{"id":16572,"date":"2009-10-13T00:00:00","date_gmt":"2009-10-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/16572\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-2\/"},"modified":"2019-05-30T13:36:46","modified_gmt":"2019-05-30T11:36:46","slug":"mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/16572\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-2\/","title":{"rendered":"Mitten im Sturm: Greenpeace-Mitarbeiter berichtet von der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p><b>Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. Hier ist Teil 2 meiner Schilderungen, den Teil 1 findest du hier.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. Hier ist <a href=\"http:\/\/weblogs.greenpeace.ch\/blog\/2009\/10\/13\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berichtet-von-der-taifun-katastrophe-auf-den-philippinen-teil-2\/#more-1192\">Teil 2<\/a> meiner Schilderungen, den <a href=\"\/switzerland\/de\/Blog\/mitten-im-sturm-greenpeace-mitarbeiter-berich\/blog\/12382\">Teil 1 findest du hier<\/a>.<\/p>\n<p><!--more-->\n<\/p>\n<h3>Montag bis Freitag, 28.9. \u2013 2.10.09<\/h3>\n<h4>Nach der Klimakatastrophe: Menschen in Not<\/h4>\n<p>Ein eigenartiges Gef\u00fchl: ich sitze sicher und trocken in meiner Wohnung im dritten Stock \u2013 w\u00e4hrend ich zu Essen, zu Trinken, Strom und Internet habe, haben Andere alles verloren, was sie jemals besessen hatten. An normales Arbeiten im B\u00fcro ist nicht zu denken. Ich versuche mir \u00fcber Internet einen \u00dcberblick \u00fcber die Lage zu verschaffen. Ich telefoniere, um herauszufinden, wo ich helfen kann. Nichts \u2013 das Greenpeace-Bootsteam ruht sich nach den Eins\u00e4tzen vom Wochenende aus, die Hilfsg\u00fcter-Verteilung l\u00e4uft erst langsam an. Ich schreibe einen <a href=\"http:\/\/www.networking.ch\/communicate\/newsletter\/template\/43\/template_dyn.php?mainID=7555&amp;body=yes&amp;userID=65941&amp;header=yess\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spendenaufruf-Newsletter<\/a> in die Schweiz \u2013 es werden dringend Spenden ben\u00f6tigt, damit die Hilfe \u00fcberhaupt erst anlaufen kann.<\/p>\n<p>Im Fernsehen sehe ich Bilder von der Zerst\u00f6rung \u2013 und hungrige, trauernde und w\u00fctende Menschen. Sie wurden alleine gelassen. Der Staat ist wenig pr\u00e4sent. Weder hilft er vor Ort mit Booten, Helikoptern, Fahrzeugen, R\u00e4umungsmaterial und Mannschaften, noch sorgt er im Fernsehen mit Informationen und Anweisungen f\u00fcr Orientierung und Koordination. Philipinos erwarten wenig von ihrer Regierung, die wegen Korruption, skrupelloser Vetternwirtschaft und Menschenrechtsverletzungen von sich reden macht. Offenbar liegt es an den famili\u00e4ren und sozialen Netzwerken, f\u00fcr ihre Angeh\u00f6rigen zu sorgen. Private TV-Stationen sind f\u00fcr die Info zust\u00e4ndig, hunderte von NGOs, Hilfswerke, Kirchen, Medien, Firmen und auch ruhms\u00fcchtige Politiker springen in die L\u00fccke. Die Solidarit\u00e4t unter den Leuten ist \u00fcberw\u00e4ltigend! Das ist \u00abbayanihan\u00bb, der im einfachen philippinischen Volk verankerte Gemeinschaftssinn und die unbeschreibbare Hilfsbereitschaft, ohne die das Land schon lange nicht mehr funktionieren w\u00fcrde. Studenten, Angestellte, normale B\u00fcrgerInnen &#8211; niemand, der nicht etwas spendet oder in irgendwelche NGO-B\u00fcros oder Hinterh\u00f6fen Hilfspakete schn\u00fcrt, bestehend aus Reis, Wasser, Kleider, Seife, Kerzen, Hygieneartikel und Medikamenten. \u00dcber die pers\u00f6nlichen Kontakte vor Ort sind die NGO und Hilfswerke informiert, welche Familien welche Hilfsg\u00fcter brauchen. Weil die Frauen- und Communityorganisation GABRIELA, die ich gut kenne, am schnellsten reagiert, bringe ich dort die ersten Cash-Spenden, die auf meinen Spendeaufruf per Email versprochen wurden, vorbei und helfe grad beim Einpacken und verteilen der G\u00fcter an 150 Familien in einer Armensiedelung, die bis unters Dach im Wasser stand. Die Verteilaktion erstaunlich gut organisiert.<\/p>\n<p>Es ist insgesamt sicher nicht die effizienteste Art, eine Katastrophe solchen Ausmasses so zu bew\u00e4ltigen \u2013 aber in Ermangelung einer besseren, staatlich koordinierten Krisenbew\u00e4ltigung ist dies ganz offensichtlich am wirksamsten<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-16572 gallery-columns-2 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/498fcde3-498fcde3-6891_11298.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"140\" height=\"105\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/498fcde3-498fcde3-6891_11298.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail wp-stateless-item\" alt=\"\" data-image-size=\"thumbnail\" data-stateless-media-bucket=\"planet4-switzerland-stateless\" data-stateless-media-name=\"2019\/05\/498fcde3-498fcde3-6891_11298.jpg\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n<h3>Freitag, 30.9.09<\/h3>\n<h4>Warnung vor dem n\u00e4chsten Supertaifun!