{"id":15692,"date":"2010-08-10T00:00:00","date_gmt":"2010-08-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/15692\/soja-anbau\/"},"modified":"2019-07-08T09:19:30","modified_gmt":"2019-07-08T07:19:30","slug":"soja-anbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/15692\/soja-anbau\/","title":{"rendered":"Soja-Anbau"},"content":{"rendered":"\n<p><b>Der Sojaanbau in Brasilien bedroht nicht nur die Umwelt. Auch die indigenen V\u00f6lker im  Amazonasgebiet  wie  die Guarani-Kaiow\u00e1 leiden: Sie werden ins Elend getrieben oder sogar umgebracht, ihre Kinder verhungern.<\/b><\/p>\n\n<p>Mehr als ein F\u00fcnftel des urspr\u00fcnglichen Amazonas-Regenwaldes wurde bereits abgebrannt oder gef\u00e4llt, und der Urwaldkiller Nummer eins heisst Soja: Soja-Anbau in Brasilien.<\/p>\n\n<p>Brasilien ist ein reiches Land. Reich an Tradi tionen, Biodiversit\u00e4t, Rohstoffen und Land. Doch dieser Reichtum wird f\u00fcr den Amazonas und seine Bewohner zu einer immer gr\u00f6sseren Bedrohung. Mehr als ein F\u00fcnftel des urspr\u00fcnglichen Amazonas-Regenwaldes wurde bereits abgebrannt oder gef\u00e4llt.<\/p>\n\n<p>Der Urwaldkiller Nummer eins heisst Soja. Grund daf\u00fcr ist die weltweit stetig steigende Nachfrage nach Fleisch. Seit 2001 die F\u00fctterung der Nutztiere mit Tiermehl wegen des Rinderwahnsinns verboten wurde, stieg der Bedarf nach Soja als Alternative rasant. Das wiederum f\u00fchrte dazu, dass der Sojaanbau immer st\u00e4rker in Regenwaldgebiete verlagert wird. 2006 stammten bereits 40 Prozent der brasilianischen Soja aus dem Amazonas, und die Zukunft sieht d\u00fcster aus: Die Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO prognostiziert aufgrund des weltweit wachsenden Fleischkonsums eine Steigerung der Sojaproduktion von heute 210 Millionen Tonnen auf 300 Millionen Tonnen in den n\u00e4chsten zehn Jahren.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/8e83f848-8e83f848-mag_soja_2.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>\u00a9 <strong>Greenpeace\/Beltr\u00e0<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Sojaplantagen dringen immer tiefer<br>in den Lebensraum der Indigenen ein:<br>Enawene-Nawe-Indianer im brasilianischen<br>Bundesstaat Mato Grosso.<\/p>\n\n<p>Brasilianische Soja wird haupts\u00e4chlich als Futtermittel nach Europa und China exportiert. Allein die kleine Schweiz importiert heute 700 Tonnen Soja pro Tag, Tendenz steigend. In den 90er-Jahren hat sich der Import von Soja als Kraftfutter f\u00fcr H\u00fchner, Schweine und zunehmend auch f\u00fcr K\u00fche verdoppelt.<\/p>\n\n<p>Die so gef\u00fctterten Tiere landen schliesslich als Schweizer Produkt auf der Verkaufstheke. So nehmen wir nicht wahr, dass unser Fleischkonsum negative Auswirkungen auf S\u00fcdamerika hat: Monokulturen in fr\u00fcheren Naturlandschaften, hoher Pestizid- und D\u00fcngereinsatz mit vergifteten Flusssystemen, Bodenerosion, Verdr\u00e4n- gung der Landbev\u00f6lkerung in St\u00e4dte oder tiefer in den Regenwald hinein und Landkonflikte. Die Profite aus diesem Kuhhandel gehen prim\u00e4r an eine Handvoll Grossunternehmen, einige davon haben ihren Sitz in der Schweiz.<\/p>\n\n<p>Zwar gibt es \u2013 vor allem seitens Nichtregierungsorganisationen \u2013 konkrete Anstrengungen, die negativen Effekte des Sojaanbaus einzud\u00e4mmen. So hat auch Greenpeace massgeblich dazu beigetragen, 2006 ein Soja-Moratorium zu errichten. Dieses soll verhindern, dass weiterhin Soja aus abgeholzten Gebieten verkauft wird.<\/p>\n\n<p>Zwar hat das Moratorium dem Amazonas eine Verschnaufpause geg\u00f6nnt. Andererseits muss dieses Moratorium stetig verl\u00e4ngert werden, was durch den zunehmenden Nachfragedruck auf dem Weltmarkt immer schwieriger wird. Zugleich zeigt sich, dass auch durch ein Moratorium gravierende Probleme bestehen bleiben, unter denen vor allem die indigenen Gemeinden leiden.<\/p>\n\n<p>Eine schwere Leidensgeschichte durchlebt zum Beispiel die Gemeinschaft der Guarani-Kaiow\u00e1-Nomaden im s\u00fcdbrasilianischen Staat Mato Grosso du Sul. Ihre Gemeinschaft in der Region umfasst etwa 28 000 Personen. F\u00fcr sie ist ihr Land heilig. Tekoha nennen sie es, was so viel heisst wie \u00abDer Platz, an dem wir unsere Art zu sein verwirklichen k\u00f6nnen\u00bb.