{"id":14210,"date":"2012-01-31T00:00:00","date_gmt":"2012-01-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/14210\/rohstoffe-ohne-grenzen\/"},"modified":"2025-06-25T15:37:52","modified_gmt":"2025-06-25T13:37:52","slug":"rohstoffe-ohne-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/14210\/rohstoffe-ohne-grenzen\/","title":{"rendered":"Rohstoffe ohne Grenzen?"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Der Bedarf an Rohstoffen, Energie und Metallen ist immens, und einfach zug\u00e4ngliche fossile Vorkommen sind rar geworden. Die Konzerne dringen darum in immer entlegenere Regionen vor. Berge k\u00f6pfen in den Appalachen, Gletscher sprengen in den Anden, Tiefseeb\u00f6den umpfl\u00fcgen im Pazifik, Schiefergas f\u00f6rdern in der Schweiz und dereinst gar das Meer enteisen f\u00fcr Methangas. Der Boom scheint ohne Grenzen, doch er ist es nur, solange wir ihm keine setzen. F\u00fcnf Beispiele, viel Dreck und ein Schimmer Hoffnung.<\/b><\/p>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/GP_4_11_DEF_RohstoffeWeb.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">>Artikel im lesefreundlichen Magazinformat als PDF downloaden<\/a><\/p>\n\n<p>Die Folgen des Rohstoffrausches sind katastrophal. Manche stehen kurz im Fokus der \u00d6ffentlichkeit, wie die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/14210\/rohstoffe-ohne-grenzen\/~\/link\/b27a199f5c9f4819bbb7df3ed2e17178.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00d6lpest der Bohrinsel Deepwater Horizon<\/a>&nbsp;im Golf von Mexiko oder der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/Themen\/Chemie\/Sauberes-Wasser-fur-alle\/Giftschlamm-Katastrophe-in-Ungarn-Unerwartet-hohe-Mengen-an-Arsen-und-Quecksilber\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bruch des R\u00fcckhaltebeckens der Aluminiumfabrik MAL&nbsp;AG<\/a>&nbsp;in Ungarn, beide von 2010. Die schleichende Vergiftung, die allt\u00e4gliche Korruption und Menschenrechtsverletzungen, die das Gesch\u00e4ft mit Rohstoffen meist begleiten, sind hingegen schwer erfassbar. Die gesamte Dimension des Desasters \u00fcbersteigt die Vorstellungskraft des Einzelnen, aber wichtige Elemente zum Verst\u00e4ndnis des Problems liegen vor unserer Haust\u00fcre: Die Schweiz geh\u00f6rt zu den L\u00e4ndern, die am kr\u00e4ftigsten zulangen auf der Rohstoffparty.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Berge k\u00f6pfen f\u00fcr Kohle<\/h2>\n\n<p>Seit Beginn der industriellen Revolution wird Kohle verbrannt, um Energie zu gewinnen. Die Methode ist genauso primitiv wie billig. Wie lange die Reserven noch reichen, ist umstritten, die Datenlage ist zweifelhaft. Sicher ist: Der Abbau wird immer zerst\u00f6rerischer, je seltener die am einfachsten zug\u00e4nglichen Vorkommen werden.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/0195186f-0195186f-appalachen.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><strong>Der Guyandotte in West Virginia (USA) ist einer von 500 Gipfeln, die abgetragen wurden, um an Kohle zu gelangen.