{"id":13565,"date":"2012-08-08T00:00:00","date_gmt":"2012-08-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/13565\/die-schweiz-macht-strom-in-italien-teil-iv\/"},"modified":"2019-07-09T15:10:52","modified_gmt":"2019-07-09T13:10:52","slug":"die-schweiz-macht-strom-in-italien-teil-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/13565\/die-schweiz-macht-strom-in-italien-teil-iv\/","title":{"rendered":"Die Schweiz macht Strom in Italien, Teil IV"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Der parteilose Politiker und Wissenschaftler Riccardo Rossi aus Brindisi pl\u00e4diert f\u00fcr einen konsequenten Ausstieg aus den fossilen Energien. Im Interview skizziert er die Voraussetzungen, die es daf\u00fcr braucht. F\u00fcr den europaweit einzigen Wirtschaftsstandort mit 30 000 Arbeitslosen gibt es keinen anderen Weg.<\/b><\/p>\n\n<p><em>von Ren\u00e9 Worni, freier Journalist (das Gespr\u00e4ch fand am 20. Mai 2012 in Brinsisi statt).<\/em><\/p>\n\n<p><strong><em>Riccardo Rossi, Du bist vor 15 Tagen zusammen mit weiteren Exponenten einer neuen und umweltbewussten Politik als Gemeinderat ins Stadtparlament gew\u00e4hlt worden. Was bedeutet das f\u00fcr Brindisi und die Region?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Wir haben mit einem Schlag sechs Prozent der Sitze im Parlament erreicht. Die Stimmberechtigten haben damit f\u00fcr eine Bewegung gestimmt, die nicht aus Politikern besteht und die von der Basis aus eine Ver\u00e4nderung will. Ein nicht zu untersch\u00e4tzender Teil der Bev\u00f6lkerung dieser Stadt ist also bereit, ein Umdenken in der Wirtschaft und in der Energie mitzutragen.<\/p>\n\n<p><em><strong>Wer seid Ihr?<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Wir sind Vertreter verschiedener ausschliesslich lokaler Gruppierungen, die sich bereits seit mehreren Jahren hier in Brindisi f\u00fcr Umweltanliegen, Gesundheit und neue Formen wirtschaftlicher Entwicklung engagieren. Das sind zum Beispiel \u00abNo al Carbone\u00bb, \u00abMovimento Salute Pubblica\u00bb, \u00abRinascit\u00e0 Civilt\u00e0 Brindisina\u00bb und weitere.<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/958f77f1-958f77f1-dsc_0163.jpg\"><br><\/a><br><strong>Ricardo Rossi ist Wissenschaftler und Forscher im Bereich Nanotechnologie mit Schwerpunkt Energie und Umwelt an der ENEA (Italienische Nationalbeh\u00f6rde f\u00fcr neue Technologien, Energie und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung).<\/strong><\/p>\n\n<p><strong><em>Was sind die wichtigsten Ziele?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Wir m\u00fcssen sofort mit dem Schadstoffausstoss der Kohlekraftwerke aufh\u00f6ren. Und dann m\u00fcssen wir die Politiker damit konfrontieren, auch die Gaskraftwerke zugunsten erneuerbarer Energiequellen runterzufahren. Denn auch sie haben ohne Zweifel einen negativen Ausstoss.<\/p>\n\n<p>Strom aus Gas anstatt erneuerbare Energien? In Italien bauen Schweizer Energiekonzerne seit Jahren Gaskombikraftwerke. Doch was tun die Konzerne dort genau? Soll dieser \u00abdreckige\u00bb Strom (Gaskombis sind CO2-Schleudern) den Atomausstieg in der Schweiz \u00fcberbr\u00fccken helfen? Auf den Spuren der Pl\u00e4ne der Energiekonzerne reiste Greenpeace im Mai nach S\u00fcditalien und stiess dabei auf zwielichtige Gesch\u00e4ftemacher, denen Profit wichtiger ist als Umweltschutz. Wir trafen aber auch vision\u00e4re Umweltaktivisten, die sich diesen Pl\u00e4nen entgegenstellen. Daraus entstand die S\u00fcditalien-Reportage, welche wir in f\u00fcnf Teilen w\u00e4hrend der Sommerpause jeweils donnerstags (Start am 19. Juli) auf www.geenpeace.ch publizieren. Sie erscheint ausserdem leicht gek\u00fcrzt am 21. August in unserem Magazin. Wir w\u00fcnschen Euch gute Sommerlekt\u00fcre!<br><\/p>\n\n<p><strong><em>Sind die erneuerbaren Energien bereits soweit nutzbar, dass man allein auf sie setzen kann?