{"id":20150,"date":"2017-07-07T00:00:00","date_gmt":"2017-07-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20150\/ein-leben-ohne-plastik\/"},"modified":"2019-05-30T15:21:48","modified_gmt":"2019-05-30T13:21:48","slug":"ein-leben-ohne-plastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20150\/ein-leben-ohne-plastik\/","title":{"rendered":"Ein Leben ohne Plastik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Viele Menschen sehen die zunehmende Plastikschwemme kritisch, doch um aktiv etwas dagegen zu unternehmen sind sie zu bequem. Wir haben mit Anneliese Bunk, einer der beiden Autorinnen von \u00abBesser leben ohne Plastik\u00bb, \u00fcber den Aufwand eines kunststofffreien Alltags gesprochen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frau Bunk, wie plastikfrei leben Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Bei uns zuhause gibt es schon noch Plastik, sei es das Telefon, Lego f\u00fcr die Kinder oder Fensterrahmen. V\u00f6llig plastikfrei zu leben ist in Deutschland kaum m\u00f6glich und auch nicht mein Anspruch. Meine Familie und ich versuchen soweit wie m\u00f6glich auf Plastik zu verzichten und bewusst mit Plastik umzugehen. Vor allem kaufen wir weder in Plastik eingepackte Reinigungsmittel oder Lebensmittel.<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie sich dazu entschlossen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte ges\u00fcnder leben. Plastik enth\u00e4lt sehr viele Schadstoffe, dass es an Lebensmittel abgibt und auch in die Umwelt, was wir in der Folge dann wieder zu uns nehmen. Diesen Kreislauf m\u00f6chte ich gerne durchbrechen.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es zu ihrer Entscheidung, ihren Plastikkonsum zu reduzieren?<\/strong><\/p>\n<p>Mich hat der Film \u201ePlastic Planet\u201c sehr beeindruckt. Der ist vor sechs Jahren angelaufen und seither hat sich nichts ge\u00e4ndert. Im Gegenteil: die Kunststoffindustrie produziert jedes Jahr mehr. Ich denke, es fehlt auch Aufkl\u00e4rung. Auf jeder Zigarettenschachtel steht drauf, dass sie gesundheitssch\u00e4digend sind, aber was f\u00fcr Stoffe in Plastik drin sind, wissen die wenigsten.<\/p>\n<p><strong>Wann ging ihr plastikfreies Leben los?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben damit vor etwa zwei Jahren damit begonnen. Da habe ich das erste Mal ein Waschmittel selbst produziert. Und dann habe ich mich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck weiter vorgearbeitet. Das ist f\u00fcr mich eine Herzensangelegenheit.<\/p>\n<p><strong>Ist das f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichem Aufwand verbunden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe eigentlich gar keinen Mehraufwand. Beispiel Waschmittel: Wir haben zwei Jungs, die spielen viel drau\u00dfen, wir waschen also ziemlich viel. Fr\u00fcher hatten wir einen Bedarf von 50-60 Liter Waschmittel. Um den Jahresbedarf nach Hause zu bringen \u2013 also f\u00fcr Einkaufen, Bezahlen, nach Hause fahren \u2013 brauchten wir circa zwei bis drei Stunden. Heute kaufe ich unseren Bedarf auf einmal, das sind n\u00e4mlich zehn St\u00fcck Kernseife und bereite daraus ein Waschmittel. Daf\u00fcr ben\u00f6tige ich viel weniger Zeit und spare au\u00dferdem Geld.<\/p>\n<p><strong>Sie sparen Geld?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ich habe das durchgerechnet. Meine Familie gibt im Monat rund 150 Euro weniger aus, dadurch dass wir bewusster einkaufen und viele Dinge nicht mehr kaufen.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht denn ihr Einkauf so aus?<\/strong><\/p>\n<p>Wir kaufen ganz normal ein: im Supermarkt Milch und Joghurt im Mehrwegglas. Ich h\u00f6re dann oft: wie schaffst Du das ganze Glas zu schleppen? Aber ich kaufe ja zum Beispiel keine Reinigungsmittel oder Shampoo mehr. Da hab ich so viel Platz mehr in der Einkaufstasche, dass ich die Milch im Glas locker tragen kann. Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Haferflocken gibt es in Papiert\u00fcten. F\u00fcr loses Obst und Gem\u00fcse gehen wir eher in kleinere Gesch\u00e4fte oder in Gem\u00fcsel\u00e4den. Aber loses Gem\u00fcse kann man fast \u00fcberall bekommen. Beim Einkaufen benutze ich nat\u00fcrlich den von mir entwickelten Baumwollbeutel. Da kann man auch Lebensmittel drin lagern. Im Sommer halten Kr\u00e4uter und Salate in so einer angefeuchteten Tasche bis zu vier Tagen.<\/p>\n<p><strong>Wie fand ihre Familie denn die Umstellung?<\/strong><\/p>\n<p>Die Kinder waren total einfach zu \u00fcberzeugen. Die vermissen nichts und trauern auch nichts nach. Ich glaube mein Mann hat anfangs gehofft, das sei nur so eine Phase. Inzwischen ist er aber auch total \u00fcberzeugt davon.<\/p>\n<p><strong>Wie sind die Reaktionen aus dem Umfeld?<\/strong><\/p>\n<p>Die Leute sind in der Regel fasziniert und wollen wissen wie es geht und nachmachen. So kam es auch zu dem Buch. Die Idee dazu kam beim Crowdfunding f\u00fcr die Naturtaschen. Da hatten meine Familie und ich das schon anderthalb Jahre gelebt und deswegen wollte ich mal einige Tipps aufschreiben, wie die Leute ihren Plastikkonsum reduzieren k\u00f6nnen. Und da kam dann auch ein ganz tolles Feedback zur\u00fcck. Das Buch hatte dementsprechend auch sehr viele Vorbestellungen. Ich hoffe, dass wir damit ganz vielen Menschen praktische Tipps vermitteln k\u00f6nnen, um weniger Plastik zu konsumieren.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00e4ren denn Tipps f\u00fcr Einsteiger?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Produkte, die haben mich total fasziniert, zum Beispiel Kokos\u00f6l. Man braucht nie wieder Abschminkpads oder Feuchtt\u00fccher. Das kann man alles mit Kokos\u00f6l ersetzen. Das ist deutlich g\u00fcnstiger, schadstofffrei und funktioniert: damit bekommt man selbst wasserfeste Wimperntusche ab.<\/p>\n<p><strong>Was empfehlen Sie noch?<\/strong><\/p>\n<p>Waschsoda. Das funktioniert super als Toilettenreiniger. Dabei bindet es zudem S\u00e4uren im Abwasser. Man muss nie wieder diese ganzen Reinigungsmittel mit den vielen Gefahrensymbolen kaufen. Mein Ziel ist es, das wirklich niemand mehr Toilettenreiniger kauft. Das ist \u00fcberhaupt kein Mehraufwand, denn Waschsoda gibt es in vielen Gesch\u00e4ften fast ohne Plastikverpackung und steht einfach ein Meter weiter links oder rechts von den Produkten, die man vorher f\u00fcr teures Geld gekauft hat. Das gleich gilt f\u00fcr die Verwendung von Seife statt Duschgel. Es gibt so tolle Seifen!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-36293 alignleft\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/5d362a06-5d362a06-neueslogo-newsletter-300x150.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>Dieser Text wurde im <a href=\"https:\/\/enorm-magazin.de\/ein-leben-ohne-plastik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>enorm<\/strong><\/a> Magazin ver\u00f6ffentlicht. <strong>enorm<\/strong> ist das Magazin f\u00fcr den gesellschaftlichen Wandel. Es will Mut machen und unter dem Claim \u00abZukunft f\u00e4ngt bei Dir an\u00bb zeigen, mit welchen kleinen Ver\u00e4nderungen jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann. Dazu stellt enorm inspirierende Macher und ihre Ideen sowie Unternehmen und Projekte vor, die das Leben und Arbeiten zukunftsf\u00e4higer und nachhaltiger gestalten. Konstruktiv, intelligent und l\u00f6sungsorientiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-36294 alignleft\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/3fb9ae84-3fb9ae84-schubertbunk_plastik_1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/p>\n<p><span class=\"tx\">Anneliese