{"id":15170,"date":"2011-02-13T00:00:00","date_gmt":"2011-02-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/15170\/von-der-schwierigkeit-aus-der-atomkraft-auszusteigen\/"},"modified":"2019-05-30T12:53:59","modified_gmt":"2019-05-30T10:53:59","slug":"von-der-schwierigkeit-aus-der-atomkraft-auszusteigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15170\/von-der-schwierigkeit-aus-der-atomkraft-auszusteigen\/","title":{"rendered":"Von der Schwierigkeit, aus der Atomkraft auszusteigen"},"content":{"rendered":"<p><b>Kaspar Schuler, Kampagnenleiter Klima &#038; Energie, aus Bern:Der Ausstieg aus der Atomkraft ist ein industriepolitisches Jahrhunderprojekt. Das sp\u00fcrt man auch hier in Bern.Der Ausstieg aus der Atomkraft beinhaltet einen industriepolitischen Paradigmawechsel. Das ist ein Langstreckenlauf der Iron-Man-Klasse, und kein Spaziergang.Die Atomindustrie ist global eine der m\u00e4chtigsten Industrien, nicht rein wirtschaftlich, da schwimmen ihr langsam aber stetig die Felle davon. Vielmehr aufgrund der engen Verkn\u00fcpfung mit dem milit\u00e4risch-industriellen Wirtschaftskomplex ist die Atomindustrie in vielen L\u00e4ndern eine Institution, jenseits allen marktwirtschaftlichen Wettbewerbs.Es ist beispielsweise kein Zufall, sind ausgerechnet im autokratisch regierten China die meisten neuen AKW geplant, 25 an der Zahl. Das macht sogar den hart gesottensten Atomindustriellen in Europa Kopfweh, allen \u00f6ffentlichen Beschw\u00f6rungen zum Trotz, die bereits den neuen Reaktor in Finnland (Olkiluoto 3) oder jenen in Frankreich (Flammanville) zur \u201eRenaissance\u201c empor stilisieren.Die Verkn\u00fcpfung mit der milit\u00e4rischen Atomkraftnutzung zeigen auch die zwei s\u00fcndhaft teuren und unrentablen westeurop\u00e4ischen Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) in La Hague (F) und Sellafield (UK). England und Frankreich sind milit\u00e4rische Atomm\u00e4chte und leisten sich die zivile Atomkraft als attZubrot. Die WAA liefern vorab das Plutonium f\u00fcr die Waffenproduktion, die Atombomben. Die Wiederaufarbeitung muss deshalb nicht nach privatwirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen betrieben sein. Und die Energieproduktion in AKW muss sich deshalb auch nicht 1:1 auf dem liberalisierten Strommarkt behaupten. Sie geh\u00f6rt zum staatlich-milit\u00e4rischen Selbstverst\u00e4ndnis von England und Frankreich. Punkt. Kein Wunder, betreiben die Franzosen \u00fcber 50 AKW. Kein Wunder, gibt es dort auch kaum Hochspannungsleitungen \u00fcber die Pyren\u00e4en nach Spanien. Denn aus Spanien kommt je l\u00e4nger je mehr Solarenergie auf den europ\u00e4ischen Markt. Dieser wiederum w\u00fcrde den Absatz des Atomstroms aus Frankreich konkurrenzieren.Hier in der Schweiz wurde die Verkn\u00fcpfung der Atomindustrie mit dem Milit\u00e4r in den sechziger Jahren beerdigt. Nach dem Beinahe-GAU des Versuchsreaktors Lucens im Kanton VD \u2013 der gl\u00fccklicherweise in einer Felskaverne geschah \u2013 legten auch die hartgesottensten Schweizer Milit\u00e4rk\u00f6pfe den Traum des \u201eAKW made in Switzerland\u201c unter das Kopfkissen.Doch die Atommacht Schweiz gibt es weiterhin, und sie treibt ihre ganz eigenen Bl\u00fcten.So sind im Berner JA-Komitee, das den Bau des neuen AKW M\u00fchleberg bef\u00fcrwortet, nicht nur die b\u00fcrgerlichen Parteien SVP, FDP, EDU, CVP und BDP, sondern auch der Arbeitgeber-Verband, der Hauseigent\u00fcmer-Verband und die Wirte (Gastro Bern).Beinahe absurd ist das, weil z.B. die Hauseigent\u00fcmer nichts als Nachteile aus den AKW\u00a0 erhalten: Die Immobilienpreise rund um die Schweizer AKW sinken ins Bodenlose, wie eine Studie der Uni Bern k\u00fcrzlich ergab. Und von den grossen Subventionen f\u00fcr die energetische Geb\u00e4udesanierung profitieren vor allem &#8230;.. die Hauseigent\u00fcmer. Je mehr Atomstrom im Netz ist umso kleiner werden jedoch die Bem\u00fchungen um Geb\u00e4ude-Effizienz.