<\/strong><br>\u00a9 Kent Kessinger and Appalachian Voices<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Im US-amerikanischen Appalachen-Gebirge wurden schon \u00fcber 500 Berge \u00abgek\u00f6pft\u00bb. Die Abbaumethode heisst \u00abMountain Top Removal\u00bb (MTR), Bergspitz-Entfernung. Zuerst wird abgeholzt und die oberste Erdschicht abgetragen, dann der Fels gesprengt bis hinunter auf die Kohleschicht, die dann mit Spezialbaggern ausgehoben wird. Danach wird wieder gesprengt bis zur n\u00e4chsttieferen Kohleschicht. Die Gesteinsmassen, die mal ein Berg waren und jetzt \u00abAbraum\u00bb sind, werden in anliegende Senken und T\u00e4ler gekippt und am Schluss behelfsm\u00e4ssig begr\u00fcnt. Der arsen- und schwermetallhaltige Schlamm, der beim Waschen der Kohle entsteht, wird in riesigen R\u00fcckhaltebecken abgelagert. Anders als bei den traditionellen Untergrundminen erlaubt die MTR-Methode den Einsatz riesiger Maschinen, mit denen wenige Arbeiter ein Mehrfaches an Kohle f\u00f6rdern k\u00f6nnen. Doch die indirekten Kosten f\u00fcr Mensch und Natur sind gewaltig: In den Appalachen wurden bereits 5000 Quadratkilometer Wald abgeholzt und \u00fcber 2000 Kilometer Fliessgew\u00e4sser unter Schutt begraben \u2013 ein dramatischer Verlust an nat\u00fcrlichen Biotopen. Der Staub der Sprengungen vergiftet die Luft, die Gew\u00e4sser werden verschmutzt. Studien zeigen in der Region deutlich h\u00f6here Raten f\u00fcr Krebs, Atemwegserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen.<\/p>\n\n<p><em>Kohleenergie boomt. Trotz allen offiziellen Beteuerungen, etwas gegen den Klimawandel unternehmen zu wollen: Die Preissteigerung bei den Energietr\u00e4gern erzeugt auch einen Boom bei der Kohle, mit 43 Prozent Anteil am globalen CO2-Ausstoss Klimakiller Nummer eins. China und Indien geh\u00f6ren zu den gr\u00f6ssten Produzenten, m\u00fcssen aber wegen ihres schnell wachsenden Verbrauchs immer mehr Kohle importieren. Die USA produzieren fast die H\u00e4lfte ihrer Elektrizit\u00e4t mit Kohle, ohne die Absicht, daran etwas zu \u00e4ndern. Im Gegenteil: Gegenw\u00e4rtig sind \u00fcber 150 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau.<\/em><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/c98a5333-c98a5333-veladero.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><strong>Pro Tonne gesprengten Gletscher fallen in der argentinischen Mine Veladero 1,5 Gramm Gold an.<\/strong> <br>\u00a9 Greenpeace \/ Martin Katz<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gletscher sprengen f\u00fcr Gold<\/h2>\n\n<p>Im sp\u00e4rlich besiedelten Andengebirge zwischen Chile und Argentinien sind rund 200 Gold-, Kupfer- und Silberminen geplant, im Bau oder bereits im Betrieb. Die meisten geh\u00f6ren zur Kategorie der sogenannten \u00abMega-Minen\u00bb. Diese haben nichts mehr mit dem traditionellen Untertage-Bergbau gemein, bei dem Arbeiter mit Pickeln und Dynamit in die Stollen stiegen. Mega-Minen f\u00f6rdern Metallkonzentrationen im Spurenbereich, indem im Tagebau riesige Gesteinsmassen gesprengt, mechanisch zermahlen und mit Hilfe von Zyanid in ihre Bestandteile aufgel\u00f6st werden \u2013 unter enormem Ressourcenverschleiss.<\/p>\n\n<p>Ein Beispiel ist die Mine Veladero, die der kanadische Konzern Barrick Gold in den argentinischen Anden auf fast 5000\u2009m\u2009\u00fc.\u2009M. betreibt: Pro Tonne gesprengten Fels fallen hier gerade mal 1,5 Gramm Gold an. Aus einer Tonne -Elektroschrott kann zehnmal mehr gewonnen werden. \u00abDas Gold ist nicht sichtbar, es wird chemisch und geologisch erraten\u00bb, schreibt der Journalist Jes\u00fas Rodr\u00edguez, der auch erfahren hat, was nach der aufw\u00e4ndigen Extraktion geschieht: Das Rohgold wird nach Z\u00fcrich geflogen und in einem Schmelzwerk im Tessin zu zertifizierten Goldbarren geschmolzen. Dann gelangt es auf den Weltmarkt \u2013 f\u00fcr Schmuck und eingelagert als krisensichere Wertanlage.<\/p>\n\n<p>Erstmals wurden wir stutzig, als in der N\u00e4he der Mine F\u00fcchse ohne Pelz gesehen wurden.