{"id":15284,"date":"2010-12-21T00:00:00","date_gmt":"2010-12-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/15284\/in-einem-liter-mineralwasser-stecken-bis-zu-drei-deziliter-oel\/"},"modified":"2019-07-04T10:58:16","modified_gmt":"2019-07-04T08:58:16","slug":"in-einem-liter-mineralwasser-stecken-bis-zu-drei-deziliter-oel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15284\/in-einem-liter-mineralwasser-stecken-bis-zu-drei-deziliter-oel\/","title":{"rendered":"In einem Liter Mineralwasser stecken bis zu drei Deziliter \u00d6l"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Wer einen Liter Mineralwasser aus dem Ausland trinkt, verbrennt damit auch bis zu drei Deziliter \u00d6l. Denn Abf\u00fcllung, Verpackung und vor allem Transport von Flaschenwasser brauchen bis zu 1000 Mal mehr Energie als die Verteilung der gleichen Menge Leitungswasser.<\/b><\/p>\n\n<p>Das Alpenland Schweiz ist mit seinen zahlreichen Wasserquellen privilegiert, Trinkwasser aus dem Hahn ist hier von hervorragender Qualit\u00e4t, Leitungswasser unterliegt denselben Qualit\u00e4ts-Vorschriften wie Flaschenwasser. Trotzdem werden in der Schweiz j\u00e4hrlich 900 Millionen Liter Mineralwasser verkauft, fast ein Drittel davon wird aus dem Ausland importiert.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Der Import von ausl\u00e4ndischem Mineralwasser ist in den letzten 15 Jahren um 300 Prozent gestiegen, w\u00e4hrend die inl\u00e4ndischen Wasser Marktanteile verloren haben. Dabei kostet ausl\u00e4ndisches Mineralwasser nicht nur bis zu 1000 Mal mehr als heimisches Leitungswasser, es verursacht auch pro Liter einen bis zu 1000 mal so grossen CO2-Ausstoss. Zu diesem Schluss kommen verschiedene aktuelle Studien.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<lite-youtube style=\"background-image: url('https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/Se12y9hSOM0\/hqdefault.jpg');\" videoid=\"Se12y9hSOM0\" params=\"rel=0&#038;enablejsapi=1&#038;origin=https%3A%2F%2Fwww.greenpeace.ch&#038;cc_load_policy=1\"><\/lite-youtube>\n<\/div><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie graue Energie im Leitungswasser berechnet wird<\/h2>\n\n<p>Die Energie, die ben\u00f6tigt wird, bis ein Flaschen- oder Leitungswasser auf dem Mittagstisch steht, nennt man graue Energie. Zu ihrer Berechnung werden m\u00f6glichst alle Arbeitsschritte im ganzen Produktions- und Entsorgungszyklus eingerechnet. Bei Leitungswasser sieht das so aus: Quell-, Grund- oder Seewasser wird in einer Anlage aufbereitet, \u00fcber ein Verteilsystem grobmaschig in die St\u00e4dte geleitet und von da in die einzelnen Haushalte weiterverteilt. Dabei wird vor allem Strom verbraucht. Dieser Stromverbrauch ist schweizweit detailliert erfasst, es l\u00e4sst sich also sehr genau sagen, wie viel Strom ein Liter Leitungswasser auf dem Weg zum Haushalt verbraucht.<\/p>\n\n<p>Der verbrauchte Strom l\u00e4sst sich aufgrund des abonnierten Strommixes der Wasserwerke in sogenannte verbrauchte Prim\u00e4renergie weiter aufschl\u00fcsseln. Es kann also genau bestimmt werden, wie viel nicht erneuerbare Energietr\u00e4ger wie Uran, Gas oder \u00d6l verbraucht werden. Schliesslich rechnet man die gesamte verbrauchte Energie in den Brennwert von \u00d6l um, damit der Wert mit dem Transport von Flaschenwasser verglichen werden kann. In der Schweiz wird f\u00fcr einen Liter kaltes Leitungswasser im Schnitt 0,3 Milliliter \u00d6l verbraucht.