{"id":16551,"date":"2009-10-15T00:00:00","date_gmt":"2009-10-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/16551\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-3\/"},"modified":"2019-05-30T13:36:10","modified_gmt":"2019-05-30T11:36:10","slug":"mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/16551\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-3\/","title":{"rendered":"Mitten im Sturm: Greenpeace-Mitarbeiter berichtet von der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p><b>Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. Hier ist Teil 2 meiner Schilderungen, den Teil 1 findest du hier.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. Hier ist <a href=\"http:\/\/weblogs.greenpeace.ch\/blog\/2009\/10\/13\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-2\/#more-1192\">Teil 2<\/a> meiner Schilderungen, den <a href=\"\/switzerland\/de\/Blog\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berich\/blog\/12382\">Teil 1 findest du hier<\/a>.\n<\/p>\n<h3>Sonntag, 11.10.09<\/h3>\n<p>Im R\u00fcckblick l\u00e4sst sich folgendes festhalten: Innerhalb von nur sechs Stunden sind \u00fcber 42cm Regen gefallen \u2013 soviel wie noch nie und insgesamt doppelt so viel wie beim Sturm \u201eKatrina\u201c 2005 in den USA. \u201eKetsana\u201c hat Gebiete der Philippinischen Hauptstadt mit ihren mindestens 12 Millionen Einwohnern \u00fcberflutet, die vorher noch nie \u00fcberflutet waren. Die \u00dcberschwemmungen forderten laut Regierungsangaben 340 Menschenleben, rund 700&#8217;000 Familien befinden sich in Evakuationszentren, 4 Millionen sind direkt betroffen, ben\u00f6tigen Hilfe und beklagen Sch\u00e4den.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Medienberichten zufolge hat die Regierung nur 1 Million oder \u00bc der Hilfsbed\u00fcrftigen mit Hilfeleistungen erreicht, die anderen 3 Millionen oder \u00be der Hilfsbed\u00fcrftigen wurden von NGOs und Angeh\u00f6rigen oder gar nicht versorgt. 80% von Manila war bis zu 8 Meter unter Wasser, viele Schulen und ganze Quartiere sind es noch immer. Gem\u00e4ss Beh\u00f6rden wird das Wasser in 20 St\u00e4dten und D\u00f6rfer um den Laguna-See wom\u00f6glich noch f\u00fcnf Monate stehen, weil die Abfl\u00fcsse blockiert sind. \u00dcber eine Million Menschen leben nun im Wasser. In einem Gebiet m\u00fcssen 400&#8217;000 Menschen dauerhaft umgesiedelt werden, Slumbewohner, die ihre H\u00fctten an exponierter Stelle aufgebaut haben, weil nur dort Platz f\u00fcr sie war. Die Beh\u00f6rden versprechen Unterst\u00fctzung, lassen aber bereits jetzt verlauten, dass die Umsiedelung etwa ein Jahr dauern wird. Es ist deshalb anzunehmen, dass die Vertriebenen einmal mehr auf sich alleine gestellt sind und sich bald wieder irgendwo an exponierter Stelle niederlassen werden. \u00dcberflutete Gebiete haben nach wie vor kein Strom \u2013 der ganze Grossraum Manila, schicke Gesch\u00e4fts- und Wohnviertel inklusive, erfuhren die ganze Woche \u00fcber stundenlange Stromausf\u00e4lle, weil die Transformatoren der privatisierten Stromversorger in der Flut Schaden genommen haben. Die Wasserversorgung erlitt aufgrund von Rohrbr\u00fcchen und Infiltration von Schmutzwasser ebenfalls Sch\u00e4den \u2013 das Wasser sei teils br\u00e4unlich und schmecke faulig. In den Pumpen der Wasserversorgung h\u00e4tte man Menschenteile gefunden. 