{"id":13601,"date":"2012-07-18T00:00:00","date_gmt":"2012-07-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/13601\/die-schweiz-macht-strom-in-italien-teil-i\/"},"modified":"2019-05-30T12:10:00","modified_gmt":"2019-05-30T10:10:00","slug":"die-schweiz-macht-strom-in-italien-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/13601\/die-schweiz-macht-strom-in-italien-teil-i\/","title":{"rendered":"Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil I"},"content":{"rendered":"<p><b>Gaskombikraftwerke sollen die Schweizer Atomkraftwerke ersetzen. Doch die will hier keiner. In Italien jedoch stehen schon l\u00e4nger welche \u2013 an vielen sind Schweizer Energiekonzerne beteiligt. Ein Augenschein im wilden S\u00fcden des Mezzogiorno.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><strong>Von Ren\u00e9 Worni, freier Journalist <\/strong><\/p>\n<div id=\"greyleft\">\n<p style=\"visibility: hidden\">\n<p style=\"font-style: normal;\">Strom aus Gas anstatt erneuerbare Energien? In Italien bauen Schweizer Energiekonzerne seit Jahren Gaskombikraftwerke. Doch was tun die Konzerne dort genau? Soll dieser \u00abdreckige\u00bb Strom (Gaskombis sind CO2-Schleudern) den Atomausstieg in der Schweiz \u00fcberbr\u00fccken helfen? Auf den Spuren der Pl\u00e4ne der Energiekonzerne reiste Greenpeace im Mai nach S\u00fcditalien und stiess dabei auf zwielichtige Gesch\u00e4ftemacher, denen Profit wichtiger ist als Umweltschutz. Wir trafen aber auch vision\u00e4re Umweltaktivisten, die sich diesen Pl\u00e4nen entgegenstellen. Daraus entstand die S\u00fcditalien-Reportage, welche wir in f\u00fcnf Teilen w\u00e4hrend der Sommerpause jeweils donnerstags (Start am 19. Juli) auf www.geenpeace.ch publizieren. Sie erscheint ausserdem leicht gek\u00fcrzt am 21. August in unserem Magazin. Wir w\u00fcnschen Euch gute Sommerlekt\u00fcre!<br \/>\n<span class=\"lastword\" style=\"visibility: hidden\"><\/span> <\/p>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Nach dem Supergau in den Kernkraftwerkanlagen von Fukushima vor 15 Monaten planen Staaten wie Deutschland, Belgien oder die Schweiz den Atomausstieg. Obwohl Japan seine AKWs ungeachtet massiver Proteste der Bev\u00f6lkerung eins ums andere wieder hochf\u00e4hrt, will die Schweiz bis 2035 alle Anlagen abschalten. Geht es nach dem Bundesrat, sollen unter anderem Gaskombikraftwerke die L\u00fccke schliessen. Doch sie sind keine echte Alternative wie Wind- oder Sonnenenergie, denn Gaskombikraftwerke haben einen enormen CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss. Die grossen Schweizer Energiekonzerne Alpiq, RePower, BKW oder die Axpo-Tochter EGL<a title=\"zur Fussnote\" href=\"#1\">*<\/a> bauen seit einem Jahrzehnt solche Kraftwerke im Ausland. Allein in Italien sind sie an 16 Gaskombikraftwerken beteiligt und planen f\u00fcnf weitere. Greenpeace hat sich auf eine Reise nach S\u00fcditalien begeben um sich ein Bild von den Schweizer Projekten zu machen. Ob diese Kraftwerke auch einmal f\u00fcr den Schweizer Markt produzieren werden, ist offen.<\/p>\n<p>\u00abWenn das hier jemals bewilligt werden sollte, gibt es Krieg\u00bb, sagt Pina Negro. Pina ist Anw\u00e4ltin, Umweltaktivistin und eine der zentralen Figuren des Widerstandes gegen ein geplantes Gaskombikraftwerk in der Ebene von Venafro. Sie steht am Rand einer saftigen Wiese, wo das Werk entstehen soll. Das gleichnamige St\u00e4dtchen ist kaum sieben Kilometer entfernt. Wir befinden uns im\u00a0 Valle del Volturno, im Westen der Region Molise, der kleinsten der zwanzig Regionen Italiens. Hier beginnt die Erkundungsreise zu den Gaskraftwerken der Schweizer Stromkonzerne.