<\/p>\n\n<p>Die Mine Veladero liegt zu einem guten Teil in der Permafrostzone. F\u00fcr ihren Bau wurde eine Strasse mitten durch einen Gletscher gelegt. Unabh\u00e4ngige Geologen haben im Gebiet von Veladero zahlreiche kleinere Gletscher entdeckt, die dem Abbau zum Opfer fallen werden, was eigentlich verboten w\u00e4re (siehe unten). Wie Veladero liegen die meisten der geplanten Minen direkt an den Wasserquellen, von denen Tiere, Pflanzen und Menschen abh\u00e4ngen, die in oasen\u00e4hnlichen Flecken am Fuss der Berge leben. Etwa in Andalgal\u00e1, einer unterhalb der Mine La Alumbrera gelegenen Kleinstadt. 1997 als erste Argentiniens in Betrieb genommen, hat diese Mega-Mine einen Wasserverbrauch von 100&nbsp;Millionen Liter pro Tag, die aus dem Grundwasser einer Hochebene abgepumpt werden. Die Wassermenge in den Fl\u00fcssen hat seither dramatisch abgenommen. Ausserdem vergiften der Staub der Sprengungen und die zur Ausl\u00f6sung der Metalle eingesetzten Chemikalien Luft, Boden und Wasser der ganzen Region. Ein Aktivist der lokalen B\u00fcrgerinitiative gegen die Mine erinnert sich: \u00abErstmals wurden wir stutzig, als in der N\u00e4he der Mine F\u00fcchse ohne Pelz gesehen wurden.\u00bb Unterdessen w\u00fcrden auch Kinder und Erwachsene immer h\u00e4ufiger erkranken, nur fehlten die Statistiken, um den Zusammenhang schl\u00fcssig beweisen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p><em>Ein Gesetz f\u00fcr die Gletscher. Was ist ein Gletscher? Wo endet er? Was passiert, wenn er verschwindet? Selten wurden Fragen wie diese so heftig debattiert wie gegenw\u00e4rtig in Argentinien. Dort ist der Bergbau im Gletschergebiet seit Oktober 2010 per Gesetz verboten. Ein weiterer Erfolg f\u00fcr Umweltorganisationen und die landesweite Basisbewegung Uni\u00f3n de Asambleas Ci&#xdada;nas (Vereinigung der B\u00fcrgerInnenversammlungen), nachdem sich im Jahr 2003 in der Kleinstadt Esquel 81\u2009% der Bev\u00f6lkerung gegen eine Tagebau-Goldmine gestimmt hatten. Die Bergbaukonzerne versuchen nun mit allen Mitteln zu bestreiten, dass ihre Projekte im Gletschergebiet liegen, und machen gleichzeitig Druck auf Provinzregierungen und Gerichte, um das Gesetz und die darin verlangte Kartierung der Gletscherzonen zu blockieren. Noch gibt es kein offizielles Register, aber Umweltorganisationen haben schon mal angefangen zu z\u00e4hlen und im Gebiet der geplanten Minen Dutzende von mit Ger\u00f6ll vermischten sogenannten \u00abBlockgletschern\u00bb entdeckt, die in den Umweltvertr\u00e4glichkeitsberichten der Konzerne nicht auftauchen, obwohl sie f\u00fcr den Wasserhaushalt als ausgleichende Puffer eine bedeutende Rolle spielen. F\u00fcr die Konzerne handelt es sich dabei eben nicht um \u00abrichtige\u00bb Gletscher. Und wo genau h\u00f6rt die \u00abperiglaziale Zone\u00bb auf, in welcher der Abbau verboten ist? Heere von Anw\u00e4lten und Richtern sind jetzt daran, Gletscherkunde zu studieren, denn selten ging es bei einer Karte um so viel Geld wie bei dieser.<\/em><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tiefseeb\u00f6den umpfl\u00fcgen <br>f\u00fcr polymetallische Sulfide \u2026<\/h2>\n\n<p>Die \u00d6lkonzerne sind\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2010-Magazin\/Arktis-Der-Kampf-um-die-letzten-Bodenschatze\/\" target=\"_blank\">seit einiger Zeit<\/a>\u00a0daran, in die Tiefsee vorzudringen. Jetzt geschieht dasselbe auch f\u00fcr Metalle. Die erste kommerzielle Tiefseemine heisst Solwara 1, liegt in den Hoheitsgew\u00e4ssern von Papua-Neuguinea und soll fr\u00fchestens 2013 in Betrieb genommen werden. Die kanadische Firma