{"id":20260,"date":"2017-09-18T00:00:00","date_gmt":"2017-09-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20260\/waldschutz-greenpeace-schweiz-setzt-auf-unabhaengigkeit-gegenueber-fsc\/"},"modified":"2019-05-30T15:27:54","modified_gmt":"2019-05-30T13:27:54","slug":"waldschutz-greenpeace-schweiz-setzt-auf-unabhaengigkeit-gegenueber-fsc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20260\/waldschutz-greenpeace-schweiz-setzt-auf-unabhaengigkeit-gegenueber-fsc\/","title":{"rendered":"Waldschutz: Greenpeace Schweiz setzt auf Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber FSC"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Label des Forest Stewardship Council (FSC) soll den KonsumentInnen den Kauf nachhaltiger Holzprodukte erm\u00f6glichen. Von diesem hehren Ziel hat sich FSC aber in den letzten Jahren immer weiter entfernt. Greenpeace Schweiz hat sich entschlossen die FSC-Mitgliedschaft auf Ende 2017 zu k\u00fcndigen \u2013 dies aus der \u00dcberzeugung heraus, dass unabh\u00e4ngige Kritik mehr n\u00fctzt, um die dringend n\u00f6tigen Reformen bei FSC voranzubringen.<\/strong><\/p>\n<p>Greenpeace Schweiz beendet seine FSC-Mitgliedschaft. Das K\u00fcndigungsschreiben wurde im September 2017 eingereicht. In Zukunft wird sich das Schweizer B\u00fcro der Umweltorganisation aus einer unabh\u00e4ngigen, externen Position heraus daf\u00fcr engagieren, dass das Holzzertifizierungs-Label einh\u00e4lt, was es den Konsumenten verspricht. Greenpeace Schweiz wird von jetzt an mit der gleichen Unabh\u00e4ngigkeit und demselben kritischen Blick \u00fcber das FSC-Label berichten wie \u00fcber andere Nachhaltigkeit versprechende Kennzeichnungen wie das Palm\u00f6l-Label RSPO oder das Meerestier-Label MSC.<\/p>\n<p>Der Austritt von Greenpeace Schweiz aus FSC darf nicht als Fundamental-Kritik verstanden werden: Es gibt derzeit kein besseres Holzwirtschafts-Label als FSC, welches von Umweltverb\u00e4nden und sozialen Gruppen unterst\u00fctzt wird und das Potential h\u00e4tte, einen echten Beitrag zum Erhalt besonders sch\u00fctzenswerter W\u00e4lder und Urw\u00e4lder zu leisten.<\/p>\n<h2>Aus dem Gleichgewicht<\/h2>\n<p>Die Grundidee von FSC ist bestechend: Die Nachhaltigkeitskriterien werden ausgehandelt zwischen VertreterInnen der Industrie, von Umweltorganisationen und von sozialen Organisationen, und das in einem demokratischen System. Nur leider ist dieses System in den letzten Jahren aus dem Gleichgewicht geraten: Der Einfluss der Industrie ist immer st\u00e4rker geworden.<\/p>\n<p>Die Folge aus dieser Entwicklung: Die Kriterien werden entweder verw\u00e4ssert, oder sie werden nicht umgesetzt im Wald. Oft fehlt auch die n\u00f6tige Kontrolle \u00fcber die Einhaltung der Kriterien, und es mangelt an Transparenz.<\/p>\n<p>Exemplarisch zeigen sich die Probleme von FSC beim sogenannten FSC-Mix-Label. Ein Teil der Holzfasern in Produkten mit dem FSC-Mix-Label sind weder 100% zertifiziert noch r\u00fcckverfolgbar und stammen oft aus problematischen Quellen wie sch\u00fctzenswerten Urw\u00e4ldern. Diese Mix-L\u00f6sung wurde einst als \u00dcbergangsl\u00f6sung ins Leben gerufen, um Firmen den Einstieg ins FSC-System zu erleichtern. Mittlerweile ist aus der \u00dcbergangsl\u00f6sung ein Dauerprovisorium geworden \u2013 attraktiv f\u00fcr die Industrie, aber verheerend f\u00fcr den Waldschutz. Besonders stossend: Die beiden Label-Arten FSC 100% und FSC-Mix sind f\u00fcr die KonsumentInnen kaum zu unterscheiden \u2013 eine eigentliche Mogelpackung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-38352 size-medium alignleft\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/4eac2a0b-4eac2a0b-fsc-mix-300x300.jpg\" alt=\"FSC