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Die Technologien haben sich in den vergangenen 10, 15 Jahren drastisch ver\u00e4ndert und entwickelt. Noch vor 20 Jahren schien es utopisch zu behaupten, man k\u00f6nne alles mit erneuerbaren Energien&nbsp; bew\u00e4ltigen. Doch heute produzieren wir in Italien bereits 12 Gigawatt Strom allein aus Solarzellen. Die Effizient der Technologie steigt laufend an, und gleichzeitig sinken die Preise daf\u00fcr. Wenn wir die Energiegewinnung also richtig planen wollen, sollten wir nicht bloss den aktuellen Stand der Technologie ber\u00fccksichtigen, sondern auch ihre Aussichten f\u00fcr die n\u00e4chsten 10 bis 20 Jahre.<\/p>\n\n<p><em><strong>Mir erscheint Italien wie ein grosses Eldorado, eine Art planloser Wildwest f\u00fcr Investoren, die in Energie machen. Praktisch jeder kann hier gesch\u00e4ften. Wohin f\u00fchrt dieses Chaos?<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Diese ganze Sache hat mit der Liberalisierung des Stommarktes Ende der&nbsp; 90er-Jahre begonnen. Seither ist die Stromproduktion denselben Marktvoraussetzungen unterworfen wie zum Beispiel die Produktion von Babywindeln. Wer will, der kann. Doch die Energieproduktion ist stark an eine Region, an den Ort gebunden und hat dort einschneidende Auswirkungen. Das erkl\u00e4rt auch die relativ hohe Pr\u00e4senz staatlicher Organe. Ich finde aber, die Energieproduktion sollte eine vollkommen \u00f6ffentliche Sache sein. Sie darf nicht privaten Konzernen \u00fcbertragen werden, die allein den Profit zum Ziel haben.&nbsp;<\/p>\n\n<p><em><strong>Einige der gr\u00f6ssten Konzerne aber sind staatlich beziehungsweise halbstaatlich, so auch die Schweizer Energiekonzerne, die in Italien pr\u00e4sent sind. Sie benehmen sich ebenso r\u00fccksichtslos wie private Unternehmer.<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Es gibt diesen Kapitalismus des Staates, der nichts anderes ist als ein Kapitalismus des freien Marktes. Denn am Ende ist die Logik dieselbe. Aus unserer Sicht heisst \u00f6ffentlich, dass ein Unternehmen nicht ohne Abstimmung auf einen nationalen Energieplan Energie produzieren kann, den der Staat beziehungsweise die Regierung zusammen mit allen Beteiligten erstellt hat. Auf diese Weise ist es nicht mehr Sache des Marktes, die Bedingungen f\u00fcr die Produktion zu diktieren.<\/p>\n\n<p><strong><em>Und damit kommt man weg von der zentralistischen Grossproduktion?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>In Italien hat sich die Energieproduktion in bestimmten Regionen konzentriert. Diese Orte sind heute praktisch dazu verdammt. Die St\u00e4dte Brindisi und Taranto zum Beispiel haben eine zerst\u00f6rerische industrielle Energieproduktion ohnegleichen aufgebaut. Aus unserer Sicht muss die \u00d6ffentlichkeit deshalb am Prozess beteiligt werden, weil sie nicht kapitalistisch denkt wie ein privater Produzent, der allein entscheidet, wo er investieren will. W\u00fcrde ein solcher nationaler Energieplan eingef\u00fchrt, der mit den Gemeinden und mit den Produzenten gemeinsam ausgehandelt worden w\u00e4re, dann f\u00fchrte das zu einem neuen Umgang mit der Energieproduktion und allen n\u00f6tigen Beschr\u00e4nkungen, die es zum Schutz der Umwelt braucht. Die Debatte um den Profit w\u00fcrde \u00fcberfl\u00fcssig, es g\u00e4be keine Diskussionen mehr dar\u00fcber, ob man sich f\u00fcr die Kohle entscheiden soll, bloss weil sie im Vergleich zum Gas das Doppelte einbringt.<\/p>\n\n<p><em><strong>Genauso sieht aber die Realit\u00e4t in Italien derzeit aus. Man will wieder zur\u00fcck zur Kohle, weil die anderen Ressourcen zu teuer sind.<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Wir produzieren 15 Prozent unserer elektrischen Energie in Italien mit Kohle, den Rest mit Gas und mit erneuerbaren Energien wie Wasser, Fotovoltaik und Wind. Doch die ENEL, Italiens Energieriese, macht Druck. Und die Kohle-Lobby Assocarbone will die Stromproduktion aus Kohle in Italien sogar auf 30 Prozent verdoppeln.