{"id":17575,"date":"2008-06-17T00:00:00","date_gmt":"2008-06-16T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/17575\/interview-ausblick-auf-die-kommende-iwc\/"},"modified":"2019-05-30T14:02:03","modified_gmt":"2019-05-30T12:02:03","slug":"interview-ausblick-auf-die-kommende-iwc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/17575\/interview-ausblick-auf-die-kommende-iwc\/","title":{"rendered":"Interview: Ausblick auf die kommende IWC"},"content":{"rendered":"<p><b>Vom 23. bis 27. Juni findet in Santiago de Chile die 60. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. Unser Experte Thilo Maack wird die Diskussionen als Beobachter begleiten. Greenpeace.de hat mit dem Meeresbiologen \u00fcber seine Erwartungen an die diesj\u00e4hrige IWC gesprochen.<\/b><\/p>\n<div>\n<div class=\"events-box small-box left\">\n<div class=\"frame\">\n        <a class=\"open-img EnlargeImage\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/b5eb4d12-b5eb4d12-thilo.jpg\" title=\"\"><br \/>\n            <img decoding=\"async\" id=\"ctl00_cphContentArea_Property3_ctl00_ctl02_Image1\" class=\"Thumbnail\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/b5eb4d12-b5eb4d12-thilo.jpg\" alt=\"\" style=\"border-width:0px;\"><\/p>\n<p>        <\/a>\n    <\/div>\n<div class=\"events-content no-title\">\n        <span class=\"date\"><\/span><br \/>\n        <strong><\/strong><\/p>\n<p>\n            Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace Deutschland. \u00a9 Holde Schneider \/ Greenpeace\n        <\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Greenpeace.de: Thilo, was steht in diesem Jahr auf der Agenda der IWC?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thilo Maack:<\/strong> Ein besonders wichtiger Punkt ist die Diskussion zur Zukunft der Internationalen Walfangkommission. Im letzten Jahr hat sich da ein Prozess entwickelt, der endlich einen Ausweg aus der jetzigen Blockadesituation \u00f6ffnen soll.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Was macht die Situation in der IWC so schwierig?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt zwei Lager, die sich in der Vergangenheit neutralisiert haben. Deshalb waren keine wirklichen \u00c4nderungen in der IWC m\u00f6glich. Da ist auf der einen Seite die ganz starke Walschutzgemeinschaft. Dazu geh\u00f6ren Deutschland und andere europ\u00e4ische Nationen, aber auch Australien, die USA und fast der gesamte lateinamerikanische Kontinent.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite gibt es die Walf\u00e4nger, die den Walfang wieder kommerzialisieren und das Walfangmoratorium kippen wollen. Das sind in erster Linie Japan, Norwegen und Island. Auch China und Korea haben ein tats\u00e4chliches Interesse am Walfang. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Entwicklungsl\u00e4ndern, die schlicht von Japan bestochen sind. Die sind im Gegenzug zur Zahlung von Entwicklungshilfe in die IWC eingetreten, um die japanische Sache zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Erwartest du f\u00fcr dieses Jahr schon Fortschritte in der Diskussion?<\/strong><\/p>\n<p>Eher nicht. Wahrscheinlich wird es so sein wie in den vergangenen Jahren. Massgebliche \u00c4nderungen w\u00fcrden eine \u00c4nderung des Konventionstextes bedingen und zur \u00c4nderung des Konventionstextes braucht man eine Dreiviertelmehrheit. Diese Dreiviertelmehrheit kommt aus den genannten Gr\u00fcnden faktisch nicht zustande. Weder f\u00fcr die eine noch f\u00fcr die andere Seite. Es sei denn f\u00fcr das Schutzgebiet im S\u00fcdatlantik.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Dieses Schutzgebiet wurde bislang von D\u00e4nemark blockiert. Jetzt sind gute Nachrichten gekommen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Ja! D\u00e4nemark hat einen Positionswechsel vollzogen und wird auf der kommenden IWC das Schutzgebiet S\u00fcdatlantik unterst\u00fctzen. Ein Riesenschritt f\u00fcr den Walschutz! Wir hoffen, dass dadurch ein Dominoeffekt entsteht, also auch andere Walfangnationen f\u00fcr das Schutzgebiet stimmen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>M\u00f6glicherweise unterst\u00fctzen die D\u00e4nen sogar einen Antrag gegen die sogenannte wissenschaftliche Waljagd der Japaner. Die ist durch den Walfleischskandal endg\u00fcltig entlarvt. Glaubst du, dass sich dieser Skandal auf Japans Position in der IWC auswirken wird?<\/strong><\/p>\n<p>Davon ist leider nicht auszugehen. Sicherlich wird die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft in Japan in der n\u00e4heren Zukunft zu gr\u00f6sseren Erfolgen f\u00fchren. Aber das wird die Verhandlungsposition der Japaner beim Jahrestreffen der IWC wohl kaum ber\u00fchren. Die werden den Walf\u00e4ngerblock anf\u00fchren, mit polemischen und wissenschaftlich haltlosen Argumenten f\u00fcr ihre Sache k\u00e4mpfen und sich auch durch den Walfleischskandal nicht beeinflussen lassen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Japan droht immer wieder damit, aus der IWC auszutreten. Wie real ist diese Gefahr und welche Folgen h\u00e4tte das?