{"id":16561,"date":"2009-10-12T00:00:00","date_gmt":"2009-10-11T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/16561\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-1\/"},"modified":"2019-05-30T13:36:33","modified_gmt":"2019-05-30T11:36:33","slug":"mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/16561\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-1\/","title":{"rendered":"Mitten im Sturm: Greenpeace-Mitarbeiter berichtet von der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p><b>Der verheerende Taifun Ketsana hat 80% von Manila \u00fcberflutet und grosse Zerst\u00f6rungen angerichtet. Noch nie ist soviel Regen in so kurzer Zeit gefallen. Wenige Tage sp\u00e4ter bringt der nachr\u00fcckende Supertaifun Parma noch mehr Tod und Chaos \u00fcber die Philippinen und S\u00fcdostasien. Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. Dies ist Teil 1, weitere Eindr\u00fccke werde ich euch in den kommenden Tagen schildern.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Der verheerende Taifun Ketsana hat 80% von Manila \u00fcberflutet und grosse Zerst\u00f6rungen angerichtet. Noch nie ist soviel Regen in so kurzer Zeit gefallen. Wenige Tage sp\u00e4ter bringt der nachr\u00fcckende Supertaifun Parma noch mehr Tod und Chaos \u00fcber die Philippinen und S\u00fcdostasien. Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. Dies ist Teil 1, weitere Eindr\u00fccke werde ich euch in den kommenden Tagen schildern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"\u00a9 Gigie Cruz \/ Greenpeace\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/9ffe8d8c-9ffe8d8c-6887_11294.jpg\" alt=\"\u00a9 Gigie Cruz \/ Greenpeace\" width=\"500\" height=\"334\"><\/p>\n<p><!--more-->\n<\/p>\n<h3>Samstag, 26.9.2009: Erste Eindr\u00fccke vom Taifun<\/h3>\n<p>Ich schaue aus dem Fenster und denke: So viel Regen sah ich noch nie! Mit Pellerine, Flipflops und Kamera mache ich mich neugierig auf den Weg. Ich reibe mir die Augen: Im tiefer gelegenen Erdgeschoss steht das Wasser bereits kniehoch. Hausbewohner waten durch das Wasser und schleppen Fernseher, M\u00f6bel und anderen Hausrat \u00fcber das Treppenhaus in obere Geschosse. \u00dcber die etwas h\u00f6her gelegene Strasse ergiesst sich jetzt ein reissender Bach, kn\u00f6cheltief \u00fcber die ganze Breite, aber noch gut passierbar.<\/p>\n<p>Die Strassenkinder und -familien kauern unter Vord\u00e4chern, ihre wenigen Habseligkeiten in Plastikt\u00fcten verpackt. Der Verkehr auf der Hauptstrasse geht nur noch in eine Richtung, kein Bus weit und breit, alle Taxis sind besetzt. Der Strassenl\u00e4rm geht im Rauschen und stossweisen Trommeln des Regens unter. Starke Windb\u00f6en und der dichte Regen behindern die Sicht, die Pellerine flattert wild. Wie andere auch, die kein Transportmittel gefunden haben, stapfe ich zu Fuss durch das Wasser Richtung Strassenbahn.<\/p>\n<p>Ich will an eine Ausstellung und muss deshalb einmal quer durch die ganze Stadt. Von h\u00f6her gelegenen Seitenstrassen ergiesst sich graues und braunes Wasser auf die Hauptstrasse, in Senken beginnt es sich zu stauen. Die Kanalisation ist heillos \u00fcberfordert, kann die Wassermassen und den M\u00fcll nicht schlucken. Die meisten Autos drehen um, andere fahren langsam durch die Pf\u00fctzen und werfen dabei regelrecht Wellen auf. Eine Seitenstrasse, die ich sonst jeden Tag benutze, hat sich in einen See verwandelt, das Wasser brusthoch, im tiefsten Punkt der Senke ist ein Lastwagen abgesoffen. Kinder springen von der Ladefl\u00e4che ins Wasser, schwimmen um den Laster und klettern wieder hoch, w\u00e4hrend M\u00e4nner versuchen, die Fracht in Sicherheit zu bringen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"04_gma\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/dc334549-dc334549-6888_11295.jpg\" alt=\"04_gma\" width=\"500\" height=\"375\"><\/p>\n<p>Schliesslich finde ich doch noch einen Taxifahrer, das mich f\u00fcr den doppelten Preis auf seinem Heimweg mitnehmen will. Sowohl er als auch ich sind nass bis auf die Haut. Unterwegs h\u00e4lt er mehrmals, um weitere Leute aufzugabeln, die wild mit den Armen winkend um Mitfahrt bitten. Immer wieder schwappt Wasser von aussen ins Taxi rein. Unsere Fahrbahn ist verkehrsfrei, w\u00e4hrend die durch eine Mauer abgetrennte Gegenfahrbahn voll von hupenden, in sich verkeilten Autos ist. Das Wasser muss dort schon einiges h\u00f6her stehen.