<\/p>\n\n<p><em><strong>An einem solchen Projekt in Saline Joniche im S\u00fcden Kalabriens ist die RePower aus dem Kanton Graub\u00fcnden federf\u00fchrend.<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Genau. Es gab ja auch entsprechende Proteste in der Schweiz gegen das Projekt. Aber es gibt noch einige weitere Firmen mit Kohlekraftwerk-Projekten. Der Plan der Kohlelobby entbehrt aber jeglicher technologischen Innovation.&nbsp; Denen geht es alleine um den Profit. W\u00fcrde die \u00d6ffentlichkeit im Rahmen eines nationalen Energieplanes am Prozess beteiligt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich f\u00fcr die Kohle entscheiden w\u00fcrde, weil die Produzenten auf diese Weise am meisten verdienen w\u00fcrden.<\/p>\n\n<p><strong><em>Wie steht es denn mit der Rentabilit\u00e4t des Gases?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Zun\u00e4chst: Ein Kohlekraftwerk wie zum Beispiel \u00abFederico II\u00bb in Brindisi hat etwa einen Wirkungsgrad von 36 bis 37 Prozent. Die Abw\u00e4rme l\u00e4sst sich f\u00fcr weiteres wie Heizung und&nbsp; Warmwasser nutzen. Ein Gaskraftwerk heute erreicht dagegen 55 bis 56 Prozent Wirkungsgrad. Man muss also weniger W\u00e4rme verschwenden, die Rentabilit\u00e4t ist also besser.<\/p>\n\n<p><strong><em>Warum ist Strom aus Gas kein Gesch\u00e4ft derzeit?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Stromproduktion aus Gas heute teurer als aus Kohle, obwohl der CO2-Ausstoss einer Gasanlage etwa die H\u00e4lfte eines Kohlekraftwerks betr\u00e4gt. Die Vorteile des Gases sind also offensichtlich. G\u00e4be es eine echte Steuer f\u00fcr Kohle, w\u00e4re diese wesentlich teurer als Gas. Der \u00f6konomische Vorteil der Kohle gegen\u00fcber Gas besteht also bloss darin, dass niemand die verursachten Umwelteffekte durch Gewinnung, Transport und Verbrennung ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n<p><strong><em>Jedes CO2-ausstossende Kraftwerk muss aber doch CO2-Zertifikate l\u00f6sen, um die Umweltbelastung auszugleichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Diese Zertifikate haben aber eine v\u00f6llig untergeordnete Bedeutung. Sie tauchen in den Bilanzen der Konzerne praktisch nicht auf.<\/p>\n\n<p><strong><em>Wie realistisch ist diese Wirkung eines nationalen Energieplans? Ist das nicht purer Zweckoptimismus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Nun, ich w\u00e4re durchaus optimistisch, wenn es in der Regierung Leute g\u00e4be, die rationaler und&nbsp; demokratischer im Sinne der lokalen Ressourcen der Gemeinden handeln w\u00fcrden.<\/p>\n\n<p><strong><em>Was genau ist unter diesen lokalen Ressourcen zu verstehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Dazu z\u00e4hlen Grund und Boden, die Luft, das Wasser aber auch die elektrische Energie. Diese muss man heute so betrachten wie Luft und Wasser, auch sie sollte allen geh\u00f6ren. Denn heute ist das Leben in der industrialisierten Welt ohne diese Energie nicht mehr vorstellbar und m\u00f6glich. Da sie f\u00fcr alle produziert wird, sollen auch alle sagen k\u00f6nnen, unter welchen Bedingungen das zu geschehen hat. Wenn wir heute also eine Regierung haben, die an den Markt glaubt, der praktisch ein metaphysisches Gesetz ist, das den Fluss von Angebot und Nachfrage regelt und entscheidet, wie wir zu leben haben, dann m\u00fcsste so eine von uns gew\u00e4hlte Regierung doch auch sagen k\u00f6nnen, ob wir das auf diese Weise geregelte Leben wollen oder nicht. Man muss die grossen Konzerne mit dieser Frage konfrontieren und zwar auf europ\u00e4ischer Ebene und gest\u00fctzt auf die Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung. Das heisst, man muss die Demokratie von der Basis her neu \u00fcberdenken. Ich spreche von einem Paradigmenwechsel.