Nautilus Minerals hat im letzten Januar die Bewilligung erhalten, auf 59\u00a0Quadratkilometern Tiefseeboden in rund 1600\u00a0Meter Tiefe polymetallische Sulfide abzubauen. Diese bilden sich, wo Kontinentalplatten auseinanderdriften und Wasser bis in die N\u00e4he des Magmas sickern kann. Dort wird es erhitzt, mit gel\u00f6sten Metallen angereichert und schiesst in geysir\u00e4hnlichen Kan\u00e4len aufw\u00e4rts zum Meeresboden, wo es sich abrupt abk\u00fchlt und eine mit Kupfer, Zink, Gold, Silber und weiteren Metallen durchsetzte Kruste bildet. Diese soll nun mit ferngesteuerten Raupenfahrzeugen abgefr\u00e4st werden. Das Sulfid w\u00fcrde dann mit Meerwasser zu einem Schlamm vermischt und auf das Produktionsschiff gepumpt, wo das Wasser wieder ausgeschieden und in die N\u00e4he des Meeresbodens zur\u00fcckgepumpt w\u00fcrde. Das Erz w\u00fcrde an Land verschifft, wo die verschiedenen Metalle in chemischen Verfahren herausgel\u00f6st werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/25df5b70-25df5b70-so%CC%88ldner.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><strong>Die indigene Bev\u00f6lkerung von Papua-Neuguinea bef\u00fcrchtet eine Wiederholung der bewaffneten Konflikte von 1997. Auch damals ging es um Rohstoffe und Umweltzerst\u00f6rung.<\/strong><br>\u00a9 Alex Smailes \/ Sygma \/ Corbis<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Nautilus Minerals beteuert, die durch den Abbau verursachten Sch\u00e4den seien unbedeutend. Doch Meeresbiologen und Umweltorganisationen sind alarmiert. \u00dcber die \u00e4usserst sensiblen Spezies der Tiefsee ist sehr wenig bekannt. Sicher ist, dass die Bodenorganismen in den Abbauschneisen komplett zerst\u00f6rt w\u00fcrden. Es d\u00fcrfte Jahrzehnte dauern, bis sie sich regenerieren. Die aufgewirbelten Partikelwolken k\u00f6nnten auch das Leben in entfernteren Zonen ersticken. Indigene K\u00fcstenbewohner bef\u00fcrchten negative Auswirkungen auf ihre Lebensgrundlage, die Fischerei, und haben sich deutlich gegen das Projekt ausgesprochen:&nbsp;<br>\u00abWir sind keine Versuchskaninchen\u00bb, titelte eine Meldung vom letzten Juli. Das Misstrauen kommt nicht zuletzt von den extrem negativen Erfahrungen mit dem \u00abklassischen\u00bb Bergbau, der in Papua-Neuguinea ganze Flusssysteme vergiftet, indigene Gemeinschaften vertrieben und bewaffnete Konflikte ausgel\u00f6st hat. Nautilus Minerals dreht das zu einem Argument f\u00fcr ihre Methode: \u00abDie Produktion am Meeresgrund erfordert keine Umsiedlung und f\u00fchrt daher zu keiner St\u00f6rung von traditioneller Landnutzung.\u00bb Unerw\u00e4hnt bleiben die Kreaturen der Tiefsee, die noch kaum jemand zu sehen bekommen hat und deren Verschwinden unbemerkt bleiben wird.<\/p>\n\n<p><em>Neben Nautilus Minerals haben sich viele weitere Firmen Explorationslizenzen f\u00fcr den Tiefseeboden gesichert, bisher vor allem in den Hoheitsgew\u00e4ssern von pazifischen Inselstaaten. Dort kommt nationales Recht zur Anwendung, im Unterschied zu den internationalen Gew\u00e4ssern, die als \u00abErbe der Menschheit\u00bb gelten, weshalb die UN-Meeresbodenbeh\u00f6rde f\u00fcr die Sch\u00fcrflizenzen zust\u00e4ndig ist. \u00dcber die genauen Regeln wird immer noch verhandelt. Bis anhin hat die Beh\u00f6rde lediglich an staatliche Forschungsunternehmen Explorationslizenzen f\u00fcr Manganknollen und polymetallische Sulfide im n\u00f6rdlichen Pazifik und im Indischen Ozean erteilt. Dabei sind China, Frankreich, Deutschland, Indien, Japan, Russland, S\u00fcdkorea, ein osteurop\u00e4isches Konsortium und seit kurzem die pazifische Inselrepublik Nauru.