{"id":15684,"date":"2010-08-10T00:00:00","date_gmt":"2010-08-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/15684\/bittere-erkenntnis\/"},"modified":"2019-05-30T13:08:28","modified_gmt":"2019-05-30T11:08:28","slug":"bittere-erkenntnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15684\/bittere-erkenntnis\/","title":{"rendered":"Bittere Erkenntnis"},"content":{"rendered":"<p><b>Seit zwanzig Jahren wird in S\u00fcdbrasilien Bio-Soja angebaut. Jetzt bedrohen aber Spuren des Pestizids Endosulfan die Existenz von mehreren hundert Bio-Bauern. Endosulfan ist weltweit ge\u00e4chtet als eines der schlimmsten Pestizide, das noch auf dem Markt ist. Dennoch wird der Verkauf forciert.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><!-- START DYNAMIC CONTENT --><\/p>\n<div class=\"events-box middle-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"\/switzerland\/Global\/switzerland\/photos\/greenpeace\/2010\/Magazin_08_10\/4.1-Landschaft%20am%20Iguazu.JPG\" title=\"Biofeld am Rio Igua\u00e7u, Capanema; Hafid Derbal\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" title=\"Biofeld am Rio Igua\u00e7u, Capanema; Hafid Derbal\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/c546ed40-c546ed40-4.1-landschaft-am-iguazu.jpg\" alt=\"Biofeld am Rio Igua\u00e7u, Capanema; Hafid Derbal\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong>Biofeld am Rio Igua\u00e7u, Capanema; Hafid Derbal<\/strong><\/p>\n<p>\n            Biofeld am Rio Igua\u00e7u, Capanema;\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p> <!-- END DYNAMIC CONTENT --><\/p>\n<p>In der Region um Capanema, S\u00fcdbrasilien, betreiben \u00fcber 300 Bauern aus \u00dcberzeugung biologische Landwirtschaft. Die ersten von ihnen begannen bereits in den 1980er Jahren auf Pestizide zu verzichten, nachdem sie beobachtet hatten, wie Menschen in der Umgebung an Vergiftungen erkrankten und die Umwelt sich negativ ver\u00e4nderte. Nun ist ihre m\u00fchsam aufgebaute Existenz als Bio-Bauern jedoch bedroht: In der gesamten Bio-Sojaernte werden Spuren des Pestizids Endosulfan gemessen \u2013 ohne dass die Kleinbauern die hochgiftige Substanz angewendet haben. Wie ist das m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Endosulfan ist ein vom Chemiekonzern Bayer hergestelltes und vertriebenes Insektizid, das in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt wird. Es zeichnet sich einerseits durch seine Fl\u00fcchtigkeit aus, anderseits durch seine Persistenz. Ein fl\u00fcchtiger Stoff verdunstet schnell und bereits bei tiefen Temperaturen. Von Endosulfan, das auf einem Feld verteilt wird, verdunsten gem\u00e4ss einer Studie innerhalb von zwei Tagen bis zu 70 Prozent. Damit verbreitet sich die Substanz, etwa durch Wind oder Regen, rasch in viele Richtungen \u2013 auch auf Felder von Biobauern.<\/p>\n<p>Das Gift wird nur langsam abgebaut. Pflanzen und Tiere reichern sie in ihrem Fett an, Sojabohnen mit ihrem hohen \u00d6lgehalt besonders stark. Die Chemikalie greift Nervensystem, Blutkreislauf und Nieren an. J\u00e4hrlich werden durch den direkten Kontakt mit Endosulfan hunderte Menschen vergiftet, 99 Prozent der Unf\u00e4lle betreffen Landarbeiter und Landarbeiterinnen in der Dritten Welt. Da diese in der Regel weder \u00fcber die n\u00f6tige Schutzkleidung verf\u00fcgen, noch die Warnhinweise auf dem Produkt verstehen, enden viele dieser Vergiftungsf\u00e4lle t\u00f6dlich.