{"id":20387,"date":"2017-10-31T00:00:00","date_gmt":"2017-10-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20387\/sie-fliegen-nicht-mehr\/"},"modified":"2019-05-30T15:34:33","modified_gmt":"2019-05-30T13:34:33","slug":"sie-fliegen-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20387\/sie-fliegen-nicht-mehr\/","title":{"rendered":"Sie fliegen nicht mehr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sage und schreibe Dreiviertel aller fliegenden Insekten sind in den letzten gut zwei Jahrzehnten verschwunden. Das ist das schockierende Resultat einer trinationalen Felduntersuchung in Deutschland.<\/strong><\/p>\n<p>Viele Jahre warnen wir davor, dass die industrielle Landwirtschaft die Artenvielfalt dramatisch reduziert. Pestizide und Monokulturen vertreiben bzw. vernichten V\u00f6gel, Amphibien und \u2013 nicht nur <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2013\/05\/30\/das-bienensterben-geht-weiter-aufwuehlende-film-portraets-von-imkerinnen-und-imkern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bienen<\/a> \u2013 Insekten. Letztere sind das Fundament eines gesunden \u00d6kosystems und die Grundlage einer vielf\u00e4ltigen Lebensmittelproduktion. Insekten sind nicht nur n\u00fctzlich: Die Foto-Reportage des indonesischen Fotografen Yudi Saw auf <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/storytelling\/2017\/insekten\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blick online<\/a> ver\u00e4ndert unsere Sichtweise auf diese wundersch\u00f6nen, farbenpr\u00e4chtigen Kleinsttiere.<\/p>\n<p><strong>Massives Insektensterben festgestellt<\/strong><\/p>\n<p>Nun l\u00e4sst eine Studie, die erste dieser Art, aufhorchen: Holl\u00e4ndische, deutsche und britische Wissenschaftler haben 27 Jahre lang in 63 deutschen Naturschutzgebieten fliegende Insekten in speziellen Fallen gefangen und gewogen. In der Fachzeitschrift <a href=\"http:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0185809\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abPLOS One\u00bb<\/a> konnten sie ihre Resultate jetzt ver\u00f6ffentlichen. Diese sind alarmierend: Seit 1989 ist die Masse der fliegenden Insekten um durchschnittlich 76 Prozent zur\u00fcckgegangen. \u00abMitten im Sommer, wenn viele Insekten ihren H\u00f6hepunkt erreichen, war sogar ein R\u00fcckgang von 82 Prozent in den untersuchten Gebieten zu verzeichnen\u00bb, schreiben die Autoren.<\/p>\n<p>Das ist ein lange erwarteter, eindr\u00fccklicher wissenschaftlicher Beleg daf\u00fcr, wie dramatisch, wie grossfl\u00e4chig das Insektensterben ist. Da Schwankungen bei Insekten von einem Jahr zum anderen normal sind, braucht es solche Langzeitbeobachtungen, um die Entwicklung ihrer Populationen sicher nachweisen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Schweiz kaum besser als das Ausland<\/strong><\/p>\n<p>\u00abDer sehr umfangreiche Datensatz ist sorgf\u00e4ltig ausgewertet\u00bb, sagt Lukas Pfiffner vom Forschungsinstitut f\u00fcr biologischen Landbau (Fibl) in Frick AG im <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wissen\/natur\/sie-sind-weg\/story\/25748368\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tages-Anzeiger<\/a>. \u00abEin R\u00fcckgang der Biomasse fliegender Insekten in diesen Gr\u00f6ssenordnungen war nicht zu erwarten.\u00bb Erstaunlich sei auch, dass der Effekt unabh\u00e4ngig von den Lebensraumtypen war. \u00abIn der Schweiz m\u00fcssen wir mit \u00e4hnlichen Entwicklungen rechnen.\u00bb Die hiesige Landwirtschaft verbraucht im Schnitt nicht weniger Pestizide als andere europ\u00e4ische L\u00e4nder. Man darf sich fragen: Wenn sogar in den Naturschutzgebieten die Insekten so stark abnehmen, wie wird es in den Agrargebieten erst aussehen?