{"id":14277,"date":"2011-12-23T00:00:00","date_gmt":"2011-12-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/14277\/chrampfe-fuer-den-schutzwald\/"},"modified":"2019-05-30T12:29:54","modified_gmt":"2019-05-30T10:29:54","slug":"chrampfe-fuer-den-schutzwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/14277\/chrampfe-fuer-den-schutzwald\/","title":{"rendered":"\u00abChrampfe\u00bb f\u00fcr den Schutzwald"},"content":{"rendered":"<p><b>Das Bergwaldprojekt wurde 1987, mitten in der Waldsterbe-Debatte, als Spin-off von Greenpeace gegr\u00fcndet und lange finanziell getragen. Heute ist es unabh\u00e4ngig, renommiert, international und ein Br\u00fcckenschlag zwischen Umweltschutz und Bergbev\u00f6lkerung. Eine Erfolgsgeschichte.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><strong>Von Thomas Niederberger<\/strong><\/p>\n<p>Pfl\u00f6cke einschlagen will gelernt sein. An einem Steilhang mit Blick auf das Luzernische Entlebuch steht eine Gruppe von Freiwilligen des Bergwaldprojektes und l\u00e4sst sich von Thomas L\u00f6ffel zeigen, wie der Schlaghammer zielf\u00fchrend einzusetzen ist. Zuvor haben sie mit der Rebsch\u00e4re die Baum-Sch\u00f6sslinge unter dem Himbeergestr\u00fcpp freigelegt und mit farbigen Schleifen und Holzst\u00f6cken markiert. Jetzt sch\u00fctzen sie sie mit einem um zwei Pfl\u00f6cke festgezurrten Maschengitter vor dem Verbiss durch Rehe und Gemsen.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/5a3e340a-5a3e340a-1111_bergwald01_foj_4573.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/5a3e340a-5a3e340a-1111_bergwald01_foj_4573.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            \u201dChrampfe&#187; f\u00fcr den Bergwald<\/p>\n<p>\u00a9 Nicolas Fojtu\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Auf der rund 400 Meter breiten Schneise im Wald erinnern noch einige d\u00fcrre St\u00e4mme daran, dass vor dem Sturm \u00abLothar\u00bb auch hier B\u00e4ume standen. Der Borkenk\u00e4fer hatte dem gebeutelten Wald noch den Rest gegeben. Eine \u00abBestandesbegr\u00fcndung mit Wildschutzmassnahme\u00bb w\u00fcrden sie hier machen, erkl\u00e4rt Thomas, der ausgebildete F\u00f6rster und Leiter des hiesigen Einsatzes des Bergwaldprojektes: Schauen, was nat\u00fcrlich nachw\u00e4chst, um den Prozess mit sanften Eingriffen zu unterst\u00fctzen, damit der Wald seine Schutzfunktion wieder erf\u00fcllen kann.<\/p>\n<p><strong>Berg, Wald, Essen, Schlafen<\/strong><\/p>\n<p>Vor der H\u00fcrnli-H\u00fctte auf 1500m.\u00fc.M. ist die Suppe aufgetischt. Gut 20 freiwillige Mitarbeiter\/-innen und Gruppenleiter\/-innen setzen sich an den langen Holztisch. Angerege Diskussionen, alle sind selbstverst\u00e4ndlich per Du. Was bringt sie dazu, in ihrer wertvollen Freizeit im Wald zu \u00abchrampfen\u00bb? \u00abEs ist ein super Gef\u00fchl, am Abend todm\u00fcde ins Bett zu fallen\u00bb, meint die 20-j\u00e4hrige ETH-Studentin Tiziana, die f\u00fcr ihre Semesterferien einen Ausgleich zum kopflastigen Studium gesucht hatte. Schon zum sechsten Mal dabei ist Stefan, ein 36-j\u00e4hriger Bauingenieur aus Holland, der gerade seine Stelle gek\u00fcndigt und sich gemeldet hat, weil er gerne in den Bergen ist, \u00abund wegen der guten Stimmung unter den Leuten.\u00bb Voll gepackt hat&#8217;s den 53-j\u00e4hrigen Bankangestellten Albin, der in seinem Sabattical 23 Eins\u00e4tze in Serie gemacht hat und unterdessen als Gruppenleiter dabei ist.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/7fd19c04-7fd19c04-1111_bergwald02_foj_5083.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl04_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/7fd19c04-7fd19c04-1111_bergwald02_foj_5083.