{"id":18005,"date":"2007-12-15T00:00:00","date_gmt":"2007-12-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/18005\/drama-zum-abschluss-der-klimakonferenz\/"},"modified":"2019-05-30T14:13:26","modified_gmt":"2019-05-30T12:13:26","slug":"drama-zum-abschluss-der-klimakonferenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/18005\/drama-zum-abschluss-der-klimakonferenz\/","title":{"rendered":"Drama zum Abschluss der Klimakonferenz"},"content":{"rendered":"<p><b>Eigentlich sollte die Konferenz gestern abgeschlossen werden. Und so war Freitag auch der letzte gemeinsame Tag der internationalen SolarGeneration-Delegation. Die meisten Jugendlichen aus anderen L\u00e4ndern sind daher heute morgen abgereist. Doch die Konferenz geht heute Samstag &#8211; \u00fcber den urspr\u00fcnglich vorgesehenen Rahmen hinaus &#8211; weiter. Die USA, zusammen mit Russland, taten ihr bestes, um den Abschluss zu verhindern und brachten am drittletzten Tag inakzeptable Textentw\u00fcrfe ein. So nahm die Spannung immer mehr zu, es gab am Freitag keine Einigung und auch nicht w\u00e4hrend den Verhandlungen in der Nacht auf Samstag. Schliesslich entschied sich die indonesische Konferenzleitung unter dem Umweltminister Witoelar, die Schlussverhandlungen im Plenum \u00f6ffentlich durchzuf\u00fchren.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Eigentlich sollte die Konferenz gestern abgeschlossen werden. Und so war Freitag auch der letzte gemeinsame Tag der internationalen SolarGeneration-Delegation. Die meisten Jugendlichen aus anderen L\u00e4ndern sind daher heute morgen abgereist. Doch die Konferenz geht heute Samstag &#8211; \u00fcber den urspr\u00fcnglich vorgesehenen Rahmen hinaus &#8211; weiter. Die USA, zusammen mit Russland, taten ihr bestes, um den Abschluss zu verhindern und brachten am drittletzten Tag inakzeptable Textentw\u00fcrfe ein. So nahm die Spannung immer mehr zu, es gab am Freitag keine Einigung und auch nicht w\u00e4hrend den Verhandlungen in der Nacht auf Samstag. Schliesslich entschied sich die indonesische Konferenzleitung unter dem Umweltminister Witoelar, die Schlussverhandlungen im Plenum \u00f6ffentlich durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>So begann also um zwei Uhr die denkw\u00fcrdigste UNO-Session, die ich bisher erlebte. Es ging zuerst um die Roadmap, den Rahmen, wor\u00fcber bis 2009 verhandelt und verbindliche Ergebnisse erzielt werden sollte.\u00a0 Der Saal ist voll, hunderte von NGO-Repr\u00e4sentanten stehen oder sitzen in den Korridoren. Dem Konferenzleiter Witoelar und dem Generalsekret\u00e4r der Rahmenkonvention UNFCCC, de Boer, ist die M\u00fcdigkeit und Ersch\u00f6pfung mehrerer durchwachter Naechte anzusehen. Der chinesische Vertreter bem\u00e4ngelt die chaotische Leitung, de Boer ringt um Fassung, bricht in Tr\u00e4nen aus, verl\u00e4sst den Saal. Die Nerven liegen blank. Der Reihe nach ergreifen Pakistan, Indien, Bangladesh das Wort und billigen die Roadmap in der aktuellen Form. Es wird applaudiert. Portugal, im Namen der EU, unterst\u00fctzt die Roadmap ebenfalls. Japan windet sich, sagt aber ebenfalls zu.<\/p>\n<p>Dann ergreift die amerikanische Verhandlungsf\u00fchrerin Dobriansky das Wort. Sie teilt relativ sec mit, dass die USA den vorliegenden Text nicht akzeptieren kann. Sie erntet Buhrufe im ganzen Saal. S\u00fcdafrika spricht sich f\u00fcr die Roadmap aus und fordert die USA auf, ihre Position hier zu \u00fcberdenken, weil sie verantwortungslos ist und von der ganzen Welt nicht verstanden wird. Papua Neu-Guinea braucht sehr undiplomatische Worte: \u201cDie Welt braucht Leadership, um diese Krise zu bew\u00e4ltigen. Die Welt hat die USA immer wieder um ihr Leadership gebeten. Aber offensichtlich ist dieses Land nicht gewillt, dies zu tun. Deshalb sage ich den USA, wenn Ihr schon nicht f\u00fchren wollt, dann macht den Weg frei, dass es andere tun k\u00f6nnen!\u201d<\/p>\n<p>Papuas und S\u00fcdafrikas Statement werden frenetisch gefeiert. Alle stehen wir auf, klatschen und rufen \u2013 es erinnert mich an einen Fussballmatch, in dem die eigene Mannschaft angefeuert wird. Nach weiteren Statements, die sich f\u00fcr die Roadmap aussprechen und gleichzeitig die USA auffordern, ihr Nein zu \u00fcberdenken, scheint Dobriansky weichgeklopft. Sie teilt mit, dass die USA sich nie in den Weg stellen wollten und sie immer schon daf\u00fcr waren, harte, verbindliche Ziele zu setzen. Das wird als Aufgabe der Opposition und indirekt als Zusage gesehen, die Roadmap zu unterst\u00fctzen. Dobriansky erntet frenetischen Applaus, die Leute stehen auf und es wird 5 Minuten lang geklatscht.<\/p>\n<p>Selbst wenn also die Worte von Dobriansky nicht als Zusage h\u00e4tten verstanden werden sollen, so werden sie als solche wahrgenommen. Die folgenden Statements von Pakistan und anderen L\u00e4ndern sind Gratulationen an die USA f\u00fcr ihre Einsicht und Kooperation. So, also mit Hilfe einer anfeuernden Zuschauerschaft der NGOs und mit Hilfe mutiger und herausfordernder Statements einiger besonders hart betroffenen L\u00e4nder, gelingt es, die USA in den Prozess einzubinden. Das Kalk\u00fcl der Konferenzleitung, die USA \u00f6ffentlich zu bearbeiten, hat seine Fr\u00fcchte getragen. Das Psychodrama endet mit einem Happyend.<\/p>\n<p>Klar, dass damit die Sache noch lange nicht geregelt ist, aber mindestens sind alle mit dabei.\u00a0 F\u00fcr mich ist es sehr beeindruckend, hier zu sehen, wie die ganze Welt endlich zusammensteht und entscheidende Schritte f\u00fcr die Zukunft unseres Planeten Erde unternehmen will. Dieses Feeling ist f\u00fcr mich neu, jenes einer Global Community. Wahrscheinlich haben wir auf dieser immer kleineren Welt keine andere Wahl. Wir m\u00fcssen unsere Differenzen im Dialog beilegen und gemeinsam handeln, wenn diese Welt auch noch f\u00fcr unsere Kinder und Enkel lebenswert sein soll.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte die Konferenz gestern abgeschlossen werden. Und so war Freitag auch der letzte gemeinsame Tag der internationalen SolarGeneration-Delegation. 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