{"id":15276,"date":"2010-12-21T00:00:00","date_gmt":"2010-12-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/15276\/von-einem-der-die-fronten-wechselte\/"},"modified":"2019-05-30T12:57:04","modified_gmt":"2019-05-30T10:57:04","slug":"von-einem-der-die-fronten-wechselte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15276\/von-einem-der-die-fronten-wechselte\/","title":{"rendered":"Von einem der die Fronten wechselte"},"content":{"rendered":"<p><b>Einst Walf\u00e4nger, hat Cornelius Cransbergen die Seiten gewechselt und ist heute bei Greenpeace f\u00fcr die vom Aussterben bedrohten Riesen aktiv.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><em>Von Christian Hug\u00a0<!-- START DYNAMIC CONTENT --><\/p>\n<div class=\"events-box middle-box right\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/7d8ee3d8-7d8ee3d8-cornelius-gransbergen-10x15.jpg\" title=\"Cornelius Cransbergen\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" title=\"Cornelius Cransbergen\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/7d8ee3d8-7d8ee3d8-cornelius-gransbergen-10x15.jpg\" alt=\"Cornelius Cransbergen\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Cornelius Cransbergen<\/strong><\/p>\n<p>\n            Vom Walf\u00e4nger zum Aktivisten\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p> <!-- END DYNAMIC CONTENT --><\/em><\/p>\n<p>\u201eBis zu 16.000 Blauwal-Einheiten durften wir pro Jahr erlegen.\u201c erz\u00e4hlt Cornelius Cransbergen. Er rechnet, \u201eeine Blauwal-Einheit, das sind zwei Finnwale oder drei Buckelwale\u201c. Umgerechnet sind das 32.000 Finnwale oder 48.000 Buckelwale, die damals von der Wissenschaft zum Abschuss frei gegeben wurden. Damals war vor 50 Jahren und heute ist Cor, wie der ehemalige Walf\u00e4nger auch genannt wird, 78 Jahre alt. Von seiner gro\u00dfen Statur hat er auch im Alter nichts eingeb\u00fc\u00dft. Seine H\u00e4nde sind ruhig und kr\u00e4ftig, die Augen tief und dunkel. \u201eAber heute\u201c raunt er w\u00fctend, \u201eheute gibt es keinen Grund mehr Wale zu jagen. Es ist schlicht und einfach eine Schande f\u00fcr die ganze Menschheit, dass diese wunderbaren Tiere immer noch gejagt werden.\u201c\u00a0 Aber hat er denn nicht selbst die Wale gejagt, hat er nicht selbst die Taue gekn\u00fcpft mit denen die gro\u00dfen Tiere schlie\u00dflich an Bord gezogen wurden?<\/p>\n<p>Cornelius Cransbergens Geschichte beginnt in Ameland. Eine kleine Nordsee-Insel vor Westfriesland, ganz oben im Norden von Holland ist Cornelius Cransbergens Heimat. Gerade mal 27 Kilometer lang und knappe 4 Kilometer breit, ist der Tourismus heute ihre Haupteinnahmequelle. Fischfang allein hat sich hier noch nie rentiert. Vielleicht ist sie deshalb seit jeher die Insel der Walf\u00e4nger gewesen. Schon vor 400 Jahren zogen die ersten Amel\u00e4nder in die See, auf die Jagd nach den Walen. Viele verloren ihr Leben, manche wurden ber\u00fchmt wie Hidde Dirk Kat, aber alle verdienten sie viel Geld und ein hohes Ansehen bei den Insulanern, denn Walf\u00e4nger, das waren noch wilde M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Heute erinnern nur noch ein paar Gartenz\u00e4une aus verwitterten Walknochen, ein kleines Museum und eben Menschen wie Cornelius Cransbergen an die Zeit wo die Jagt auf die Wale noch Ruhm, Geld und Ehre einbrachte.<\/p>\n<p>Auch in Ameland hatte sich die Wirtschaft noch nicht von den Wirren des zweiten Weltkrieges erholt als der junge Cor wie meisten Amel\u00e4nder zur See ging. Als er im Herbst 1951 in Amsterdam zum ersten mal das Deck der Willem Barendsz, das Mutterschiffes der niederl\u00e4ndischen Walfangflotte betrat, war er gerade mal 23 Jahre alt.<\/p>\n<p>Ob er sich denn nie Gedanken um die Folgen gemacht habe, wird er heute oft gefragt. \u201eDoch, nat\u00fcrlich\u201c antwortet er ruhig und f\u00e4hrt fort \u201edie Wissenschaftler haben uns damals vorgerechnet, dass die Gesamtpopulation der Gro\u00dfwale j\u00e4hrlich um 20.000 Blauwaleinheiten ansteige. Das macht nach denen zum Abschuss freigegebenen 16.000 Einheiten immer noch ein Zuwachs von 4.000 Blauwal Einheiten\u201c f\u00e4hrt er fort. \u201eAu\u00dferdem\u201c so erz\u00e4hlt er \u201egab es ein Mindestma\u00df wie gro\u00df ein Wal sein musste, dass er \u00fcberhaupt geschossen werden durfte. Dazu hatte jedes Boot mehrere Wissenschaftler, eigens zur Vermessung der Wale. Wir stachen in See, im Glauben an die Wissenschaft und ihre Zahlen. Wir glaubten nie, die Best\u00e4nde der Wale ernsthaft zu dezimieren.