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            \u201dChrampfe&#187; f\u00fcr den Bergwald<\/p>\n<p>\u00a9 Nicolas Fojtu\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>K\u00f6rperliche Herausforderung, Naturerlebnis, sozialer Austausch &#8211; und auch das Essen wird gesch\u00e4tzt. Einfach aber liebevoll, bis hin zum selbst gebackenen Brot. Die K\u00f6chin strahlt ob des Lobes, holt eine Sch\u00fcssel hervor, l\u00e4sst einen F\u00fcnfliber darin kreisen und beginnt zu jodeln, zur Begr\u00fcssung f\u00fcr den ankommenden Gast: F\u00f6rster Franz Krummenacher, 58, mit Bart und Hosentr\u00e4ger, wird uns auf einen Rundgang in sein Revier mitnehmen.<\/p>\n<p><strong>Vom Waldsterben und Monster-Maschinen.<\/strong><\/p>\n<p>Das Bergwaldprojekt wurde 1987 gegr\u00fcndet, inmitten der heftigen Debatten um das \u00abWaldsterben\u00bb. In den Arbeitseins\u00e4tzen sollten die Leute f\u00fcr \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge sensibilisiert werden und selbst erfahren, wie es um den Wald stehe. Ein Anliegen, dass auch 24 Jahre sp\u00e4ter noch aktuell ist, auch wenn \u00abeinige der warnenden Stimmen damals \u00fcber Ziel hinaus geschossen sind\u00bb, wie Franz findet. Der urchige Entlebucher weiss, wovon er redet, schliesslich ist er schon seit 32 Jahren als F\u00f6rster unterwegs. Ein Fehlalarm sei es aber nicht gewesen: Dem Wald gehe es tats\u00e4chlich schlecht, nur sei er eben so resistent, dass man sich weniger um ihn sorgen m\u00fcsse, als um die Menschen, die von seinem Schutz abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Sensibilisierung f\u00fcr den Wald heisst auch, falsche Romantik zu korrigieren. Der Rundgang beginnt mit einer Vorf\u00fchrung des \u00abHarvesters\u00bb: Ein modernes Ger\u00e4t zur Holz-Ernte im Berggebiet, \u00abwie aus einem Horrorfilm\u00bb, wie einer der Freiwilligen bemerkt. Per Seilbahn werden die gef\u00e4llten St\u00e4mme auf den Waldweg geschleppt und im Minutentakt von einem Greifarm gepackt, entastet und zers\u00e4gt,\u00a0 gelenkt per Fernbedienung und Joystick. Fast eine Million Franken koste die ganze Anlage, informiert der Maschinenf\u00fchrer stolz, und sie lohne sich, weil es damit f\u00fcr eine durchschnittliche Tagesleistung von 80 Kubikmetern Holz nur noch zwei statt wie fr\u00fcher vier bis f\u00fcnf Arbeiter brauche. Franz macht klar, dass knallhart kalkuliert werden muss, um im Bergwald gewinnbringend zu Holzen, und Holzen ist n\u00f6tig, damit es wieder Platz und Licht f\u00fcr junge B\u00e4ume gibt. Umso mehr sch\u00e4tzt er die feine Handarbeit der Freiwilligen, f\u00fcr die sonst kein Geld da w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Fehler von fr\u00fcher, lernen f\u00fcr morgen.<\/strong><\/p>\n<p>N\u00e4chste Station, F\u00f6rster Franz erz\u00e4hlt aus der Geschichte: Im 19. Jahrhundert seien die W\u00e4lder des Entlebuchs regelrecht gepl\u00fcndert worden, um die industrielle Produktion von Milchzucker, Glas und Eisen zu befeuern. Die Folge waren wie an vielen anderen Orten der Schweiz schwere \u00dcberschwemmungen. \u00abAndernorts macht man heute die gleichen Fehler\u00bb, wirft Thomas ein. Franz f\u00e4hrt fort: Anfangs des 20. Jahrhunderts, mit dem neuen Forstgesetz, \u00fcbernahm der Kanton Luzern im grossen Stil Alpfl\u00e4chen und liess diese aufforsten. Was jetzt in weiten Teilen des Entlebuchs stehe, sei noch die erste Generation der damals gepflanzten Fichten. Homogen, langweilig anzuschauen und verletzlich bei extremen Wetterbedingungen.