<\/h4>\n<p>Das Ausmass der Klimkatastrophe ist noch kaum ersichtlich und das Wasser in vielen Gebieten noch brusthoch, da wird vom staatlichen Wetterdienst PAGASA aufs Wochenende der n\u00e4chste Sturm angek\u00fcndigt. \u00abParma\u00bb mit Kurs auf Metromanila entwickelt sich m\u00f6glicherweise zu einem Supertaifun der oberten St\u00e4rkeklasse 5. Er ist einiges st\u00e4rker als \u00abKetsana\u00bb und bringt wohl auch mehr Regen. Ich darf gar nicht daran denken, was das viele neue Wasser anrichten w\u00fcrde \u2013 die Kanalisation ist seit einer Woche hoffnungslos mit Abfall und Schwemmgut verstopft, einige D\u00e4mme bereits bis zum \u00fcberlaufen voll \u2013 jeder Tropfen, der f\u00e4llt, liesse den Wasserpegel in den Quartieren weiter ansteigen. Was passierte mit den stinkenden Abfallhaufen und Tierkadaver, die von den Bewohnern aus ihren Quartieren ausgemistet und am Strassenrand aufget\u00fcrmt wurden? Die Leute sind traumatisiert und nur noch ersch\u00f6pft, die \u00f6ffentlichen Dienste \u00fcberfordert, Spit\u00e4ler und Evakuationszentren bereits jetzt im Chaos. Selbst die Regierung sagt, dass sie einen weiteren Schicksalsschlag nicht mehr ohne weiteres verkraften w\u00fcrde und ruft \u00f6ffentlich zum Beten auf.<br \/>\nWir von Greenpeace bereiten uns w\u00e4hrenddessen im B\u00fcro und im Lager auf den Supertaifun vor. Wir diskutieren die Erfahrungen der vergangenen Woche, die Notwendigkeit sich einem verl\u00e4sslichen und erfahrenen Partner anzuschliessen (den es leider nicht gibt), machen Einsatzpl\u00e4ne und kontrollieren Schlauchboote und Motoren, wasserfeste Generatoren und Leuchten, sowie Funkanlagen und Notfall-Medikamente. Aufs \u00e4usserste gespannt und entschlossen, aber immer noch mit der unersch\u00fctterlichen Zuversicht und dem Humor der Philippinos, warten wir im B\u00fcro auf das, was kommt. Wir haben Schlafs\u00e4cke. Essen und Kerzen f\u00fcr mindestens drei Wochen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/498fcde3-498fcde3-6891_11298.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"17_GP-prep1\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/498fcde3-498fcde3-6891_11298.jpg\" alt=\"17_GP-prep1\" width=\"140\" height=\"140\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/498fcde3-498fcde3-6891_11298.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"18_GP-prep2\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/498fcde3-498fcde3-6891_11298.jpg\" alt=\"18_GP-prep2\" width=\"140\" height=\"140\"><\/a>Gott sei Dank, in der Nacht vernehmen wir aus dem Radio, dass der Taifun \u00abParma\u00bb seinen Kurs ge\u00e4ndert hat und gegen Norden Richtung Bergprovinz abdreht hat. Gott hat die staatlich verordneten Gebete aus Manila geh\u00f6rt, wohl aber nicht die Gebete der Bergprovinz-Bewohner. F\u00fcr Greenpeace bedeutet dies: R\u00fcckstufung auf Alarmstufe 3, morgen keine Rettungseins\u00e4tze, daf\u00fcr aber Hilfsg\u00fcter-Verteilaktionen f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der Greenpeace-Familien&#8230;\n<\/p>\n<h3>Samstag\/Sonntag 1.\/2.10.09<\/h3>\n<h4>Greenpeace-Hilfsaktionen f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Quartiere<\/h4>\n<p>Bei Greenpeace sind 25 Familien und Angeh\u00f6rige von Mitarbeitern, Freiwilligen und Direct Dialogern betroffen, zum Gl\u00fcck alle unversehrt. W\u00e4hrend ein Teil von uns die Bed\u00fcrfnisse und Verkehrswege vor Ort abkl\u00e4rt, machen andere den Toxics Water Patrol-Bus (eigentlich f\u00fcr andere Eins\u00e4tze gedacht) und die Hilfsg\u00fcter bereit. Der Weg ist weit und die von M\u00fcll, Schlamm und Autos verstopften Strassen verhindern ein rasches Vorankommen. Wir brauchen zwei Tage, um alle Familien zu erreichen. Ihre Verluste, Erlebnisse und Geschichten sind ersch\u00fctternd. Wie unerwartet alles kam, wie schnell die Flut gestiegen ist, wie sie sich gegenseitig gerettet haben und die erste Nacht im Dunklen \u00fcberlebt haben, wie sie begonnen haben, ihre Habseligkeiten auf den D\u00e4chern zu trocknen, ihre Wohnungen zu putzen oder versuchten Angeh\u00f6rigen und vermisste Nachbarn zu kontaktieren. Manche, vor allem all diejenigen, die t\u00e4glich f\u00fcr ihr Brot arbeiten m\u00fcssten, haben Hunger und Durst. Sie sind dankbar um jede Hilfe. Versichert gegen die Sch\u00e4den ist hier niemand, staatliche Unterst\u00fctzung haben sie bisher noch keine erhalten&#8230;\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Greenpeace-Campaigner und habe die Klimakatastrophe am eigenen Leib erfahren. Ich berichte aus Manila, wo ich zur Zeit f\u00fcr Greenpeace International arbeite. 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