<\/p>\n\n<p>Doch dieser Platz wird immer enger. Bis zu den 70er-Jahren durften sie auf unbesiedeltem Land ihre traditionelle Landwirtschaft betreiben und sich von der Natur ern\u00e4hren. \u00abFr\u00fcher kannten wir keinen Zucker, wir haben unsere Speisen mit dem Honig der Bienen ges\u00fcsst\u00bb, sagt Paulito, ein Guarani-Schamane. Doch jetzt reiche das Land nicht mehr, und jenes, das \u00fcbrigbleibt, ist oft von den umliegenden Grossplantagen mit ihrem hohen Pestizideinsatz vergiftet. Fische und andere Nahrungsquellen verschwinden so zusehends.<\/p>\n\n<p>Die Sojaplantagen dringen immer tiefer in ihren Lebensraum ein. Wenn die Indigenen sich wehren und Land besetzen, werden sie verjagt oder gar ermordet: Allein 2007 mussten 48 in Landkonflikten ihr Leben lassen. Seit 2005 starben zudem etwa 60 Guarani-Kinder an Mangelern\u00e4hrung.<\/p>\n\n<p>Die Arbeit auf den Plantagen und die industrielle Nahrung, die ihnen von den Grossgrund- besitzern angeboten wird, sind f\u00fcr die meisten keine Alternative. Sie wollen Land, die Freiheit, in ihrem angestammten Gebiet herumzuziehen und sich selber zu ern\u00e4hren. Weil es diesbez\u00fcglich keine Fortschritte gibt, bringen sich viele um oder ertr\u00e4nken ihre Frustration im Alkohol, den sie sich mit dem Lohn aus der ungeliebten Plantagenarbeit \u2013 oftmals die einzige kurzfristige \u00dcberlebenschance \u2013 kaufen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/f1848db8-f1848db8-mag_soja_3.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption><strong>\u00abSoja im Amazonasgebiet \u2013 ein Verbrechen\u00bb: Greenpeace-Protest in Brasilien.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Guarani-Gemeinschaft ist nur eine von vielen, die unter den billigen Lebensmittelexporten Brasiliens leiden. Viele andere teilen ihr Schicksal. Die Probleme, die der weltweite Hunger nach Fleisch schafft, kennen keine Grenzen. Ein Soja-Moratorium ist zwar ein erster Schritt, um das Leid einzud\u00e4mmen. Doch die Plantagen zerst\u00f6ren Mensch und Umwelt \u00fcber ihre Ackerfl\u00e4chen hinaus. Das zeigt auch der gesch\u00fctzte Xingu-Nationalpark, in den zusehends mehr Gifte aus den be- nachbarten Plantagen eindringen. Denn auch der Kreislauf der Natur kennt keine klaren Grenzen.<\/p>\n\n<p>Was also tun? Der vor knapp zwei Jahren von 400 internationalen Wissenschaftlern ver\u00f6ffentlichte Weltagrarbericht spricht diesbez\u00fcglich eine klare Sprache: Die kleinb\u00e4uerliche Produktion, \u00f6kologische Anbaumethoden sowie die lokale Vermarktung m\u00fcssen ins Zentrum r\u00fccken. Das heisst, dass wir versuchen sollten, die Nahrung f\u00fcr unsere Nutztiere in der Schweiz herzustellen.<\/p>\n\n<p>Oder anders gesagt: Fleisch hat seinen Preis \u2013 und den sollten wir nicht die Indigenen im Amazonasgebiet bezahlen lassen.<\/p>\n\n<p><em><strong>Claudio De Boni<\/strong>\u00a0schreibt regelm\u00e4ssig f\u00fcr das Greenpeace Magazin.<\/em><\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mehr zum Thema<\/h3>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/neonicotinoide-unterschaetzte-gefahr\/blog\/58465\/\">Neonicotinoide: untersch\u00e4tzte Gefahr<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/wir-haben-es-im-urin\/blog\/58275\/\">Wir haben es im Urin<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/natuerlicher-kohlenstoffspeicher\/blog\/58248\/\">Bet\u00f6rend sch\u00f6ner Kohlenstoffspeicher<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/die-welt-kann-das-nicht-weiter-in-kauf-nehmen\/blog\/57735\/\">\u00abDie Welt kann das nicht weiter in Kauf nehmen\u00bb<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/pestizide-im-wein-das-lasse-sein\/blog\/57594\/\">Pestizide im Wein, das lasse sein \u2026<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/schutz-statt-schnelles-geld\/blog\/57233\/\">Schutz statt schnelles Geld<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/switzerland\/de\/News_Stories\/Newsblog\/pestizide-schwarze-liste\/blog\/57182\/\">Pestizide: Schwarze Liste<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sojaanbau in Brasilien bedroht nicht nur die Umwelt. 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