<\/p>\n<p>\u00abEs ist wie in der Gesellschaft: Ein gesunder Wald braucht eine gute Durchmischung der Generationen und Arten, damit er widerstandsf\u00e4hig ist\u00bb, bemerkt Thomas. Er mag solche Vergleiche. Den Angestellten der Credit Suisse erkl\u00e4re er jeweils, es sei gleich wie bei einer Anlagestrategie: Diversifizieren senkt das Risiko. Der B\u00fcndner ist seit sechs Jahren als Projektleiter dabei, ausserdem ist er Hausmann und fertigt Skulpturen und M\u00f6bel aus Holz. Den Wald versteht er auch als Schule f\u00fcr langfristiges Denken und Handeln. Gerade Jugendlichen tue das gut, weshalb er die Schullager beim Bergwaldprojekt besonders wichtig findet, auch wenn die Geduld der Leiter dabei schwer gepr\u00fcft werde. Neben den klassischen \u00abUmweltsch\u00fctzern\u00bb besteht der Pool der Freiwilligen auch aus Schulklassen und, mit starkem Wachstum, Angestellten von Partnerfirmen wie der Credit Suisse. Letztere k\u00f6nnen einen Tag ihrer bezahlten Arbeitszeit pro Jahr f\u00fcr eine soziale Organisation einsetzen, der Trend nennt sich \u00abcorporate volunteering\u00bb.<\/p>\n<p>W\u00e4re sch\u00f6n, das Engagement der Bank w\u00fcrde nicht nur zur Burn-Out-Pr\u00e4vention und als gr\u00fcnes M\u00e4ntelchen f\u00fcr das Marketing dienen, sondern tats\u00e4chlich zu einer Anlagestrategie beitragen, welche die Fehler von fr\u00fcher nicht andernorts wiederholt.<\/p>\n<p>Verstehen die Einheimschen, was die Freiwilligen antreibt, die ihre Freizeit opfern, um ihren Wald zu pflegen, und das auch noch erholend finden? \u00abEinige begreifen es langsam&#8230;\u00bb, grummelt Frank w\u00e4hrend der R\u00fcckfahrt nach Eschholzmatt. Es ist Einiges passiert seit den Anfangszeiten des Bergwaldprojekts, als die Waldsch\u00fctzer gern als Spinner und Fundamentalisten betrachtet wurden. Die vielen Begegnungen haben auch eine Br\u00fccke zwischen Menschen verschiedener Regionen und Weltanschauungen geschlagen. Und dennoch: Es gibt noch zu viel zu tun im Wald, f\u00fcr viele Generationen.<\/p>\n<\/p>\n<div class=\"embedded-image-gallery promo general-form\">\n<h2>Bergwaldprojekt<\/h2>\n<div class=\"gallery\">\n<div class=\"img-nav\">\n<div class=\"carousel\">\n<ul class=\"img-list galleria\">\n<li class=\"active\">\n                            <a title=\"1111_Bergwaldprojekt_01FOJ_4259.JPG\" href=\"\/switzerland\/de\/News_Stories\/Multimedia\/Fotos\/Bergwaldprojekt\/1111_Bergwaldprojekt_01FOJ_4259JPG\/\" rel=\"1111_Bergwaldprojekt_01FOJ_4259.JPG~^~^https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/1c2acb0c-1c2acb0c-1111_bergwaldprojekt_01foj_4259.jpg~^276776\"><br \/>\n                                <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl06_ctl00_repImages_ctl00_thumbImg\" title=\"1111_Bergwaldprojekt_01FOJ_4259.JPG\" 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Es wurde unter anderem von Renato Ruf, einem Greenpeace-Aktivisten der ersten Stunde, gegr\u00fcndet. 1987 war das Waldsterben ein Kampagnenschwerpunkt bei Greenpeace. Unter dem Motto \u00abAlle reden vom Wald \u2013 wir gehen hin\u00bb wurde entschieden \u2013 aktiv und vor Ort \u2013in der Schweiz an diesem Thema zu arbeiten. Anf\u00e4nglich wurde das Bergwaldprojekt unter der \u00c4gide von Greenpeace durchgef\u00fchrt. Die Organisation unters\u00fctzte das Bergwaldrojekt anschliessend \u00fcber viele Jahre finanziell mit einem vereinbarten Beitrag und stellte ein bis zwei Stiftungsr\u00e4te aus dem Mitarbeiterstab von Greenpeace. Heute ist das Bergwaldprojekt unabh\u00e4ngig, etabliert, renommiert und arbeitet erfolgreich im Forstwesen und im Bereich Freiwilligenarbeit<\/em><\/p>\n<p><a title=\"bergwaldprojekt.ch\" href=\"http:\/\/www.bergwaldprojekt.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Website Bergwaldprojekt<\/a><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a title=\"Programm 2012\" href=\"http:\/\/bergwaldprojekt.ch\/de\/teilnehmen\/freiwilligenarbeit-bergwald.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Neues Programm 2012<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bergwaldprojekt wurde 1987, mitten in der Waldsterbe-Debatte, als Spin-off von Greenpeace gegr\u00fcndet und lange finanziell getragen. 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