{"id":13746,"date":"2012-06-03T00:00:00","date_gmt":"2012-06-02T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/13746\/wenn-die-atomlobby-in-der-mottenkiste-wuehlt\/"},"modified":"2019-05-30T12:14:20","modified_gmt":"2019-05-30T10:14:20","slug":"wenn-die-atomlobby-in-der-mottenkiste-wuehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/13746\/wenn-die-atomlobby-in-der-mottenkiste-wuehlt\/","title":{"rendered":"Wenn die Atomlobby in der Mottenkiste w\u00fchlt"},"content":{"rendered":"<p><b>Der Bundesrat erw\u00e4gt in seiner Energiestrategie 2050 Gaskraftwerke als \u00dcbergangsl\u00f6sung auf dem Weg zur atomstromfreien Stromversorgung und schon stimmt die Atomindustrie ihr alt bekanntes Lied an: Im Namen des Klimaschutzes brauche die Schweiz eben doch neue Atomkraftwerke. Vierte Generation heisst das Losungswort. Alpiq-Chef Hans Schweickhardt etwa, h\u00e4lt grosse St\u00fccke auf einen AKW-Typ namens Kugelhaufenreaktor.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><em>Von Franziska Rosenmund &amp; Florian Kasser<\/em><\/p>\n<p class=\"XLT2spFragen\" style=\"margin-top: 30px;\">\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/cb667c83-cb667c83-1206_gp02c8x_web.jpg\" title=\"Trommeln gegen neue AKW-Pl\u00e4ne\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" title=\"Trommeln gegen neue AKW-Pl\u00e4ne\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/cb667c83-cb667c83-1206_gp02c8x_web.jpg\" alt=\"Trommeln gegen neue AKW-Pl\u00e4ne\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Trommeln gegen neue AKW-Pl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>\n            Olten, 31. M\u00e4z 2011. Rund 20 Greenpeace-AktivistInnen trommeln am Hauptsitz der Alpiq Holding in Olten gegen deren Atompl\u00e4ne. \u00a9 Greenpeace\/Peter Baracchi\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00abKugelhaufenreaktoren\u00bb \u2013 der Name regt irgendwie die Fantasie an: Unwillk\u00fcrlich t\u00fcrmen sich vor dem geistigen Auge\u00a0 Kugel-\u00a0 und vielleicht auch noch ganz andere H\u00e4ufchen \u2026 Irgendwie schnucklig t\u00f6nt das. An bahnbrechende High Technology d\u00fcrfte bei dem Namen kaum jemand als erstes denken. Das hat seinen Grund: Der Kugelhaufenreaktor wird zwar seit den 60er-Jahren erforscht, aber der Durchbruch steht bis heute aus. Zu Recht.<\/p>\n<p>\u00abSchnucklig\u00bb ist beim Kugelhaufenreaktor bestenfalls seine Leistung. Eine Anlage produziert einen Bruchteil so viel Strom wie die heutigen in der Schweiz laufenden Reaktoren. Um etwa die Leistung des AKW Leibstadt zu erzielen, br\u00e4uchte es sage und schreibe <em>f\u00fcnf <\/em>solcher Anlagen. <strong>Abgesehen von seiner schwachen Leistung ist der Reaktor mit dem skurrilen Namen kein bisschen niedlicher, sprich: weniger gef\u00e4hrlich ist als andere AKW-Typen.<\/strong> Bei den so genannten Hochtemperaturreaktoren, zu denen der Kugelhaufenreaktor geh\u00f6rt, ist der Kernbrennstoff\u00a0 Uran und Thorium einfach in tennisballgrosse Grafitkugeln eingeschlossen\u00a0 statt in Brennst\u00e4ben wie bei den heutigen Reaktoren.<\/p>\n<p><strong>Super-GAU ohne Kernschmelze\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Punkto Sicherheit wird der Kugelhaufenreaktor daf\u00fcr ger\u00fchmt, dass es bei ihm keine Kernschmelze \u00a0geben kann. Diese \u00abSt\u00e4rke\u00bb wird aber umgehend neutralisiert durch ein anderes Handicap: Die ohnehin schon extrem hohe Temperatur im Kugelhaufenreaktor kann bei einer Fehlfunktion des K\u00fchlungssystems blitzschnell derart stark ansteigen, dass es zu einem Brand kommt. Zerst\u00f6rt das Feuer die Schutzbarrieren, werden erhebliche Mengen radioaktiver Materialien freigesetzt \u2013 ein Super-GAU kann auch ohne Kernschmelze Realit\u00e4t werden. Wenig verwunderlich schreibt selbst die Atomindustrie im April 2009 in ihrer Fachzeitschrift \u00abNuclear Engineering International\u00bb, die Erwartungen an den Kugelhaufenreaktor seien \u00ab\u00fcberoptimistisch\u00bb.