<\/p>\n<p>Dann treffen die ersten SMS von Greenpeace ein. Wer noch in Manila ist, soll sich melden und in Sicherheit bringen, Trinkwasser und Essen horten, alle Handys aufladen, das \u00fcberforderte Telekommunikationsnetz m\u00f6glichst wenig belasten \u2013 und bis morgen bleiben, wo man ist. Nichts in der Stadt geht mehr und der eigentliche Sturm kommt erst. Freiwillige und das Aktionsteam seien dabei, die Greenpeace-Schlauchboote bereit zu machen f\u00fcr allf\u00e4llige Rettungseins\u00e4tze. Die Lage ist also ernst! Fern von meinem eigentlichen Ziel steige ich aus dem Taxi und komme bei Kollegen unter. Dort, im 31. Stock eines der modernen Wohnhotels, verfolgen wir bis am n\u00e4chsten Tag die News.\n<\/p>\n<h3>Sonntag, 27.9.2009: Entfesselte Natur<\/h3>\n<p>Was ich dort am TV sehe verschl\u00e4gt mir den Atem. Schlammige Wassermassen \u00fcberfluten die Stadt, ganze Stadtviertel sind verschwunden, nicht einmal die D\u00e4cher ragen aus dem Wasser. H\u00e4userzeile um H\u00e4userzeile entlang der Fl\u00fcsse und Kan\u00e4le werden vom reissenden Strom weggerissen. Menschen auf der Flucht, Kleinkinder, Alte, Schwache, Ersch\u00f6pfte, auf den Wellblechd\u00e4chern um Hilfe rufend, gegen die Wassermassen k\u00e4mpfend. Menschen in ihren Autos, die nur noch auf das Autodach klettern k\u00f6nnen, w\u00e4hrend die Fahrzeuge von den Fluten herumgeschoben werden. Arme Teufel, die mit hoher Geschwindigkeit mitten im reissenden Fluss und hohem Wellengang dahin treiben, auf Schwemmgut, das vielleicht ihr Hausdach war.<\/p>\n<p>Menschen, die auf die Strommasten geklettert sind und sich entlang der Kabel entlang hangeln. Ich sehe verzweifelte Menschen, die gegen die Fluten k\u00e4mpfen, einander Seile zuwerfen, sich gegenseitig helfen, so gut es geht in dieser Not. Und ich sehe auch Menschen, die in den Fluten untergehen und unter Schlammlawinen oder H\u00e4user begraben werden. Ich erfahre auch von Menschen, die an Stromschl\u00e4gen und Feuer erliegen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"08_kindtragen\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/b2620ae0-b2620ae0-6889_11296.jpg\" alt=\"08_kindtragen\" width=\"500\" height=\"332\"><\/p>\n<p><a title=\"BBC: \u00dcberschwemmung auf den Philippinen\" href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/1\/hi\/world\/asia-pacific\/8277069.stm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Video von BBC<\/a>\n<\/p>\n<h3>Greenpeace im Rettungseinsatz<\/h3>\n<p>Freiwillige und Angestellte von Greenpeace Philippinen haben sich trotz Flut und Chaos innert kurzer Zeit zum Lager durchgek\u00e4mpft und die drei Schlauchboote einsatzbereit gemacht. Zusammen mit dem Philippinischen Roten Kreuz wagen sie sich in die Fluten und bringen zahlreiche Menschen, die auf ihren Hausd\u00e4chern gestrandet sind, in Sicherheit und k\u00fcmmern sich um Verletzte. Das ist sehr mutig und nicht ungef\u00e4hrlich: die starke Str\u00f6mung, niedrig h\u00e4ngende Stromkabel, Hindernisse wie \u00fcberflutete Autos und spitze Gegenst\u00e4nde im Wasser sowie Treibgut k\u00f6nnen die Schlauchboote, Motoren und Helfer leicht gef\u00e4hrden. Greenpeace und das Rote Kreuz geh\u00f6rten zu den ersten Rettungskr\u00e4fte vor Ort, und waren von Samstag Abend bis Montag Morgen im Einsatz.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Greenpeace Freiwillige auf einem Schlauchboot\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/e7dd2942-e7dd2942-6890_11297.jpg\" alt=\"Greenpeace Freiwillige auf einem Schlauchboot\" width=\"500\" height=\"333\"><\/p>\n<p>Meine Greenpeace-KollegInnen haben mir sp\u00e4ter berichtet, wie unvorbereitet alle waren, mit solchen extremen Wetterereignissen umzugehen. Auch nachdem das Wasser zur\u00fcck gegangen ist, waren Rettungskr\u00e4fte heillos \u00fcberfordert \u2013 die Menschen waren auf sich alleine gestellt. \u00dcberlebende, die es gerade noch auf ihre Hausd\u00e4cher geschafft haben, mussten die Nacht ohne Wasser und Essen, lediglich mit den nassen Kleidern am Leib im Dunkeln ausharren, bevor sie am n\u00e4chsten Morgen weg schwimmen konnten.<\/p>\n<p>Das philippinische Greenpeace-Team hat sehr schnell reagiert und zur rechten Zeit auch <a title=\"Klimaforderung von Greenpeace Philippinien\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/seasia\/en\/news\/typhoon-ondoy-an-omen-of-thing\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eine Forderung zum Klimaschutz an die UN-Verhandlung nach Bangkok<\/a> geschickt.<\/p>\n<p>Update: <a href=\"http:\/\/weblogs.greenpeace.ch\/blog\/2009\/10\/13\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-2\/#more-1192\">Hier geht&#8217;s zum Teil 2<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der verheerende Taifun Ketsana hat 80% von Manila \u00fcberflutet und grosse Zerst\u00f6rungen angerichtet. 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