{"id":13576,"date":"2012-08-07T00:00:00","date_gmt":"2012-08-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/13576\/herakles-farms-oder-wie-ein-us-unternehmen-in-afrika-fuer-aufruhr-sorgt\/"},"modified":"2019-05-30T12:08:36","modified_gmt":"2019-05-30T10:08:36","slug":"herakles-farms-oder-wie-ein-us-unternehmen-in-afrika-fuer-aufruhr-sorgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/13576\/herakles-farms-oder-wie-ein-us-unternehmen-in-afrika-fuer-aufruhr-sorgt\/","title":{"rendered":"Herakles Farms oder Wie ein US-Unternehmen in Afrika f\u00fcr Aufruhr sorgt"},"content":{"rendered":"<p><b>Palm\u00f6l ist das preisg\u00fcnstigste Speise\u00f6l der Welt und Hauptbestandteil einiger Biospritsorten. Die weltweite Nachfrage boomt und so verleiben sich immer mehr Agrarkonzerne grosse Landstriche ein, um ein neues Gebiet f\u00fcr die Palm\u00f6lproduktion zu erschliessen: Afrika.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Palm\u00f6l ist das preisg\u00fcnstigste Speise\u00f6l der Welt und Hauptbestandteil einiger Biospritsorten. Die weltweite Nachfrage boomt und so verleiben sich immer mehr Agrarkonzerne grosse Landstriche ein, um ein neues Gebiet f\u00fcr die Palm\u00f6lproduktion zu erschliessen: Afrika.<\/p>\n<p>Einer dieser Konzerne ist Herakles Farms, ein Agrarunternehmen mit Sitz in New York, das Verbindungen zu Blackstone, einem der weltweit gr\u00f6ssten Private-Equity-Unternehmen, unterh\u00e4lt. In Kamerun ist der Aufbau der Palm\u00f6lplantagen von Herakles bereits in vollem Gange \u2013 Plantagen, die das Leben von Zehntausenden von Menschen in Dutzenden D\u00f6rfern schlagartig ver\u00e4ndern w\u00fcrden und f\u00fcr die rund 70.000 Hektar Waldfl\u00e4che gerodet werden m\u00fcssten, die sich zwischen vier Schutzgebieten erstrecken. Dies entspricht einer Fl\u00e4che gr\u00f6sser als Manhattan Island.<\/p>\n<p>Herakles Farms selbst hingegen pr\u00e4sentiert sich als grosser Heilsbringer und erkl\u00e4rt, man verfolge das Ziel, den weltweiten Nahrungsmittelbedarf durch die Entwicklung nachhaltiger und \u00f6kologisch wertvoller Projekte zu decken und wisse dabei die volle Unterst\u00fctzung der einheimischen Bev\u00f6lkerung hinter sich. In Kamerun d\u00fcrfte das jedoch wohl kaum der Fall sein.<\/p>\n<p>Bei einer Greenpeace Exkursion nach Kamerun in diesem Monat wurde ich Zeuge, wie breite Teile der lokalen Bev\u00f6lkerung gegen die Palm\u00f6lplantagen von Herakles Farm protestierten, die einerseits h\u00f6chst umstritten, andererseits potenziell lukrative Einnahmequellen sind.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/4bb777c1-4bb777c1-44997_82657.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/4bb777c1-4bb777c1-44997_82657.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content hidden-paragraph\">\n        <span class=\"date\">Montag, 6. August 2012<\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Menschen bef\u00fcrchten, dass sie von SG Sustainable Oils Cameroon (SGSOC), der kamerunischen Tochtergesellschaft des US-Unternehmens, ihres Landes und somit ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Viele Bauern der Gegend sind selbstst\u00e4ndig und bauen Kakao, Taro und Mais sowie andere Fr\u00fcchte und Gem\u00fcsesorten an. SGSOC hat bislang keinen Bebauungsplan vorlegt, auf dem die inneren Grenzen der geplanten Palm\u00f6lplantagen eingezeichnet sind, sodass die Bauern weiterhin im Dunkeln dar\u00fcber gelassen werden, wie viel Ackerland sie tats\u00e4chlich verlieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Von der selbsterkl\u00e4rten breiten Unterst\u00fctzung durch die lokale Bev\u00f6lkerung kann im Falle von Herakles Farms nicht die Rede sein.<\/p>\n<p>Als der Gouverneur der kamerunischen Region Sud-Ouest am 6. Juni in Fabe und Toko zu Besuch war, trugen die Einheimischen T-Shirts mit dem Slogan \u00abSGSOC raus\u00a0 &#8211; keine Plantagen in unserem Land\u00bb und hielten Banner hoch mit der Aufschrift \u00abWillkommen in Toko, Herr Gouverneur. Wir sagen Nein zu SGSOC\/Herakles Farms\u00bb. Einige Dorfbewohner von Fabe legten zudem traditionelle Symbole des <em>juju<\/em>-Voodoo-Zaubers wie Palmbl\u00e4tter vor dem Eingang der Plantage ab, um die Arbeiter von SGSOC davon abzuhalten, die Palm\u00f6lfelder zu betreten.