass der Panne zwei weitere Malheurs unmittelbar vorausgegangen waren: Die Haube musste bereits unter den Schraubenzieher, nachdem sie sich aus ihrem Windwerk gel\u00f6st hatte, mit dem sie unter Wasser man\u00f6vriert wird. Ausserdem hatte sich ein ferngesteuertes U-Boot in Ankerseilen verfangen. Taucher ben\u00f6tigten 24 Stunden, um das Ger\u00e4t zu bergen. Apropos: In der Arktis m\u00fcsste man auf Taucher verzichten. Stattdessen kann Shell dort auf die Mithilfe driftender Eisberge, extremer Minustemperaturen, schlechter Sichtverh\u00e4ltnisse und kr\u00e4ftiger St\u00fcrme setzen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielt Shells Kommunikationsabteilung die immensen Risiken von \u00d6lbohrungen in der Arktis meist routiniert herunter. Pete Slaiby, Vize-Chef von Shell Alaska, hat sich jedoch etwas mehr Ehrlichkeit verordnet. Im <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/magazine-20310752\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Interview mit der BBC<\/span><\/a> erkl\u00e4rt er, dass er mit \u00d6lunf\u00e4llen in der Arktis rechne: \u00abDa gibt\u2019s nichts zu besch\u00f6nigen, ich denke mir, dass es \u00d6lunf\u00e4lle geben wird, und kein Unfall ist ok. Aber wird es zu einem Unfall kommen, der die Lebensgrundlagen der Menschen [in der betroffenen Region] beeintr\u00e4chtigt? Ich denke nein, ich glaube nicht, dass das passieren wird.\u00bb<\/p>\n<p>Weder diese bemerkenswerte Einsicht noch die Pannenserie haben Shell bisher dazu inspiriert, mehr Geld in Sicherheitsvorkehrungen zu investieren. Der Konzern repariert lieber die Bierdose, die von einem Schiff, das in der Vergangenheit bereits eine beachtliche Karriere als Vogelnest hinlegte, in die Arktis transportiert werden soll. <span style=\"text-decoration: underline;\">Kein Witz<\/span>, leider.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 10. Dezember 2012 Der zerquetschte Shell-\u00abBierdose\u00bb \u00a9 BSEE Bereits vor einigen Wochen haben Shells Bohrschiffe die Arktis verlassen. 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