<\/p>\n\n<p><em><strong>In Italien kosten Projekte der \u00f6ffentlichen Hand um bis zu 40 Prozent mehr als in anderen L\u00e4ndern Europas. Wie soll man diesem Sumpf der Korruption entkommen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Nun, wenn die Politik kraft ihrer Beziehungen zu den grossen Potentaten und den Wirtschaftsgruppen all diese zerst\u00f6rerischen Projekte st\u00fctzt, dann ist offensichtlich, dass dadurch ein perverses System entsteht, in dem alle Beteiligten gewinnen m\u00fcssen. Die Politik hat unz\u00e4hlige M\u00f6glichkeiten, die Gesch\u00e4fte zu steuern, was zu einem grossen Mangel an Transparenz f\u00fchrt. Es braucht also eine Regierung, die sehr demokratisch ist und die Basis partizipieren l\u00e4sst.<\/p>\n\n<p><strong><em>Die Katastrophe von Fukushima hat alles ver\u00e4ndert. Wie hast du das in Italien erlebt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Fukushima war ein spezieller Moment f\u00fcr Italien. Kurz vorher wollte die Regierung Berlusconi in Italien das Zeitalter der Atomkraft einl\u00e4uten und daf\u00fcr 30 bis 40 Milliarden Euro f\u00fcr neue Kernkraftwerke investieren \u2013 notabene im Moment einer grossen Wirtschaftskrise. Als Fukushima kam stand das Referendum bereits, um die R\u00fcckkehr zur Nukleartechnologie zu verhindern. Es war wie eine F\u00fcgung und hat einen enormen Effekt des Nachdenkens in Italien bewirkt. Die Szenen in Japan haben uns klargemacht, dass die Atomkraft das Risiko der absoluten Zerst\u00f6rung birgt.<\/p>\n\n<p><strong><em>Ist die Atomkraft in Italien damit endg\u00fcltig vom Tisch?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Nicht ganz, denn es gibt immer noch Leute von Energiekonzernen die sagen, die Atomkraft sei eine verpasste Chance. Wir haben in Italien einen Nachfragepeak an Energie von etwa 55&nbsp;000 Megawatt und wir haben Kraftwerke installiert, die 90&nbsp;000 Megawatt leisten k\u00f6nnen. Wir brauchen also keine zus\u00e4tzlichen Kraftwerke, zumal der Energieverbrauch in der gegenw\u00e4rtigen wirtschaftlichen Krise sinkt. Aber es herrscht eine grosse Nervosit\u00e4t in der Industrie, begleitet von einer starken Lobby der Unternehmer. Viele wollen weitere Kraftwerke bauen, weil sie zum Beispiel die Zementproduktion und weitere Industriezweige wieder ankurbeln wollen. Grossprojekte setzten einen wirtschaftlichen Kreislauf mit enormen finanziellen Interessen dahinter in Gang. Oft sind solche Vorhaben mit \u00fcblen Machenschaften des organisierten Verbrechens verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n<p><strong><em>Wie sieht der Paradigmenwechsel aus, den Du erw\u00e4hnt hast?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Es geht um die weitere wirtschaftliche Entwicklung im Bereich der Energieproduktion. Wir haben erkannt, dass wir nicht unendlich weiter wachsen k\u00f6nnen weil die Realit\u00e4t zeigt, dass sich Konsum und Nachfrage stabilisiert haben. Die \u00f6konomischen Ressourcen sollten wir also f\u00fcr eine andere Art von Entwicklung nutzen, in welcher der Einzelne, die Umwelt und eine diversifizierte Wirtschaft im Mittelpunkt stehen. Diese delegiert ihre Ressourcen nicht mehr an grosse Unternehmen, denn diese konzentrieren immer.<\/p>\n\n<p><em><strong>Einfach gesagt: Man produziert Energie nur dort, wo sie gebraucht wird.<\/strong><\/em><\/p>\n\n<p>Genau. Wir sprechen dabei von der dritten Industrierevolution. Danach kann jedes Geb\u00e4ude autonom Energie produzieren und ist \u00fcber ein intelligentes Netz vergleichbar dem Internet mit den anderen Geb\u00e4uden verbunden. Dieses Netz regelt automatisch den Fluss der Energie. Diese Art der Energiegewinnung steht im absoluten Gegensatz zum Konzept des 19. Jahrhunderts, wobei im Zentrum das 2000 Megawatt starke Kraftwerk steht, wo sich Arbeit und Kapital konzentrieren und nat\u00fcrlich auch die Gewinne. Das neue Modell ist dezentral organisiert und demokratisch. Das bringt nicht nur die erw\u00e4hnten technischen und \u00f6konomischen Vorteile, sondern schafft auch neue soziale Beziehungen und Strukturen. Die ENEL hat dieser Idee den unbedingten Kampf angesagt. Sie will dieses Modell stoppen, welches das pure Gegenteil ihres Konzeptes vertritt. Denn sie handelt nach der Maxime: Ich kontrolliere die Energieproduktion, ich verkauf dir Energie zum von mir bestimmten Preis und du verbrennst das, was ich dir liefere.