Bunk (rechts) ist Designerin und lebt in M\u00fcnchen. Sie produziert\u00a0<\/span><span class=\"tx\">die\u00a0<\/span><span class=\"tx\">Naturtasche<\/span><span class=\"tx\">: einen Baumwollbeutel, der den Einkauf loser Lebensmittel<\/span><span class=\"tx\">erm\u00f6glicht, ohne dabei M\u00fcll zu produzieren. Nadine Schubert (links) ist Journalistin und\u00a0<\/span><span class=\"tx\">lebt in einem fr\u00e4nkischen Dorf. Ihre Erfahrungen und Alternativen teilt Sie in ihrem\u00a0<\/span><span class=\"tx\">Blog auf\u00a0<\/span><a href=\"http:\/\/www.besser-leben-ohne-plastik.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span class=\"tx\">besser-leben-ohne-plastik.de<\/span><\/a><span class=\"tx\">.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-36295 alignleft\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/fa70b0ff-fa70b0ff-web_titel_bunk_plastik_spiegel_bestseller_fb-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" \/>Anneliese Bunk und Nadine Schubert geben in ihrem Buch n\u00fctzliche Tipps f\u00fcr ein plastikfreies Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"box\">\n<p><strong>Serie 1<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Serie 1 handelt es sich um den Artikel, den Sie soeben gelesen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Serie 2<\/strong><\/p>\n<p>Eine sehr pers\u00f6nliche und k\u00fcnstlerische Umsetzung ist das Projekt des Fotografen Fabrice Monteiro. Bis zu seinem 18. Lebensjahr ist der leidenschaftliche Surfer in Senegal aufgewachsen. Als er 20 Jahre sp\u00e4ter zur\u00fcckkehrt, erkennt er Senegal nicht wieder. \u00abIn manchen Gegenden sind die B\u00e4ume nicht mehr gr\u00fcn. Sie sind schwarz \u2013 bis zur Unkenntlichkeit beh\u00e4ngt mit schwarzen Plastiks\u00e4cken.\u00bb Mit dem afrikanischen Designer Jah Gal beginnt er, die Plastikverschmutzung zu dokumentieren. Entstanden ist \u00abThe Prophecy\u00bb, eine Fotostory, deren Making-of man sich <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2017\/07\/14\/wenn-das-gruen-der-baeume-dem-plastik-weicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> anschauen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Serie 3<\/strong><\/p>\n<p>Welchen Reinigungseffekt hat es, sich unter der Dusche mit Plastik einzureiben? Keinen, k\u00f6nnte man meinen. Trotzdem bestehen manche Duschpeelings zu 90 Prozent aus Kunststoffen. Es wird Zeit, unser Badezimmer einer ordentlichen Reinigung zu unterziehen. Dazu berichten wir im Beitrag \u00abMikroplastik in Produkten, Kleidern und Kosmetik\u00bb und liefern eine umfangreiche Kosmetik-Produkteliste, in der Sie Ihre eigenen Produkte \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Serie 4<\/strong><\/p>\n<p>Weniger k\u00fcnstlerisch, aber mindestens so bildgewaltig kommt der Film des Regisseurs Craig Leeson \u00abA Plastic Ocean\u00bb daher. Auch hier steht ein pers\u00f6nlicher Bezug zum Meer und zu seiner Verletzlichkeit am Anfang einer rund vier Jahre dauernden Dokumentation durch alle Ozeane der Erde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Serie 5<\/strong><\/p>\n<p>Max Liboiron vereint in ihren Arbeiten Grassroots, Feminismus und Wissenschaft und hat ein ausschliesslich von Frauen besetztes Institut der Meereswissenschaften aufgebaut. Hier besch\u00e4ftigen sich Wissenschaftlerinnen mit den Auswirkungen von Plastik in den Meeren. Unsere Autorin und Wissenschaftlerin Bettina Wurche hat die Selfmadefrau interviewt. Entstanden ist ein interessantes\u00a0Gespr\u00e4ch zwischen zwei spannenden Wissenschaftlerinnen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Menschen sehen die zunehmende Plastikschwemme kritisch, doch um aktiv etwas dagegen zu unternehmen sind sie zu bequem. 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