{"id":18072,"date":"2007-11-29T00:00:00","date_gmt":"2007-11-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/18072\/ueber-das-falsche-versprechen-mit-palmoel-zu-wohlstand-zu-kommen\/"},"modified":"2022-03-31T13:24:28","modified_gmt":"2022-03-31T11:24:28","slug":"ueber-das-falsche-versprechen-mit-palmoel-zu-wohlstand-zu-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/18072\/ueber-das-falsche-versprechen-mit-palmoel-zu-wohlstand-zu-kommen\/","title":{"rendered":"\u00dcber das falsche Versprechen, mit Palm\u00f6l zu Wohlstand zu kommen."},"content":{"rendered":"<p><b>Heute ging ich mit dem Filmteam per Schlauchboot nach Kuala Cenaku. Dort filmten wir den Markt und f\u00fchrten diverse Interviews mit Marktfahrern und Fischverk\u00e4uferinnen durch. Anschliessend durften wir endlich eine kleine Palm\u00f6lpflanzung besuchen. Wir standen unter Palmbl\u00e4ttern und unterhielten uns mit dem Besitzer, Pak Ubai, \u00fcber seine Palm\u00f6lplantage. Was mich da am meisten erschreckte, ist, dass er aus finanziellen Gr\u00fcnden sein Reisfeld aufgab und nur noch \u00d6lpalmen anpflanzt. Er lobte den hohen Erl\u00f6s aus der Pflanzung, beklagte gleichzeitig aber auch, dass er zuwenig verdient, um Kunstd\u00fcnger und Pestizide kaufen zu k\u00f6nnen. Es scheint so, als wollten die \u201eKleinen\u201c die \u201eGrossen\u201c nachahmen, nur dass diese Rechnung eben nicht aufgeht.<\/b><\/p>\n<div class=\"post-content\">\n<div>\n<p>Heute ging ich mit dem Filmteam per Schlauchboot nach Kuala Cenaku. Dort filmten wir den Markt und f\u00fchrten diverse Interviews mit Marktfahrern und Fischverk\u00e4uferinnen durch. Anschliessend durften wir endlich eine kleine Palm\u00f6lpflanzung besuchen. Wir standen unter Palmbl\u00e4ttern und unterhielten uns mit dem Besitzer, Pak Ubai, \u00fcber seine Palm\u00f6lplantage. Was mich da am meisten erschreckte, ist, dass er aus finanziellen Gr\u00fcnden sein Reisfeld aufgab und nur noch \u00d6lpalmen anpflanzt. Er lobte den hohen Erl\u00f6s aus der Pflanzung, beklagte gleichzeitig aber auch, dass er zuwenig verdient, um Kunstd\u00fcnger und Pestizide kaufen zu k\u00f6nnen. Es scheint so, als wollten die \u201eKleinen\u201c die \u201eGrossen\u201c nachahmen, nur dass diese Rechnung eben nicht aufgeht.<\/p>\n<p>Der Dorfchef, Pak Mursyid, sagte mir sp\u00e4ter, dass die Kleinbauern gar nicht auf Kunstd\u00fcnger angewiesen seien, da der Boden der ehemaligen Reisfelder viel fruchtbarer sei als der Torfboden im Wald. Kuala Cenaku war einst ein Zentrum des Reisanbaus der Provinz Riau. Innerhalb von nur 5 Jahren haben nun die meisten Bauern den Reis gegen Palm\u00f6l eingetauscht. Also ein Grundnahrungsmittel gegen eine sogenannte \u201eCash Crop\u201c, ein Produkt, welches zwar Geld einbringt, daf\u00fcr aber den Launen des (Welt-)Marktpreises ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Was wir in Kuala Cenaku beobachten, ist ein weltweit verbreitetes Ph\u00e4nomen. Da wird eine Cash Crop gef\u00f6rdert und den Kleinbauern werden falsche Versprechungen gemacht. Anf\u00e4nglich gute Konditionen machen den Einstieg attraktiv, doch dann, wenn alle bereits nachziehen, verschiebt sich die Marktmacht wieder weg vom Produzenten zu den K\u00e4ufern und Distributoren. Dann sinkt der Preis und die Kleinbauern k\u00f6nnen im Preiswettbewerb nicht mehr mithalten und m\u00fcssen zu Tiefstpreisen verkaufen. An wen d\u00fcrft ihr dreimal raten: An Grossproduzenten, welche die M\u00f6glichkeit haben, zu rationalisieren. F\u00fcr mich ist das eine vors\u00e4tzlich armutsf\u00f6rdernde Politik, weil sie schliesslich Massen von Kleinbauern ihrer Existenzgrundlage beraubt. Noch ist der Anbau dieser Cash Crop finanziell attraktiv und es ist wahnsinnig schwierig, den Leuten verst\u00e4ndlich zu machen, dass dies nicht immer so sein wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Flussanwohner in dieser Sumpfregion hat der Palm\u00f6lboom jetzt schon dramatische Folgen: Die Wasserqualit\u00e4t wird durch den Eintrag an Pestiziden massiv ver\u00e4ndert und der Wasserhaushalt wird durch die Entw\u00e4sserung von Torfurw\u00e4ldern durcheinander gebracht, weil das Wasser der Kan\u00e4le \u00fcbers\u00e4uert ist.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren nehmen die Fischer einen R\u00fcckgang ihres Fanges wahr. Viele k\u00f6nnen nicht mehr vom Fischfang leben und m\u00fcssen sich als Lohn- oder Kontraktarbeiter bei den grossen Firmen verdingen.<\/p>\n<p>Damit die Menschen vor Ort etwas an ihrem Schicksal \u00e4ndern k\u00f6nnen, m\u00fcssten sie zuerst einmal die Zusammenh\u00e4nge verstehen. Das ist eine Bildungs- und Informationsaufgabe, die unbedingt wahrgenommen werden sollte. Ich meine, wir<br \/>\nsollten clevere Pers\u00f6nlichkeiten wie Pak Mursyid bei ihrer Arbeit unterst\u00fctzen, damit sie mit der Bev\u00f6lkerung zusammen nachhaltige Alternativen zum Palm\u00f6l und zum industriellen Produktionsmuster entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit dem Schweizer Filmteam besuchte ich noch die D\u00e4mme, die Greenpeace vor zwei Wochen baute, um die Entw\u00e4sserung und Trockenlegung der Torfw\u00e4lder zu stoppen.<br \/>\n(Bild von Holztransport per Floss)(Bild von mir auf dem Damm)Mein letzter Tag endete mit einem Durian-Festessen. Durian ist eine Frucht, welche die Indonesier heiss lieben \u2013 ich weiss eigentlich nicht wieso, denn sie hat wenig Geschmack und ausserdem nennen wir sie nicht umsonst \u201eStinkfrucht\u201c&#8230; Naja, man muss ja nicht immer alles verstehen, oder? (Bild vom Durian-Fest)<\/p>\n<p>Damit endet meine Zeit im Forest Defenders Camp. Ich bleibe aber weitere<br \/>\n6 Wochen in Indonesien f\u00fcr das Youth Support Center. Wer meine Abenteuer weiter<br \/>\nmitverfolgen m\u00f6chte, kann das hier weiterhin tun.<\/p>\n<p>Herzliche Gr\u00fcsse aus Indonesien, Christian<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ging ich mit dem Filmteam per Schlauchboot nach Kuala Cenaku. Dort filmten wir den Markt und f\u00fchrten diverse Interviews mit Marktfahrern und Fischverk\u00e4uferinnen durch. 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