{"id":131419,"date":"2026-03-20T16:07:28","date_gmt":"2026-03-20T15:07:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=131419"},"modified":"2026-04-16T16:41:47","modified_gmt":"2026-04-16T14:41:47","slug":"das-atomkraftwerk-goesgen-und-die-luecken-in-der-nuklearen-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/131419\/das-atomkraftwerk-goesgen-und-die-luecken-in-der-nuklearen-sicherheit\/","title":{"rendered":"Das Atomkraftwerk G\u00f6sgen und die L\u00fccken in der nuklearen Sicherheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie ein Versagen von Ventilen im Atomkraftwerk G\u00f6sgen L\u00fccken in der Schweizer Gesetzgebung beleuchtet.<\/strong><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausgangslage<\/h2>\n\n<p>Das Atomkraftwerk G\u00f6sgen (im Folgenden KKG genannt) steht seit Ende Mai 2025 still. Grund daf\u00fcr ist die Entdeckung einer Sicherheitsl\u00fccke im Speisewassersystem (einem Teil des K\u00fchlwassersystems). Das KKG hat diesen Befund Ende M\u00e4rz 2025 dem Eidgen\u00f6ssischen Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI kommuniziert.<\/p>\n\n<p>Ende Juni 2025 h\u00e4tte der Reaktor nach einem Monat ordentlicher Revision wieder angefahren werden sollen. Das passierte aber nichts. Es stellte sich heraus, dass die Sicherheitsl\u00fccke zun\u00e4chst behoben werden musste, bevor der Reaktor wieder in Betrieb genommen werden konnte. Das KKG musste Ventile, sog. R\u00fcckschlagklappen, ersetzen.<\/p>\n\n<p>Dabei wurde das KKG auf dem falschen Fuss erwischt. Die R\u00fcckschlagklappen konnten nicht schnell ersetzt werden; sie mussten zuerst bestellt, hergestellt und eingebaut werden. Die Sicherheit der Anlage musste mittels Berechnungen neu nachgewiesen werden. Deshalb steht das KKG seit der Revision 2025 still, was horrende Kosten von bis zu 600 Mio. CHF f\u00fcr die Aktion\u00e4re verursacht. Es handelt sich um den l\u00e4ngsten Stillstand in der Geschichte von G\u00f6sgen.<\/p>\n\n<p>Der Fall wirft ein schlechtes Licht auf den Umgang der KKG-Betreiberin, der Kernkraftwerk G\u00f6sgen-D\u00e4niken AG, mit ihrer Pflicht, den Reaktor ausser Betrieb zu nehmen, wenn eine gravierende Sicherheitsl\u00fccke entdeckt wird. Zudem offenbart der Fall G\u00f6sgen unterschiedliche Auffassungen der Gesetzgebung zwischen der Aufsichtsbeh\u00f6rde und der AKW-Betreiberin.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Wie problematisch ist die entdeckte Sicherheitsl\u00fccke?<\/h2>\n\n<p>Im <a href=\"https:\/\/ensi.admin.ch\/de\/2025\/09\/12\/beherrschung-von-bruechen-im-speisewassersystem-des-kkw-goesgen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Artikel vom 12. September 2025<\/a> schreibt das ENSI von einer \u00abmutmasslichen Auslegungsschwachstelle\u00bb und einer \u00abm\u00f6gliche Auslegungsschwachstelle im Speisewassersystem\u00bb. Auch auf eine direkte Frage von Greenpeace verwendet das ENSI dieselbe, vorsichtige Begrifflichkeit (Mail von ENSI an Greenpeace, 01.09.2025).<\/p>\n\n<p>Erneut gefragt Ende Januar 2026 antwortet das ENSI an Greenpeace:<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u00abNach Bewertung des ENSI legen die derzeit vorliegenden Berechnungen nahe, dass eine Auslegungsschwachstelle beim Speisewassersystem des KKG vorliegt.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<p>Das ENSI kann also nicht ausschliessen, dass eine Auslegungsschwachstelle vorhanden ist. Ganz affirmativ ist die Aufsichtsbeh\u00f6rde dabei nicht.<\/p>\n\n<p>Das KKG verwendet in seiner Kommunikation den Begriff Auslegungsschwachstelle oder Auslegungsfehler nicht.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Was ist eine Auslegungsschwachstelle?