{"id":19929,"date":"2017-03-07T00:00:00","date_gmt":"2017-03-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/19929\/das-grosse-leiden-der-frauen-und-kinder-von-fukushima\/"},"modified":"2019-07-09T15:35:07","modified_gmt":"2019-07-09T13:35:07","slug":"das-grosse-leiden-der-frauen-und-kinder-von-fukushima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/19929\/das-grosse-leiden-der-frauen-und-kinder-von-fukushima\/","title":{"rendered":"Das grosse Leiden der Frauen und Kinder von Fukushima"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Atomkatastrophe von Fukushima j\u00e4hrt sich zum sechsten Mal. Von den Folgen besonders stark betroffen sind Frauen und Kinder \u2013 k\u00f6rperlich, psychisch, finanziell und sozial. Nun w\u00e4chst der Widerstand der Frauen.<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Fachbegriff lautet Vulnerabilit\u00e4t \u2013 also Verwundbarkeit, so die grobe \u00dcbersetzung. Gemeint damit ist, dass es die Schwachen immer am Schlimmsten trifft in schwierigen Situationen \u2013 zum Beispiel bei einer Evakuierung nach einem Atomunfall wie dem in Fukushima. Frauen und Kinder sind solch eine verwundbare Gruppe. Alte und behinderte Menschen auch.<\/p>\n\n<p>Deswegen gibt es international spezielle Bestimmungen, solche Menschengruppen in Extremsituationen besonders zu sch\u00fctzen. F\u00fcr Evakuierungszentren heisst das zum Beispiel, vermehrt darauf zu achten, dass die traumatisierten Frauen nicht auch noch leicht missbraucht werden k\u00f6nnen. Oder dass Spielzimmer f\u00fcr Kinder eingerichtet werden, damit sie sich vom Stress der Ausnahmesituation erholen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr \u00dcbergriffe, mehr Gewalt<\/h2>\n\n<p>Genau das ist aber in Japan nicht passiert. Als dort im M\u00e4rz 2011 nach dem Erdbeben eine Tsunamiwelle \u00fcber das Land einbrach, als es in Folge davon im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu einem Super-GAU kam und grosse Landstriche radioaktiv verseucht wurden, wurden Frauen und Kinder eben nicht besonders gesch\u00fctzt \u2013 <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/1817cf40-1817cf40-2017-03-03-zweiter-fukushima-report-uimpact_fin_web2.pdf\" target=\"_blank\">das zeigt eine neue Greenpeace-Studie<\/a>. So kam es zu einem Anstieg k\u00f6rperlicher Gewalt und h\u00e4uslichen Missbrauchs w\u00e4hrend des Ausnahmezustands. Und das, obwohl Japan eine hochtechnisierte Wohlstandsnation und Unterzeichner einer Vielzahl internationaler Vertr\u00e4ge und Menschenrechtsabkommen ist.<\/p>\n\n<p>Der Greenpeace-Report fasst zusammen: Frauen und Kinder leiden besonders unter der nuklearen Katastrophe, und zwar in mehrfacher Hinsicht: k\u00f6rperlich und seelisch sowie in finanziellen und in sozialen Belangen. Die einzelnen Faktoren spielen zudem zusammen und verst\u00e4rken sich gegenseitig.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Deutlich h\u00f6heres Krebsrisiko<\/h2>\n\n<p>K\u00f6rperlich reagieren Frauen und Kinder anf\u00e4lliger auf radioaktive Strahlung als erwachsene M\u00e4nner. Bei Kindern steigt erwiesenermassen das Risiko f\u00fcr Schilddr\u00fcsenkrebs stark an; Frauen erkranken bei radioaktiver Belastung h\u00e4ufiger an allen Krebsarten ausser Leuk\u00e4mie und an Herz-Kreislauferkrankungen als gleichermassen belastete M\u00e4nner. Ausserdem gef\u00e4hrdet die Strahlung auch sp\u00e4tere Schwangerschaften: Tot- und Fehlgeburten sowie Missbildungen sind wesentlich h\u00e4ufiger bei Frauen, die einmal einer erh\u00f6hten Radioaktivit\u00e4t ausgesetzt waren; die S\u00e4uglingssterblichkeit h\u00f6her. Das f\u00fchrt dann auch noch zu sozialer Ausgrenzung: In Kulturen wie der japanischen haben es solche Frauen schwer, einen Ehemann zu finden und eine Familie zu gr\u00fcnden.