Mix Label\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-38353 size-medium\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/49693139-49693139-fsc-100-300x300.jpg\" alt=\"100% FSC Label\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/p>\n<h2 class=\"mceTemp\">Verbesserungen dringend n\u00f6tig<\/h2>\n<p>FSC, und insbesondere diejenigen Unternehmen, die FSC-Mitglieder sind, Einfluss haben und das Label aktiv nutzen, m\u00fcssen dringend handeln, um der Nachfrage nach \u00f6kologisch und sozial gerecht produzierten Produkten gerecht zu werden. Beispielsweise muss FSC den KonsumentInnen gegen\u00fcber eine Garantie erbringen k\u00f6nnen, nicht mehr Produkte aus sch\u00fctzenswerten Urwaldgebieten zu zertifizieren. Gerade in Hochrisikoregionen, wo Korruption, fehlende Rechtdurchsetzung und geschw\u00e4chte Zivilgesellschaften eine nachhaltige Waldbewirtschaftung stark beeintr\u00e4chtigen, ist das FSC-System besonders gef\u00e4hrdet. Die Erfahrung zeigt zudem, dass freiwillige Mechanismen wie das FSC-Zertifizierungssystem kein Ersatz sind f\u00fcr gute Gesetzesgrundlagen und eine konsequente Anwendung des Rechts.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt ist FSC nicht gleich FSC: Die Kriterien f\u00fcr eine FSC-Zertifizierung und wie diese ausgelegt und kontrolliert werden ist von Land zu Land unterschiedlich. Teilweise sind die Unterschiede enorm. Deshalb m\u00fcssten verantwortungsvolle Konsumentinnen und Konsumenten Informationen einfordern k\u00f6nnen, woher Holz- und Zellstoffprodukte stammen und ob dort das Zertifizierungssystem richtig angewendet wird. Diese Transparenz fehlt jedoch. Und gerade bei Zellstoffprodukten wie Taschent\u00fcchern oder WC-Papier ist die R\u00fcckverfolgbarkeit ein Ding der Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Bei aller Kritik: Das FSC-Zertifizierungssystem ist eine weltweit einzigartige, demokratisch funktionierende Plattform, wo offen \u00fcber Herausforderungen der Waldbewirtschaftung diskutiert wird. Dies darf nicht verloren gehen. Auch Greenpeace Schweiz wird den wichtigen Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen weiterhin aufrechterhalten \u2013 nur eben in Zukunft aus einer Position der Unabh\u00e4ngigkeit heraus, die den Grundwerten der Organisation entspricht.<\/p>\n<h2>Wiederverwenden statt wegwerfen<\/h2>\n<p>Was sollen wir als Konsumentinnen und Konsumenten jetzt tun? Am umweltfreundlichsten sind letztlich stets diejenigen Produkte, die nicht nach einmaligem Gebrauch im Papierkorb landen. Wer statt zum Haushaltpapier zum Putzlappen greift, den Kaffee aus dem Mehrweg- statt dem Pappbecher trinkt oder seine Eink\u00e4ufe in einem verpackungsfreien Laden t\u00e4tigt, leistet einen effektiven Beitrag zum Waldschutz. Und wenn schon Wegwerfprodukte, dann sollten sie zu 100% aus Recycling-Papier bestehen \u2013 kein Problem beispielsweise bei Taschent\u00fcchern oder Toilettenpapier.<\/p>\n<p>Bei M\u00f6beln, Brettern etc. bleibt das FSC-Label derzeit die einzige vern\u00fcnftige Wahl \u2013 und es lohnt sich, genau hinzuschauen ob es sich nicht um das Mogelpackungs-Label FSC-Mix handelt, sondern um das verl\u00e4sslichere FSC-100%-Label. Wichtig ist aber auch die Herkunft des Holzes \u2013 am besten w\u00e4hlt man einheimisches Holz. Und wenn es doch ausl\u00e4ndisches Holz sein soll, besteht die M\u00f6glichkeit abzukl\u00e4ren, ob FSC in den entsprechenden L\u00e4ndern vertrauensw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Label des Forest Stewardship Council (FSC) soll den KonsumentInnen den Kauf nachhaltiger Holzprodukte erm\u00f6glichen. 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