<\/h2>\n\n<p>Eine Auslegungsschwachstelle oder Auslegungsfehler bedeutet, dass sich eine Komponente oder ein System des AKW nicht so verh\u00e4lt wie vorgesehen. Eine solche Schwachstelle kann zu einem Auslegungsst\u00f6rfall f\u00fchren. Bei einem Auslegungsst\u00f6rfall muss die Anlage mit ihren Komponenten und Systemen (= ihre Auslegung) so reagieren, dass keine unzul\u00e4ssige Freisetzung von Radioaktivit\u00e4t auftritt.<\/p>\n\n<p>Entdeckt die AKW-Betreiberin einen Auslegungsfehler \u2013 im vorliegenden Fall wurde festgestellt, dass Ventile beim Schliessen eine K\u00fchlwasserleitung mitreissen k\u00f6nnten \u2013 muss sie nachweisen, dass dieser Fehler von der Anlage beherrscht wird und, wenn nicht, im St\u00f6rfall nicht zu einem unzul\u00e4ssigen Austritt von Radioaktivit\u00e4t f\u00fchren w\u00fcrde. Dies geschieht rechnerisch durch computergest\u00fctzte Modellierungen und Simulationen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Was passiert, wenn eine Auslegungsschwachstelle festgestellt wird?<\/h2>\n\n<p>Ist die Anlage ausser Betrieb, wenn der Auslegungsfehler entdeckt wird (zum Beispiel bei einer Revision,) bleibt sie meistens abgeschaltet bis zur Behebung des Fehlers. Ist die Anlage in Betrieb, sieht die Gesetzgebung vor, dass diese unverz\u00fcglich und vorl\u00e4ufig ausser Betrieb genommen werden muss, falls Analysen zeigen, dass zu viel Radioaktivit\u00e4t austreten k\u00f6nnte. Diese Situation ist in Artikel 44, Absatz 1 der Kernenergieverordnung beschrieben:<\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><em>Der Inhaber einer Betriebsbewilligung hat das Kernkraftwerk unverz\u00fcglich vorl\u00e4ufig ausser Betrieb zu nehmen und nachzur\u00fcsten, wenn eines oder mehrere der folgenden Kriterien erf\u00fcllt sind:<\/em><br><em>a. St\u00f6rfallanalysen zeigen, dass die Kernk\u00fchlung bei einem St\u00f6rfall nach Artikel 8 Abs\u00e4tze 2 und 3 nicht mehr gew\u00e4hrleistet ist und infolgedessen eine Dosis von 100 mSv \u00fcberschritten wird.<\/em><br><em>(die weiteren Kriterien b. und c. sind im vorliegenden Fall nicht relevant)<\/em><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Wie schwerwiegend ist die entdeckte Auslegungsschwachstelle?<\/h2>\n\n<p>Gefragt, ob der oben aufgef\u00fchrte Artikel 44 der Kernenergieverordnung im Fall von G\u00f6sgen zur Anwendung kommt, antwortet das ENSI am 2. Februar 2026.<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u00abAus Sicht des ENSI kann nicht ausgeschlossen werden, dass ohne Nachr\u00fcstung ein Kriterium f\u00fcr die vorl\u00e4ufige Ausserbetriebnahme und Nachr\u00fcstung gem\u00e4ss KEV erf\u00fcllt w\u00e4re.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<p>Anders gesagt: Das ENSI kann nicht ausschliessen, dass die Schwachstelle im Speisewassersystem von G\u00f6sgen zu einem Austritt von Radioaktivit\u00e4t f\u00fchren k\u00f6nnte. Damit w\u00e4ren die Kriterien erf\u00fcllt, dass das KKG unverz\u00fcglich und vorl\u00e4ufig ausser Betrieb genommen wird.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum hat der Betreiber G\u00f6sgen nicht unverz\u00fcglich abgeschaltet?<\/h2>\n\n<p>Aus diesem Sachverhalt dr\u00e4ngt sich die folgende Frage auf: Warum hat die Betreiberin des AKW G\u00f6sgen die Anlage nicht unverz\u00fcglich ausser Betrieb genommen? Gem\u00e4ss der Kommunikation des <a href=\"https:\/\/ensi.admin.ch\/de\/2025\/09\/12\/beherrschung-von-bruechen-im-speisewassersystem-des-kkw-goesgen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ENSI<\/a> vom 12. September 2025 und der <a href=\"https:\/\/www.kkg.ch\/de\/uns\/medienmitteilungen\/rueckschlagventile-erfolgreich-eingebaut-wiederinbetriebnahme-21-maerz-geplant.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">KKG AG<\/a> vom 9. Februar 2026 hat das KKG im M\u00e4rz 2025 die Schwachstelle im Speisewassersystem dem ENSI gemeldet (Nota bene: Es wurde nicht kommuniziert, wann sie effektiv festgestellt wurde).