<\/p>\n<p><strong>Wollen wir nur noch Getreide essen?<\/strong><\/p>\n<p>Insekten wie Bienen, K\u00e4fer, Motten, Fliegen und Wespen sind die wichtigsten Pflanzenbest\u00e4uber. Sie regulieren Sch\u00e4dlinge und dienen zahlreichen Arten als Futter. Weniger Insekten bedeutet deshalb massiv weniger Lebensmittel, weniger Fische, Fr\u00f6sche, Eidechsen, V\u00f6gel und S\u00e4ugetiere. Ausgerechnet die nahrhaftesten und interessantesten Kulturpflanzen, darunter das meiste Obst und Gem\u00fcse, w\u00e4ren von einem anhaltenden Sterben der Best\u00e4ubungsinsekten besonders stark betroffen. W\u00e4ren wir in unserer Ern\u00e4hrung ausschliesslich auf Pflanzen angewiesen, die nicht von der Best\u00e4ubung durch Insekten abh\u00e4ngen, w\u00fcrden uns fast nur noch Getreideprodukte bleiben. Dies w\u00e4re zwar kein Problem f\u00fcr eine ausreichende Versorgung mit Kalorien, aber wir w\u00fcrden Probleme bekommen, gen\u00fcgend Vitamine, Mineralien und Spurenelemente zu uns zu nehmen. Mangelern\u00e4hrung w\u00e4re die Folge.<\/p>\n<div id=\"attachment_40097\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-40097\" class=\"wp-image-40097 size-large\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/GP04QBF_Medium_res_with_credit_line-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"560\" \/><p id=\"caption-attachment-40097\" class=\"wp-caption-text\">Die meisten nat\u00fcrlichen Lebensmittel entstehen nur durch Insekten-Best\u00e4ubung.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Andere, bessere Rezepte gefragt<\/strong><\/p>\n<p>Das Insektensterben ist wohl ein mannigfaltiges Geschehen. Die Wissenschaftler sind aber \u00fcberzeugt, dass Monokulturen und Pestizide dabei eine gewichtige Rolle spielen. Das verwundert nicht. Beide Rezepturen stammen aus der gleichen K\u00fcche: von Agrochemiekonzernen wie <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2013\/04\/23\/bienensterben-wie-lange-ignoriert-syngenta-die-wissenschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Syngenta<\/a>, Monsanto und Bayer, die diese Zusammenh\u00e4nge st\u00e4ndig leugnen, unabh\u00e4ngige Forschung diffamieren und mit gekauften Studien kontern. Die industrielle Landwirtschaft ist eine Artenvernichtungslandwirtschaft. Das muss sich \u00e4ndern, zumal die guten und gesunden Rezepte l\u00e4ngst auf dem Tisch liegen: <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/themen\/landwirtschaft\/\">biologische Landwirtschaft<\/a>, wie sie der <a href=\"http:\/\/www.weltagrarbericht.de\/index.php?id=2138\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltagrarrat<\/a> als L\u00f6sung vorschl\u00e4gt, oder Verfahren wie <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2014\/10\/28\/smart-breeding-revolution-in-der-pflanzenzucht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Smart Breeding<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2015\/10\/13\/pestizide-bewilligungspraxis-ist-zu-lasch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Beh\u00f6rden<\/a> m\u00fcssen die Bev\u00f6lkerung und die Tierwelt vor den Agrochemiebomben sch\u00fctzen. Aber auch die Landwirtinnen und Landwirte sind gefragt, ihre B\u00f6den nach biologischen Kriterien zu bewirtschaften und so zu mehr Vielfalt beizutragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sage und schreibe Dreiviertel aller fliegenden Insekten sind in den letzten gut zwei Jahrzehnten verschwunden. Das ist das schockierende Resultat einer trinationalen Felduntersuchung in Deutschland. 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