{"id":19891,"date":"2017-02-21T00:00:00","date_gmt":"2017-02-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/19891\/dorf-iitate-no-return-to-normal\/"},"modified":"2019-05-30T15:04:18","modified_gmt":"2019-05-30T13:04:18","slug":"dorf-iitate-no-return-to-normal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/19891\/dorf-iitate-no-return-to-normal\/","title":{"rendered":"Dorf Iitate: No return to normal"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"field--subline\">Japan gef\u00e4hrdet das Leben der betroffenen\u00a0Fukushima-R\u00fcckkehrer.\u00a0Sechs Jahre lag Iitate verlassen in der Sperrzone des explodierten AKW Fukushima Daiichi. Jetzt soll es wieder besiedelt werden. Greenpeace zeigt: Der Plan ist totaler Wahnsinn.<\/h3>\n<p>Toru Anzai ist einer von ihnen &#8211; einer von den 6000 Anwohnern des kleinen Dorfs Iitate, die jetzt vor einer grausamen Wahl stehen: Kehren sie in ihre H\u00e4user zur\u00fcck und setzen sich und ihre Familien einer st\u00e4ndigen radioaktiven Strahlung aus, oder nicht? Wenn sie nicht gehen, erhalten sie keine Entsch\u00e4digungszahlungen mehr und wissen nicht, wovon sie leben sollen. Gehen sie aber, wissen sie nie, ob die Pf\u00fctze vor ihrem Haus gerade ein strahlender Hotspot ist, oder wie stark die Kieselsteine belastet sind, mit denen die Enkelkinder spielen.<\/p>\n<p>Japan hat aufger\u00e4umt. Die ganze Strahlung des Dorfes Iitate in Plastiks\u00e4cke geschaufelt, so m\u00f6chte die Regierung es der Bev\u00f6lkerung gerne wei\u00df machen. Die Regierung hat eine gesamte \u00a0Region dekontaminieren lassen, damit die Bewohner in die gesperrten Gebiete zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Sie m\u00f6chte so tun, als habe sie die nukleare Katastrophe rund um Fukushima im Griff. Damit sich die Gem\u00fcter der Bev\u00f6lkerung wieder beruhigen, damit das Misstrauen und der Widerstand gegen die Atomkraft im Land aufh\u00f6ren. Und damit der Betreiber des explodierten Atomkraftwerks, der Energiekonzern Tepco, weniger Entsch\u00e4digung zahlen muss.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-28490 size-large\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/GP0STQIVV-1-1024x683.jpg\" width=\"840\" height=\"560\" \/><\/p>\n<h3>DIE RADIOAKTIVIT\u00c4T EINER REGION IN PLASTIKS\u00c4CKEN<\/h3>\n<p>In einem irrwitzigen Mammutprojekt lie\u00df die japanische Regierung den Boden einer ganzen Region abtragen, lie\u00df D\u00e4cher und Stra\u00dfen waschen, Laub einsammeln und abgem\u00e4htes Gras verpacken. Entstanden sind so etliche Millionen Kubikmeter Atomm\u00fcll. Der liegt nun in\u00a0 Plastiks\u00e4cken verpackt \u00fcberall am Wegesrand. Nach drei Jahren beginnen die T\u00fcten zu rei\u00dfen. Und dann?<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurden zwar die H\u00e4user und H\u00f6fe so ges\u00e4ubert. Auch die Stra\u00dfen und ein 20 Meter breiter Streifen rechts und links davon. Aber der Rest? Die W\u00e4lder? Die Berge? Die H\u00fcgel, die Wiesen, die Landschaft? Die bleiben weiterhin radioaktiv verseucht &#8211; und der Wind weht den belasteten Staub in die so m\u00fchsam halbwegs strahlenfrei gemachten H\u00e4user.