{"id":16102,"date":"2010-02-27T00:00:00","date_gmt":"2010-02-26T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/16102\/oelsand\/"},"modified":"2019-05-30T13:25:31","modified_gmt":"2019-05-30T11:25:31","slug":"oelsand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/16102\/oelsand\/","title":{"rendered":"\u00d6lsand"},"content":{"rendered":"<p><b>Ein stu\u0308rmischer Wind wirbelt feinen Sand u\u0308ber den Highway 63 n\u00f6rdlich der Stadt Fort McMurray in der kanadischen Provinz Alberta. Beissender Geruch liegt in der Luft. Schemenhaft ist eine rote Schiessbudenfigur zu erkennen, Schu\u0308sse knallen u\u0308ber eine baumlose, graue Ebene.<\/b><\/p>\n<div>\n<p><!-- START DYNAMIC CONTENT --><\/p>\n<div class=\"events-box big-box left\">\n<div class=\"frame reset-padding\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/6017667b-6017667b-tarsand_head.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/6017667b-6017667b-tarsand_head.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"hidden\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p> <!-- END DYNAMIC CONTENT --><\/p>\n<p>Noch vorwenigen Jahren breitete sich hier ein von Sumpfgebieten und m\u00e4andrierenden Fl\u00fcssen durchzogener Wald mit Birken, Espen, Fichten, Kiefern und einer reichen Fauna und Flora aus. Doch unter der Erde liegt schwarzes Gold \u2013 auf einer Fl\u00e4che mit der vierfachen Gr\u00f6sse der Schweiz. Auf 173 Milliarden Barrel, das sind 27 Billionen Liter, werden die Vorkommen gesch\u00e4tzt. Nur Saudi-Arabien hat noch mehr davon.<\/p>\n<p>Aber dieses \u00d6l l\u00e4sst sich nicht einfach hochpumpen. Es ist als z\u00e4he, dickfl\u00fcssige Masse, die als Bitumen bezeichnet wird, ins Erdreich eingebunden und muss mit riesigen Baggern buchst\u00e4blich herausgekratzt und dann in einem extrem energie- und wasserintensiven Verfahren herausgel\u00f6st werden. Es ist das dreckigste \u00d6l der Welt.<\/p>\n<p>Die katastrophale Umweltbilanz wird von Industrie und Beh\u00f6rden sch\u00f6ngeredet, denn es winken Milliardengewinne. W\u00e4hrend vieler Jahrzehnte, als Erd\u00f6l spottbillig zu haben war, war der kanadische \u00d6lsand mit Produktionskosten von 25 Franken pro Barrel (1 Barrel entspricht 159 Litern) kaum konkurrenzf\u00e4hig. Erst in den vergangenen Jahren hat sich das Blatt gewendet. Jetzt soll die F\u00f6rderung bis ins Jahr 2020 auf 4,5 MillionenBarrel pro Tag verdreifacht werden. Bei einem \u00d6lpreis von 75 Franken lassen sich damit rund 225Millionen Franken verdienen \u2013 t\u00e4glich.<\/p>\n<p>Da ist die Natur nur noch im Weg. Wasserv\u00f6gel m\u00fcssen mit Vogelscheuchen und im Minutentakt abgefeuerten B\u00f6llersch\u00fcssen daran gehindert werden, auf einem der riesigen Gew\u00e4sser in der kahlen Ein\u00f6de zu landen. In diesen \u00abTailing Ponds\u00bb, die nach vierzig Jahren F\u00f6rderung eine Fl\u00e4che von 132 Quadratkilometern umfassen, werden t\u00e4glich 1,8 Milliarden Liter giftige Abw\u00e4sser aus der \u00d6lproduktion abgelassen. Es gibt nur Erdd\u00e4mme, aber keinerlei weiteren Abdichtungen zum nahen Athabaska-Fluss.<\/p>\n<p>Jeden Tag gelangen nach Angaben von Peter Lee von Global Forest Watch Kanada rund 5,6 Millionen Liter dieser toxischen Br\u00fche in das Gew\u00e4sser. Die Folgen bleiben nicht aus: 230 Kilometer flussabw\u00e4rts liegt Fort Chipewyan, einst einer der wichtigsten Pelzhandelspl\u00e4tze Kanadas. Heute leben hier 1500 Einwohner vorwiegend indianischer Herkunft.