<\/p>\n<p>Der Autor des betreffenden Artikels, Rainer Moormann, arbeitet pikanterweise f\u00fcr das Forschungszentrum im deutschen J\u00fclisch, das bis in die 80er selber einen Kugelhaufenreaktor entwickelte und betrieb. Gem\u00e4ss Moormann weist der Kugelhaufen-Reaktor zwar Sicherheitseigenschaften auf, die bestimmte M\u00e4ngel der bisherigen Reaktormodelle korrigieren k\u00f6nnten. Diese Eigenschaften w\u00fcrden aber kompensiert durch neue inh\u00e4rente Sicherheitsdefizite, wie die genannte hohe Brandgefahr. Die Beurteilung wird mit dem Satz abgeschlossen: \u00abBeim Kugelhaufenreaktor gibt es einen Tradeoff zwischen Wirtschaftlichkeit und Sicherheit\u00bb \u2013 an Deutlichkeit kaum zu \u00fcbertreffende Worte: <strong>M\u00f6chte man einen Kugelhaufenreaktor auch nur halbwegs sicher machen, m\u00fcsste er derart teuer aufger\u00fcstet werden, dass er nicht mehr marktf\u00e4hig w\u00e4re.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aus 5 mach 15<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Kugelhaufenreaktoren gingen bereits in den 1960er Jahren in Deutschland und in den USA in Betrieb. Es handelte sich um Versuchsanlagen, die es nie bis zur kommerziellen Anwendung schafften. Im Gegenteil, die Forschungsanlagen wurden alle stillgelegt, weil massive Sicherheitsprobleme auftauchten und eine Freisetzung von Radioaktivit\u00e4t nicht ausgeschlossen werden konnte. Sp\u00e4ter versuchte sich S\u00fcdafrika am Kugelhaufenreaktor, gab nach 17 Jahren Forschung und Ausgaben von 1,3 Milliarden US Dollar im Jahr 2010 sein Kugelhaufen-Programm auf \u2013 \u00fcber 4 \u00a0Milliarden w\u00e4ren zus\u00e4tzlich n\u00f6tig gewesen f\u00fcr ein Projekt, dessen Zeitplan komplett aus dem Ruder gelaufen war und f\u00fcr das sich kein K\u00e4ufer finden liess.<\/p>\n<p>Was die Deutschen, die Amerikaner und die S\u00fcdafrikaner w\u00e4hrend Jahrzehnten nicht geschafft haben, sollen nun die Chinesen richten: Das Land ist tats\u00e4chlich daran, eine Pilotanlage in der N\u00e4he von Peking zu bauen. Ob diese die Erwartungen tats\u00e4chlich erf\u00fcllt, darf mit Blick auf die bisherigen Erfahrungen stark bezweifelt werden. Und sogar, wenn es in China wider Erwarten zum\u00a0 \u00abtechnologischen Quantensprung\u00bb k\u00e4me, w\u00fcrde der langwierige Entwicklungs- und Bewilligungsprozess schlicht nicht in den Schweizer Fahrplan zum Atomausstieg passen. <strong>Ein erster Kugelhaufenreaktor k\u00f6nnte bei uns n\u00e4mlich fr\u00fchestens 2035 in Betrieb gehen, die AKWs Beznau und M\u00fchleberg m\u00fcssen aber sp\u00e4testens in zehn Jahren <\/strong><a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/Kampagnen\/Stromzukunft-Schweiz\/Atomstrom\/Wo-endet-die-Reise-wenn-der-Reaktor-explodiert\/\"><strong>vom Netz<\/strong><\/a><strong>.<\/strong> Und noch wenn das Timing ein anderes w\u00e4re: Auch die chinesischen Kugelhaufenreaktoren bringen nicht mehr Leistung als 200 Megawatt \u2013 es br\u00e4uchte also ganze 15 (!) neue AKW, um die f\u00fcnf bestehenden Schweizer Reaktoren zu ersetzen. Fazit: Der \u00abneue\u00bb Reaktortyp <em>made in China<\/em> bringt einen (Kugel-)Haufen neuer Probleme ohne die bestehenden \u2013\u00a0 Restrisiko und Atomm\u00fcll \u2013 auch nur ansatzweise zu l\u00f6sen. Zur\u00fcck in die \u00a0Mottenkugelkiste damit.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesrat erw\u00e4gt in seiner Energiestrategie 2050 Gaskraftwerke als \u00dcbergangsl\u00f6sung auf dem Weg zur atomstromfreien Stromversorgung und schon stimmt die Atomindustrie ihr alt bekanntes Lied an: Im Namen des Klimaschutzes&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":13748,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-13746","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13746","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13746"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13746\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13746"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13746"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13746"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=13746"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=13746"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}