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p><strong><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin-left: 5px; margin-right: 5px;\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/8a26c8be-8a26c8be-17486_34087.jpg\" alt=\"\" width=\"200\">Kaspar Schuler, Kampagnenleiter Klima &amp; Energie, aus Bern:<\/strong><\/p>\n<p>Der Ausstieg aus der Atomkraft ist ein industriepolitisches Jahrhunderprojekt. Das sp\u00fcrt man auch hier in Bern.<\/p>\n<p>Der Ausstieg aus der Atomkraft beinhaltet einen industriepolitischen Paradigmawechsel. Das ist ein Langstreckenlauf der Iron-Man-Klasse, und kein Spaziergang.<\/p>\n<p>Die Atomindustrie ist global eine der m\u00e4chtigsten Industrien, nicht rein wirtschaftlich, da schwimmen ihr langsam aber stetig die Felle davon. Vielmehr aufgrund der engen Verkn\u00fcpfung mit dem milit\u00e4risch-industriellen Wirtschaftskomplex ist die Atomindustrie in vielen L\u00e4ndern eine Institution, jenseits allen marktwirtschaftlichen Wettbewerbs.<br \/>Es ist beispielsweise kein Zufall, sind ausgerechnet im autokratisch regierten China die meisten neuen AKW geplant, 25 an der Zahl. Das macht sogar den hart gesottensten Atomindustriellen in Europa Kopfweh, allen \u00f6ffentlichen Beschw\u00f6rungen zum Trotz, die bereits den neuen Reaktor in Finnland (Olkiluoto 3) oder jenen in Frankreich (Flammanville) zur \u201eRenaissance\u201c empor stilisieren.<\/p>\n<p>Die Verkn\u00fcpfung mit der milit\u00e4rischen Atomkraftnutzung zeigen auch die zwei s\u00fcndhaft teuren und unrentablen westeurop\u00e4ischen Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) in La Hague (F) und Sellafield (UK). England und Frankreich sind milit\u00e4rische Atomm\u00e4chte und leisten sich die zivile Atomkraft als attZubrot. Die WAA liefern vorab das Plutonium f\u00fcr die Waffenproduktion, die Atombomben. <\/p>\n<p>Die Wiederaufarbeitung muss deshalb nicht nach privatwirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen betrieben sein. Und die Energieproduktion in AKW muss sich deshalb auch nicht 1:1 auf dem liberalisierten Strommarkt behaupten. Sie geh\u00f6rt zum staatlich-milit\u00e4rischen Selbstverst\u00e4ndnis von England und Frankreich. Punkt. Kein Wunder, betreiben die Franzosen \u00fcber 50 AKW. Kein Wunder, gibt es dort auch kaum Hochspannungsleitungen \u00fcber die Pyren\u00e4en nach Spanien. Denn aus Spanien kommt je l\u00e4nger je mehr Solarenergie auf den europ\u00e4ischen Markt. Dieser wiederum w\u00fcrde den Absatz des Atomstroms aus Frankreich konkurrenzieren.<\/p>\n<p>Hier in der Schweiz wurde die Verkn\u00fcpfung der Atomindustrie mit dem Milit\u00e4r in den sechziger Jahren beerdigt. Nach dem Beinahe-GAU des Versuchsreaktors Lucens im Kanton VD \u2013 der gl\u00fccklicherweise in einer Felskaverne geschah \u2013 legten auch die hartgesottensten Schweizer Milit\u00e4rk\u00f6pfe den Traum des \u201eAKW made in Switzerland\u201c unter das Kopfkissen.<\/p>\n<p>Doch die Atommacht Schweiz gibt es weiterhin, und sie treibt ihre ganz eigenen Bl\u00fcten.<br \/>So sind im Berner JA-Komitee, das den Bau des neuen AKW M\u00fchleberg bef\u00fcrwortet, nicht nur die b\u00fcrgerlichen Parteien SVP, FDP, EDU, CVP und BDP, sondern auch der Arbeitgeber-Verband, der Hauseigent\u00fcmer-Verband und die Wirte (Gastro Bern).<br \/>Beinahe absurd ist das, weil z.B. die Hauseigent\u00fcmer nichts als Nachteile aus den AKW\u00a0 erhalten: Die Immobilienpreise rund um die Schweizer AKW sinken ins Bodenlose, wie eine Studie der Uni Bern k\u00fcrzlich ergab. Und von den grossen Subventionen f\u00fcr die energetische Geb\u00e4udesanierung profitieren vor allem &#8230;.. die Hauseigent\u00fcmer. Je mehr Atomstrom im Netz ist umso kleiner werden jedoch die Bem\u00fchungen um Geb\u00e4ude-Effizienz.<\/p>\n<p>Soll einer die Berner B\u00fcrgerlichen verstehen. Haben sie das Rechnen verlernt? Korrigiert sie die Bev\u00f6lkerung? Die n\u00e4chste Hochrechnung sollte demn\u00e4chst hier eintreffen&#8230;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaspar Schuler, Kampagnenleiter Klima &#038; Energie, aus Bern:Der Ausstieg aus der Atomkraft ist ein industriepolitisches Jahrhunderprojekt. 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