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box small-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"\/switzerland\/Global\/switzerland\/photos\/magazin\/2012-2\/gas_italien\/pina_negro_35.jpeg\" title=\"Pina Negro, Anw\u00e4ltin und Umweltaktivistin\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl04_Image1\" title=\"Pina Negro, Anw\u00e4ltin und Umweltaktivistin\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/pina_negro_35.jpg\" alt=\"Pina Negro, Anw\u00e4ltin und Umweltaktivistin\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Pina Negro, Anw\u00e4ltin und Umweltaktivistin<\/strong><\/p>\n<p>\n            \u00a9 Rene Worni\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Auf beiden Seiten der Wiese stehen Olivenhaine. Die St\u00e4mme der Olivenb\u00e4ume sind massiv, die B\u00e4ume alt. Kein L\u00fcftchen regt sich. Bis vor einem Jahr wollte hier der Schweizer Energiekonzern EGL ein Gaskombikraftwerk der neuesten Generation bauen. Mit 780 Megawatt Leistung, zum Preis von etwa 300 Mio. Euro. Ein neben dem Kraftwerk geplanter kleiner Wald sollte im Wettrennen mit dem CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss Sauerstoff produzieren. Doch die enorme Abw\u00e4rme des Kraftwerks w\u00fcrde die Gegend aufheizen. Die Ebene von Venafro ist bloss zehn Quadratkilometer gross. Die umstehenden Berge machen sie zu einer grossen Arena, in der die Luft immer wieder l\u00e4ngere Zeit stillsteht \u2013 und mit ihr die Schadstoffe aus den benachbarten Industriebetrieben. Ein Kraftwerk w\u00fcrde diesen Smog potenzieren. Erst vor einem Jahr hat das Komitee besorgter M\u00fctter, die Mamme per la Salute, wegen Dioxinspuren in Fleischprodukten Alarm geschlagen. Tumore und Erkrankungen der Atemwege seien unter den Bewohnern ein st\u00e4ndiges Thema, sagt Pina Negro. Ein kontinuierliches Schadstoffmonitoring gibt es nicht. Ein neues Kraftwerk w\u00e4re f\u00fcr die Gegend verheerend.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"\/switzerland\/Global\/switzerland\/photos\/magazin\/2012-2\/gas_italien\/venafro_15.jpeg\" title=\"Mitten im meist windstillen Talkessel bei Venafro (zwischen den Industrieanlagen vorne und dem Zementwerk im Hintergrund) wollte die EGL (Axpo) ein Gaskombikraftwerk mit 780MW bauen.\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl06_Image1\" title=\"Mitten im meist windstillen Talkessel bei Venafro (zwischen den Industrieanlagen vorne und dem Zementwerk im Hintergrund) wollte die EGL (Axpo) ein Gaskombikraftwerk mit 780MW bauen.\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/venafro_15.jpg\" alt=\"Mitten im meist windstillen Talkessel bei Venafro (zwischen den Industrieanlagen vorne und dem Zementwerk im Hintergrund) wollte die EGL (Axpo) ein Gaskombikraftwerk mit 780MW bauen.\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Mitten im meist windstillen Talkessel bei Venafro (zwischen den Industrieanlagen vorne und dem Zementwerk im Hintergrund) wollte die EGL (Axpo) ein Gaskombikraftwerk mit 780MW bauen.<\/strong><\/p>\n<p>\n            \u00a9 Ren\u00e9 Worni\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Verantwortlichen von der EGL haben sich im Tal noch nie blicken lassen. Kontaktversuche blieben fruchtlos. \u00abAuf unsere Emails hat niemals jemand reagiert\u00bb, sagt Pina Negro und sch\u00fcttelt den Kopf. Deshalb wussten die Talbewohner bis vor Kurzem nicht, dass sich die EGL aus dem Projekt wieder zur\u00fcckgezogen hat. \u00abMit den bestehenden drei Kraftwerken haben wir das Ziel von 2000 Megawatt in Italien erreicht. Alle anderen Projekte f\u00fcr Gaskombikraftwerke sind damit ad acta gelegt und weitere sind derzeit nicht geplant\u00bb, sagt Axpo-Mediensprecher Richard Rogers. Die EGL betreibt in S\u00fcditalien bereits je ein Gaskombikraftwerk in Sparanise (Kampanien) und Rizziconi (Kalabrien) sowie im norditalienischen Ferrara (Emilia Romagna).