{"id":13186,"date":"2012-11-05T00:00:00","date_gmt":"2012-11-04T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/13186\/ein-fairer-fang\/"},"modified":"2019-07-09T15:04:41","modified_gmt":"2019-07-09T13:04:41","slug":"ein-fairer-fang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/13186\/ein-fairer-fang\/","title":{"rendered":"Ein fairer Fang"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute habe ich eine Tonne Thunfisch gesehen. Buchst\u00e4blich. Ich war Zeugin, wie jeder einzelne Fisch an Deck des Pole&amp;Line-Fischerbootes landete. Es war ein relativ kleiner Fang: 1.3 Tonnen echter Bonito (ein guter Tag beginnt bei rund 5 Tonnen). Wenn man aber live mit an Bord dabei ist, kommt einem auch dieser verh\u00e4ltnism\u00e4ssig kleine Fang, der einem quasi um die Ohren fliegt, nach nicht gerade wenig vor. Insbesondere dann, wenn man \u2013 so wie ich \u2013 lange keinen Thunfisch mehr aus der N\u00e4he gesehen hat.<\/p>\n\n<p>Ich habe seit nun mehr knapp 3 Jahren keinen Thunfisch mehr gegessen. Nicht etwa, weil ich Thunfisch nicht mag \u2013 ganz im Gegenteil: Ich liebe Thunfisch \u2013 sondern weil die Thunfischbest\u00e4nde rund um die Weltmeere entweder bereits \u00fcberfischt oder auf dem Weg zur \u00dcberfischung sind.<\/p>\n\n<p>Und auch Thunfischarten und -best\u00e4nde, die als stabil gelten, werden in der Regel mit Fangmethoden gefischt, die f\u00fcr eine Vielzahl anderer mariner Lebewesen verheerend sind.<\/p>\n\n<p>So wird der Grossteil des echten Bonitos, die Art Thunfisch, die meist in Thunfischdosen landet, mit\u00a0<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Kampagnen\/Meer\/hintergrund-info\/fangmethoden\/ringwade\/\">Ringwadennetzen<\/a>\u00a0unter dem Einsatz von Fischsammlern (<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Kampagnen\/Meer\/hintergrund-info\/fangmethoden\/\">FAD<\/a>s) oder mit\u00a0<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Kampagnen\/Meer\/hintergrund-info\/fangmethoden\/langleine\/\">Langleinen<\/a>\u00a0gefangen. Die Menge an Beifang, die mit diesen Fangmethoden einhergeht, beinhaltet oft nicht anvisierte Fischarten, Haie und Schildkr\u00f6ten. Aber auch Jungfische der anvisierten Thunfischart werden mitgefangen, was die Best\u00e4nde enorm gef\u00e4hrdet. <\/p>\n\n<p>Doch es gibt auch eine andere Methode Thunfisch zu fangen: Eine nachhaltige Methode.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/993b1d7c-993b1d7c-gp04bev.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><strong>K\u00f6der, der f\u00fcr den Fang von Thunfisch verwendet wird mit Pole&amp;Line<\/strong><br>\u00a9 Paul Hilton \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Fangen wir von vorne an:<\/p>\n\n<p>Die Rainbow Warrior ist eben erst nach einer&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Kampagnen\/Meer\/was-wir-tun\/meere-einsatzorte\/Indian-Oceans-Tour-2012\/\">\u00dcberfahrt von Mauritius quer durch den Indischen Ozean<\/a>&nbsp;in den Malediven angekommen, um hier die nachhaltigste Fangmethode der Welt f\u00fcr Thunfisch zu dokumentieren:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Kampagnen\/Meer\/hintergrund-info\/fangmethoden\/angelrute-leine\/\">Pole &amp; Line (dt. Angelrute &amp; Leine)<\/a>. Eine traditionelle Fangmethode, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und sich im Laufe der Zeit nicht ver\u00e4ndert hat. Nur Angelrute und lebender K\u00f6derfisch kommen zum Einsatz.<\/p>\n\n<p>Es ist noch vor Sonnenaufgang als wir von dem Dhoni, einem traditionellen maledivischen Fischerboot, abgeholt werden. Das Wetter ist alles andere als paradiesisch und das Meer wird immer unruhiger, je weiter wir hinaus fahren. Die Dhonis sind aus Fiberglas gebaut \u2013 flach und breit \u2013 mit einem integrierten Wassertank in der Mitte, in dem die Lebendk\u00f6der transportiert werden. Das Wasser in dem Becken gibt dem Dhoni einen unangenehmen Drall, so dass es wie ein Hula-Hoop Reifen auf dem Indischen Ozean hin und her schwankt.