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1 Liter Mineralwasser verbraucht bis zu drei Deziliter \u00d6l<\/h2>\n\n<p>Etwas anders pr\u00e4sentiert sich der Weg und somit die \u00d6kobilanz beim Mineralwasser. Der Energieverbrauch f\u00e4llt hier einerseits beim Transport des Wassers zur Abf\u00fcllstation an. Die Produktion und die Verteilung von Flaschen zum Detailhandel muss genauso ber\u00fccksichtigt werden wie die K\u00fchlung w\u00e4hrend des ganzen Prozesses oder der individuelle Transport vom Gesch\u00e4ft nach Hause, der immer noch oft mit dem Auto erfolgt. Der Transport und die K\u00fchlung verschlechtert die \u00d6kobilanz von importiertem Flaschenwasser am st\u00e4rksten: Ein Liter Flaschenwasser aus England verbraucht im Schnitt rund 3 Deziliter \u00d6l bis es in der Schweiz auf dem Tisch steht \u2013 also 1000 mal mehr als Leitungswasser.<\/p>\n\n<p>Schliesslich bleibt bei Flaschenwasser Abfall zur\u00fcck \u2013 n\u00e4mlich die Flasche selbst. Auch wenn in der Schweiz ein Grossteil der Glas- und PET-Flaschen wiederverwertet werden, so frisst auch dieser Prozess Energie, die beim Leistungswasser nicht anf\u00e4llt. Bei inl\u00e4ndischem Mineralwasser f\u00e4llt die Produktion, die Entsorgung und das Recycling der Flaschen in der \u00d6kobilanz am st\u00e4rksten ins Gewicht. Im Schnitt verbraucht ein Liter Schweizer Flaschenwasser im Vergleich zu Leitungswasser immer noch die 500-fache Menge \u00d6l \u2013also 1,5 Deziliter.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie die CVP Flaschenwasser verbieten wollte und jetzt f\u00f6rdert<\/h2>\n\n<p>Die katastrophale \u00d6kobilanz von Flaschenwasser hat auch in der politischen Mitte f\u00fcr Emp\u00f6rung gesorgt. Deshalb wollte der Waadtl\u00e4nder CVP-Nationalrat Jacques Neirynck Flaschenwasser in der Schweiz verbieten lassen. Der Nationalrat hat seine parlamentarische Initiative aber bachab geschickt. Dazu beigetragen haben d\u00fcrfte wohl vor allem CVP-Pr\u00e4sident Christophe Darbellay. Darbellay ist Pr\u00e4sident der IG Mineralwasser. Diese vertritt die Interessen der grossen Wasserkonzerne wie Nestl\u00e9 oder Coca Cola und hat auch die Unterst\u00fctzung von Gastroverb\u00e4nden und Getr\u00e4nkeh\u00e4ndlern, die um ihren Umsatz f\u00fcrchten.<\/p>\n\n<p>Wer m\u00f6glichst umweltfreundlich trinken will, der trinkt Leitungswasser. Wer den Sprudel vermisst, f\u00e4hrt mit einem Sprudelger\u00e4t immer noch \u00f6kologischer als mit Flaschenwasser: 0,5 Deziliter \u00d6l versteckt sich als graue Energie in jedem selbst mit Sprudel versetztem Wasser. Bleibt die Frage, wie man sich im Restaurant verh\u00e4lt. Der Greenpeace-Knigge r\u00e4t: Nach Leitungswasser fragen und wenn gew\u00fcnscht, halt auch mal daf\u00fcr bezahlen. Die Umwelt dankt. Und den Restaurantbesitzer stimmts hoffentlich nachdenklich.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Graue Energie in Erneuerbaren<\/h2>\n\n<p>Graue Energie spielt auch beim Einsatz von erneuerbaren Energien eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle. So ben\u00f6tigt die Herstellung und das Recycling von Solarstrom-Anlagen beispielsweise auch Energie, die von der Leistung \u00fcber den ganzen Lebenszyklus hinweg abgezogen werden muss, um die wahre Leistung der Anlagen zu berechnen. Je mehr jedoch erneuerbare Energie zur Herstellung solcher Anlagen eingesetzt wird, umso besser die \u00d6kobilanz, die also nur noch besser werden kann. Oft h\u00f6rt man das Argument, Solarstrom-Anlagen w\u00fcrden mehr Energie verbrauchen als sie produzieren. Das ist Humbug. Die neusten Anlagen ben\u00f6tigen f\u00fcr die Erzeugung ihrer eigenen grauen Energie gerade mal zwei Jahre \u2013 sind aber 30 Jahre im Betrieb. Der Erntefaktor \u2013 das ist die Zahl, die beschreibt wie viel mehr Energie gewonnen wird, als f\u00fcr die Herstellung verbraucht wurde \u2013 liegt je nach Typ Solarzelle zwischen 6 und 15.<\/p>\n\n<p>Mehr Informationen zu Solarenergie:<\/p>\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.jugendsolarprojekt.ch\">http:\/\/www.jugendsolarprojekt.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer einen Liter Mineralwasser aus dem Ausland trinkt, verbrennt damit auch bis zu drei Deziliter \u00d6l. 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