<\/p>\n<p>F\u00fcr die 10\u00a0000 Bewohnerinnen und Bewohner von Venafro und noch einmal so viele in den umliegenden Gemeinden ist mit dem Ausstieg der Schweizer noch nichts vorbei. Eine kleine Projektfirma namens Molisenergy, die zuvor der EGL geh\u00f6rt hatte, operiert praktisch aus einem Hinterzimmer in Neapel. Sie verf\u00fcgt \u00fcber keinerlei Erfahrung im Bau von Kraftwerken, jedoch, so wird vermutet, \u00fcber Verbindungen auf h\u00f6chster Ebene. \u00abDieses Unternehmen ist uns seit jeher suspekt, wir wissen nicht, mit wem wir es zu tun haben\u00bb, sagt Alfredo Ricci. Er ist Gemeinderat von Venafro, sitzt im Parlament der Provinz und war als Anwalt f\u00fcr die Rekurse gegen das Projekt mitverantwortlich. Venafro und alle umliegenden Gemeinden sowie die gesamte Region von Molise lehnen das Projekt vehement ab. Doch der definitive Entscheid f\u00e4llt in Rom. Wer der n\u00e4chste Investor sein wird, den sich die Herren von Molisenergy angeln, weiss zurzeit niemand.<\/p>\n<p>Im strukturschwachen S\u00fcden Italiens scheint trotz Wirtschaftskrise immer noch Goldgr\u00e4berstimmung zu herrschen. Der seit Ende der 90er Jahre liberalisierte Strommarkt treibt nach wie vor wilde Bl\u00fcten. \u00dcberall schiessen Kraftwerke, Wind- und Solaranlagen scheinbar planlos aus dem Boden. Nur wenige Kilometer von Venafro entfernt, im Dorf Presenzano in Kampanien, soll ein Gaskombikraftwerk mit 800 Megawatt der italienischen Edison entstehen. In Molise weiss man seit Zeiten, dass der Eigenbedarf an Energie l\u00e4ngst gedeckt ist. Laut Angaben regionaler Umweltorganisationen rotieren auf den H\u00fcgelk\u00e4mmen von Molise \u00fcber 2000 Windturbinen, viele geh\u00f6ren ausl\u00e4ndischen Stromkonzernen. Den Gemeinden fehlt es an Geld. Sie verpachten und verkaufen deshalb ihre Grundst\u00fccke. Den Strom nutzen die Industriemetropolen an den K\u00fcsten.<\/p>\n<p>Im zweiten Teil der Serie geht die Reise weiter ins kampanische Hinterland in die Stadt Benevento, 90 Kilometer von Neapel entfernt. Dort wollen die Bernischen Kraftwerke BKW in einer naturgesch\u00fctzten Zone ein Gaskombikraftwerk bauen. Nicht \u00fcber alle Zweifel erhabene Gesch\u00e4ftsleute mischen t\u00fcchtig mit.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span><a name=\"1\"><\/a>*Im Februar 2012 wurde die EGL vollst\u00e4ndig von der Axpo Holding AG \u00fcbernommen.<\/span><\/p>\n<p><span><\/p>\n<div class=\"listings items\">\n<h3 title=\"In dieser Serie bereits erschienen\">In dieser Serie bereits erschienen<\/h3>\n<div class=\"\">\n<ul>\n<li class=\"ccsnlink\">\n    <a title=\"Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil II\" href=\"\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-II\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil II<\/a><br \/>\n    <span class=\"contenttype\">Story<\/span>\n<\/li>\n<li class=\"ccsnlink\">\n    <a title=\"Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil III\" href=\"\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-III\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil III<\/a><br \/>\n    <span class=\"contenttype\">Story<\/span>\n<\/li>\n<li class=\"ccsnlink\">\n    <a title=\"Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil IV\" href=\"\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-IV\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil IV<\/a><br \/>\n    <span class=\"contenttype\">Story<\/span>\n<\/li>\n<li class=\"ccsnlink\">\n    <a title=\"Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil V\" href=\"\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2012-Magazin\/Die-Schweiz-macht-Strom-in-Italien-Teil-V\/\">Die Schweiz macht Strom in Italien: Teil V<\/a><br \/>\n    <span class=\"contenttype\">Story<\/span>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<br \/><\/span><\/p>\n<p><span><br \/><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gaskombikraftwerke sollen die Schweizer Atomkraftwerke ersetzen. 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