<\/p>\n<p>Infolge der Proteste kam es zu massiven Einsch\u00fcchterungsversuchen und Verhaftungen. Die Demonstranten wurden zum Polizeirevier von Mundemba gebracht, wo einige der Dorfbewohner mehrere Tage lang festgehalten wurden.<\/p>\n<p>Entgegen landl\u00e4ufiger Behauptungen wird die Palm\u00f6lfarm dem Land zudem nicht den erhofften Geldregen bringen. Herakles Farms hat es irgendwie geschafft, einen Vertrag auszuhandeln, der extrem vorteilhaft f\u00fcr das Unternehmen ist. Beispielsweise profitiert das Agrarunternehmen von umfangreichen Steuerverg\u00fcnstigungen und die Bodenpacht ist so niedrig (1 US-Dollar pro Hektar), dass die Staatseinnahmen quasi gegen Null laufen, w\u00e4hrend SGSOC ganze 99 Jahre lang weder Abgaben auf den Import noch auf den Export zahlen muss. Ungewiss ist auch, ob auf den Plantagen die arbeitsrechtlichen Bestimmungen von Kamerun Anwendung finden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/6-12-FINAL-Herakles-Farms-Press-Release.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Herakles Farms setzt alle Hebel in Bewegung<\/a>, um zu verhindern, dass Meldungen dieser Art in Umlauf geraten, und spricht stattdessen weiterhin lieber von \u00abZusammenarbeit\u00bb, \u00abUnterst\u00fctzung in der Bev\u00f6lkerung\u00bb und \u00abWirtschaftswachstum\u00bb. Fakt ist jedoch, dass f\u00fcr Herakles Farms ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen hat. Schon bald k\u00f6nnten tausende seiner \u00d6lpalmen-Setzlinge zu alt sein, um eingepflanzt zu werden \u2013 f\u00fcr das Unternehmen ein immenser Verlust an Zeit und Geld.<\/p>\n<p>Herakles setzt zudem alles daran, sich auch weiterhin die Unterst\u00fctzung durch den Runden Tisch f\u00fcr nachhaltiges Palm\u00f6l (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO), der Herstellern Nachhaltigkeitszertifikate verleiht, zu sichern. Dieses Zertifikat nicht zu erhalten, w\u00e4re f\u00fcr das Unternehmen mit einem Glaubw\u00fcrdigkeitsverlust bei seinen potenziellen K\u00e4ufern und Investoren verbunden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/SGSOC-review_HCV-TP_full-final-public.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Eine unabh\u00e4ngige Untersuchung durch das High Conservation Value Resource Network Technical Panel<\/a> hat ergeben, dass das von SGSOC in Auftrag gegebene Gutachten zur Ausweisung sch\u00fctzenswerter Lebensr\u00e4ume (High Conservation Value, HCV) eklatante M\u00e4ngel aufwies. Der RSPO sieht sich nun mit zwei f\u00f6rmlichen Beschwerden durch den WWF und SAVE konfrontiert und wurde von kamerunischen und internationalen Organisationen und Wissenschaftlern heftig kritisiert. Greenpeace bleibt nur zu hoffen, dass der RSPO so bald wie m\u00f6glich best\u00e4tigt, dass das von Herakles Farms geplante Palm\u00f6lprojekt f\u00fcr eine Zertifizierung schlichtweg ungeeignet ist.<\/p>\n<p>Das geplante Palm\u00f6lprojekt von SGSOC ist das falsche Vorhaben am falschen Ort. Dieses Projekt muss gestoppt werden. Anstatt ein Vorbild f\u00fcr nachhaltige Palm\u00f6lproduktion in Kamerun zu sein, sch\u00fcrt dieses Vorhaben ernste soziale Konflikte und k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass in einem der \u00f6kologisch sensibelsten Gebiete Afrikas Regenw\u00e4lder grossfl\u00e4chig f\u00fcr immer zerst\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund hat Greenpeace an potenzielle Investoren wie die Afrikanische Entwicklungsbank (ADB) appelliert, sich nicht an diesem umstrittenen Palm\u00f6lprojekt von SGSOC finanziell zu beteiligen.<\/p>\n<p><em>Filip Verbelen ist Waldcampaigner bei Greenpeace International<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Palm\u00f6l ist das preisg\u00fcnstigste Speise\u00f6l der Welt und Hauptbestandteil einiger Biospritsorten. 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