<\/strong><\/p>\n<p>Das w\u00fcrde mich sehr sehr wundern. Wale sind \u00fcberall auf der Welt durch die Internationale Walfangkommission gesch\u00fctzt bzw. der Fang reguliert. Das gilt auch f\u00fcr die Hohe See, den Bereich ausserhalb der nationalen Gerichtsbarkeit. Wer nicht Mitglied der IWC ist, darf auch keinen Walfang auf der Hohen See betreiben. Dort findet aber der gesamte antarktische Wissenschaftswalfang der Japaner statt. W\u00fcrde Japan aus der IWC austreten, h\u00e4tte es daf\u00fcr keine politische Legitimation mehr.<\/p>\n<p>Formaljuristisch w\u00e4re ein Austritt Japans f\u00fcr den Walschutz also gar nicht schlecht. Sicherlich w\u00fcrden die Entwicklungsl\u00e4nder, die Japan zurzeit unterst\u00fctzen, dann auch aus der IWC austreten. Ohne die finanzielle Unterst\u00fctzung der japanischen Regierung k\u00f6nnen sie ja faktisch ihre Mitgliedsbeitr\u00e4ge nicht aufbringen. Dann w\u00e4re es vorbei mit der gekauften Schieflage in der IWC. Stattdessen w\u00fcrde die Zusammensetzung der Internationalen Walfangkommission die Realit\u00e4t widerspiegeln, n\u00e4mlich den internationalen Walschutz. Das w\u00e4re sehr sehr positiv.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Das bleibt aber demnach wohl ein Traum. Welchen Stellenwert werden die anderen Gefahren f\u00fcr die Wale auf der Tagung haben, also Meeresverschmutzung, Beifang, Klimawandelfolgen? Haben sie inzwischen einen Stellenwert?<\/strong><\/p>\n<p>Die IWC wurde 1948 unterzeichnet. Da ging es um die Ausbeutung der Walressource als Protein-, Fett- und \u00d6lquelle usw. Heutzutage sind andere Umwelfaktoren f\u00fcr Wale viel sch\u00e4dlicher als der Walfang. Dazu geh\u00f6rt die Verschmutzung der Meere, dazu geh\u00f6rt der hunderttausendfache Tod in den Netzen der Weltfischerei und vor allen Dingen die Verl\u00e4rmung der Meere. Denn die Welt der Wale besteht aus T\u00f6nen, nicht wie f\u00fcr uns Menschen aus Bildern. Das hat eine grosse Relevanz. Die Walfangkommission widmet sich nur einem Teilaspekt, dem Walfang.<\/p>\n<p>Es hat sich 2003 ein Subkomitee in der Kommission gegr\u00fcndet, das sogenannte Schutzkomitee. Und das will sich als Mandat in den Text schreiben, sich auch anderen Gefahren widmen zu wollen. Da das aber nur im Konsens beschlossen werden kann, gelingt es den Japanern immer wieder, dieses Mandat zu verhindern. Das ist sehr traurig. Wir hoffen, dass das irgendwann anders sein wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Das klingt nicht euphorisch. Was muss deiner Meinung nach passieren, damit die IWC in Schwung kommt?<\/strong><\/p>\n<p>Thilo Maack: Wenn man das auf der politischen Ebene der IWC bel\u00e4sst, dann dauert eine massgebliche \u00c4nderung vermutlich noch Jahre. Man m\u00fcsste die Walefrage auf ein anderes politisches Niveau heben.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Das G8-Treffen findet in diesem Jahr in Japan statt. Wenn Frau Dr. Merkel oder George W. Bush, der noch f\u00fcr die USA dort teilnehmen wird, zu ihren japanischen Gastgebern sagen w\u00fcrden, h\u00f6rt auf mit dem Walfang in der Antarktis, unterst\u00fctzt die Walfangkommission, eine Walschutzkommission zu werden, dann h\u00e4tte das sicherlich ein anderes politisches Gewicht als die Diskussionen bei der IWC.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Ist das eine konkrete Forderung an Bundeskanzlerin Angela Merkel?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine ganz konkrete Forderung von Greenpeace an Frau Merkel: ihr politisches Gewicht in die Waagschale zu werfen f\u00fcr den Schutz der Wale. Das ist auch im Sinne der deutschen Bev\u00f6lkerung &#8211; darauf k\u00f6nnen wir uns sicher verlassen. Nicht zuletzt gibt es die vielen hunderttausend Greenpeace-F\u00f6rderer in Deutschland, die das auch fordern und uns darin unterst\u00fctzen. Bundeskanzlerin Merkel muss ihren japanischen Amtskollegen auf den Walfang ansprechen und auf eine schnelle L\u00f6sung dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dieses Interview ist urspr\u00fcnglich auf <a class=\"external-link-new-window\" title=\"\u00d6ffnet einen externen Link in einem neuen Fenster\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/meere\/nachrichten\/artikel\/interview_ausblick_auf_die_kommende_iwc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">greenpeace.de<\/a> erschienen<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a class=\"external-link-arrow\" title=\"\u00d6ffnet einen externen Link im aktuellen Fenster\" href=\"http:\/\/weblogs.greenpeace.ch\/blog\/2008\/06\/gronland-totet-wale-aus-profitgier-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blog: Gr\u00f6nland t\u00f6tet Wale aus Profitgier<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 23. bis 27. Juni findet in Santiago de Chile die 60. 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