<\/p>\n\n<p>Einige Seemeilen weiter draussen auf dem offenen Meer erreichen wir den festverankerten Fischsammler (FAD). Viele Pole&amp;Line-Fischer benutzen diese Art der Fischmagneten um die Thunfischschulen anzulocken. Immer dann, wenn Fischsammler zur Effizienzsteigerung eingesetzt werden ist es unabdingbar, dass genaue Kontrollmechanismen greifen, um sicher zu stellen, dass keine oder wenige nicht-anvisierte Fischarten, insbesondere Jungfische anderer Thunfischarten, mitgefangen werden.<\/p>\n\n<p>Die Merkmale, dass Thunfischschw\u00e4rme ganz Nahe sind, sind unverkennbar. Seev\u00f6gel kreisen \u00fcber dem Gebiet, die dunklen R\u00fccken von Delfinen sind in der Ferne zu sehen und ein paar andere Fischerboote sind schon vor Ort und holen ihre Angelruten ein.<\/p>\n\n<p>Unser Boot wird langsamer und die Fischer versammeln sich im Heck des Schiffes. Zwei M\u00e4nner aus der Crew beginnen die Lebendk\u00f6der in grossen Mengen ins Meer zu werfen und kreieren so einen Fressrausch. Einmal im Fressrausch beginnen die hungrigen Thunfische nach allem zu schnappen, was sich im Wasser bewegt. Auch nach den Haken der Angelruten. Auf diese Weise kann der Thunfisch einzeln, Tier um Tier, gefischt werden, solange der Fressrausch andauert.<\/p>\n\n<p>Der Kapit\u00e4n des Schiffes ver\u00e4ndert die Position des Dhonis mehrere Male. Und jedes mal wenn die Fischer ihre Angeln erneut ins Meer halten, beissen mehr Thunfische.<\/p>\n\n<p>Die Crew k\u00f6nnte stundenlang so weiterfischen und dabei mehrere Tonnen Thunfisch fangen und dennoch den ganzen Thunfischschwarms um nicht mehr als 10 Prozent dezimieren: Nachhaltigkeit als Tradition.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/64a2e168-64a2e168-gp04bf3_layout.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption> <strong>Der Fang des Tages: Echter Bonito<\/strong><br> \u00a9 Paul Hilton \/ Greenpeace <\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Denn es gibt vieles zu sch\u00fctzen: Fischfang macht 6 bis 8 Prozent des Bruttoinlandprodukts der &nbsp;Malediven aus. High-Tech-Methoden, die die Best\u00e4nde der Thunfische drastisch dezimieren w\u00fcrden, wurden hier \u2013 in einem Umkreis von 200 Meilen \u2013 rund um die Wirtschaftszone der Atolle, nie erlaubt. Tradition und Ressourcen werden auf diese Weise gesch\u00fctzt.<\/p>\n\n<p>Und das nicht ohne Grund: Thunfisch ist extrem wichtig f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung der Malediven und wird zu jeder Mahlzeit konsumiert. Gesalzen, getrocknet oder als Curry. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ist es die einzige Quelle an tierischem Protein und gemeinsam mit Kokosnuss eine der wenigen Nahrungsmittel, die das Land selbst produziert.<\/p>\n\n<p>Indem Konsumenten weltweit mit Pole&amp;Line gefangenen Thunfisch \u2013 zum Beispiel aus den Malediven \u2013 kaufen, unterst\u00fctzen sie eine der nachhaltigsten und schonendsten Fangmethoden der Welt. Verlangen Konsumenten ausserdem von Herstellern und Superm\u00e4rkten, dass sie keinen Thunfisch mehr aus Quellen, die zerst\u00f6rerische Fischsammler einsetzen, anbieten, k\u00f6nnen sie dar\u00fcber hinaus den Wandel in der Thunfischindustrie positiv beeinflussen.<\/p>\n\n<p>Unser Tag endet nach \u00fcber 12 langen Arbeitsstunden. Der Fang den die Fischer heute nach Hause bringen ist vielleicht nicht der gr\u00f6sste der Branche \u2013\u00a0 ganz sicher aber der fairste.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/877ea47f-877ea47f-gp04bf4.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><strong>Der Fang eines Echten Bonitos in den Malediven durch Pole&amp;Line<\/strong><br>\u00a9 Paul Hilton \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 5. November 2012 Pole&amp;Line-Fischer mit ihrer Beute (Echter Bonito) \u00a9Paul Hilton \/ Greenpeace Heute habe ich eine Tonne Thunfisch gesehen. Buchst\u00e4blich. 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