{"id":15280,"date":"2010-12-15T00:00:00","date_gmt":"2010-12-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/15280\/schweizer-banken-auf-dem-holzweg\/"},"modified":"2022-03-31T18:27:51","modified_gmt":"2022-03-31T16:27:51","slug":"schweizer-banken-auf-dem-holzweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15280\/schweizer-banken-auf-dem-holzweg\/","title":{"rendered":"Schweizer Banken auf dem Holzweg"},"content":{"rendered":"<p><b>Papier- und Palm\u00f6lproduzenten verzeichnen in Indonesien seit einigen Jahren ein unglaubliches Wachstum \u2013 auf Kosten der Umwelt. M\u00f6glich wird die rapide Expansion der Plantagenfl\u00e4chen in Regenwald- und Torfmoorgebiete unter anderem durch ausl\u00e4ndische Finanzinstitute. Zu den Geldgebern der notorischen Urwaldvernichter geh\u00f6rt auch die Schweizer Grossbank UBS. Diese profitiert von Gesch\u00e4ftsverbindungen mit der Sinar Mas Gruppe, welcher die Holding-Gesellschaft Golden Agri Ressources (GAR) im Palm\u00f6lbereich sowie der Papier- und Zellstoffbereich Asia Pulp and Paper (APP) angeh\u00f6ren.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><!-- END DYNAMIC CONTENT --><\/p>\n<p>Wie Wunden klaffen riesige Monokulturen \u2013 Palm- und Akazienplantagen \u2013 in den immergr\u00fcnen W\u00e4ldern der indonesischen Inselgruppe. 74 Millionen Hektare Regenwald hat das Land in den letzten 50 Jahren geschlagen. Das entspricht fast 40 Prozent der Landesfl\u00e4che. Und trotzdem werden jedes Jahr weitere 2 Prozent des kostbaren Waldes vernichtet. Bei der Abholzung und Brandrodung der W\u00e4lder und Torfb\u00f6den entladen sich j\u00e4hrlich 1.8 Milliarden Tonnen Co<sub>2 <\/sub>in die Atmosph\u00e4re \u2013 4 % der weltweiten CO<sub>2 <\/sub>Emissionen.<\/p>\n<p>Der uners\u00e4ttlichen Papier- und Palm\u00f6lhunger unserer Industrienationen fordert nicht nur die Vernichtung eines wertvollen CO<sub>2<\/sub>-Speichers, sondern auch die unwiderrufliche Zerst\u00f6rung letzter Lebensr\u00e4ume zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten wie Sumatra-Tiger, Borneo-Nashorn und Orang-Utan. Allein der Bestand der Menschenaffen ist in den letzten 100 Jahren um 91 Prozent zur\u00fcckgegangen. Die Chancen auf eine Erholung der Populationen stehen sehr schlecht. Zudem wird den indigenen V\u00f6lkern der Region ihre Existenzgrundlage entzogen, und es kommt immer wieder zu Landesrechtskonflikten mit Plantagenbesitzern.<\/p>\n<h2><strong>Schweizer Finanzierungshilfen<\/strong><\/h2>\n<p>Sinar Mas, einer der Hauptverursacher dieses \u00f6kologischen Dramas, ist ein Gesch\u00e4ftspartner der Schweizer Grossbank UBS. Asia Pulp and Paper (APP), der Zellstoff- und Papierbereich von Sinar Mas, ist der viertgr\u00f6sste Papierproduzent weltweit. Unter seinem Dach sind die gr\u00f6\u00dften Zellstoff- und Papierfirmen Asiens zusammengefasst. 5,07 Millionen Tonnen Papier und Verpackung produziert die APP pro Jahr im asiatischen Raum; \u00a02,3 Millionen Tonnen allein in Indonesien. Greenpeace verlieh dem Konzern im Dezember dieses Jahres den Anti-Preis \u00ab<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15327\/app-gewinnt-den-golden-chainsaw-award\/\">International Golden Chainsaw Award<\/a>\u00bb .<\/p>\n<p>Als die APP in den 80er Jahren zu expandieren begann, standen ausl\u00e4ndischen Geldgeber Schlange, um sich in Form von Krediten oder Anteilen ein St\u00fcck vom Kuchen zu sichern. Dass der bis 1998 amtierende indonesische Diktator Suharto dem Sektor riesige Waldgebiete zur Abholzung und Umwandlung in Plantagen \u00fcberlassen hatte, machte das Gesch\u00e4ft nur umso lukrativer. Auflagen f\u00fcr eine Renaturierung gab es keine \u2013 daf\u00fcr aber Holz zum Nulltarif.<\/p>\n<p>Das Ganze entpuppte sich dennoch als ein Eigentor f\u00fcr die Financiers und APP, denn die Vernichtung wertvoller W\u00e4ldern zahlt sich wirtschaftlich nicht aus. Letztendlich steigen die Produktionskosten, etwa wenn das Holz aus immer weiter entfernten Landesteilen herangeschafft werden muss. Trotzdem verschleuderte die APP das Papier zu Spottpreisen auf dem Weltmarkt und steuerte so 2001 auf einen Bankrott zu. Aus dem indonesischen Wirtschaftswunderkind war ein Urwaldvernichter mit einem Schuldenberg von rund 13,4 Milliarden Dollar geworden. Das h\u00f6chst verschuldete Unternehmen Asiens, dank der vielen ausl\u00e4ndischen Kredite. Zu dieser Zeit, \u00fcbernahm die damalige Credit Suisse First Boston in der Folge das Beratungsmandat f\u00fcr die Refinanzierung des \u00fcberschuldeten Konzerns.