{"id":20024,"date":"2016-04-10T00:00:00","date_gmt":"2016-04-09T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20024\/was-geschieht-bei-einem-gau-schreckens-szenario-mit-zu-vielen-offenen-fragen\/"},"modified":"2019-07-04T17:47:27","modified_gmt":"2019-07-04T15:47:27","slug":"was-geschieht-bei-einem-gau-schreckens-szenario-mit-zu-vielen-offenen-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20024\/was-geschieht-bei-einem-gau-schreckens-szenario-mit-zu-vielen-offenen-fragen\/","title":{"rendered":"Was geschieht bei einem GAU \u2013 Schreckens-Szenario mit zu vielen offenen Fragen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Atomunfall in Beznau w\u00fcrde die ganze Schweiz betreffen.<\/strong><\/p>\n\n<p>Es geh\u00f6rt zu jenen Ereignissen, die man sich lieber nicht vorstellen m\u00f6chte: Eine Kernschmelze in Beznau, dem \u00e4ltesten AKW der Welt. Was bei einem Super-GAU genau geschehen w\u00fcrde, weiss niemand. Doch die Erfahrungen von Tschernobyl und Fukushima geben grossen Anlass zur Sorge. Und weil die Schweiz so dicht besiedelt ist, w\u00e4ren die Folgen hierzulande gar noch schlimmer. Die wichtigsten Fragen und Antworten.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kann es zu einem Super-GAU in Beznau kommen?<\/h2>\n\n<p> Bei einem Super-GAU tritt Radioaktivit\u00e4t unkontrolliert aus \u2013 so geschehen in Tschernobyl vor 30 und in Fukushima vor 5 Jahren. In Beznau ist eine m\u00f6gliche Ursache daf\u00fcr das Versagen des Druckbeh\u00e4lters: Bei einer Schnellabschaltung muss der Reaktor notgek\u00fchlt werden, indem kaltes Wasser in den heissen Reaktordruckbeh\u00e4lter geleitet wird. <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/byebyebeznau.ch\/beznau-1-uralt-herzkrank-und-reif-fuer-die-pension\/\" target=\"_blank\">Dieser Druckbeh\u00e4lter ist aufgrund seines hohen Alters spr\u00f6de geworden und weist ausserdem Schwachstellen in der Stahlwand auf.<\/a> Wegen dem Temperaturschock bei einer Notk\u00fchlung k\u00f6nnte der geschw\u00e4chte Beh\u00e4lter kaputt gehen \u2013 die Kernschmelze und damit der Austritt einer riesigen Menge Radioaktivit\u00e4t w\u00e4ren unvermeidlich.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wen w\u00fcrde die radioaktive Wolke treffen?<\/h2>\n\n<p> Das h\u00e4ngt stark von der Windrichtung beim Unfall ab. Tatsache ist aber: Das AKW Beznau liegt mitten in einem dicht besiedelten Gebiet. Z\u00fcrich, die bev\u00f6lkerungsreichste Stadt der Schweiz, ist beispielsweise nur 30 Kilometer vom AKW entfernt. Im Umkreis von 30 Kilometern um Beznau leben insgesamt \u00fcber eine Million Menschen. Bei einem schweren Atom-Unfall k\u00f6nnte ein Gebiet dieser Gr\u00f6sse zur Sperrzone erkl\u00e4rt werden. Unabh\u00e4ngig von der Windrichtung w\u00e4re deshalb ein Grossteil der Schweizer Bev\u00f6lkerung betroffen \u2013 und zus\u00e4tzlich eine erhebliche Anzahl Personen in den grenznahen Gebieten in S\u00fcddeutschland.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen auch weiter entfernte Gebiete betroffen sein?<\/h2>\n\n<p>Leider ja. Das zeigt die Atom-Katastrophe von Fukushima exemplarisch. Diese h\u00e4tte n\u00e4mlich noch viel schlimmer enden k\u00f6nnen. Ein Grossteil der Radioaktivit\u00e4t wurde aufs offene Meer hinaus getragen, teilweise \u00fcber Distanzen von hunderten Kilometern, weil der Wind nach Osten wehte. \u00dcbertragen auf die Schweiz heisst dies: Im Prinzip k\u00f6nnte das ganze Land betroffen sein \u2013 die radioaktive Wolke aus Beznau, oder Teile davon, k\u00f6nnten bis nach Genf, St. Gallen oder Chur getragen werden. Dazu kommt, dass die wichtigste Ost-West-Verkehrsverbindung fast zwangsl\u00e4ufig betroffen w\u00e4re: Die Schweiz w\u00fcrde ein halbiertes Land.