{"id":13991,"date":"2012-03-06T00:00:00","date_gmt":"2012-03-05T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/13991\/im-gespraech-mit-tepco\/"},"modified":"2019-05-30T12:21:13","modified_gmt":"2019-05-30T10:21:13","slug":"im-gespraech-mit-tepco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/13991\/im-gespraech-mit-tepco\/","title":{"rendered":"Im Gespr\u00e4ch mit TEPCO"},"content":{"rendered":"<p><b>Tepco hat sich bereiterkl\u00e4rt, uns zu empfangen. Die Fragen wollten sie schon vorher schriftlich haben. Zu viert erwarten sie uns. Yoshimi Hitosugi, laut Visitenkarte Manager Corporate Communications Department, neben ihm Yoshikazu Nagai, sein Assistant Manager, und dann noch Mayumi Yoshida, eine junge Frau, die Englisch spricht und laut Visitenkarte bei der Kommunikationsabteilung keine besondere Funktion innehat. Der vierte ist ein sehr junger Mann ohne Visitenkarte und Name. Er wird w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs immer wieder den Raum verlassen, um noch Detailinformationen einzuholen. Wir setzen uns im Erdgeschoss in einen kleinen, schmucklosen Raum an einen gro\u00dfen h\u00f6lzernen Tisch. Die drei M\u00e4nner tragen dicke Ordner und Dokumentenmappen mit sich, die an diversen Stellen mit bunten Zettelchen markiert sind. (\u2026)<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p><strong><em><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 5px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/9ad0a2d1-9ad0a2d1-33962_66513.jpg\" alt=\"\" width=\"200\">Tepco hat sich bereiterkl\u00e4rt, uns zu empfangen. Die Fragen wollten sie schon vorher schriftlich haben. Zu viert erwarten sie uns. Yoshimi Hitosugi, laut Visitenkarte Manager Corporate Communications Department, neben ihm Yoshikazu Nagai, sein Assistant Manager, und dann noch Mayumi Yoshida, eine junge Frau, die Englisch spricht und laut Visitenkarte bei der Kommunikationsabteilung keine besondere Funktion innehat. Der vierte ist ein sehr junger Mann ohne Visitenkarte und Name. Er wird w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs immer wieder den Raum verlassen, um noch Detailinformationen einzuholen. <\/em><\/strong><br \/><strong><em>Wir setzen uns im Erdgeschoss in einen kleinen, schmucklosen Raum an einen gro\u00dfen h\u00f6lzernen Tisch. Die drei M\u00e4nner tragen dicke Ordner und Dokumentenmappen mit sich, die an diversen Stellen mit bunten Zettelchen markiert sind. (\u2026)<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u00bbTepco hat Ende November zugegeben, dass es schlimmer aussieht in den Reaktoren als bislang angenommen. Was genau bedeutet das?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbDie neusten Berechnungen haben ergeben, dass in Block\u00a01 der gr\u00f6\u00dfte Teil der geschmolzenen Brennelemente am Boden des Druckbeh\u00e4lters liegt \u2013 beziehungsweise inzwischen durchgesickert ist. Achtzig Prozent d\u00fcrften vermutlich unten auf auf dem Containmentboden liegen\u00ab, sagt Kommunikationsmanager Hitosugi. <\/em><br \/><em>\u00bbUnd das Containment ist noch intakt?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbWir gehen davon aus, dass Teile des Brennmaterials bereits in den Beton eingedrungen sind.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbDer Schutzbeh\u00e4lter aus Stahl ist also kaputt?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbDavon muss man ausgehen. Der Beton darunter ist aber \u00fcber zehn Meter dick.\u00ab <\/em><br \/><em>\u00bbDas hei\u00dft, der Reaktordruckbeh\u00e4lter ist unten offen, das Wasser flie\u00dft einfach raus?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbJa.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbUnd wie hoch ist der Wasserspiegel im Containment?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbDas k\u00f6nnen wir nicht sagen. Die Wassertemperatur unten am Containmentboden betr\u00e4gt jedoch weniger als f\u00fcnfzig Grad.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbUnd wie hei\u00df ist die Masse unten im Beton.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbDas wissen wir nicht genau.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbSie haben einen Wasserkreislauf installiert, um die Masse zu k\u00fchlen. Oben lassen sie Wasser ins Containment \u2013 wo nehmen sie es denn raus?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbDas Wasser gelangt irgendwie zu den Turbinen. Es muss da zuf\u00e4llig eine Verbindung geben. Wie es aber genau dorthin kommt, wissen wir nicht. Beim Turbinengeb\u00e4ude holen wir das Wasser raus.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbSie bringen also Wasser in Rohren rein, die nicht daf\u00fcr gedacht waren \u2013 und irgendwo kommt es wieder heraus und dort sammeln sie es auf.