<\/p>\n<p>Mike Mercredi, einer von ihnen, hat binnen weniger Jahre drei nahe Angeh\u00f6rige durch Krebs verloren. \u00abIch kann es nicht endg\u00fcltig beweisen, aber f\u00fcr mich ist klar: Es hat mit dem Wasser zu tun, das wir hier trinken.\u00bb Der 34-J\u00e4hrige hat zehn Jahre als Fahrer eines \u00abHeavyHauler\u00bb, eines der gr\u00f6ssten Kipperlastwagen der Welt, in einer Mine gearbeitet und damit j\u00e4hrlich \u00fcber 100 000 Franken verdient. \u00abSie zahlen gut. Doch was sind die Konsequenzen? Das kann ich nicht mehr verantworten.\u00bb<\/p>\n<p>Mercredi stieg aus und kehrte nach Fort Chipewyan zur\u00fcck, wo er heute zusammen mit seinem Freund Lionel Lepine und weiteren Mitstreitern die Zerst\u00f6rung seines Lebensraumes dokumentiert \u2013 von der Wasserprobe \u00fcber den missgebildeten Fisch bis zu den rapide schwindenden Wildtierbest\u00e4nden. \u00abIch traue den offiziellen Verlautbarungen nicht mehr, wonach alles in Ordnung sei. Wir haben herausgefunden, dass die Fische stark belastet sind. Seither isst hier keiner mehr lokalen Fisch.\u00bb<\/p>\n<p>Und das ist erst der Anfang. Denn gerade mal zwei Prozent der Vorkommen sind bislang gef\u00f6rdert worden. Geht es nach den Pl\u00e4nen der Provinzregierung von Alberta und Dutzenden von \u00d6lkonzernen aus aller Welt, werden in den kommenden Jahren \u00d6lsandminen wie Pilze aus dem Boden schiessen. 91 Projekte sind bereits in der Pipeline. Doch das kann nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass auch die so erschlossenen Ressourcen wie alle anderen irgendwann zur Neige gehen werden.<\/p>\n<p>Fort McMurray ist die Kapitale dieses neuen Eldorados, die Stadt platzt aus allen N\u00e4hten. In nur zehn Jahren hat sich die Bev\u00f6lkerungszahl auf 85 000 vervierfacht, in weiteren zehn Jahren sollen es schon 250 000 Einwohner sein. An der Primarschule werden heute Kinder aus 42 Nationen unterrichtet. Tausende Arbeitskr\u00e4fte leben nicht in der Stadt, sondern direkt auf dem Gel\u00e4nde der \u00d6lsandminen. Sie fliegen mit Jumbo Jets aus ganz Kanada f\u00fcr eine Schicht von jeweils zwei Wochen ein.<\/p>\n<p>Die Industrie, die angesichts des schwachen \u00f6ffentlichen Interesses ihre Umwelts\u00fcnden bislang diskret unter denTeppich hat kehren k\u00f6nnen, spricht inzwischen davon, dass man die Probleme k\u00fcnftig ernster nehmen wolle. Dan Thompson, Pr\u00e4sident der Oil Sands Developers Group, des Dachverbands der F\u00f6rderfirmen, verspricht grosse Effizienzsteigerungen dank neu entwickelter Technologien. Zudem werde der Grossteil des in tieferen Schichten gelegenen \u00d6lsands unter Tage gef\u00f6rdert, die Landschaft also weit weniger verschandelt.<\/p>\n<p>Was Thompson nicht sagt: Die CO2-Emissionen, der Wasser- und der Energiebedarf werden dann gar noch steigen.<\/p>\n<p>Interessant ist auch die Frage, was mit dem gef\u00f6rderten \u00d6l geschieht. Die Antwort: Es wird fast ausschliesslich in die Vereinigten Staaten gepumpt und dort raffiniert. Derweil importieren die \u00f6stlichen Provinzen Kanadas \u00d6l aus dem Nahen Osten&#8230;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein stu\u0308rmischer Wind wirbelt feinen Sand u\u0308ber den Highway 63 n\u00f6rdlich der Stadt Fort McMurray in der kanadischen Provinz Alberta. Beissender Geruch liegt in der Luft. 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