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Gebiete werden evakuiert?<\/h2>\n\n<p>Das l\u00e4sst sich schwer vorhersagen, da die Windrichtung eine wichtige Rolle spielt (siehe obere Antwort). In Fukushima wurde ein Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern um das AKW evakuiert, sp\u00e4ter mussten auch die Personen in weiter entfernten Orten ihre H\u00e4user verlassen. Um den Katastrophen-Reaktor von Tschernobyl ist ein Gebiet von der Gr\u00f6sse des Kantons Bern bis heute Sperrzone.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wohin werden die Personen aus den evakuierten Gebieten gebracht?<\/h2>\n\n<p>Das weiss niemand. Unglaublich aber wahr: Die Beh\u00f6rden haben keinen Plan, wohin die Atom-Fl\u00fcchtlinge gehen sollen. Weht der Wind bei einem GAU aus westlicher Richtung \u2013 was in der Schweiz oft der Fall ist \u2013 m\u00fcsste wahrscheinlich der ganze Grossraum Z\u00fcrich evakuiert werden: \u00dcber eine Million Menschen. Ein logistischer Albtraum. Echten Schutz bietet deshalb nur eine Massnahme: Die definitive Abschaltung von Beznau und allen anderen Schweizer AKW.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wann k\u00f6nnen die Atom-Fl\u00fcchtlinge wieder in ihre H\u00e4user zur\u00fcck?<\/h2>\n\n<p>Die ehrliche Antwort muss heissen: Wahrscheinlich nie mehr. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima haben rund 150\u2019000 Personen aus den verseuchten Gebieten fl\u00fcchten m\u00fcssen. Die japanische Regierung m\u00f6chte sie zwar zur R\u00fcckkehr in die angeblich entseuchten Gebiete bewegen. Doch Messungen von Greenpeace zeigen regelm\u00e4ssig, dass diese Regionen noch immer zu stark verstrahlt sind \u2013 allen Dekontaminierungs-Bem\u00fchungen zum Trotz.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welchen Schutz bieten Jodtabletten?<\/h2>\n\n<p>Der Nutzen von Jodtabletten ist begrenzt. Die Tabletten reichern die Schilddr\u00fcse mit Jod an. Das verhindert, dass radioaktives Jod aufgenommen werden und Schilddr\u00fcsen-Krebs ausl\u00f6sen kann. Nur: Das funktioniert nur dann, wenn die Jodtabletten rechtzeitig eingenommen werden. Ob die Beh\u00f6rden im Ernstfall beizeiten dazu auffordern k\u00f6nnen, ist unklar. Zudem werden bei einem Atomunfall zahlreiche andere radioaktive Stoffe freigesetzt, gegen die es keine Tabletten gibt. Die ganze Landschaft w\u00fcrde f\u00fcr Jahrzehnte radioaktiv verseucht.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was kostet ein Unfall in Beznau?<\/h2>\n\n<p>Die Sch\u00e4tzungen gehen weit auseinander. Der Bund rechnet mit Kosten zwischen 88 und 8000 Milliarden Franken. Letztere Zahl entspricht dem zw\u00f6lffachen des Bruttoinlandprodukts der Schweiz. Die Schadenssumme ist \u00fcbrigens so hoch, dass niemand die AKW f\u00fcr einen Unfall versichern will. Das bedeutet: Letztendlich m\u00fcsste wohl der Bund, und damit die Steuerzahlerinnen und -zahler, die Zeche zahlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Atomunfall in Beznau w\u00fcrde die ganze Schweiz betreffen. 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