<\/p>\n\n<p>Die Betreiberin des KKG hat aber die Anlage zu diesem Zeitpunkt nicht ausser Betrieb genommen. Die Anlage lief weiter bis zur ordentlichen geplanten Jahresrevision. Konkret wurde der Reaktor am 23. Mai 2025 um 22:00 Uhr vom Netz getrennt und abgeschaltet. Gem\u00e4ss Daten der <a href=\"https:\/\/www.eex-transparency.com\/power\/ch\/umms\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.eex-transparency.com\/power\/ch\/umms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Transparenz-Plattform der europ\u00e4ischen Stromb\u00f6rse EEX<\/a> wurde dieser Zeitpunkt bereits im November 2022 festgelegt und hat somit nichts mit dem entdeckten Auslegungsfehler zu tun.<\/p>\n\n<p>Vielmehr ging bei der Ausserbetriebnahme f\u00fcr die Jahresrevision die Betreiberin wohl davon aus, dass sie die Anlage zum Ende der geplanten Revisionszeit wieder hochfahren w\u00fcrde: Am 21. Mai, kurz vor Beginn der Revision, war die Wiederinbetriebnahme f\u00fcr den 27. Juni vorgesehen. Erst am 4. Juni, als die dritte Woche der Jahresrevision begann, wurde die Wiederinbetriebnahme zum ersten Mal um eine Woche verschoben.<\/p>\n\n<p>Das KKG hat erstmals am 25. Juni 2025 <a href=\"https:\/\/www.kkg.ch\/de\/uns\/medienmitteilungen\/jahresrevision-2025-verzoegertes-wiederanfahren.html\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.kkg.ch\/de\/uns\/medienmitteilungen\/jahresrevision-2025-verzoegertes-wiederanfahren.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mit einer Medienmitteilung<\/a> die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Verz\u00f6gerung beim Wiederanfahren informiert.<\/p>\n\n<p>Nach dieser Ank\u00fcndigung wurde die Wiederinbetriebnahme sieben weitere Male nach hinten verschoben. Gem\u00e4ss aktueller Planung soll der Reaktor am 21. M\u00e4rz 2026 wieder hochgefahren werden.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"284\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2026\/04\/596a767d-akw-goesgen-verschiebungen-1024x284.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-131420\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2026\/04\/596a767d-akw-goesgen-verschiebungen-1024x284.png 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2026\/04\/596a767d-akw-goesgen-verschiebungen-300x83.png 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2026\/04\/596a767d-akw-goesgen-verschiebungen-768x213.png 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2026\/04\/596a767d-akw-goesgen-verschiebungen-1536x425.png 1536w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2026\/04\/596a767d-akw-goesgen-verschiebungen-2048x567.png 2048w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2026\/04\/596a767d-akw-goesgen-verschiebungen-510x141.png 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.eex-transparency.com\/power\/ch\/umms\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.eex-transparency.com\/power\/ch\/umms<\/a> (zuletzt abgerufen am 18. M\u00e4rz 2026)<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr die G\u00f6sgen-Betreiberin w\u00e4re eine Abschaltung nicht n\u00f6tig gewesen<\/h2>\n\n<p>Aus der obigen Chronologie und der Tatsache, dass die AKW-Betreiberin lang davon ausging, eine Wiederinbetriebnahme w\u00e4re nach der ordentliche Jahresrevision m\u00f6glich, l\u00e4sst sich schliessen, dass die Betreiberin trotz entdecktem Auslegungsfehler ihren Reaktor wieder h\u00e4tte hochfahren wollte. Eine vorl\u00e4ufige Ausserbetriebnahme zur Nachr\u00fcstung gem\u00e4ss Art. 44 KEV erachtete die Betreiberin also nicht f\u00fcr n\u00f6tig.<\/p>\n\n<p>Das steht im Widerspruch zur Haltung des ENSI, das ein Erf\u00fcllen der Kriterien f\u00fcr eine Ausserbetriebnahme nicht ausschliessen kann.