<\/p>\n<h2><strong>Unbequeme Greenpeace-Reporte<\/strong><\/h2>\n<p>Obwohl offensichtlich ist, dass der wirtschaftliche und \u00f6kologische Unsinn des Gesch\u00e4ftsmodells der APP langfristig nur scheitern kann, fliessen die Kredite auch heute noch. Weder der immense Schuldenberg, noch die skrupellose Abholzung der W\u00e4lder scheint die Finanzinstitute abzuschrecken. Damit nicht genug: Aktuell versucht die APP auch in Europa und der Schweiz Fuss zu fassen. Das k\u00f6nnte ihr mithilfe der Schweizer Banken sogar gelingen.<\/p>\n<p>So ist einer ihrer Gl\u00e4ubiger die Schweizer UBS. Sie ist nicht nur Kreditgeber, sondern auch als \u00abBookrunner\u00bb f\u00fcr einen geplanten B\u00f6rsengang der APP-China Tochter \u00abGolden Paper\u00bb, t\u00e4tig. Auch im Palm\u00f6lbereich von Sinar Mas hat die UBS die Finger im Spiel. Indonesien gr\u00f6sste Palm\u00f6lproduzentin Golden Agri Ressources (GAR) ist die Holding-Gesellschaft aller Palm\u00f6lfirmen von Sinar Mas. Die GAR ist b\u00f6rsenkotiert und hat 51 Prozent ihres gesamten Aktienkapitals frei gegeben. Hier z\u00e4hlt die UBS zu den hundert gr\u00f6ssten Aktion\u00e4ren. Im Juli 2009 beschloss die GAR ihr B\u00f6rsenkapital auf rund 215 Millionen Dollar zu erh\u00f6hen. Einer der so genannten \u00abJoint Bookrunners\u00bb war die UBS \u2013 mit 71,7 Millionen Dollar Kapital.<\/p>\n<p>Seitdem Greenpeace mit Reports wie <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/Global\/international\/planet-2\/report\/2009\/10\/how-unilever-palm-oil-supplier.pdf\">\u00abBurning up Borneo<\/a>\u00bb, \u00abIllegal Forest Clearance and RSPO Greenwash\u00bb , \u00abHow Sinar Mas is expanding its empires of destruction\u00bb oder \u00a0\u00ab<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/3784\/how-sinar-mas-is-pulping-the-planet\/\">How Sinar Mas is pulping the planet<\/a>\u00bb Ausmass und Folgen der Regenwaldvernichtung ver\u00f6ffentlicht, \u00a0steigt der Druck auf Sinar Mas. Grosskonzerne wie Unilever, Nestl\u00e9 oder Burger King haben sich inzwischen von der Gruppe distanziert.<\/p>\n<h3><strong>Fadenscheinige \u00abNachhaltigkeit\u00bb<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.banktrack.org\/\">\u00abBankTrack\u00bb<\/a> ist eine Koalition von Nichtregierungsorganisationen, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, weltweit Finanzinstitute unter die Lupe zu nehmen. Im April 2010 ver\u00f6ffentlichte sie eine Zusammenstellung aus der hervorgeht, dass UBS und Credit Suisse in Sachen Richtlinien im Forstsektor mehr als schlecht abschneiden.<\/p>\n<p>Liest man die Verantwortlichkeits- und Nachhaltigkeitsrichtlinien der Banken, w\u00fcrde man sich gerne vom Gegenteil \u00fcberzeugen lassen. Bei genauerem Hinsehen muss man aber feststellen, dass es meist nichts anderes ist als ein grobmaschiges Netz mit vielen Schlupfl\u00f6chern. So l\u00e4sst die UBS unter \u00abNachhaltig bei UBS\u00bb verlauten:<\/p>\n<p><em>\u00abEinige Kunden von UBS sind in Sektoren t\u00e4tig, die im Hinblick auf Umwelt- und Sozialrisiken als besonders sensitiv gelten.[&#8230;] Diese Richtlinien decken derzeit folgende Sektoren ab: Chemie, Erd\u00f6l und Gas, Versorgung, Infrastruktur, Forstwirtschaft, Biotreibstoffe sowie Bergbau und Gewinnung von Metallen.[&#8230;] Wir sind der Ansicht, dass unsere Verpflichtung gegen\u00fcber unseren Kunden und der Gesellschaft von uns verlangt, wenn immer m\u00f6glich nach L\u00f6sungen zu suchen. Wir versuchen, mit unseren Kunden Verfahren zu erarbeiten, die umwelt- und sozialvertr\u00e4glicher sind. Davon kann der Kunde profitieren, da m\u00f6glicherweise das Reputations- und das finanzielle Risiko seines Gesch\u00e4fts sinkt. Ist eine solche Zusammenarbeit nicht m\u00f6glich oder scheitern diese Versuche, kann UBS die Transaktion ablehnen.