<\/em><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u2026 und demn\u00e4chst: Meere enteisen f\u00fcr Methanhydrat?<\/h2>\n\n<p>Propheten der fossilen Energie sagen, wenn \u00d6l, Gas und Kohle ausgehen, k\u00f6nnen wir immer noch Eis verbrennen. Methanhydrat ist in Eis eingeschlossenes Methangas, das aus dem Abbau von organischem Material stammt. Die Vor-kommen befinden sich in den B\u00f6den der Permafrostzonen des Nordens ab einer Tiefe von 150&nbsp;Metern, vor allem aber im Meer an den Kontinentalr\u00e4ndern, je nach Temperatur und Druck in einer Tiefe von 100 bis 300 Metern. Methanhydrat ist die gr\u00f6sste fossile Energiereserve \u00fcberhaupt. Gesch\u00e4tzt wird, dass darin dreimal mehr Kohlenstoff gebunden ist als in den Vorkommen von \u00d6l, Gas und Kohle zusammen.<\/p>\n\n<p>Verschiedene Forschungsunternehmen erproben Techniken, bei denen warmes Wasser, Enteisungsmittel oder fl\u00fcssiges Kohlendioxid (CO2) in die Lagerst\u00e4tten des Methanhydrats injiziert werden, um das Eis zum Schmelzen zu bringen und das Methangas absaugen zu k\u00f6nnen. Einen Haken hat die Sache: Methan ist ein Klimakiller. Es wirkt 20 bis 30 Mal st\u00e4rker als CO2, wenn es in die Atmosph\u00e4re gelangt. Der Abbau von Methanhydrat, sei es im Permafrostboden an Land oder im Meer, ist kaum m\u00f6glich, ohne dass grosse Mengen Methan unkontrolliert entweichen.<\/p>\n\n<p>Ob und wann der Abbau beginnt, h\u00e4ngt von der technischen Entwicklung und den Energiepreisen ab. Im Permafrost Alaskas k\u00f6nnte es bereits 2015 losgehen. Im Meer d\u00fcrfte es mindestens zehn Jahre l\u00e4nger dauern. Denn da gibt es noch einen zweiten Haken, der den Forschern Kopfzerbrechen macht: Wie der Permafrost im Gebirge stabilisiert Methanhydrat das Gestein der Kontinentalabh\u00e4nge im Meer. Es abzubauen, k\u00f6nnte die H\u00e4nge ins Rutschen bringen und Tsunamis ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n<p><em>Schmutzige Konzerne waschen gr\u00fcn. Auch die Rohstoffkonzerne k\u00f6nnen sich der Kritik an ihren Methoden nicht entziehen. Unterdessen publizieren die meisten Nachhaltigkeitsberichte und spenden an lokale Hilfswerke oder Naturschutzp\u00e4rke. Auf der internationalen Ebene setzen sie auf freiwillige Richtlinien und Zertifizierungssysteme. Nur: Solange deren Einhaltung nicht rechtlich bindend und einklagbar ist, solange es keine unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung gibt, sind diese guten Vors\u00e4tze der vielleicht schmutzigsten Industrie nicht viel mehr als ein unglaubw\u00fcrdiges \u00abGr\u00fcnwaschen\u00bb.<\/em><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Rebellion der N\u00fcchternen. Hoffnung w\u00e4chst von unten.<\/h2>\n\n<p>Fossile Energie und Metalle sind begrenzt, die einfach und g\u00fcnstig zug\u00e4nglichen Vorkommen weitgehend ersch\u00f6pft.<\/p>\n\n<p>Neue Technologien und die hohen Rohstoffpreise erm\u00f6glichen es zwar, in immer entlegenere Regionen vorzudringen und immer tiefere Konzentrationen auszubeuten. Gleichzeitig wird daf\u00fcr aber auch immer mehr (immer teurere) Energie aufgewendet, und die hohen Investitionen werden immer riskanter sowie anf\u00e4lliger auf spekulative Preisschwankungen. Die eigentliche Konzentration der Rohstoffe ist oft nicht mehr entscheidend f\u00fcr die Wahl des Standorts, stattdessen orientiert sich der Gewinn an Faktoren wie tiefen Steuern, tiefen Kosten f\u00fcr Energie und Wasser und Umweltgesetzen, die entweder lasch sind oder nicht durchgesetzt werden. Daraus