\u201c<\/p>\n<p>Mit rund 15.000 Kilogramm Munition verlie\u00df die Willem Barendsz den Amsterdamer Hafen. Erstes Ziel Kapstadt. F\u00fcnf Wochen dauerte die Reise. F\u00fcnf Wochen Zeit um die mannsdicken Seile zu kn\u00fcpfen, an welchen man die erlegten Tiere ans Bord ziehen w\u00fcrde. F\u00fcnf Wochen Zeit, das gesamte Deck mit Holzbrettern auszulegen, um das Gewicht der toten Tier zu tragen und vor den Unmengen an Blut und Fett zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>In Kapstadt wird die Flotte schlie\u00dflich komplett: 18 kleine Dampfschiffe mit einer Besetzung zu je 15 Mann werden das Mutterschiff begleiten, knapp 1.100 Mann z\u00e4hlt die Crew nun. Tag und Nacht sind die Sp\u00e4her auf ihren Posten, immer auf der Suche nach den verr\u00e4terischen wei\u00dfen Font\u00e4nen der Riesen der Meere. Wurde sie gesichtet, hatte die Jagd begonnen. Den Wal im Visier, lotse der Sp\u00e4her das Schiff in die optimale Richtung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er Entfernung und Schusswinkel absch\u00e4tzte, war es dem Kapit\u00e4n allein vorbehalten, vom Bug aus den t\u00f6dlichen Schuss abzufeuern. Das Geschoss der Kanonenharpune schlug sich in den K\u00f6rper des Wals, wo es im Inneren des Tieres detonierte. \u201eEin guter Sch\u00fctze brauchte nur einen Schuss, um einen Wal zu erlegen\u201c sagt Cor \u201eAber ich habe Kapit\u00e4ne erlebt, die mussten f\u00fcnf Mal schie\u00dfen, bis der Wal tot war.\u201c<\/p>\n<p>Mit Seilen wurde das verendete Tier an die Planken gezogen, wo Schl\u00e4uche den Kadaver mit Luft vollpumpten, um zu verhindern, dass er sinkt. Sammelboote transportierten die Kadaver schlie\u00dflich zum Mutterschiff, die Willem Barendsz. Hier wurden die toten Wale auf das Deck gezogen und\u00a0 von den \u201eHakenboys\u201c zerschnitten; unter Ihnen Cor Cransbergen.<\/p>\n<p>Mit langen Messern schnitt er den Speck von Fleisch. \u201eDas Deck war vom\u00a0 Blut und Fett der Wale so rutschig dass wir uns N\u00e4gel in die Schuhe schlugen um nicht hinzufallen.\u201c Das Fett wurde in \u00d6fen zu Tran geschmolzen und in F\u00e4sser abgef\u00fcllt. Den entspeckten Wal zog man mit Seilwinden zum Fleischdeck wo ihm das Fleisch von den Knochen geschnitten wurde. Die Knochen wurden schlie\u00dflich zu Mehl zerstampft, die Schlachtabf\u00e4lle ins Meer geworfen. \u201eSo ging das 24 Stunden am Tag im Mehrschichtenbetrieb.\u201c Ein halbes Jahr sp\u00e4ter hatte die Flotte rund 1.626 Blau- , Finn-, Buckel- und Pottwale get\u00f6tet und verarbeitet und Cor konnte nach neun Monaten See wieder heim, nach Ameland.<\/p>\n<p>Dass die Theorie der Blauwal-Einheiten eine L\u00fcge der Wissenschaft war und nicht aufging wurde offensichtlich, als die Zahl der Tiere so weit zur\u00fcckging, dass sich die Jagd nicht mehr lohnte. Das war 1963, das Jahr in dem Cor ausstieg, ein Jahr sp\u00e4ter, stellten die Niederlanden den Walfang ein.<\/p>\n<p>\u201eHeute\u201c, sagt Cor, \u201ef\u00fchle ich mich nicht schuldig, dass die Wale vom Aussterben bedroht sind. Damals war alles anders. Aber ich habe eine Stinkwut auf L\u00e4nder wie Japan und Norwegen, die heute noch mit fadenscheinigen Begr\u00fcndungen Wale jagen.\u201c<\/p>\n<hr>\n<p>Christian Hug ist Redaktor des Magazins PolarNEWS<\/p>\n<p>Mit freundlicher Genehmigung zur Verf\u00fcgung gestellt von: <em><span style=\"text-decoration: underline;\">www.polar-news.ch<\/span><\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einst Walf\u00e4nger, hat Cornelius Cransbergen die Seiten gewechselt und ist heute bei Greenpeace f\u00fcr die vom Aussterben bedrohten Riesen aktiv. 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