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbSo kann man es sagen.\u00ab <\/em><\/p>\n<p><em>Hitosugi antwortet ausgesucht freundlich. Er spricht, als ob er ein durchdachtes Konzept pr\u00e4sentierte, obwohl alle im Raum wissen, dass es sich um eine verzweifelte Bastelei handelt. <\/em><br \/><em>Bleibt noch die Frage, wie viel Radioaktivit\u00e4t ausgetreten ist und wie die Strahlung nach drau\u00dfen gelangte. Angeblich ist das Containment oben intakt. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbDa haben wir noch kein genaues Bild\u00ab, antwortet Hitosugi, \u00bbes gibt kein Modell, das die Unfallursache erkl\u00e4rt. Es gibt auch noch keine offizielle Darstellung, wie es zur Freisetzung gekommen ist. Wir gehen davon aus, dass der Tsunami zum Unfall gef\u00fchrt hat und das Erdbeben keine gro\u00dfen Sch\u00e4den anrichtete.\u00ab <\/em><br \/><em>\u00bbUnabh\u00e4ngige Wissenschaftler sind anderer Meinung.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbWir k\u00f6nnen nicht mehr dazu sagen.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbK\u00f6nnen Journalisten in die Zwanzig-Kilometer-Zone reisen?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbNein, wir lassen keine Journalisten hinein. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden. Nur einmal gab es eine organisierte Reise, als ein Minister die Anlage besucht hat, da hatten auch einige Journalisten die M\u00f6glichkeit, in die Zone zu fahren.\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbWaren Sie schon dort?\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Sie schauen verwundert, bis Frau Yoshida fragt: \u00bbSie meinen in Fukushima Daiichi?\u00ab<\/em><br \/><em>\u00bbJa.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Alle vier sch\u00fctteln den Kopf. Keiner von ihnen war in der Sperrzone, sie alle m\u00fcssen \u00fcber Dinge reden, die sie selber nie gesehen haben und nur mit knapper Not verstehen. Sie sind nicht zu beneiden.<\/em><br \/><em>Hitosugi sagt noch, er habe fr\u00fcher drei Jahre als \u00d6ffentlichkeitsbeauftragter in Daini gearbeitet. <\/em><br \/><em>\u00bbUnd was haben Sie gedacht, als es passierte.\u00ab<\/em><br \/><em>Sie schauen sich verlegen an. Der Kopf sei voll gewesen, sie h\u00e4tten viel zu tun gehabt, Fehler h\u00e4tten sie gemacht in den ersten Tagen und Wochen und zum Teil falsche Informationen ver\u00f6ffentlicht. Sie h\u00e4tten daraus gelernt und w\u00fcrden jetzt t\u00e4glich auch auf Englisch informieren, manchmal sei es jetzt fast zu viel. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Zeit ist um. Wir stehen auf und wollen uns verabschieden. Da verneigen sich alle vier und Hitosugi sagt: \u00bbEs tut uns Leid, dass wir Ihnen mit diesem Unfall so viel Unannehmlichkeit verursacht haben.\u00ab<\/em><\/p>\n<hr>\n<div class=\"events-box small-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/c559baba-c559baba-buchvernissage_boos.jpg\" title=\"Einladung Vernissage\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_epiEntryContent_ctl00_ctl02_Image1\" title=\"Einladung Vernissage\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/c559baba-c559baba-buchvernissage_boos.jpg\" alt=\"Einladung Vernissage\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content hidden-paragraph\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Einladung Vernissage<\/strong><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p> Dieser Text ist ein Auszug aus dem <a href=\"http:\/\/www.rotpunktverlag.ch\/474\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">neuen Buch von Susan Boos &#171;Fukushima l\u00e4sst gr\u00fcssen&#187;, das am 9. M\u00e4rz 2012 im Rotpunktverlag<\/a> mit finanzieller Unterst\u00fctzung von Greenpeace Schweiz erscheint.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Buchvorstellung und Diskussion: Freitag, 9. M\u00e4rz 19:30 Uhr, Volkshaus (Weisser Saal) 8004 Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Das Buch kann zudem unter <a href=\"http:\/\/www.rotpunktverlag.ch\/474\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.rotpunktverlag.ch\/474<\/a> bestellt werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/spenden.greenpeace.ch\/live\/donate?utm_source=atom&amp;utm_medium=leaderboard&amp;utm_campaign=atom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/banner_atom_615.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"110\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tepco hat sich bereiterkl\u00e4rt, uns zu empfangen. Die Fragen wollten sie schon vorher schriftlich haben. Zu viert erwarten sie uns. 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