<\/p>\n<p>In der diesj\u00e4hrigen Ernte wurden besonders hohe Endosulfan-Werte festgestellt. Dies ist auf mehrere Ursachen zur\u00fcckzuf\u00fchren: Einerseits war die Verdunstung wegen hohen Temperaturen besonders hoch und der starke Regen sorgte f\u00fcr eine intensive Verbreitung. Anderseits wurde in der konventionellen Landwirtschaft viel mehr Endosulfan eingesetzt als in vergangenen Jahren. Das ist eine paradoxe Folge davon, dass immer mehr L\u00e4nder \u2013 mittlerweile sind es \u00fcber 60 \u2013 Endosulfan verbieten, weshalb der Verkauf dort forciert wird, wo es noch erlaubt ist. Rosany Bochner, Toxikologin am brasilianischen Institut Fiocruz, stellt fest: \u00abBrasilien wird zur Chemiem\u00fcll-Deponie. Alle problematischen Pestizide, welche andernorts nicht mehr verkauft werden k\u00f6nnen, werden hierher gebracht.\u00bb<\/p>\n<p>Als Folge davon wollen die Abnehmer in Europa von der Bio-Soja aus Capanema nichts mehr wissen, obwohl die gemessene Belastung bisher erst einen Zehntel des gesetzlichen Grenzwerts betr\u00e4gt. So k\u00f6nnen die Biobauern von Capanema die Ernte 2010 nun nicht als Bio-Lebensmittel vermarkten und auch der Verkauf als Futtermittel ist unsicher. Ihr Verlust bel\u00e4uft sich auf rund 750&#8217;000 Reals (knapp 450&#8217;000 Franken). \u00abWenn uns niemand hilft und wenn Endosulfan nicht verboten wird, haben wir keine Zukunft\u00bb, sagt Bio-Bauer Vili Hoffmann.<\/p>\n<p>Noch geben die Bio-Bauern von Capanema aber nicht auf. In den letzten zehn Jahren haben sie sich erfolgreich gegen die Vorherrschaft von gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen GVO gewehrt. Sie haben GVO-freies Saatgut vermehrt und ihre Produkte GVO-frei halten k\u00f6nnen. Dies ist ein immenser Aufwand f\u00fcr Kleinbauern, die von GVO-Feldern umgeben sind und sich gegen die gewaltigen Werbemaschinerie der Gentechmultis behaupten m\u00fcssen. Mit einem Schreiben an die Beh\u00f6rden haben sie nun ein sofortiges Verbot von Endosulfan gefordert. Ende August wollen sie eine weitere Petition an ihre Regierung starten.<\/p>\n<p>Die gebana, die seit zehn Jahren mit den Bio-Bauern von Capanema zusammenarbeitet, unterst\u00fctzt sie dabei. Es gibt nicht viel nachhaltig produzierte Soja auf der Welt und es darf nicht sein, dass diese durch Profitgier und Nachl\u00e4ssigkeit zerst\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Auf chega.org (chega: portugiesisch f\u00fcr \u00abes reicht\u00bb) k\u00f6nnen Sie den Protest der Bio-Bauern aus Capanema unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><em><strong>Autorin Sandra D\u00fctschler<\/strong>, gebana<\/em><\/p>\n<p><em>Die gebana ist Pionierin des Fairtrade. Sie unterst\u00fctzt Kleinbauernfamilien im S\u00fcden bei der Entwicklung von nachhaltigen und marktf\u00e4higen Produkten und verkauft diese. Gebana ist die Br\u00fccke von Bauern zum Kunden.<\/em><\/p>\n<p><!-- START DYNAMIC CONTENT --><\/p>\n<div class=\"listings items\">\n<h3 title=\"Links zum Thema\">Links zum Thema<\/h3>\n<div class=\"\">\n<ul>\n<li class=\"ccsnlink\">\n    <a title=\"Gebana Website\" href=\"http:\/\/www.gebana.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gebana Website<\/a><br \/>\n    <span class=\"contenttype\">Link<\/span>\n<\/li>\n<li class=\"ccsnlink\">\n    <a title=\"Chega Website\" href=\"http:\/\/www.chega.org\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">Chega Website<\/a><br \/>\n    <span class=\"contenttype\">Link<\/span>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div>\n            <a class=\"more-items\" href=\"\/switzerland\/Themen\/Landwirtschaft\/\" title=\"Rubrik Landwirtschaft\">Rubrik Landwirtschaft<\/a>\n        <\/div>\n<\/div>\n<p> <!-- END DYNAMIC CONTENT -->\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit zwanzig Jahren wird in S\u00fcdbrasilien Bio-Soja angebaut. 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