<\/p>\n\n<p>Insofern ist es f\u00fcr Frauen und Kinder auch besonders schlimm, dass die japanische Regierung in der ersten Zeit nach der Katastrophe die Strahlenwerte nicht ver\u00f6ffentlichte und die radioaktive Belastung herunterspielte. Denn so wurden sie einer weit h\u00f6heren Strahlung ausgesetzt, als n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Auch die \u2013 durch Greenpeace-Messungen belegte \u2013 unverantwortliche Wiederansiedelung in den verstrahlten Regionen, welche die japanische Regierung jetzt betreibt, betrifft Frauen und Kinder besonders. Ein unbeschwertes Leben und Aufwachsen in einer Sperrzone ist unm\u00f6glich.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Armut nimmt zu<\/h2>\n\n<p>Hinzu kommt, dass Frauen in Japan finanziell ohnehin meist schlechter gestellt sind als M\u00e4nner; die Katastrophe hat diese Ungleichheit noch einmal verst\u00e4rkt. Ausgleichszahlungen nach der Evakuierung wurden ausserdem an den Haushaltsvorstand, also den Mann ausgezahlt. Geld kann helfen, mit einer schwierigen Situation wie dem Verlust der Heimat besser umzugehen; finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit ist eine Voraussetzung daf\u00fcr, eine verfahrene oder gewaltt\u00e4tige Beziehung verlassen zu k\u00f6nnen \u2013 eine Wahl, die viele betroffenen Frauen nicht haben.<\/p>\n\n<p>Auch hat die Atomkatastrophe viele Familien zerrissen. Nicht nur, weil die Beziehung dem Stress der Ausnahmesituation nicht gewachsen war. Sondern auch, weil h\u00e4ufig vor allem die Frauen belastete Gebiete wegen ihrer k\u00f6rperlichen Anf\u00e4lligkeit und zum Schutz der Kinder verlassen haben, M\u00e4nner aber in der verstrahlten Region geblieben sind, um zum Beispiel weiterhin ihrer Arbeit nachgehen zu k\u00f6nnen. Viele dieser alleinerziehenden Frauen sind heute massiv von Armut bedroht.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Widerstand der Frauen w\u00e4chst<\/h2>\n\n<p><strong> <\/strong>Doch viele betroffene Frauen nehmen ihr Schicksal nicht mehr einfach nur klaglos hin. Gerade auch im Umgang mit der Katastrophe ist zu beobachten, wie sich Frauen aus traditionellen Rollenbildern l\u00f6sen, wie sie aktiv werden und sich erheben. Der Widerstand gegen die japanische Regierung und deren Versuch, die Anwohner wieder in die verstrahlten Gebiete zur\u00fcckzubringen, wird \u00fcberwiegend von Frauen organisiert. Sie haben Online-Netzwerke gegr\u00fcndet, planen Demonstrationen und k\u00e4mpfen f\u00fcr Entsch\u00e4digungen sowie eine verbesserte Informationspolitik zu den Folgen der Katastrophe. Denn wenn sie auch besonders verwundbar sind, sind Frauen doch nicht wehrlos. Und so wird die nukleare Katastrophe von Fukushima vielleicht zu einem Motor f\u00fcr mehr Gleichberechtigung in Japan \u2013 gerade weil sie die Benachteiligung der Frauen erst einmal versch\u00e4rft hat.<\/p>\n\n<p><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/b4f87b1a-b4f87b1a-2017-03-03-deutsche-zusammenfassung-zum-zweiten-fukushima-report.pdf\" target=\"_blank\">Zur deutschen\u00a0Zusammenfassung der Greenpeace-Studie<\/a><br><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/1817cf40-1817cf40-2017-03-03-zweiter-fukushima-report-uimpact_fin_web2.pdf\" target=\"_blank\">Zur Originalstudie<\/a> (engl.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Atomkatastrophe von Fukushima j\u00e4hrt sich zum sechsten Mal. Von den Folgen besonders stark betroffen sind Frauen und Kinder \u2013 k\u00f6rperlich, psychisch, finanziell und sozial. 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