<\/p>\n<h3>JAPANS SUPER-GAU<\/h3>\n<p>Am <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/energiewende-japan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">11. M\u00e4rz 2011 war das AKW Fukushima Daiichi <\/a>von einem schweren Erdbeben und Tsunami getroffen worden. In der Folge kam es zu Kernschmelzen in drei Bl\u00f6cken, zu Explosionen und einer massiven Freisetzung von Radioaktivit\u00e4t. Die Region von Iitate, zwischen 28 und 47 Kilometer nordwestlich des havarierten Atomkraftwerkes, wurde stark verstrahlt.<\/p>\n<p>Greenpeace war seit dem Unfall jedes Jahr in den betroffenen Gebieten unterwegs und untersuchte die Strahlenwerte. Der <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/presse\/publikationen\/report-no-return-normal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">jetzt ver\u00f6ffentliche Report<\/a> wertet tausende von Messergebnissen aus. Im November 2016 haben Greenpeace-Aktivisten aufw\u00e4ndig sieben H\u00e4user in der wieder zu besiedelnden Zone untersucht. Sie haben Felder und Dachrinnen gemessen, in Echtzeit und mit Langzeitdosimetern. Sie haben\u00a0 Bodenproben ins Labor geschickt und die Strahlenbelastung \u00fcber die Jahre, \u00fcber eine Lebenszeit, hochgerechnet.<\/p>\n<h3>VIEL ZU BELASTET F\u00dcR EIN NORMALES LEBEN<\/h3>\n<p>Die untersuchten H\u00e4user liegen kilometerweit voneinander entfernt, doch haben sie eins gemeinsam: Der von der Regierung durch Dekontamination angestrebte Wert von 0,23 Mikrosievert pro Stunde (\u00b5Sv\/h) in einem Meter H\u00f6he \u00fcber dem Boden wird auf allen Grundst\u00fccken massiv \u00fcberschritten \u2013 in Turo Anzais Haus zum Beispiel um das 3- bis 10-Fache. \u00a0Bei vier H\u00e4usern haben die Aktivisten au\u00dferdem in Bodenn\u00e4he besonders starke Strahlenwerte gemessen. Da, wo bald vielleicht schon wieder Kinder spielen sollen.<\/p>\n<p>Toru Anzai jedenfalls hat sich entschieden \u2013 er geht nicht heim. Zu gro\u00df ist seine Angst vor der immer gegenw\u00e4rtigen Strahlung. Auch wenn er sein Haus liebt. Und sein Dorf sowieso. Auch wenn ihm schwer ums Herz ist, weil er sich an seinem neuen Wohnort nicht heimisch f\u00fchlt. Verzweifelt ist er und w\u00fctend. W\u00fctend auf die Regierung, die ihn vor solch eine absurde Wahl stellt. Die eine Normalit\u00e4t erzwingen will, die es seit dem 11. M\u00e4rz 2011 nicht mehr gibt. Eine Normalit\u00e4t, die sich mit der Explosion von Fukushima Daiichi f\u00fcr Toru Anzai und so viele andere Betroffenene in Luft aufgel\u00f6st hat. In eine radioaktiv strahlende Luft.<\/p>\n<lite-youtube style=\"background-image: url('https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/be8pQj4YOMk\/hqdefault.jpg');\" videoid=\"be8pQj4YOMk\" params=\"rel=0&#038;enablejsapi=1&#038;origin=https%3A%2F%2Fwww.greenpeace.ch&#038;cc_load_policy=1\"><\/lite-youtube>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Publikationen zum Thema:<\/p>\n<p class=\"publikation__title\"><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/sites\/www.greenpeace.de\/files\/publications\/20170215_greenpeace_report_fukushima_noreturntonormal.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Report: No return to normal<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/sites\/www.greenpeace.de\/files\/publications\/a01462_es_gp_kurzinfo_fukushima_03_16.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leben im verstrahlten Land<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Japan gef\u00e4hrdet das Leben der betroffenen\u00a0Fukushima-R\u00fcckkehrer.\u00a0Sechs Jahre lag Iitate verlassen in der Sperrzone des explodierten AKW Fukushima Daiichi. 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