<\/p>\n\n<p>KKG-Betriebsleiter Herbert Meinecke best\u00e4tigt in der Aargauer Zeitung vom 3. M\u00e4rz 2026, dass er eine verl\u00e4ngerte Ausserbetriebnahme f\u00fcr unn\u00f6tig erachtete:<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Deshalb zeigt sich der Kraftwerksleiter \u00fcberrascht, als das Ensi vergangenes Jahr auf die Nachr\u00fcstungen bestand. \u00abIch h\u00e4tte auch ruhig schlafen k\u00f6nnen, wenn wir die Arbeiten innerhalb der ordentlichen Revision durchgef\u00fchrt h\u00e4tten\u00bb, sagt Meinecke.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<p>Mit \u00abinnerhalb der ordentlichen Revision\u00bb meint der G\u00f6sgen-Chef die n\u00e4chste Revision, also jene vom Fr\u00fchling 2026. Der im M\u00e4rz 2025 gemeldete Auslegungsfehler im Speisewassersystem w\u00e4re erst \u00fcber ein Jahr sp\u00e4ter behoben worden.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Wie geht das KKG mit dem Vorsorgeprinzip um?<\/h2>\n\n<p>Hier ist festzuhalten, dass das KKG beim Befund im M\u00e4rz 2025 allenfalls nicht sagen konnte, ob die Kriterien zur Ausserbetriebnahme erf\u00fcllt sind oder nicht: St\u00f6rfallanalysen liegen komplexe Modellierungen und Berechnungen zugrunde, die Zeit in Anspruch nehmen.<\/p>\n\n<p>Es ist aber fragw\u00fcrdig, dass die AKW-Betreiberin in einem solchen Fall nicht das Vorsorgeprinzip walten l\u00e4sst: Solange der Verdacht besteht, die entdeckte Schwachstelle k\u00f6nnte zu einem schwerwiegenden St\u00f6rfall f\u00fchren, m\u00fcsste die Anlage stillstehen. Dies umso mehr, als das ENSI offensichtlich zu einer anderen Bewertung der Sicherheitsl\u00fccke kam (siehe Zitat oben: das ENSI kann es nicht ausschliessen).<\/p>\n\n<p>Schon in der Kommunikation des KKG <a href=\"https:\/\/www.kkg.ch\/de\/uns\/medienmitteilungen\/jahresrevision-2025-verzoegertes-wiederanfahren.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">vom Juni 2025 zum verl\u00e4ngerten Stillstand<\/a> gab es Anzeichen, dass das KKG und das ENSI die Ausgangslage unterschiedlich bewerten. In der <a href=\"https:\/\/www.kkg.ch\/de\/uns\/medienmitteilungen\/wiederanfahren-verzoegert-weitere-6-monate.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mitteilung vom 22. August 2025<\/a> nennt die AKW-Betreiberin dann gestiegene Beh\u00f6rdenanforderungen als Grund f\u00fcr die Nachr\u00fcstung und den Stillstand:<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u00abDie geplanten Ert\u00fcchtigungen im Speisewassersystem tragen den hohen Sicherheitsanspr\u00fcchen des KKG und den gestiegenen Beh\u00f6rdenanforderungen Rechnung.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<p>Hauptaktion\u00e4rin Alpiq <a href=\"https:\/\/www.alpiq.com\/de\/newsroom\/medienmitteilungen\/produktionsausfall-im-kernkraftwerk-goesgen-beeinflusst-alpiq-ergebnis-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ver\u00f6ffentlichte am selben Tag eine Medienmitteilung<\/a>, die folgende Aussage enth\u00e4lt:<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u00abAllerdings muss eine Kernenergieanlage unabh\u00e4ngig ihres Baujahrs dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen, und die Aufsichtsbeh\u00f6rde hat ihre Anforderungen an das KKG im Rahmen des Ermessens angepasst.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<p>Solche Aussagen m\u00f6gen erstaunen, denn gem\u00e4ss ENSI sind seine Anforderungen nicht gestiegen (Mail von ENSI an Greenpeace vom 1. September 2025):<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Frage Greenpeace: \u00abDas KKG erw\u00e4hnt in seiner Kommunikation vom 22. August &#171;gestiegene Beh\u00f6rdenanforderungen&#187;. Um welche Anforderungen geht es und mit welcher gesetzlichen Grundlage?