{"id":17821,"date":"2008-03-08T00:00:00","date_gmt":"2008-03-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/17821\/begegnung-der-sich-windenden-art\/"},"modified":"2019-05-30T14:08:49","modified_gmt":"2019-05-30T12:08:49","slug":"begegnung-der-sich-windenden-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/17821\/begegnung-der-sich-windenden-art\/","title":{"rendered":"Begegnung der sich windenden Art"},"content":{"rendered":"<p><b>Es war mein erstes Mal. Verbl\u00fcffend zart war ihre Haut, der K\u00f6rper weder weich noch hart \u2013 geschmeidig! \u2013 und ihre Temperatur halbwarm, das heisst nicht so warm wie meine eigene Haut und doch nicht k\u00fchl. Irritierend, faszinierend. Diese Begegnung mit der Python, lautloser Stargast in der heutigen Sendung \u201eLeben live\u201c, war mein speziellstes Erlebnis dieses TV-Studioabends. Hinzu kam die sonderbare Information des Schlangenhalters, dass Schlangen keine Beziehung zu Menschen aufbauen k\u00f6nnen. Sie w\u00fcrden weder ihn als Besitzer noch als Futterbringer speziell beachten. Sie w\u00fcrden hingegen aufmerksam, sobald sie \u00fcber ihre Zungen die Ratten riechen, die er ihnen als Nahrung bringt.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Es war mein erstes Mal. Verbl\u00fcffend zart war ihre Haut, der K\u00f6rper weder weich noch hart \u2013 geschmeidig! \u2013 und ihre Temperatur halbwarm, das heisst nicht so warm wie meine eigene Haut und doch nicht k\u00fchl. Irritierend, faszinierend. Diese Begegnung mit der Python, lautloser Stargast in der heutigen Sendung \u201eLeben live\u201c, war mein speziellstes Erlebnis dieses TV-Studioabends. Hinzu kam die sonderbare Information des Schlangenhalters, dass Schlangen keine Beziehung zu Menschen aufbauen k\u00f6nnen. Sie w\u00fcrden weder ihn als Besitzer noch als Futterbringer speziell beachten. Sie w\u00fcrden hingegen aufmerksam, sobald sie \u00fcber ihre Zungen die Ratten riechen, die er ihnen als Nahrung bringt.<\/p>\n<p>Neben mir sitzend, war Marc Walder der \u00e4rmste Kerl in der Sendung \u2013 und der mutigste.<!--more--><\/p>\n<p>Mit einer riesigen Abneigung gegen Schlangen versehen, war er alles andere als erfreut \u00fcber diese unvorhergesehene Begegnung der sich windenden Art \u2013 und hielt tapfer durch. Nach der Sendung ber\u00fchrte er sie sogar, ganz vorsichtig.<br \/>\nBehutsamkeit, das w\u00e4re auch das Stichwort f\u00fcr unseren Umgang mit der Erde. Von welcher wir nur eine einzige haben \u2013 oder eben nicht. Wir haben oder besitzen sie definitiv nicht als Gebrauchsgegenstand sondern m\u00fcssen uns bewusst sein, dass sie das seltsamste, wundersamste Kugelding ist, welches da im eiskalt rabenschwarzen Weltall schwebt, in der F\u00fclle seiner Lebensvielfalt ein fragiles Zauberwesen.\n<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Planet voll glibbriger Schwebewesen, die leuchten und glimmen und auch dort noch leben, wo es zappenduster dunkel ist: in der Tiefsee. Mehr dazu in der gleichnamigen Ausstellung bis Mitte April im <a href=\"http:\/\/www.nmb.bs.ch\/ausstellungen\/sonderausstellung.htm\" title=\"Tiefsee - oder: am Rheinstrand stehen und abtauchen.\">Naturhistorischen Museum in Basel.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Erschreckend aber, dass bereits 90% aller Raubfische (wie der Thunfisch, der Hai, der Kabeljau) bereits ausgerottet sind. Und 75% aller Fischbest\u00e4nde drohen zu kollabieren. Weil unsereiner hemmungslo Sushi und Fischst\u00e4bchen verdr\u00fcckt.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Planet voller Pythons und abertausend anderen Dschungelwesen, die in den Regenw\u00e4ldern dieser Erde zuhause und noch lange nicht alle entdeckt, ber\u00fchrt und beschrieben sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Saubl\u00f6d jedoch, dass bis in 40 Jahren 40% des Amazonas-Urwaldes abgeholzt sein werden, wenn unsereiner statt Ratten (wie die Python) weiterhin Rindfleisch aus Brasilien isst. Denn die dortigen Rinderherden werden mit Soja gef\u00fcttert, der auf Fl\u00e4chen w\u00e4chst, die vor wenigen Jahren, Monaten, Tagen noch Urwald war. Und t\u00e4glich abgeholzt wird, von Agro-Grosskonzernen wie Cargill, dem gr\u00f6ssten Agromulti dieser Welt, den niemand kennt, weil er nur Futtermittel produziert doch keine Endprodukte.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt\u2019s jedoch auch eine spezielle, weitere Art auf dieser Welt: die Greenpeacerinnen und Greenpeacer. Sie k\u00e4mpfen f\u00fcr das \u00fcberleben all dieser Wunder \u2013 und gegen die Verursacher all des lebensfeindlichen Plunders. Im Amazonas, in der Hafenstadt Santarem, blockierten Freiwillige im Fr\u00fchling 2006 die illegal erstellte Verladestation von Cargill und zwangen diesen Konzern &#8211; und andere &#8211; so zum Verzicht auf den Kauf oder Anbau von Getreiden, die aus frisch abgeholztem  Urwald stammen. Zumindest f\u00fcr 2 Jahre. Jetzt gilt es aus diesem Moratorium ein Durium zu machen.<\/p>\n<p>Damit solche Erfolge, von beherzten Menschen auf der ganzen Welt den M\u00e4chtigen abgetrotzt, nicht Eintagsfliegen bleiben:<\/p>\n<p>Ern\u00e4hren Sie sich mit Lebensmitteln, die regional, saisonal und wenn immer m\u00f6glich biologisch angebaut sind. <\/p>\n<p>So einfach. Mehr braucht&#8217;s nicht an Ern\u00e4hrungsphilosophie.<\/p>\n<p>Also fort mit Sushi und her mit Schweizer S\u00fcsswasserfischen. Und hin in die Basler Ausstellung &#171;Tiefsee&#187;. Verzicht will ja belohnt sein.<br \/>\nWeg mit Rindsfilet aus S\u00fcdamerika &#8211; und her mit einem  Bio-Rindspl\u00e4tzli aus dem Schweizer Berggebiet. Denn Fleischkonsum ist eigentlich nur dort OK, wo das Tier zuvor Gras und Heu verzehrte und nicht irgendein Kraftfutter, aus Getreide, welches besser direkt in unserem Magen landet, statt \u00fcber einen Rindermagen  kehrt zu machen.<\/p>\n<p>Vorbild k\u00f6nnte Bettina Dieterle sein. Die Schauspielerin hat sich f\u00fcr \u201eLeben live\u201c auf einen Monat ohne Fleisch, ohne Auto und Badewanne eingelassen. Mit soviel Courage kann\u2019s nur wundervoll und spannend werden: das Leben, auch f\u00fcr die Python, und diese Kugel da, die uns behutsam durch den Himmel tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Gute Nacht, du schwebendes Ding da draussen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war mein erstes Mal. 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