{"id":15464,"date":"2010-10-12T00:00:00","date_gmt":"2010-10-11T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/15464\/was-hat-die-schweiz-mit-eu-muell-zu-tun\/"},"modified":"2019-05-30T13:02:06","modified_gmt":"2019-05-30T11:02:06","slug":"was-hat-die-schweiz-mit-eu-muell-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15464\/was-hat-die-schweiz-mit-eu-muell-zu-tun\/","title":{"rendered":"Was hat die Schweiz mit EU-M\u00fcll zu tun?"},"content":{"rendered":"<p><b><\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>\n<object width=\"610\" height=\"360\" data=\"http:\/\/www.greens-efa-service.eu\/medialib\/flash\/gesmp2.swf\" type=\"application\/x-shockwave-flash\"><param name=\"allowScriptAcess\" value=\"sameDomain\"><param name=\"allowFullscreen\" value=\"true\"><param name=\"bgcolor\" value=\"#000000\"><param name=\"FlashVars\" value=\"mediaXML=http:\/\/greens-efa-service.org\/medialib\/mp2\/pub\/de\/flvmc2xml\/1747\"><param name=\"src\" value=\"http:\/\/www.greens-efa-service.eu\/medialib\/flash\/gesmp2.swf\"><\/object>\n<\/p>\n<p><strong>Die fast drei Tage in Br\u00fcssel waren intensiv. Hektisch, aufregend, wenig Schlaf. <br \/>Notfallm\u00e4ssig war ich in einem nicht existierenden Nachtzug nach Br\u00fcssel gefahren, um zwei F\u00e4sser mit Atomm\u00fcll vor das EU-Parlament zu rollen. Wo die Greenpeace-Kolleginnen den M\u00fcll gefunden haben? <\/strong><\/p>\n<p>Am Meeresgrund vor der franz\u00f6sischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague, am Strand von Sellafield, am Ufer des belgischen Flusses \u201eMolse Nete\u201c und auf den Strassen der nigrischen Stadt Akokan. Der radioaktive Schlamm und Sand liegt dort einfach so herum. Unsere Strahlenexperten haben aber so hohe Werte gemessen, dass die Fracht eigentlich als schwach radioaktiver M\u00fcll zu behandeln w\u00e4re. Die Kollegen haben ihn einbetoniert und so verpackt, wie es mit radioaktivem M\u00fcll eigentlich geschehen m\u00fcsste. Geschieht aber nicht. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der schwach radioaktive M\u00fcll in der freien Natur herumliegt oder in den Orten um die nigrische\u00a0 Uranmine von Areva zu Kochgeschirr verarbeitet wird, lagert innerhalb der streng gesicherten Wiederaufarbeitungsanlagen von La Hague oder Sellafield radioaktiver M\u00fcll, der noch hunderttausend Jahre strahlen wird. Atomstaaten wie Frankreich oder Deutschland haben ein riesiges Interesse daran, dass auch dieser M\u00fcll nur zum Teil als M\u00fcll kategorisiert wird. Um das zu erreichen, feilt die EU-Kommission unter intensiver Mitwirkung der Atomlobby an einer Direktive, die die Mitgliedsstaaten dann in nationale Gesetze umwandeln m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Wer jetzt meint, die Schweiz habe mit dem EU-Parlament, der EU-Kommission und mit englischem, nigrischem oder franz\u00f6sischem Atomm\u00fcll nichts zu tun, der irrt sich. Denn auch die Schweizer Kernkraftwerksbetreiber brachten jahrelang abgebrannte Brennelemente zur sogenannten Wiederaufarbeitung nach La Hague und Sellafield. \u00dcberhaupt sind die Schweizer Atomkraftwerke ohne den internationalen Handel mit Uran, Reaktor-Brennst\u00e4ben und Atomtechnologie nicht funktionsf\u00e4hig. <\/p>\n<p>Und genau darum bin ich vor das EU-Parlament gefahren. Die Euro-Parlamentarier sind die einzigen, die noch verhindern k\u00f6nnen, dass sich die Atomlobby ihre Gesetze so schreiben kann, wie sie sie gerne h\u00e4tte. Erreichen will sie mit der Atomm\u00fcll-Direktive vor allem, dass die Menschen in Europa das Gef\u00fchl haben, die \u201eEntsorgung\u201c des radioaktiven M\u00fclls sei m\u00f6glich und die Industrie habe das Problem im Griff. Wie gut sie es im Griff haben, zeigte sich letzten Sommer, als auch in Schweizer Medien zu lesen war, wie die kalabresische N\u2019drangheta Atom- und anderen Giftm\u00fcll im Meer versenkt. <\/p>\n<p>Auf ausrangierte Frachtschiffe gepackt, raus aufs offene Meer, Sprengstoff, weg mit kleinen Schiffen, Fernz\u00fcndung, bumm. Der ausgediente Frachter explodiert und sinkt mit seiner giftigen Ladung auf den Grund des Meeres. Der EU-Parlamentarier Rosario Crocetta aus Sizilien hat den Greenpeace-Aktivistinnen \u00f6ffentlich zur Aktion vor dem Parlament gratuliert. Der Mafia-Experte weiss ein Lied davon zu singen, wo und wie die organisierte italienische Kriminalit\u00e4t Giftm\u00fcll verschwinden l\u00e4sst: \u201enel mare, nel deserto o negli stati poveri dell\u2019Africa\u201c. <\/p>\n<p>Eine andere Art und Weise, sich des radioaktiven M\u00fclls zu entledigen, besteht darin, ihn erst gar nicht als M\u00fcll zu deklarieren. So wird aus den westeurop\u00e4ischen Anreicherungs- und Wiederaufarbeitungsanlagen abgereicherter oder minderwertiger Uranabfall nach Russland verschifft, wo er\u00a0 in den Atomanlagen als potentieller Wertstoff unter freiem Himmel in Beh\u00e4ltern herumliegt.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind axpo, Alpiq und BKW extrem zur\u00fcckhaltend, wenn es darum geht, die Herkunft ihres atomaren Brennstoffs zu offenbaren. Der Kauf, Verkauf und Handel mit radioaktivem Material geniesst auch in der Schweiz den Schutz des Gesch\u00e4ftsgeheimnisses. <\/p>\n<p>Dass der Schlamm vom Meeresgrund vor La Hague oder der Sand aus Sellafield auch schweizerisch strahlt ist jedoch klar, schliesslich brachten die Schweizer AKW-Betreiber bist vor einigen Jahren ihre abgebrannten Brennst\u00e4be dorthin zur Wiederaufbereitung. Bis 2016 ist der Export hochradioaktiver Abf\u00e4lle zur Wiederaufarbeitung durch ein Moratorium unterbunden, doch ewig kann der Stoff in der Schweiz ja nicht bleiben.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die fast drei Tage in Br\u00fcssel waren intensiv. Hektisch, aufregend, wenig Schlaf. 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