\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Antwort ENSI: \u00abEs handelt sich nicht um neue regulatorische Anforderungen, sondern um die Anwendung von Berechnungsmethoden entsprechend dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<p>Dabei ist anzumerken, dass die Anwendung von Berechnungsmethode entsprechend dem Stand von Wissenschaft und Technik keine neue Anforderung darstellt, sie ist vom Gesetz vorgegeben.<\/p>\n\n<p>Auch der Bundesrat vertritt diese Auffassung vor dem Parlament (<a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20257764\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fragestunde 10.9.25<\/a>):<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u00abBei den Anforderungen der Aufsichtsbeh\u00f6rde handelt es sich nicht um neue regulatorische Anforderungen, sondern um die Anwendung von neuen Berechnungsmethoden entsprechend dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik.\u00bb<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Fazit: AKW laufen lassen, solange sie sicher sind. Aber was ist sicher?<\/h2>\n\n<p>Zusammenfassend kann Folgendes festgehalten werden<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gem\u00e4ss Gesetz ist der AKW-Betreiber\/die AKW-Betreiberin f\u00fcr die Sicherheit der Anlage verantwortlich. Das ENSI kontrolliert, ob die Pflichten erf\u00fcllt werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Im Fall G\u00f6sgen: W\u00e4re es nach der Betreiberin, der Kernkraftwerk G\u00f6sgen-D\u00e4niken AG, gegangen, w\u00e4re das AKW trotz Auslegungsfehler in Betrieb geblieben bzw. nach der ordentlichen Revision wieder in Betrieb genommen worden. Der Reaktor h\u00e4tte also mehrere Monate, gar Jahre mit einer Schwachstelle, die zu einem St\u00f6rfall mit Austritt von Radioaktivit\u00e4t f\u00fchren k\u00f6nnte, weiterlaufen k\u00f6nnen.<\/li>\n\n\n\n<li>Problematisch sind die unterschiedlichen Auffassungen der Betreiberin und der Aufsichtsbeh\u00f6rde bez\u00fcglich des Schweregrads des Auslegungsfehlers sowie der daraus abzuleitenden Massnahmen. Dieser Interpretationsspielraum d\u00fcrfte es bei Atomanlage mit einem derart grossen Risikopotenzial nicht geben.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Ansage der Politik an die Bev\u00f6lkerung ist: Schweizer Atomkraftwerke d\u00fcrfen weiterlaufen, solange sie sicher sind. Mit diesem Versprechen wurde die Einf\u00fchrung von Abschaltdaten f\u00fcr die bestehenden Reaktoren 2017 an der Urne bek\u00e4mpft (Ausstiegsinitiative). Nur illustriert der G\u00f6sgen-Fall, dass unklar ist, was sicher ist. Das ist kein gutes Omen f\u00fcr die nukleare Sicherheit in der Schweiz mit den Reaktoren von G\u00f6sgen und Leibstadt, die 60 Jahre oder l\u00e4nger laufen sollen.<\/li>\n<\/ul>\n\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ein Versagen von Ventilen im Atomkraftwerk G\u00f6sgen L\u00fccken in der Schweizer Gesetzgebung beleuchtet.<\/p>\n","protected":false},"author":39,"featured_media":131424,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[42,50],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-131419","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-energie","tag-klima","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/131419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/39"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=131419"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/131419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":131427,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/131419\/revisions\/131427"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/131424"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=131419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=131419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=131419"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=131419"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=131419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}