16 Spit\u00e4ler mit ihren Notfallaufnahmen im Erdgeschoss wurden besch\u00e4digt. In den Evakuationszentren f\u00fcrchtet man den Ausbruch von Epidemien und Krankheiten, wie Dengue-Fieber und Durchfall. Lungenkrankheiten, Haut- und Pilzinfektionen und Leptospirose sind bereits h\u00e4ufig \u2013 alles Krankheiten, die sich infolge Exposition gegen\u00fcber kontaminiertem, stehenden Wassers rasch verbreiten. Das Wasser ist nicht nur wegen den stinkenden M\u00fcllhaufen und Tierkadaver wie Ratten, Schweine, Hunde mit gef\u00e4hrlichen Krankheitserregern kontaminiert. Auch lecke \u00d6ltanks, Tankstellen und wohl auch \u00fcberflutete Fabriken belasten das Wasser zus\u00e4tzlich. Offene Deponien, in denen der Moloch Manila seinen M\u00fcll entsorgt, stehen jetzt unter Wasser. Die Verteilung von Hilfsg\u00fctern verl\u00e4uft chaotisch \u2013 abgelegene Quartiere werden ausser Acht gelassen, die Nahrungspakete der Regierung werden gem\u00e4ss Augenzeugen teils von fahrenden Lastwagen abgeworfen, was unter den Hilfsbed\u00fcrftigen zu Keilerei und Faustrecht f\u00fchrt. Es mangelt an allem Grundlegenden wie sauberem Wasser, ausgewogenen Nahrungsmitteln, Gummistiefeln, Hygieneartikeln, Besch\u00e4ftigung und Medikamenten. Ich weiss von Evakuationszentren mit 1 Toilette f\u00fcr 3000 Vertriebene.<\/p>\n<p>[nggallery id=1]<\/p>\n<p>Doch die Sch\u00e4den sind bei weitem nicht nur auf Manila begrenzt \u2013 die Hauptstadt ist einfach prominenter in den Medien. Der nachr\u00fcckende Supertaifun \u201eParma\u201c hat in 25 Provinzen eine Spur der Verw\u00fcstung hinterlassen. Parma hat das Land erst nach 10 Tagen verheerender Niederschl\u00e4ge und Sturmb\u00f6en verlassen. Gemeinerweise kam Parma auf seiner Bahn nordw\u00e4rts zum Stillstand und bewegte sich zeitweise wieder s\u00fcdw\u00e4rts \u2013 angesogen durch ein weiteres Sturmtief im Osten. So wurden weite Gebiete von Parma gleich dreimal stark in Mitleidenschaft gezogen: Ganze D\u00f6rfer und St\u00e4dt wurden von der Aussenwelt abgeschnitten, Fluten, Schlammlawinen und Bergrutsche haben H\u00e4user, Strassen zerst\u00f6rt und mindestens 200 Menschen unter sich begraben. Trotz Zwangsevakuationen starben hunderte von Menschen. Die D\u00e4mme sind zum bersten voll, drohen zu brechen und m\u00fcssen daher in grosser Eile abgelassen werden. Bereits jetzt sind weit \u00fcber 100 D\u00f6rfer unter Wasser. Es ist unklar, wie auf die Flutwarnungen reagiert werden k\u00f6nnen. Auch die Sch\u00e4den in der Landwirtschaft sind enorm. Bereits jetzt ist klar, dass die Reisernte im Wert von 6 Milliarden Pesos vernichtet ist, mit Infrastruktursch\u00e4den sind es mind. 30 Milliarden (Sfr. 650mio). Die Philippinen werden n\u00e4chstes Jahr noch mehr teuren Reis von ihren Nachbarn importieren m\u00fcssen, um ihre Bev\u00f6lkerung ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Regierung macht jetzt vor allem die Armen zum S\u00fcndenbock. Deren Abfall und Wellblechh\u00fctten, oder die Fischgehege im Laguna Lake h\u00e4tten das Drainagesystem verstopft. Der Chef des Nationalen Katastrophenkoordinations-Komitees macht mangelnde Ressourcen und die lokalen Beh\u00f6rden f\u00fcr das allgemeine Desaster verantwortlich. Die infolge von Korruptionsskandalen und vermutlichem Wahlbetrug im Volk unbeliebte Pr\u00e4sidentin Gloria Macapagal-Arroyo hat den nationalen Katastrophen-Zustand ausgerufen, damit auch unbetroffene Provinzen Geld aus ihren Kassen zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen \u2013 im nationalen Katastrophenfond befinden sich nur noch 27mio Pesos (Sfr. 540&#8217;000.