\u00bb<\/em><\/p>\n<h2><strong>Gek\u00f6pfte Berge<\/strong><\/h2>\n<p>Transaktionen, welche die UBS abbrechen m\u00fcsste, gibt es genug: Die Liste der von der UBS finanzierten \u00f6kologischen Katastrophen geht weit \u00fcber die Vernichtung des indonesischen Regenwaldes hinaus. Zum Beispiel das in den USA durch die Firma \u00a0Massey Energy praktizierte \u00a0\u00abMountain Top Removal\u00bb. Beim MTR werden ganze Bergkappen abgesprengt um die drunter liegende Kohle zu erreichen. Entstehender Abraum wird in die T\u00e4ler gekippt, ganze Fl\u00fcsse zugedeckt und vergiftet. Zur\u00fcck bleibt eine giftige Anreicherung von Schlamm, Kohlestaub, Arsen und Quecksilber. Die UBS finanzierte \u00abMassey Energy\u00bb seit 2008 mit insgesamt 900 Millionen Dollar. Aussteigen will die Bank bislang nicht, sie k\u00f6nne sich aber vorstellen, nur noch Kunden zu unterst\u00fctzen, welche bereit sind, MTR \u00abgraduell zu reduzieren\u00bb, wie sie in einer Erkl\u00e4rung verlauten liess. Was eine graduelle Reduzierung aber genau heissen soll, bleibt unklar.<\/p>\n<h2><strong>Die Forderungen von Greenpeace<\/strong><\/h2>\n<p>Ein weiteres Projekt mit verheerenden \u00f6kologischen Folgen, an dem beide Schweizer Grossbanken, UBS und Credit Suisse mitverdienen, ist <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/News-Archiv\/climate-change\/ubs-und-cs-investieren-in-verheerenden-oelsandabbau\/\">der \u00d6lsandabbau in Kanada<\/a>. Kritiken dazu wiesen beide Unternehmen als unberechtigt zur\u00fcck: Die UBS schiebt die Verantwortung auf den Kunden, denn schliesslich k\u00f6nne die Bank nicht beeinflussen, worin dieser investiert. Die Credit Suisse hingegen ist der Meinung, ihr ausreichendes Nachhaltigkeitskonzept gebe keinen Anlass zur Sorge und ihr Anteil am so genannten Tarsand sei unbedeutend klein.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung von Bern (EvB) fordert schon seit Jahren strengere Richtlinien f\u00fcr Gesch\u00e4fte mit \u00f6kologischen und sozialen Risiken, welche auch unbedingt \u00f6ffentlich publiziert werden m\u00fcssen. Greenpeace schliesst sich diesen Forderungen an und fordert von der UBS und allen weiteren in Palm\u00f6l, Papier- und Zellstoffsektor investierenden Finanzinstitute:<\/p>\n<ul>\n<li>Es m\u00fcssen strikte Richtlinien zu Gesch\u00e4ften im Papier\/Zellstoff- und Palm\u00f6lsektor erarbeitet und\u00a0 umgesetzt werden.<\/li>\n<li>Diese Richtlinien sollen f\u00fcr s\u00e4mtliche Gesch\u00e4ftsbereiche der Bank gelten und \u00f6ffentlich einsehbar sein<\/li>\n<li>Der Schutz von sogenannten \u00abHigh Conservation Value Forests\u00bb, \u00abHigh Carbon Value Forests\u00bb und \u00abPeatlands\u00bb (Torfgebieten) muss gew\u00e4hrleistet sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Finanzinstitute wie die UBS m\u00fcssen von ihren Gesch\u00e4ftspartnern zwingend ein nachhaltiges Gesch\u00e4ftsmodell einfordern. Falls jene dieser Forderung nicht nachkommen und wie im Beispiel der Sinar Mas Gruppe mit der Vernichtung von Regenwald und Torfmoorgebieten fortfahren, m\u00fcssen die gesch\u00e4ftlichen Beziehungen beendet werden.<\/p>\n<h2>Mehr zum Thema<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/archived_post\/archiv-urwald-in-indonesien-die-rolle-der-ubs-in-indonesiens-wald-und-torfmoorzerstoerung\/\">Die Rolle der UBS in Indonesiens Wald- und Torfmoorzerst\u00f6rung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/3582\/die-rolle-der-ubs-bei-der-finanzierung-der-sinar-mas-gruppe-und-der-abholzung-indonesischer-regenwa%CC%88lder\/\">Report \u00abDie Rolle der UBS bei der Finanzierung der Sinar-Mas-Gruppe und der Abholzung indonesischer Regenwa\u0308lder\u00bb<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweizer Banken investieren in Papier- und Palm\u00f6lproduzenten in Indonesien \u2013 auf Kosten der Umwelt.<\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":15282,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-15280","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15280","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15280"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15280\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15280"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=15280"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=15280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}