<\/p>\n\n<p><strong><em>Was bedeutet das konkret f\u00fcr den Standort Brindisi?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Wir haben die grossen Chemie- und Energie-Unternehmen und die wirtschaftliche Entwicklung hier in Brindisi analysiert. Die Betriebe schaffen heute keine Arbeitspl\u00e4tze mehr. Brindisi ist das erste existierende Wirtschaftszentrum Europas mit 30\u00a0000 Arbeitslosen. Ausserdem ist ein Anstieg von gesundheitlichen Notf\u00e4llen zu beklagen. Beides geh\u00f6rt zusammen. Denn das Industriegel\u00e4nde ist gr\u00f6sser als die Stadt selber. Wir haben hier eine Wirtschaft kreiert, die allein den grossen Konzernen dient, die das Territorium verarmt und verw\u00fcstet haben. Diese Politik, die vor 50 Jahren begonnen hat, hat der zuvor \u00fcberaus armen Region erm\u00f6glicht, sich zu entwickeln und hat Brindisi letztlich zu einer Stadt gemacht. Aber in den vergangenen 20 Jahren hat sich das Blatt vollkommen gewendet.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/77ef3bcd-77ef3bcd-brindisi-mit-industriezone.png\" alt=\"\"\/><figcaption><strong>Brindisi und seine fast 1,5 mal so grosse Industriezone (beginnt rechts des s\u00fcdlichen Hafenbeckens). Ein Drittel der Einwohner ist arbeitslos. (screenshot Google Maps)<\/strong><br>\u00a9 Google<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><strong><em>Was muss konkret geschehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n<p>Wir wollen uns von der Kohle verabschieden. Wir verhandeln mit den Energiekonzernen. Wenn du 50 Millionen Euro im Jahr Gewinn machst, dann gib uns 20 Millionen, damit wir Universit\u00e4ten bauen, die K\u00fcste sanieren und in sanfte Energie oder in den Tourismus investieren k\u00f6nnen. So schaffen wir wieder neue Arbeitspl\u00e4tze und k\u00f6nnen in den kommenden 15 Jahren aus der fossilen Energie aussteigen. Denn wenn wir bis dahin so weitermachen wie bisher, dann werden wir nicht 30&nbsp;000, sondern 40&nbsp;000 Arbeitslose haben. Wir haben gar keine andere Wahl. Es gibt sonst keine M\u00f6glichkeiten, uns zu entwickeln und Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen, wenn wir die Wirtschaft nicht umbauen und dezentralisieren.<\/p>\n\n<p>* * *<\/p>\n\n<p>Der f\u00fcnfte und letzte Teil der Italien-Reportage f\u00fchrt noch weiter in den S\u00fcden, in den Salento. Im preisgekr\u00f6nten Bade\u00f6rtchen San Foca nahe der Stadt Lecce soll eine Gaspipeline den idyllischen K\u00fcstenstreifen durchbohren und Italien und dem \u00fcbrigen Europa Gas aus Aserbaidschan anliefern. Die Schweizer Axpo ist ganz vorne mit dabei. Auch hier wehren sich die Bev\u00f6lkerung und die Politiker der betroffenen Gemeinden mit H\u00e4nden und F\u00fcssen gegen die bevorstehenden Eingriffe in ihren Lebensraum.&nbsp;<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In dieser Serie bereits erschienen<\/h3>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-I\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil I<\/a><br>Story<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-II\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil II<\/a><br>Story<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-III\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil III<\/a><br>Story<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-V\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil V<\/a><br>Story<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der parteilose Politiker und Wissenschaftler Riccardo Rossi aus Brindisi pl\u00e4diert f\u00fcr einen konsequenten Ausstieg aus den fossilen Energien. 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