-). Die Pr\u00e4sidentin selber verteilte in ihrer Heimatprovinz Hilfsg\u00fcter mit ihrem Namen drauf und liess mit viel Medientamtam ein paar 100 verst\u00f6rte Fl\u00fcchtlinge im Pr\u00e4sidentenpalast campieren. Hilfsg\u00fcter werden nicht mit Regierungsgeldern bezahlt, anstelle von Starthilfe f\u00fcr Hilfsbed\u00fcrftige gibt es verbilligte Kredite f\u00fcr B\u00fcrger, die sich die staatliche Sozialhilfe leisten k\u00f6nnen. Die Mehrheit, die im informellen Sektor arbeitet, wird leer ausgehen. Abgesehen von \u00f6ffentlichen Aufrufen zum Gebet und einem Spendeaufruf an unbetroffene Provinzen und ans Ausland hat man von der Regierung nicht viel Aktivit\u00e4t gesehen. Ein Kommentator im Inquirer, der gr\u00f6ssten philippinischen Tageszeitung, schrieb: Die Regierung habe aufgeh\u00f6rt zu regieren.<\/p>\n<p>Die Kritik an der Regierung wird nun immer lauter. Kritisiert wird deren Unf\u00e4higkeit, die Katastrophe zu managen, Hilfsg\u00fcter zu verteilen, Abfallberge wegzur\u00e4umen und den Wiederaufbau zu organisieren, man hinterfragt das Fehlen von Rettungsbooten, Helikoptern und Katastrophen-Einsatzpl\u00e4nen, spricht vom unverantwortlichen \u00d6ffnen von D\u00e4mmen und Flut f\u00f6rderndem Abholzen von W\u00e4ldern und Bergbau, spekuliert \u00fcber die tats\u00e4chliche Zahl von Todesopfern, r\u00fcgt die fehlenden Flut-Fr\u00fchwarnsysteme und ungenauen Wettervorhersagen infolge veralteter Technologie in einem Land, das jedes Jahr von mind. 20 Taifunen \u2013 Tendenz steigend &#8211; getroffen wird, und z\u00e4hlt die Fehler einer krass vernachl\u00e4ssigten, verantwortungslosen Stadtraum- und Umweltplanung auf&#8230;<br \/>\nUnd \u00fcber allem schwebt das Wort \u201eCLIMATE CHANGE \u201c, das jetzt auch auf den Philippinen zum Wortschatz der Taxifahrer, Marktfrauen und Regierungsangestellten geh\u00f6rt&#8230;<\/p>\n<p>Spenden!<br \/>\nDa ich bin selber in Manila bin, sehe ich mit eigenen Augen, wie dringend Hilfe n\u00f6tig ist &#8211; jeder Franken hilft! Wer den Menschen in S\u00fcdostasien nach den Taifunen, Erdbeben und Tsunamis von der Schweiz aus beistehen will, hat z.B. folgende Spendem\u00f6glichkeiten: <a href=\"http:\/\/www.redcross.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schweizerisches Rotes Kreuz<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.glueckskette.ch\/de\/medienbereich.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gl\u00fcckskette<\/a>!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"42_Donations\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e11ff025-e11ff025-6892_11300.jpg\" alt=\"42_Donations\" width=\"240\" height=\"320\"><\/p>\n<p>Salamat und Ingat!<br \/>\nDanke!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. 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