ergibt sich auch eine Verschiebung von den reicheren L\u00e4ndern des Nordens in den \u00e4rmeren S\u00fcden, wo \u00abschmutzige Industrien\u00bb bisher auf weniger Widerstand stiessen. Doch die Welt wird auch f\u00fcr die Konzerne immer enger. Die lokale Bev\u00f6lkerung war fr\u00fcher meist schlecht informiert und wehrte sich erst, wenn eine Mine in Betrieb ging und Sch\u00e4den sichtbar wurden. Aufgrund der negativen Erfahrungen mit fr\u00fcheren Minen geschieht dies heute oft bereits in der Planungsphase. Nicht selten erfolgreich: In Argentinien, Mexiko, Peru, Bangladesh, der T\u00fcrkei und anderswo gelang es starken Basisbewegungen, einzelne Minen durch Blockaden und andere direkte Aktionen zu verhindern oder gleich die Parlamente dazu zu bewegen, den Einsatz von Zyanid oder den Tagebau insgesamt zu verbieten. Weltweit beharren indigene V\u00f6lker immer st\u00e4rker auf dem von der UNO garantierten \u00abRecht der freien informierten Zustimmung\u00bb bei Projekten auf ihren traditionellen Territorien \u2013 inklusive des Rechts, Nein zu sagen. All das st\u00e4rkt das Bewusstsein, dass die Zeit der billigen Rohstoffe vorbei ist und wir ernsthaft nach Alternativen suchen sollten.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Standort Schweiz<\/h2>\n\n<p>Die UBS hat eine knappe Milliarde Dollar in US-amerikanische Konzerne investiert, die die \u00abMountain Top Removal\u00bb Methode anwenden. Genf und Zug z\u00e4hlen neben London, Singapur oder New York zu den bedeutendsten Rohstoff-Handelspl\u00e4tzen, die Zuger Schwesterkonzerne Glencore und Xstrata spielen in der obersten Produzentenliga. In Kolumbien etwa will Xstrata 40 Millionen Tonnen pro Jahr aus der Kohlemine Cerrej\u00f3n holen. Der einzige Fluss der trockenen Region La Guajira m\u00fcsste umgeleitet, zw\u00f6lf indigene Gemeinschaften m\u00fcssten umgesiedelt werden. Der Stromproduzent Repower, zu 46 Prozent im Besitz des Kantons Graub\u00fcnden, plant in S\u00fcditalien und Norddeutschland zwei Mega-Kraftwerke, die mit billiger Kohle vom Weltmarkt, zum Beispiel aus Kolumbien, befeuert w\u00fcrden. Xstrata betreibt auch die Kupfer-Gold-Mine La Alumbrera in Argentinien (siehe Artikel) und plant mit El Pach\u00f3n, Agua Rica und Filo Colorado drei Mega-Projekte, die auf Widerstand der Bev\u00f6lkerung stossen. Zwei Drittel des j\u00e4hrlichen Goldbedarfs laufen durch Schweizer Handelsh\u00e4user und Schmelzwerke \u2014 unter strengster Geheimhaltung.<br>Im Buch \u00ab<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Magazin\/2011-Magazin\/Buchtipp\/%20\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rohstoff \u2014 das gef\u00e4hrlichste Gesch\u00e4ft der Schweiz<\/a>\u00bb geht die Erkl\u00e4rung von Bern dem Erfolgsgeheimnis des Standorts Schweiz nach: Tiefe Steuern, Diskretion und das Wegschauen von Politik und Beh\u00f6rden. So wird etwa das Geldw\u00e4schereigesetz nicht auf Rohstoffh\u00e4ndler angewandt, obwohl sie darin ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt sind. Die Regulierungsl\u00fccken d\u00fcrften jedoch bald unter Druck kommen: In den USA wurde ein strenges Gesetz zur Offenlegung von Finanzfl\u00fcssen des Rohstoffsektors verabschiedet, die EU hat \u00e4hnliche Pl\u00e4ne. Die Schweiz wird nachziehen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bedarf an Rohstoffen, Energie und Metallen ist immens, und einfach zug\u00e4ngliche fossile Vorkommen sind rar geworden. Die Konzerne dringen darum in immer entlegenere Regionen vor. 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